Wolffsohn bellt mutig zu Grass hinter seinen Schutzzäunen hervor

Ich befürchte mein Anwalt wird heute Nachmittag einen Herzinfarkt bekommen, obwohl er noch gar nicht in dem Alter dafür ist. Ich bin nämlich bereits für einen meiner Artikel zu Herrn Wolffsohn verurteilt worden, weil ich ähnlich wie Grass nicht begriffen hatte, dass es ein generelles Verbot der Kritik an Israel oder deutschen Mitbürgern jüdischen Glaubens gibt, selbst wenn diese klar gegen Völkerrecht und Menschenrecht verstoßen und sogar die Verfassung brechen wollen. Mittlerweile habe ich das begriffen und bin mir darüber im klaren, dass ich auch diesmal einen Richter finden werde der mich verurteilt.

Damals ging es darum, das Wolffsohn der an der Bundeswehruniversität in München neuere Gechichte lehrt und sich selbst als deutsche Staatsbürger bezeichnet, am 5. Mai 2004 in der n-tv-Talksendung „Maischberger“ erklärte: „Als eines der Mittel gegen Terroristen halte ich Folter oder die Androhung von Folter für legitim„. Als Frau Maischberger sichtlich irritiert nachfasste, setzte er noch den Satz „Wenn wir da mit Gentleman-Methoden versuchen, den Terror zu kontern, werden wir scheitern“ hinzu.

Mit dieser Aussage hatte sich Wolffsohn nicht nur gegen das Menschenrecht und die deutsche Verfassung gestellt, sondern auch klar gemacht, dass er als Historiker nicht zu gebrauchen ist, weil jeder Historiker weiß, dass Folter nicht Wahrheit zu Tage bringt, sondern das was die Folterer hören wollen. Wie üblich werteten er und andere den aufkommenden Proteststurm als antisemitisch. Nur seltsam, das andere die sich ebenfalls für Folter aussprachen und sie im Fall einer Kindesentführung auch androhten, genauso kritisiert wurden, aber da es sich bei denen nicht um Juden handelte, war die Kritik wohl in Ordnung. Selbstverständlich beruhigten sich die Gemüter wieder und auch ich hatte die Geschichte schon fast vergessen.

Aber am 6.03.2007 kam ein neuer Schlag von Wolffsohn, als er im Zusammenhang mit einer möglichen Begnadigung von Christian Klar, dem Menschen an sich jedes Recht zur Gnade abssprach und die Gewährung von Gnade sogar als typisch für Dikaturen bezeichnete

Gnade übt im abendländischen Verständnis allein Gott aus. Gnade durch Menschen und für Menschen ist daher ein Widerspruch in sich selbst, eine kultur- und religionshistorisch geradezu ketzerische Anmaßung.

Das war der Moment wo bei mir die Wut hochkochte. Wenn jemand für Folter und gegen jede menschliche Gnade ist, dann ist er automatisch auch für gnadenlose Folter, was mich damals zu dem verbotenen Satz veranlasste, dass es für mich keinen Unterschied zwischen einem gnadenlos folternden Michael Wolffsohn und einem gnadenlos folternden Gestapomann gibt. Natürlich überhöht dieser Satz die Dinge sehr stark und ich habe Verständnis für den Richter der ihn ohne den Kontext zu beachten, als Urteilsgrund nahm. Heute könnte ich inhaltlich das gleiche auch mit weniger gefährlichen Worten ausdrücken und jedermann würde verstehen was ich meine.

Nun hat sich Wolffsohn zu Grass geäußert und sagt eindeutig, das Grass rechtsextreme Ideen verbreite:

Verbreitet Günter Grass rechtsextreme Ideen? Eindeutig, sagt Michael Wolffsohn. Mit dem Gedicht „Was gesagt werden muss“ stehe er klar in dieser Tradition, stellt der Historiker fest.

Natürlich hat er auch gleich den richtigen Ansatz womit er seine Aussage untermauert. Dieser Grass war nämlich als 17 Jähriger in der Waffen-SS und hat damit beim gnadenlosen Wolffsohn natürlich sein Leben und seine Ehre auf immer verwirkt. Das ist genau Wolffsohns Problem. Er billigt anderen Menschen kein Recht auf Irrtum zu und versteigt sich zu Vorwürfen, die ihn selbst genau so betreffen:

Ich kenne das Gesamtwerk von Grass – er ist sprachlich wirklich gewaltig. Und diese unbestreitbare Sprachgewalt ist bei ihm grundsätzlich von moralischer und gedanklicher Brutalität geprägt. Er erhebt sich zum Richter. Der Mann ist die Summe seiner Vorurteile.

Ich bin versucht mir diesen Satz zu eigen zu machen. Nur würde ich den Namen Grass gegen den Namen Wolffsohn austauschen. Wolffsohn erhebt sich selbst zum Richter, wie er sich über Menschenrecht und Folterverbot hinweghebt und er ist in seinem Tun noch völlig gnadenlos. Ich habe bereits im im Februar 2008 von den Schutzzäunen gesprochen hinter den Wolffsohn so mutig hervorbellt:

So wie er auch diesen Text, den ich hier kritisiere, dadurch zu adeln versucht, das er darauf hinweist, das er Historiker ist und an der Hochschule der Bundeswehr lehrt, hat er auch früher den Historiker und die Bundeswehrhochschule mißbraucht, um seiner privaten Meinung eine Grundmauer zu geben, die niemand einreißen kann. Der dreifache Zaun Bundeswehr, Historiker und Jude.

Diese Zäune sind ja sinnvoll. Es kann nicht angehen, das jemand kritisiert wird, weil er Jude, Historiker oder Bundeswehrangehöriger ist. Von einem Hochschullehrer verlange ich mehr, als von jemandem wie mir. Ich darf ein paar Fehler (wenn auch nicht zu viele) machen, die ich einem Hochschullehrer nicht verzeihen würde. Der hat schließlich gelernt, sauber zu argumentieren. Von einem Mitglied der Bundeswehr erwarte ich, das seine öffentlichen Äußerungen, solange er sie nicht als privat kennzeichnet, genau der offiziellen Linie der Bundeswehr folgen. Diese Linie wird schlussendlich durch den jeweiligen Verteidigungsminister und die Politik vorgegeben.

Was ich von einem Juden erwarte ist einfach. Der muss noch vorsichtiger und sensibler sein als ich, weil er die Folgen ungesetzlichen Handelns und der Missinterpretration von Gesetzen in seiner eigenen Familie oder Glaubensgemeinschaft jederzeit nachvollziehen kann.

Prof. Wolffsohn arbeitet anders. Er wirft alle Pfunde in die gleiche Waagschale und wundert sich dann wenn er gewogen und als zu leicht befunden wird. Es ist eben nicht die Bundeswehr die Folter will, es sind nicht die deutschen Juden die Folter wollen und es sind auch nicht die Historiker die sich für Folter aussprechen. Die alle wissen, das man unter Folter jede Antwort bekommt, nach der man fragt, nur nicht die Wahrheit. Es bleibt also nur ein Michael Wolffsohn und ein Horst Dreier die Folter wollen.

Das ist ihr Recht. Sie dürfen auch verlangen das der Mond aus Käse oder Fliegenscheiße ist. Wir wollen in einer Demokratie leben, in der praktisch alles gedacht und gesagt werden kann und nur der notwendigste Schutz vor diffamierenden, verletzenden und zu Hass aufrufenden Äußerungen juristisch geahndet wird. Es ist leichter sich mit unsauberem Denken und Sprechen auseinanderzusetzen und die dahinter liegenden Motive zu offenbaren, als solche Gedanken und Aussagen in den Untergrund zu drängen, wo sie nicht bekämpft werden können.

Wolffsohn nimm Grass das Recht auf eine Meinung, eine Meinung die ich übrigens mit Grass teile, zu der er aber auch berechtigt wäre wenn ich sie nicht teilte. Es ist auch nicht wichtig dass Grass recht hat und Wolffsohn wieder einmal irrt. Grass hat das Recht seine Meinung frei zu äußern und der geifernde Broder hat das Recht gegen diese Meinung zu sein. Biermann darf sagen, dass das Gedicht kein Gedicht ist obwohl er selbst schon schlechtere geschrieben hat. Selbstverständlich dürften Wolffsohn und der Zentralrat der Juden oder israelische der Botschafter in Deutschland eine andere Meinung als Grass haben und diese auch äußern. Aber nur dann wenn sie eben auch Grass und damit auch mir erlauben eine eigene Meinung zu haben.

Für mich geht die Bedrohung des Friedens im nahen und mittleren Osten im Moment im wesentlichen von der israelischen Regierung aus. Diese will unbedingt einen Erstschlag gegen den Iran führen und deutsche U-Boote würden diese Fähigkeit verstärken. Israel besitzt Atomwaffen. Der religiösen Führer des Irans, Ajatollah Said Ali Chamenei, hat erklärt, dass sein Land „den Besitz von Nuklearwaffen als schwere Sünde ansieht und glaubt, dass die Verbreitung dieser Waffen sinnlos, destruktiv und gefährlich ist“. Da Chamenei den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad über den Wächterrat und die letzten Wahlen praktisch entmachtet hat geht von dieser Seite auch keine Gefahr mehr aus.

Nun müsste man argumentieren, dass Chamenei lügt, wofür es aber keine rationalen Gründe gibt. Der einzig denkbare Feind gegen den der Iran Atombomben brauchen könnte, wäre das im Verhältnis winzige Israel. Es gibt aber wohl niemanden, der dem Iran vorwerfen wird, ein Plan zu Eroberung Israels zu haben. Natürlich muss man immer wachsam sein. Israels ständige Kriegsdrohung ist aber nicht Wachsamkeit sondern soll vor allem die Opposition in Israel zum Schweigen bringen, die immer weniger mit der Ermordung und Unterdrückung der Palästinenser einverstanden ist. Da käme ein Krieg gerade recht.

Wie völlig irre Israel reagiert ist schon alleine daran abzulesen, dass der israelische Innenminister Eli Jischai Grass ein Einreiseverbot für Israel erteilt hat. Meine Großmutter hat immer gesagt, das nur die getroffenen Hunde jaulen. Zum Glück ist Eli Jischai ein Mensch und kein Hund. Deshalb bleibt die Spur einer Hoffnung dass er nur deshalb so reagiert, weil er einfach gar keine Kritik an Israel zulässt und nicht weil Grass die Israelis gerade bei der Vorbereitung eines Atomschlages gegen den Iran erwischt hat.

Für die Deutschen die sich jetzt aus politischen Gründen über die Probleme Israels freuen sei noch vermerkt. Ohne den Holocaust würden die meisten Juden in allen Ländern dieser Welt leben und nur eine verschwindende Minderheit wäre in Israel. Es war nicht der Zionismus der das Problem geschaffen hat sondern die Nazimörder.

Wolffsohn und die anderen die in sehr übler Form über Grass hergefallen sind, haben zumindest der israelischen Sache schweren Schaden zugefügt. Den Ansichten von Grass hätte man viel gelassener begegnen können. Es sei denn, dass Grass mit seiner Analyse genau ins Schwarze getroffen hat. Denn nur wenn Grass recht hat, ist der Wirbel zu verstehen.


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33 Kommentare

  1. So ein Zufall, bei uns bietet nun die VHS Kurse der Cosa Nostra über Recht an.
    Kurse in Sicherheit und Glückspielmanangement sind geplant.
    Ist ja auch klar, man sollte es die Leute machen lassen, die einen Plan haben und wissen, worum es geht.

  2. Voll ins Schwarze getroffen!

    Gilt für Grass und gilt für Jochen Hoff. Hier wird alles gesagt, was ich komplett unterstreichen möchte.

  3. @ Jochen Hoff

    -Zum GraSS´schen „Gedicht“ Wiglaf Droste in „junge Welt“ vom 7. April 2012: „Wenn man am Berliner Maybachufer Fisch kauft, bekommt man ihn in einer Tüte ausgehändigt, auf die der Fischhöker hat drucken lassen: *»Fisch hält fit … … und bleibt ein Hit !«* Verglichen mit »Was gesagt werden muß« von Günter Grass ist das Weltliteratur.“

    -Die zitierten Reaktionen israelischer Staatsfunktionäre und des deutschprofessoralen Staatsdieners auf die GraSSpolemik haun dem Fass den Boden aus, weil nur mit wilden Beissreflexen reagiert wird.

    -Also: Politsack auf, Hauptvertreter der sich wechseitig bedingenden und einander bedienenden GraSS- und Lieberman/Wolfssohn-Fraktionen rein, Sack zu und ab in den Politorkus.

  4. @Wolffsohn

    ist das nicht der Gesinnungswächter an der Bundeswehrhochschule,der dafür sorgt, das das Offizierscorps der BW nur der US-Finanzelite loyal ist. (Eigenaussage vor einigen Jahren, sinngemäß: ich sorge dafür, daß bestimmte Einstellungen nicht angenommen werden)

    Damit ist zwar noch nicht erklärt, warum jetzt die Grass Schau mit solchen dramaturgischen Mitteln gespielt wird, aber auch sie sollten sich den wichtigen Dingen zuwenden:
    Klima- und Finanzkrisen-Lügen,
    ESM-Betrug
    die anstehende Vernichtung der Eigenheimbesitzer durch die über die EU lancierte Zwangssanierung nach „aktuellen“ Maßsstäben, womit alle Menschen in die Miete gezwungen werden oder ein gewaltiges Kreditvolumen aufnehmen müssen (Beides im Interesse der Finanzspekulanten)

    Es gibt viele Themen, die der Aufmerksamkeit wert sind – Grass und Wolffsohn sind es nicht !
    mfg zdago

  5. @ Jochen Hoff
    @ Blogger

    Zum Grass-Text:

    (1.) möchte ich auf das von Dr. Klaus Baum (_http.//klaus-baum.info_) wiederveröffentlichte Erich-Fried-Poem *Höre Israel* (1967) positiv verweisen (_http://home.arcor.de/giv/infi/intifada.html_), (2.) vor der von Herrn Grass in seinem fälschlich als „Gedicht“ bezeichneten, literarisch krottenschlechten Text „Was gesagt werden muss“ vertretenen, politisch rechts zu verortenden Position warnen, (3.) sagen, daß ich dem Literaturnobelpreisträger Grass als ausgebufftem Großmedienfutzi seine verständnisheischende Pose („Warum sage ich jetzt erst, / gealtert und mit letzter Tinte“) nicht abnehm´: Herr Grass dürfte wissen, daß er mit seiner oberflächlichen „ich schweige nicht mehr“-Kritikpose realexistierende herkömmliche judenfeindliche Stimmungen und Mentalitäten heute und hier bedient; und (4.) möchte ich abschließend darauf aufmerksam machen, daß gerade dieser Autor hier und heute selbst seine berechtigte Kritik am Atomwaffenerstschlagspotential des Staates Israel („jenes andere Land …, in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten – ein wachsend nukleares Potential verfügbar“ ist) politisch, moralisch und ästhetisch ent-wertet.

    Richard Albrecht, 9. April 2012
    _http://wissenschaftsakademie.net_

  6. Es sei denn, dass Grass mit seiner Analyse genau ins Schwarze getroffen hat. Denn nur wenn Grass recht hat, ist der Wirbel zu verstehen.

    Genau, denn es gilt doch: Viel Feind viel Ehr und auch getroffene Hunde bellen nun mal.

  7. „Diese Zäune sind ja sinnvoll.“

    Kann ja sein, aber warum werden sie nicht auf eigenem Staatsgebiet gebaut? Vielleicht sollten die Menschen mehr die Amnesty International Berichte über Isreal lesen.
    http://endlessgoodnews.blogspot.de/2012/04/auszuge-aus-dem-amnesty-international.html

    Dann könnten sie objektiv entscheiden, wie unschuldig dieses Land ist. Es ist beteiligt an allen seinen Krisen. Grass spricht dies an und wird als Antisemit tituliert. Gratulation an unsere objektive, offene Demokratie.

  8. Was sind die Deutschen nur für ein merkwürdiges Volk: zur Zeit der Nazi-Herrschaft ließen sie sich vom „Führer“ und dessen Bande mit der diabolischen Rassenlehre verführen, und heute fallen sie ins Gegenteil und lassen sich von einer Handvoll zionistischer Kriegstreiber betören, im wahrsten Sinne des Wortes zu Toren machen und zum Narren halten?! Um als geborener Deutscher diese Schande nicht länger ertragen zu müssen, bleibt mir wohl nichts anderes, als mich davon zu „distanzieren“, Deutscher zu sein. Seit meinem Übertritt zum Islam bin ich nicht mehr Deutscher, sondern Muslim. Im Islam gibt es keine Erbsünde, und jeder ist moralisch nur für das verantwortlich, was er selbst getan hat, und kann nicht die Sündenlast seiner Vorfahren auf sich nehmen. Somit kann ich auch kein Schuldbekenntnis für die von den Nazis an den Juden begangenen Verbrechen ablegen und mich mit einem daraus resultierenden Schuldkomplex ausnützen und zum Toren machen lassen. Materielle Wiedergutmachung ist längst geleistet, die meisten der an den damaligen Verbrechen Schuldigen sind verstorben, und ich selbst sehe die Verbrechen, die von den Nachkommen der damaligen Überlebenden der Judenvernichtung heute an meinen palästinensischen Glaubensgeschwistern im Namen der rassistischen, menschenverachtenden zionistischen Ideologie begangen werden.

  9. # 8 Herr Lynx, „geborener Deutscher“ sans, aber seit´m „Übertritt zum Islam“ nimmer, „sondern Muslim“ … daschauher, dös hättinit denkert

    1. DAs ist falsch. ein Deutscher ist ein Deutscher, sobald er der die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Seine Religion hat damit nichts zu tun. Die Katholiken sind doch auch keine römischen Staatsbürger obwohl sie sich einer fremden Macht unterworfen haben.

  10. Nach was gesagt werden muss: Spd will auf Wahlkämpfer Grass verzichten.
    Nun wäre es doch super klasse alle pro Grass spd’ler bei den „die Linke“ wieder zu finden.

  11. Israel darf morden und bomben wie es will.

    Nicht in meinem Namen.

    Die Linke ist für mich im Moment:Gysi und Wagenknecht

    Diese Misere begann mit der ersten a-Bombe dann Hiroshima,Nagasaki und weiter Versuche wurden gemacht. G.Grass hat lange geschwiegen ja.
    Wenn nun noch rauskommt(bewusst wird beim Volk/Völker) das die Regierungen/Lobby die Schuld tragen,mit der konsequenz dieses Pack in den Knast zu stecken,sehe ich Licht.
    Ganz ohne Atomstrom.

  12. ……die meisten Deutschen haben es schon lange satt für die Untaten eines Teils iherer Väter und Grossväter permanent in Sack und Asche zu gehen……

    1. Rainer das verlangen ja auch nur die die damals an den Untaten ihren Nutzen hatten. Es geht nicht darum in Sack und Asche zu gehen, sondern sich seiner Vergangenheit bewusst zu sein. Sack und Asche verschrieben uns Springer, Mohn und die Quandts die alle gute Gründe hatten andere nach vorne zum büßen vorzuschieben.

  13. @ Blogger

    An der Grass-Debatte beteiligten sich auch zwei US-Hochschullehrer, die auch nicht erst seit vorgesternmittag über „Deutsche Zeiten“ forsch(t)en: Gumbrecht und Harf.

    Harf brachte schon vor Ostern einen Doppelgesichtspunkt ein: einmal die Selbst- und Fremdtäuschung der GrassPose, er bräche ein Tabu; zum anderen die Grass-Wirksamkeit, daß sein nun weitverbreiteter Text das Geschrei des Mobs verstärke:

    “The idea, put forward by Grass, that there is a taboo in German intellectual and political life about criticizing Israel and its policies has been a favorite theme of Israel’s critics since the 1960s. But the taboo does not exist. There has been no silence in Germany, especially in such places as Der Spiegel or the Süddeutsche Zeitung, not to mention among intellectual and political forces to their left, for many decades. On the contrary, hostility to both Israel and the United States, and the view that these two countries are the major threat to world peace, became embedded in the German left-wing and left-liberal mainstream many decades ago. In this sense, Grass’s diatribe is part of a long established conventional wisdom. It takes neither courage nor intelligence to run with the mob. Grass’s poem seeks to make the mob yell even louder.”
    _http://www.tnr.com/article/books-and-arts/102417/grass-poem-anti-semitic-gunter_

    Gumbrecht, der sich auch auf den Grasstext einläßt und auf die von Grass und anderen Moralnazifizierten geschaffene Latenz [deutsch etwa: unter der Decke halten, nie öffentlich aussprechen] „unauslöschbarer Schuld“ hinweist, plädierte am Ostersonntag fürs Debattenende:

    „Was mich vor allem irritiert, ist die zur Gewissheit werdende Intuition, dass das „Schweigen“, das Grass mit retrospektivem Selbstmitleid schon im Titel seines Textes bricht, jenes Schweigen ist, das sich Nationalsozialisten und vor allem Mitglieder der SS nach dem 8. Mai 1945 auferlegt hatten. Sie taten es nicht ohne Druck seitens des neuen Staats und der alliierten Besatzungsmächte, aber vor allem, um sich Karrieren, Einkünfte und Prestige zu sichern. Die nationale Vergangenheit und ihre unauslöschbare Schuld sollten latent werden, Teil dessen, was sie „hinter sich lassen“ wollten – und was für die nach ihnen in Deutschland Geborenen als Unausgesprochenes umso mehr präsent blieb. Ein im konkreten Sinn Mitschuldiger wie Grass wurde Sozialdemokrat, stellte jeden, den er der Sympathie für die andere große Volkspartei der Bundesrepublik verdächtigte, in das dunkle Licht des Neofaschismus […] Es gibt konkrete Anlässe und Gründe zu behaupten, dass mit dem Brechen des Schweigens von Grass und anderen Deutschen im neunten Lebensjahrzehnt (Martin Walser) […] eine für den Nazismus typische Mentalität zum Vorschein kommt, die sie geschickt in Latenz gehalten hatten. Ein deutliches Symptom in dieser Hinsicht ist das Wort „Erstschlag“, das in der fünften Zeile des Texts auftaucht. Abgesehen davon, dass es ja möglicherweise Bedingungen geben könnte, unter denen „Erstschläge“ eine Berechtigung hätten, gehörte ihre Assoziation mit den Gegnern zum kontinuierlich ausgespielten Repertoire der nationalsozialistischen Kriegsrhetorik. Wenn immer das deutsche Militär seit 1939 andere europäische Nationen überfiel, waren diese Invasionen als Antworten auf „Erstschläge“ inszeniert.“
    _http://www.welt.de/print/wams/article106163272/Was-im-Schweigen-lauert.html_

  14. Es werden so viele Nebelkerzen abgefeuert, die von einer richtigen und berechtigten Kritik am Staat Israel resp. an seiner/n Regierung/em ablenken: es wird gefragt, ob Grass‘ Gedicht wirklich ein Gedicht ist; es wird auf Grass‘ Vergangenheit rekurriert; es wird von „judenfeindlicher Stimmung“ geschrieben (ohne diese genau zu verorten). Eine Kritik ist jedoch entweder in der Sache richtig und berechtigt oder sie es nicht – und nur darüber lässt sich sinnvoll diskutieren.
    Israel in diesem Konflikt (mit dem Iran) zu kritisieren, bedeutet auch nicht, damit notwendig Ahmadinedschad das Wort reden zu müssen. Der anhängige Konflikt hat, dies wird in der breitenmedialen Diskussion ebenfalls ausgeblendet, auf beiden Seiten stark theokratisch geprägte Bewegungsgründe. Wo sind die geschichtsbeflissenen und in Sachen Religionskriege bewanderte Europäer, wenn man sie braucht?

  15. Herr Hoff, ich gratuliere Ihnen zu diesem super Artikel und kann Ihnen in allem nur zustimmen. Günter Grass sollten wir für seinen Mut ewig dankbar sein – er hat in jedem Ort ein Denkmal verdient! Grass gebührt ein Gebirge voller Dank für sein veröffentlichtes Gedicht!!! Solche unsäglich dummen Schreiberlinge wie Wolffson oder Schirrmacher, jüdische Lobby-Demagogen und deutsche Politbonzen haben sich jetzt als das entpuppt, was sie wirklich sind: hasserfüllte Ignoranten, Kriegstreiber und Betonköpfe vor dem Herrn.

    Selbst Trivialliteratur ist vernünftiger und menschlicher als der vor Wut schäumende Mob:
    „Nur ein verbrecherisch veranlagter Narr kann der Meinung sein, bedrohlich erscheinende Konflikte allein mit Waffengewalt lösen zu können. Gönne Deinem vermeintlichen Gegner das Wort; biete ihm deine Hand zum Gruß; lege sie vertrauensvoll in fremde Hände – und du verdienst es, Mensch genannt zu werden. Die Waffe wird dem Wort aus verhandlungsbereitem Munde niemals überlegen sein …“
    (aus: Perry Rhodan Silber 31 Pakt der Galaxien, S. 84)

  16. Rabbiner contra Rabin

    @chriwi: ´´“Diese Zäune sind ja sinnvoll.“
    Kann ja sein, aber warum werden sie nicht auf eigenem Staatsgebiet gebaut? „

    Da gibt es schon Probleme mit dem „eigenem Staatsgebiet“, so ganz „eigen“ ist das Gebiet eigentlich nicht, als vor 2,5-3 Tausend Jahren dieser geheime JHWH das Gebiet „schenkte“ gab es noch keine Grundbücher, die das „eigene Staatsgebiet“ nachweisen könnten, vorerst ist das Raubgebiet, etwas ähnliches wie USA.

    Ich habe zwar nie versanden, warum ein israelischer Bürger die deutschen Offiziere in der „Geschichte“ indoktrinieren soll, es reicht schliesslich, dass das schon bei der deutschen Regierung erreicht wurde.

    Die biblische Vorbilder, auf die sich der Erzieher der deutschen Soldaten berufen kann, unterschieden sich von den Vorbilder der Nazizeit nicht wesentlich, als Beispiel nehmen wir ein Preventivschlag aus dem Buch Ester, Satz 16[/url]. Der Prevetivschlag kann mit einem kleinerem KZ vor 70-Jahren gut mithalten. Dieser Massenmord wird bis heute heftig gefeiert und dazu sehr sehr fröhlich. Bemerkenswertes Verständnis des Verbrechens.

    Wie weit die Gerechtigkeitverständnis vom israelitischen Historiker führen kann, zeigt das Beispiel von gewissen Jigal Amir, der bei der Ermordung von Rabin sich auf mehre Fatwas von angesehenen Rabbiner berufen konnte.

    Es ist immer etwas unheimliches, wenn ein Volk sich auf die Auserwältheit beruft, die Nazis versuchten das 12 Jahren mit bekannten Ergebnissen nachzuahmen, aber im Fall des Historikers handelt sich um ein Prozess, der über 2000 Jahre dauert. Das macht mich schon nachdenklich, ob man junge deutsche Männer einem solchen Geschichtslehrer ausliefern darf. Ein paar aus Gaza erinnern uns daran, dass der Durchschnittsalter unter 18 Jahre in Gaza liegt, ein siegreicher Krieg des Israelis und der Staatengemeinschaft gegen die Kinder.

    Herr Hoff, ihre Verurteilung würde ich als ein Chuzpenurteil einstufen, aber ist es nicht bedenklich, dass die Geschichtslehre in EU vom StGB und vom Iport aus Israel bestimmt wird ?

  17. zu #14 boobsandpolitics am 04/10/12 um 11:00

    Weder ist der Hinweis auf seit Jahrzehnten auch sozialempirisch beforschte und inzwischen ganzdeutsch-realexistierende Judenfeindschaft auf der Stimmungs- und Mentalitätsebene, die der Herr Grass bedient/e, eine „Nebelkerze“ noch ist es falsch, von einem Lit-Nobel-Preisträger wie dem Herrn Grass, mit dem ich mich 2006 in einer kurzen Satire publizistisch auseinandersetzte (nun auch in diesem Blog -> _http://duckhome.de/tb/archives/9777-DER-TRAUM-VOM-LITERATURPREISTRAEGER.html_), zu erwarten, daß er den *Unterschied zwischen politischem Poem, vulgo „Gedicht“, und politischem Pamphlet* kennt und nennt: wenn „Gedicht“ draufsteht erwarte ich auch von dem Herrn Grass dieses und bitte nicht mal um Verständnis, wenn ich mich mit dem Herrn *Grass als genreliterarischem Etikettenschwindler* nicht mehr auseinandersetzen möchte … nicht nur, aber auch deshalb, weil´s (auch für mich) 1.) Wichtigeres zu tun und Bedeutenderes zu publizieren gibt als Textabsonderungen des Herrn Grass zu kommentieren, zumal 2.) Wiglaf Droste (-> _http://www.jungewelt.de/2012/04-11/017.php_) zur *Scheinliterarizität des Herrn Grass* das Nötige öffentlich ansprach. Und wenn heuer von links dem Herrn Grass applaudiert wird möchte ich mit diesem Politopportunismus nichts zu tun haben.

  18. 16 richard albrecht:
    Ich teile Ihre Auffassung. Wenn das Lyrik ist, dann wäre der Busfahrplan von Königswusterhausen Weltliteratur.

    Die Droste-Kolumnen habe ich auch gelesen. „Lesbare“ Themenbeiträge gibt es auch in der aktuellen „Jungle World“.

    Übrigens wird in der nächsten konkret-Ausgabe ein Text zu diesem Thema veröffentlicht, der -ich möchte einmal vorsichtig prognostizieren- nicht sehr Grass-freundlich sein wird. Oder direkt gesagt: Gremlitza ist für seine publizistischen Blutgrätschen bekannt.

  19. @Altautonomer

    HinweisDank, als ich gestern die drei Diskussionsbeiträge hier zusammenstellte -> _http://duckhome.de/tb/archives/10020-GRASS-IST-GRASS-UND-GRASS-BLEIBT-KRASS.html_ verwies ich auf diese beiden Lesetexte: die vor nahezu dreißig Jahren erschienene nach-lesenswerte Studie, die sich auch mit dem Judenbild in Grasstexten und ihrem „Schein von Wahrheit“ beschäftigt, von Winfried Georg Sebald: Konstruktion von Trauer. Zu Günter Grass ´Tagebuch einer Schnecke´ und Wolfgang Hildesheimers ´Tynset´; in: Der Deutschunterricht, 35 (1983) 5: 32-46 [besonders 37-40]; und das Yoram Kaniuk-Interview (*1930), der Grass 1991 beobachtete: Jungle World 15/02: 1200412.

    Besten Gruß von Richard Albrecht

  20. LOL „jungle world“ und „konkret“, die pseudo-linken Querfront-Schmierblättchen für den faschistischen Nachwuchs bzw. Rentner. Ein bisschen humanistische Tünche und dahinter knallharter Rassismus.

    Besonders niederträchtig, wie hier versucht wird dem Grass immer auf der persönlichen Schiene reinzufahren. Er wurde mit 17 kurz zum Militär eingezogen, ein echter Antisemit also ;)

    Leute, Zionismus ist eine Form des Rechtsextremismus. Ausser ein paar Nazis und euch Querfrontlern ist doch von den normalen Leuten keiner so mit „den Juden“ besessen.

    Naja, unsere unseligen Regierungen bei denen ihr „antideutschen“ so 100% schizophren auf Linie liegt, natürlich auch, aber das ja nur aus realpolitischen Gründen.

  21. Nach jahrzentelangem Schweigen verspürt Grass jetzt kurz vor der „Anschlussverwertung“ im finalen Erdmöbel das dringende Bedürfnis, zu sagen, „was gesagt werden muss“.

    Das passt ins Bild. Die Geschichte des Holocaust basiert nicht auf den Geständnissen und Aussagen der Täter, die bis zum Tod geschwiegen, geleugtet, sich der Erinnerung enthoben oder stur gestellt und so ihre Unschuld beteuert haben (aktuell Demjanjuk). Fast alles Wissen über die Geschehnisse, die unter dem Synonym Auschwitz subsumiert werden können sind den Erinnerungen und Aussagen der Opfer und nicht rechtzeitig vernichteten Dokumenten zu verdanken.

    Grass ist in meinen Augen eine gespaltene Persönlichkeit mit dem Lebensmotto: Es gibt zwei Dinge, die ich wirklich hasse, erstens Antisemitismus und zweitens, wenn Juden mit am Tisch sitzen.

  22. @Altautonomer # 20

    In heutiger taz 140412 erstveröff. Retrobericht (2007) eines exiliranischen Autors zu Grass (2002) könnte Ihre These – wenn ich richtig verstand: Grass verhält sich in der „Judenfrage“ im Grunde „spaltungsirre“ – stützen -> _http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=hi&dig=2012%2F04%2F14%2Fa0248&cHash=ead515ac0f_

    (Vom Posting darüber # 19 hab´ ich´s meiste nicht verstanden, kann´s also nicht kommentieren; und das, was ich möglicherweise verstanden hab´, möcht´ ich nicht kommentieren.)

  23. Bravo Jochen Hoff!

    Bemerkenswert finde ich auch den recht deutlichen Verlauf der Front – die Grass-Kritiker kommen mehrheitlich aus Deutschland und die, die ihm wenigstens teilweise Recht geben, aus dem Ausland, sogar aus Israel.

    Ich habe kürzlich einen Artikel (im Stern?) eines jungen Israeli gelesen, der schrieb, dass viele seiner Altersgruppe Israel verließen, weil sie es satt hätten, ständig die Angst vor einem neuen Holocaust und auch die Erinnerung an den der Nazi-Zeit, wie eine Fahne vor sich herzutragen.

    Ich meine auch, dass die aktuelle Scharfmacherei bezogen auf den Iran und Israel vor allen Dingen damit zu tun hat, dass man an der Krise Geld verdient und nicht an der Normalität. Als der Kalte Krieg vor gut 20 Jahren zu Ende ging, der Warschauer Pakt aufgelöst wurde, bestand wenigstens vorübergehen die große Gefahr, dass uns die Feinde ausgehen könnten. Mein Dank geht an alle Scharfmacher dieser Welt, dass sie erfolgreich dieser Gefahr vorgebeugt haben!

    Ein Wort noch zur Waffen-SS. Wenn man mich und sicher viele von uns, danach beurteilen wollte, was wir mit 17 alles getan und gedacht haben, stünde es schlecht um uns.

    Es gibt zwei Begriffe, mit denen man in Deutschland jeden fertig machen kann- Waffen-SS und Auschwitz. Mit der Feststellung befinde ich mich in guter Gesellschaft – mit Rudolf Augstein.

  24. 21 Richard Albrecht.

    Danke für den Link. Habs gelesen und fühle mich bestätigt bezüglich des unauthentischen Charakters von Grass.

  25. Nachtrag @all:
    Es liegt mir fern, hier Werbung für Gülle Günter zu machen, aaaaaaaaber heute abend ist Wolffsohn einer der Gäste bei Jauch in der „Talg“-Show. Thema: Grass.

    (Für diejenigen, die W. nicht kennen.)

  26. @ Hoff @ Altautonomer @Blogger

    Als weiterführende Zusammenfassung hier „nur“ dreierlei:

    I. Meine *Kritik an Grass´ letzter („Gedicht“ genannter) öffentlicher Einlassung* zielt auf die *Unglaubwürdigkeit dieses aufgeblasenen Medienpromi.* (Diese wurde von einem arabischen Exilautor in gestriger taz 140412 in einem dort erstveröffentlichten, Grass (2002) betreffenden, Retrobericht (2007) veranschaulicht: _http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=hi&dig=2012%2F04%2F14%2Fa0248&cHash=ead515ac0f_).

    II. Meine Kritik enthält auch einen politikmoralischen Gesichtspunkt. Er bezieht sich auf ganzdeutsche Sozipromis wie gestern Sarrazin, heute Grass und morgen wen auch immer: 1) kann ich mir selbst ´n Kopp machen und brauche diese Leute zur eigenen Urteilsbildung nicht; 2) entwerten diese Leute auch dort, wo sie aspekthaft politisch richtig liegen, etwa bei ´atomwaffenfreie Zone´ in der Konfliktregion, diese Aussage(n), 3) und um´s klippklar zu sagen: wer diese Leute zur politischen Urteilsbildung braucht und ihnen von lechts, rinks oder aus der ´goldenen Mitte´ applaudiert, hat´s halt nötig und ist tendenziell medienmanipulierbar; und 4) geht´s wie zuletzt bei Grass (wie ich meine: glücklicherweise) um Medienspektakelei … und breitesten Schichten nach wie vor am Arsch vorbei.

    III. Im Übrigen empfinde ich mich als selbständig denkender Bürger, um den Sozialwissenschaftler Dr. Hartmut Krauss zu zitieren, nicht nur „zunehmend als aussterbende Gattung“. Sondern auch als „aufgeklärter und mündiger Citoyen […] in dieser postdemokratisch gelenkten Mediengesellschaft zunehmend durch den Claqueur in verworrenen Talkshows ersetzt.“ _http://www.heise.de/tp/artikel/36/36618/1.html_ [und] _http://www.heise.de/tp/artikel/36/36619/1.html_

    Freundliche Grüße von Richard Albrecht/150412

    1. Ihre persönlichen Vorlieben und Voreingenommenheiten in allen Ehren, lieber Herr Albrecht. Nur bedenken Sie bitte auch, dass es in diesem, wie in jedem anderen völlig liebleeren politischen System nicht darum geht, Recht zu haben, und schon gar nicht darum: moralisch im Recht zu sein. Ich bitte Sie!
      Es geht darum Mehrheiten zu organisieren – oder auch nur: öffentlich wahrnehmbare Minderheiten. Ein Schritt dies zu erreichen besteht darin, die öffentliche Meinung zu bestimmten Zeitfragen zur veröffentlichten Meinung zu machen. Das ist nicht wenig. Und da ist es mir ganz egal, ob der Grass, der Sarrazin, der Dieter Bohlen oder der Heino den öffentlichen Plauderonkel machen. Man spricht in der Öffentlichkeitsarbeit von sog. „Multiplikatoren“.
      Ein solcher ist eben (auch) der Grass. Und dass er nun ein wenig Anklang findet, hat m. E. weniger mit den zu oft bemühten angeblichen dt. Ressentiments zu tun, als vielmehr damit, dass es den Menschen genug ist mit „von denen da oben“ verordneten politisch-weltanschaulichen Denk- und Redeverboten. Insofern rennen Sie in Sachen „selbst ’n Kopp machen“ (nicht nur) bei mir offene Türen ein.

  27. @ boobsandpolitics # 25.1

    Werter Tittenfreund:

    als hier direkt angesprochener Blogautor danke ich Ihnen für die Erinnerung an den two-step-flow of communication nebst opinion leadership-These: gewiß wichtig für politisches Handeln und die dieses bestimmende Logik. Nur m e i n Ding seit drei Jahrzehnten nicht (mehr). Meine „Pflicht des Tages“ (J.W. Goethe) als kritischer „Sozialwissenschaftsjournalist“ (Lars Clausen) ist´s, auch in diesem Blog, herrschende Politik, ihre Ideologie und Macht-Logik öffentlich zu hinterfragen. Als post-68er Westmarxist geht’s mir auch blogpublizistisch n i c h t um Macht über Menschen. Sondern um humane Erkenntnis. Also – vulgo – um Geist. Und nicht um Macht. Weshalb ich auch gern(er als gern) das Weber´sche „Bohren dicker Bretter“ (die im Schreinerjargon, weil dick, nicht „Bretter“, sondern „Bohlen“ genannt werden) all denen, die sich dazu berufen fühlen, überlasse;-).

    Freundlich grüßt Sie Richard Albrecht, 160412

  28. @ Busenfreund boobs[…]

    Da von Ihnen keinerlei Posting auf meine wohlformulierte Antwort vom 160412 kam – betrachte ich Sie als *Zeitdieb* und bitte Sie nicht mal um Fairständnis, wenn ich ad infinitum weder in diesem noch in anderen Blogs künftig auf Sie reagiere.

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