Was machen wir bloß mit diesem Schulz?

Seien wir ehrlich. Niemand hat damit gerechnet, dass die Ausrufung des EU-Filzokraten Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD einen derartigen Hype auslöst und sogar einen Wahlsieg möglich erscheinen lässt. Um aus dem Umfragetief herauszukommen, hätte die Partei zwar auch den Pförtner des Willy-Brandt-Hauses als Nachfolger der komplett verbrannten Sigmar Gabriel benennen können. Doch von Umfragewerten von 30% und mehr und persönliche Beliebtheitswerten auf Merkel-Augenhöhe hätte wohl auch der optimistischste Sozi nicht zu träumen gewagt.

Schulz hat es geschafft, so etwas wie Aufbruchstimmung zu verbreiten. Er setzt dabei auf gefühligen Sozialpopulismus und verspricht u.a. „Korrekturen“ bei Hartz IV, Leiharbeit und befristeter Beschäftigung und bessere soziale Sicherung für die „hart arbeitenden Menschen“, geißelt die „Exzesse“ bei den Managervergütungen, Gerne gibt er sich ein wenig zerknirscht und will „Vertrauen zurückgewinnen“.

Die Partei wird ihrem Hoffnungsträger nahezu willenlos folgen. Und es ist abzusehen, dass er zu den Linken und den Grünen abgewanderte SPD-Anhänger teilweise zurückgewinnen wird, aber auch von einem gewissen Überdruss an Merkel profitieren könnte, die – zermürbt von den Grabenkämpfen in ihrer Partei – den Großteil ihrer Landemutti-Aura eingebüßt hat.. Sogar der Vormarsch der AfD könnte auf diese Weise zwar nicht zum Erliegen gebracht, aber etwas eingedämmt werden., zumal diese Partei gerade einen offenen Richtungsstreit zwischen Wirtschaftsliberalen, Nationalkonsertiven und Neofaschisten ausfechten muss.

Für die LINKE könnte der Schulz-Hype zum Desaster werden. Falls seine verbale „Rückbesinnung auf sozialdemokratische Werte“ vom Wahlvolk tatsächlich für bare Münze genommen werden sollte, droht ihr ein beträchtlicher Absturz, denn wer braucht schon eine sozialdemokratische Kopie, wenn das Original anscheinend wieder verfügbar ist. Jetzt rächt sich sich, dass die Partei in erster Linie nicht als konsequente soziale und gesellschaftliche Oppositionskraft, sondern als Regierungspartei im Wartestand wahrgenommen wird. Über zentrale Fragen wie das Verhältnis zu NATO und EU, das Bündnis mit der Türkei, Waffenexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr, die Schuldenbremse, eine armutsfeste, sanktionsfreie Grundsicherung, eine grundlegend andere Steuerpolitik u.v.a.m. bräuchte ein erstarkter Schulz mit den LINKEN nicht einmal verhandeln, wenn er auch noch die Option einer Großen Koalition unter seiner Führung hätte. Entsprechend weinerlich und hilflos fallen auch die Reaktionen der LINKEN-Spitze auf den Schulz-Hype aus.

Natürlich ist noch nichts entschieden. Keiner weiß, welche Verwerfungen sich im transatlantischen Gebälk noch entwickeln werden und was das für ökonomische Folgen haben wird. Ähnliches gilt für die Zentrifugalkräfte innerhalb der EU. Aber man kann es drehen und wenden wie man will: Gute Aussichten sind das nicht.

7 comments

  1. Albert says:

    Hallo
    wenn dieser Herr Martin Schulze wirklich nach dem Motto: Das letzte was man verlieren kann ist immer die Hoffnung jetzt der SPD-Hoffnungsträger sein sollte dann
    muß dieser SPD der politisch Arsch aber verdammt auf Grundeis gehen …

  2. charlie says:

    Wenn die Menschen keine Hoffnung mehr haben, dann geben sie weniger Geld aus oder sie bringen sich sogar um.
    Das hat der Hoffnungsträger Schulz klar erkannt und er gibt den Leuten Hoffnung.
    Ob das in irgendeiner Weise etwas mit irgendeiner Realitität zu tun hat, das spielt dabei zuerst einmal überhaupt keine Rolle.

    Ich würde dringend dazu raten, die psychische Stabilität unabhängig zu machen von fehlender Hoffnung oder von einem zu klein gewordenem Wohlfühlfaktor.
    Andernfalls könnte sich durch eine Krise die Bevölkerungszahl erheblich reduzieren.
    Und der Begriff “zyklische Krise” kommt sogar bei Karl Marx vor, soviel ich weiß.

    freundliche Grüße

  3. Thilo Triehl ( User Karma: 11 ) says:

    Nein ,Rainer, das sehe ich nicht so. Niemand kann wirklich überprüfen, ob die Zahlen, die in Verbindung mit dem Hype genannt wurden, valide sind. Ich unterstelle, dass hier bewusst gefaket wird, um diesen Hype zu fördern. A propos Hype: dieses Wort stammt aus der Unkultur der sogenannten GenY, das umfasst die nach 1978 geborenen Hanseln. Ein Hype ist irgendein Schwachsinn, dem alle GenY-er nachlaufen. Er ist, wie alles, was diese Menschen, die uns mal die Rente zahlen sollen, kurzlebig.

    Genauso kurzlebig ist Herr Schulz. Heute vernahm ich, dass er auf Grund seines Weihnachtsmanngetues wegen Hartz/ALG schon heftig von den neoliberalen Arschlöchern dieser BRD attackiert wird und schon liegt die Sozi-Filz-Partei deutlich hinter den Unionisten. Angeblich. Ich glaube das, denn Herr Schulz wird alles, sogar Weihnachtsmann oder Pommesfrittierer bei PommesPeter an der Fritte. Aber niemals Kanzler.

    Er ist auch für die PdL keine Gefahr. Die PdL ist schon erledigt, denn sie zerlegt sich selbst, seit sie die Worte Marxismus und Kommunismus von den Fahnen gekratzt hat und Revisionisten und Sozen die Partei dominieren, so wie auch Querfrontler und Möchtegerntrotzkisten.

    1. Elmar Benninghaus ( User Karma: 2 ) says:

      @Thilo Triehl
      Es ist immer wieder erstaunlich, aus welchem Blickwinkel der Blickwinkel den Blickwinkel betrachtet. Aber gut, – das macht es spannend. Im Moment muss der Schulz ja erst mal das ganze Routinepflaster der letzten fuffzehn Jahre durch schreiten. N’bissken Zeit dafür, könnt ihr dem armen Kerl nun wirklich doch gönnen. Ob aus dem Hype dann Ebbe wird, werden wir sehen. Ist ja erstaunlicherweise sogar bis zu den Seeheimern durchgedrungen, dass der Tümpel echt brackig geworden ist. Ich erlaub mir da gar kein Urteil, denn nach der ganzen Zeit, ist das einfach nur noch interessant und mal hält Hoffnungen oder ähnliches behutsam zurück. Wobei ich das GenY schlicht und einfach durch Fankultur ersetzen würde. Was die erschreckende Erkenntnis, das es eben so funktioniert und Vernunft oder ähnliches gar keine Rolle spielt, natürlich nicht besser macht. Wobei die Frage aus soziologischer Sicht gar nicht mal so uninteressant wäre, ob das nach ein bisschen zu viel Systemtechnokratie nicht sogar verständlich ist. Könnte vielleicht auch die Marxisten interessieren. Diesbezüglich finde ich aber jetzt auch deinen Blickwinkel interessant Thilo. Eigentlich ist die Linke mal dadurch überhaupt erst in des Bürgers Munde gekommen, dass eine gewisse Grundaussage von Gergors Gisy, Lafontaine etc. dunnemals es darauf angelegt hatte, die Sozen und die Grünen wieder zu sozialisieren. Wenn die zu der Zeit mit Marx gekommen wären, hätte man genauso gut erst gar nicht anfangen brauchen und mit Sicherheit nicht diese Anzahl von Exsozen rekrutieren können, die das Ding im Grunde ausmacht. Es gab also gar keine Fahnen, sondern die kamen erst im Nachhinein. Und naja, – moderat gesagt, sie brachten Schwung herein, – wenn auch’n bisschen arg trotzig und nicht besonders werbewirksam. Ich selber begrüß das ja, aber man sollte auch nicht selber die Geschichte verdrehen.

      1. Thilo Triehl ( User Karma: 11 ) says:

        @EB: das Problem, das ich mit der Partei Für Linke habe ist, dass sie vor allem reformistisch (= sozialdemokratisch) ist. Für mich gibt es am Kapitalismus nichts Erhaltenswertes und nichts zu bewahren. Nur zu überwinden. Es ist natürlich richtig, was du schreibst. Nur ich sehe es so: die meisten der Aktiven kamen damals aus der SED (nicht nur, aber großteils) und von denen erwartete ich, dass sie TROTZ ALLEDEM sich von Konterrevolution und Revisionismus nicht unterkriegen lassen. Für mich ist die Verleugnung der marxistischen Wurzeln erbärmlich, es ist offensichtlich, dass die Aktiven auf Posten aus waren und es sich mit dem Klassenfeind bequem machen wollten. Und es zeigt auch, dass ein Teil der ehemaligen SED Kader irgendwie beim Studium der Marxismus-Leninismus gepennt hat. Es kann mir keiner erzählen, dass Leute wie Krenz, Modrow oder andere überhaupt begriffen haben, worum es ging. Klar, aus Sicht der Westbonzen und Herrn Kohl haben die mit ihrem Verrat das Korrekte getan, aus meiner Sicht sind sie, wenn ich zitieren darf, Flaschen leere.

        Ich habe alle Lehrbücher der DDR daheim, die sind schon recht komplex, da Herr Krenz eher mit Feiern oder Modrow eher mit Meckern beschäftigt waren, blieb eben keine Zeit für die Basics.

        Ich habe nie gesagt, dass die DDR den Kommunismus hatte. Sie war zu deutsch, zu engstirnig, Menschen haben Fehler gemacht, sie wurde von der BRD systematisch ausgeblutet. Aber: haltet mich für einen Spinner. Für mich ist die DDR trotzdem das bessere Deutschland gewesen, von dem wir alle viel hätten lernen können. Deswegen hat man von BRD Seite auch im Handumdrehen alles zerstört.

        Und den Rest haben viele ehemalige Kader sowie die PdL verraten. Lest mal das neue Buch von Sahra: vergleicht es mit alten Sachen von ihr. Wo sind zum Beispiel ihre Ideale geblieben? Kapitalismus kann niemals reformiert werden.

        1. eb ( User Karma: 2 ) says:

          Ich werd dir nicht widersprechen Thilo. Der Witz ist, es geht dabei gar nicht um Marx, sondern um die Angst was seine Jünger daraus machen. Das ist ein Ding, was die ganzen Fahnenschwenker überhaupt nicht beachten. Natürlich haben Krenz und Modrow nix begriffen. Und wer wird dir jetzt abnehmen, dass du es begriffen hast? Ich führe diese Diskussionen jetzt seit über dreißig Jahren, und bis heute ist es mir dabei lediglich bei Ausnahmen gelungen, Marxisten und den Mann von der Straße irgendwie soweit zu verbinden, dass letzterer Vertrauen zu ersterem haben könnte. Die ständig blöde Entschuldigung, dass das nur Angstmache und kalte-Krieg-Konditionierung sei, ist mir dabei zu einfach, denn in jedem Fall blieb auch mir nichts anderes übrig als zugeben zu müssen, dass ersterem jedes Verhältnis zur Vielfalt von Menschen genauso fehlt, wie überhaupt ein Wille zur gleichberechtigten Kommunikation damit. Das ist hart, -ich weiß, – aber ich kann dreissig Jahre nicht einfach so mir nichts dir nichts weg putzen. Will meinen, meine Hoffnung ist hier genauso dünn wie beim Schulz.

          1. Thilo Triehl ( User Karma: 11 ) says:

            @EB: Das sehe ich – leider – genauso. Ich könnte jetzt ganz böse sagen, es liegt daran, dass die meisten Marxisten aus bürgerlichen Verhältnissen stammen. Aber das ist, wenn überhaupt, nur ein Teil des Puzzles. Ich habe zwar nicht körperlich arbeiten müssen, aber auch von dem Druck, der in unserem Konzern herrschte, vom Mobbing, vom sich gegenseitig in die Pfanne hauen usw. war ich abends so fertig, dass ich mich unmöglich noch mit politischer Ökonomie usw. hätte befassen können. Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte in zwanzig Jahren Sesselfurzerei und Indoktrination des Pflichtnachrichten in meiner Firma (Spon, ntv, Bloomberg, Reuters, focus, Handelsblatt und faz) das politisch-ökonomische Bewusstsein eines Spülwurmes. Ich habe vieles was ich mir angeeignet hatte wieder vergessen. Und einen Moment lang glaubte ich auch, der Zerfall des Ostblocks lag an der Richtigkeit bürgerlicher Ökonomie bzw. Volkswirtschaftslehre. Aber ich war immer im Zwiespalt, weil ich, begründet aus dem, was man mir in Kindheit und Jugend antat, immer auf der Seite der ungerecht behandelten, Gemobbten und verarschten Menschen war. Daher wollte ich mich im Personalrat engagieren, das haben maßgebliche Leute mit allen Mitteln verhindert, vor allem die Sozen. Ich hatte dann dir Schnauze voll und habe alles wieder aufgeholt.

            Ich habe nie behauptet, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Das Hauptproblem ist, wie oben geschildert: man erreicht den hart arbeitenden Menschen nicht, weil die Menschen von den Bedingungen ihrer Arbeit und den Bedingungen für Reproduktion einfach zu kaputt sind. Es wird durch Brot und Spiele alles getan, damit man in der Freizeit entweder vor Sorgen nicht ein und aus weiß oder von einem Fest zum nächsten jagt. Oder man verdaddelt seine Zeit mit süchtigmachenden Onlinegames.

            Und dann haben wir noch das Phänomen, dass die politisch Linke zersplittert ist und, wie auch linke Plattformen wie Duckhome, neulandrebellen und andere zeigen, komplett unterwandert ist von Nazis und Verschwörungsvolltrottel.

            Die Aufgabe von uns, als Sozialisten, kommunisten oder was auch immer sollte sein, überall in der Gesellschaft Raum zu schaffen, um die Massen zu politisieren. Das schaffen wir nicht durch gegenseitige Zerfledderung, sondern nur durch Fakten und Taten. Sofern mein Krankheitszustand es zulässt, engagiere ich mich für Menschen, die in die Mühlen der Psychiatrie geraten sind. Da ich nicht so der Ökonom bin, sehe ich meinen Platz dort. Und hier im Krankenhaus sind Mitpatienten und Personal durchaus auch empfänglich, wenn man ihre Sorgen ernst nimmt und mit ihnen kämpft. Das macht Eindruck. Viele Linke sind aber tatsächlich aus bürgerlichen Verhältnissen, sind Intellektuelle und Privilegierte, die sich in theoretischen Diskussionen selbst befriedigen und in Wahrheit auf ihren Besitzstand, materiell und immateriell, nicht verzichten wollen.

            Unser Martin Schulz ist ein gutes Beispiel. Für jemanden, der aus Gründen der Karrieremachens in die Sozipartei gegangen ist, einen auf “ich komme aus einfachen Verhältnissen” macht und so richtig schön als Bonze mittendrin sitzt und ausschließlich seine Interessen und die seiner Leute vertritt. Wie Frau Merkel auch. Und ebenso die AfD-Bonzen, das sind die, die woanders keine Karriere machten oder die Nazis sind und sich dort tarnen.

            Und Sahra? Könnte es sein, dass sie auch nur ihre Bücher verkaufen will? Trotzdem bin ich auch beim Team Sahra dabei. Wenn ich nicht an das Gute im Menschen glauben würde, dann hätte ich mich als Kind schon aufgehängt….

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