Wahrsager, Politiker und andere Narren in der Wirtschaftpolitik

Helau liebe Närrinnen und Narren – Äh halt ist vielleicht noch ein bisschen früh so kurz vor Weihnachten mit dem Karneval zu beginnen. Aber das ist nicht meine Schuld. Die Nachrichtenlage zeigt deutlich dass wir mitten im Karneval sind. Ein Scherz haut den anderen um. Deutschland ging es noch nie so gut! Da kriegt man Lust zum schunkeln. 

Welches Gesöff oder welche Drogen verursachen eigentlich so ein Weltbild wie "Deutschland geht es gut"? Diese Droge sollte man ans Volk verteilen, damit die auch was zu lachen haben, besonders die 2,05 Millionen Haushalte bzw 4,17 Millionen Deutsche die völlig überschuldet sind und die 335.000 Menschen ohne festen Wohnsitz, die der Armutsbericht zugibt, der in sich ein Armutszeugnis an Zensur darstellt. 

Natürlich gibt es viel mehr Obdachlose und die vielen Eigenheimbesitzer und Wohnungseigentümer die eigentlich schon jetzt pleite sind hat auch niemand erfasst, genau wie die Kleinunternehmer und Freiberufler die am Rande des Nichts herumkrepeln. Aber wen interessieren die schon. Wer nicht mehr mitkann muss eben liegen bleiben, die Karawane zieht weiter, die Merkel hat Durst. 

Doch halt da kommt Andrea Nahles in die Bütt und will die Reichen viel stärker in den Blick nehmen als bisher. Na das ist uns doch einen Hallermarsch oder sowas wert. Et läge mir ja auch der Zunge zu sagen: "Du blöde Kuh, sollst die nicht ankucken, sondern Steuern einfordern!", aber das mach ich ja nicht zumal Kühe soziale Lebewesen sind, was man der Nahles nicht vorwerfen kann und die Nahles ist tauch nicht blöd, die tut nur so. Die weiß genau auf welcher Seite das Brot gebuttert ist. 

Aber so schnell geht die Nahles noch nicht aus der Bütt. Da setzt sie noch einen drauf und will nun Amazon wegen Tarifflucht ans Leder. Das ist prächtig. Der Saal tobt vor Lachen. Wenn die Nahles mal einmal raus aufs Land käme würde sie rund um Berlin die Logistikzentren der Supermarktketten sehen. Wenn sie nur einmal etwas online bestellt und die Wege der Ware verfolgt würde sie verblüfft zur Kenntnis nehmen müssen, dass dank guter Beratung viele Händler die Logistik in externe Firmen ausgelagert haben, die ihnen zum Teil selbst gehören, 

Ich werfe ihr nicht vor, dass sie nicht in einen Supermarkt gehen kann, weil die Gefahr viel zu groß ist dass man sie erkennt und sie verhaut bis sie lacht und dann weil sie lacht. So kann sie nicht erkennen, dass auch die Regalbefüller längst zu eigenen Gesellschaften mutiert sind, die für Billigstlohn über die abstrusesten Formen von Werkverträgen und Leiharbeit schuften müssen. Die Nahles ist der Witz der Session. 

Natürlich dürfen auch die Wahrsager und Ökonomen nicht fehlen die immer noch auf dem ach so schrecklichen Mindestlohn rumkauen und so ganz nebenbei feststellen, dass die Wirtschaft weniger Stunden benötigt um die gleichen alten Leistungen zu bekommen, also die Ausbeutung der Arbeitnehmer nochmal gesteigert wurde. Ja das ist gähnend langweilig, es gehört halt als Beiwerk dazu und irgendwas muss ja auch Springer bringen um die Anzeigen mit Text zu dekorieren. 

Mit einem ganz neuen Lied tritt der Unternehmensberater Roland Berger auf. Er möchte analog zum Produktivitätszuwachs die Arbeitszeit bis auf 28 Wochenstunden verkürzen und im Refrain singt er sogar davon anteiligen Lohnausgleich zu zahlen. Aber die alten Karnevalshasen haben es natürlich längst erkannt. Der scheinbar neue Text spielt die gleiche alte Melodie vom Lohnverzicht der Arbeitnehmer um andere andere Arbeitnehmer angeblich in Lohn und Brot zu bringen. 

Ist natürlich Quatsch, wird aber immer wieder gern gesungen. Der Saal tobt und keiner merkt das der gute Herr Berger ganz schrecklich die Hosen voll hat. Er weiß natürlich selbst, dass die Zahl der Arbeitslosen rasant steigen wird, weil fast alle Arbeiten heute von Robotern durchgeführt werden können, die eben halt noch billiger als die Sklaven in der dritten Welt oder in chinesischen Gefängnissen sind. Damit die Gewinne des Kapitals aber nicht sinken, sollen die Arbeitnehmer Lohnverzicht üben. Es ist das alte Lied aber der Saal tobt. 

Und dann gibt es zur allgemeinen Überraschung doch noch eine ganz neue Nummer. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollen die weiterere Privatisierung ihrer Verkehrsbetriebe über den Bundesrat verhindern und begründen das so: 

Für private Unternehmen ist der Betrieb vor allem dann interessant, wenn Mitarbeiter zu niedrigeren Löhnen beschäftigen können. 

Dazu kommen oft veraltete Fahrzeuge, technische Mängel und am Ende sogar höhere Kosten auf die Kommunen zu. Das gleiche würde natǘrlich auch für die Erzeugung von Strom, die Entsorgung von Müll und Abwasser sowie die Versorgung mit Wasser und Kommunikationsleistungen gelten. Dann wäre auch eine Privatisierung der Bahn oder gar der Autobahnen kein Thema mehr. Selbst Überlandleitungen für Strom, Pipelines und die Kommunikationsnetze gehören in die öffentliche Hand. Aber es gibt im Saal kaum Jubel. Das wird wohl der letzte Auftritt dieser hoffnungsvollen Sängerinnen und Sänger gewesen sein. 

Alles in allem eine gelungenes Bild. Das Motto für das nächste Mal könnte lauten: 

Die Welt ist ein Irrenhaus – aber Deutschland ist die Zentrale 

 

 

Ein Kommentar

  1. Hallo Jochen !

    Wenn Sie aber glauben das das Lied nächstes Jahr endet, der irrt.

    Es wird bis mindestens 2020 anhalten, bis auch der letzte Bildzeitungsleser die Zusammenhänge verstanden hat. Bis dahin noch gibt es den Jubel im Saal.

    MfG

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.