Vom Konkurrenzkampf über die Fremdenfeindlichkeit zum Rassismus

Es ist ein verdammt schwieriges Thema und ich habe es von verschiedenen Seiten immer mal wieder angefasst, aber ich habe es mir scheinbar zu einfach gemacht, weil ich immer Fremdenfeindlichkeit mit Rassismus gleichgesetzt habe. Ich will es nun noch einmal etwas anders versuchen. Ich weiß dass das nervt.

Beginnen wir mit der Keimzelle. Menschen leben in Gemeinschaften. Ursprünglich Horde oder Stamm genannt. Alles außerhalb der eigenen Horde war fremd und damit gefährlich. Kamen Fremde in größeren Gruppen gab es Krieg um Unterkünfte und Jagdgebiete.

Einzelne männliche Fremde wurden meist erschlagen, weil sie ja Konkurrenz bei den Weibchen bedeutete. Einzelne Weibchen waren willkommene Beute, da sie für die Männchen Abwechslung boten. Gefahr bestand für sie vor allem durch die Weibchen der Horde. Der Stallgeruch der Horde, war entscheidend.

Im Ursprung war die Horde ein Familienverband, der im Paarungsverhalten nichts mit unserem Verständnis von Familie zu tun hat. Dieses ursprüngliche Sexualverhalten war sehr freizügig und brachte die Männchen in eine dauerhafte Verteidigungsstellung. Zudem brauchte man fremde Männchen, weil nur so neue Erkenntnisse und Fähigkeiten in die Horde gebracht wurden. Die Angst, dass die Weibchen die neuen Männchen besser fänden und deshalb die eigenen Männchen vernachlässigten stammt aus dieser Zeit und bestimmt bis heute das männliche Verhalten gegenüber Fremden. Bei den Weibchen kennen wir die Stutenbissigkeit, die sich aber eben nicht nur auf fremde Weibchen bezieht. 

Die Horden wurden zu nomadisierenden Stämmen und mit Beginn der Landwirtschaft, zerfielen die Stämme in Familien. Das Sexualverhalten wurde in unserem Sinne etwas gemäßigter, aber die Tünche der Zivilisation, war dünn und wurde erst im späten Mittelalter durch religiöse Zwänge tiefer eingeprägt. Der Fremde wurde durch den Ungläubigen erweitert. Neben den Progromen wurde auf den Kreuzzügen durch die Religoin ein Hass auf de Anderen verfestigt. 

Erst als der Soldatenkönig die Religionsfreiheit in Preussen verkündete – nicht weil er ein Demokrat war sondern, weil er Menschen brauchte die ihm halfen sein armes Land in Schwung zu bringen – brachen diese Zwänge langsam auf. Die französische Revolution und die Aufklärung taten ein übriges. Als Gegenbewegung muss man den eng mit dem Nationalismus und nationalen Wirtschaftsinteressen verbunden Kolonialismus und den daraus resultierenden Imperialismus sehen. 

Der Marxismus änderte daran nichts, weil er zwar internationalistisch, aber dafür in engen Klassenstrukturen dachte, der alle anderen Klassen komplett ausgrenzte. Die Geschichte hat bewiesen, dass ein solcher Internationalismus nicht funktioniert, weil es keine statischen Klassen und damit eigentlich überhaupt keine Klassen gibt. Ein Geburtsfehler der es bis heute schwer macht daraus neue Ideen weiterzuentwickeln, die tragfähig wären. 

Der erste Weltkrieg war ein imperialistischer Kolonialkrieg und durch wenig geschickte Friedenspolitik auch der Auslöser für den Nationalsozialismus, der einfach den Nationalismus durch durch das Ariertum untermauerte und damit sowohl einen inneren Feind in den nichtarischen Juden, als auch die Grundlage für die Betrachtung aller Nichtarier als Untermenschen schaffte. Der Sozialismus bestand darin, dass die Bevölkerung für einander einzustehen hatte und das Kapital, wie auch der Staat von diesen Lasten befreit wurden. Das nennen wir heute Neoliberalismus, obwohl es nichts anderes als neoliberaler Wirtschaftsfaschismus ist. Er ist heute die politische Grundlage für die AfD.

Nach den schrecklichen Erlebnissen des zweiten Weltkrieges kamen die Lippenbekenntnisse wie nie wieder Krieg und nie wieder Rassismus und ohne jede wirkliche Aufarbeitung des Geschehenen wurde eine neue Schminke aufgetragen. Übergetüncht. Bis auf Adolf und drei Andere waren alle schuldlos. Wer genau hinsah, konnte die alten Tendenzen der Fremdenfeindlichkeit gegenüber den 10 Millionen Weltkriegsflüchtlingen in Deutschland erkennen. 

Allerdings machen an dieser Stelle viele Leute nicht zu unrecht den Einwand, dass es sich dabei nicht um Rassismus, sondern um Fremdenfeindlichkeit handele die aus Verlustängsten entstehe. Wenn man genau hinsieht hassten sie ja nicht die Person des Fremden, sondern fürchteten dass er ihre schon schmale Existenz noch weit einengen würde. Der Kampf um Arbeit,Nahrung und Wohnraum wurde natürlich verschärft. Damit auch die eigene Existenzangst. 

Ein paar Jahre später am Ende des Wirtschaftswunders machte sich die Wirtschaft genau diese Ängste zu nutze. Sie holte sehr bewusst die Gastarbeiter ins Land um die guten Löhne durch ein größeres Angebot an Arbeitskräften zu senken. Sie wollte mehr Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, die Arbeitnehmer sollten um ihre Stellen fürchten und sich deshalb mäßigen. Das klappte hervorragend zumal die Gewerkschaften und die Politik begeistert mitspielten. 

Damals kam fast gleichzeitig die Steigerung der Produktivität durch die erste Automatisierungswelle und aus den Befürchtungen der Menschen wurde Realität. Arbeit war nur noch wenig gefragt und die Folgekosten der Arbeitslosigkeit die ja noch durch die Gastarbeiter verstärkt wurden, belastet ausschließlich die Arbeitnehmer und die Unternehmen die viele Arbeitnehmer beschäftigten. 

Diese sogenannten Lohnnebenkosten, die natürlich gesamtgesellschaftliche Kosten für die Infrastruktur Arbeit waren, stiegen immer weiter und verteuerten die Arbeit. Die Antwort war der neoliberale Wirtschaftsfaschismus, der von Eigenverantwortung sprach und meinte, dass die Arbeitnehmer als Gruppe eben die Lasten der Arbeitnehmer zu tragen hätten. Das Kapital hatte die Gewinne eingesteckt und die Lasen den Arbeitnehmern überlassen. 

Durch den Zerfall des real existierenden Sozialismus, der ja in Wirklichkeit nur ein Staatskapitalismus gewesen war, wurde der Prozess verschärft, da es ja keine Alternative mehr zu geben schien. Der Sozialismus war gescheitert und Deutschland bekam 18 Millionen neue Kunden, die verbliebenen Arbeitnehmer die Kosten. Da der Sozialismus der oft auch fälschlicherweise als Kommunismus bezeichnet wurde, nicht mehr existierte musste ein anderer Feind geschaffen werden. 

Das war einfach. Das Märchen von den Faulen und Arbeitscheue, die den ehrlichen Arbeitnehmern die Butter vom Brot fraßen wurde erfunden. Florida Rolf klagte angeblich um Viagra auf Kosten der Krankenkasse zu erhalten und immer wieder kam die Geschichte von dem Arbeitsscheuen der mit dem dicken Mercedes vor das Sozialamt brauste und mit seiner pelzbemantelten tollen Ehefrau, die schnelle Aushändigung von Bargeld forderte. FakeNews würde man heute sagen. 

Ein neues Schlachtfeld war eröffnet und mit Hartz IV wurde dem Gerechtigkeitssinn genüge getan. War das Fremdenfeindlichkeit die da Mitgliedern des eigenen Volkes gezeigt wurde. Ich denke nein. Nennen wir es Sozialrassismus, entstanden aus der Angst um das eigene Sein. 

Trotzdem hätte es gut ausgehen können wen nicht gleichzeitig die Globalisierung in Fahrt gekommen wäre. Die durch grobe Gedankenlosigkeit von Wirtschaft und Politik eh schon hohe Arbeitslosigkeit wurde noch dadurch verschärft, dass die Fabrikation von Produkten in immer größerem Umfang ins Ausland verlagert wurde, wo die Kosten der Arbeit viel geringer waren und auch die Kosten für Umweltschutz und Steuern, praktisch nicht vorkamen. 

Das verschärfte die Lage in Deutschland noch. Die Arbeitskosten stiegen und die die sich über den Anstieg beschwerten, verlagerten als Reaktion die Arbeit ins Ausland. Die Angst der Menschen diesem Wettbewerb nicht gewachsen zu sein stieg immer stärker. Alte, Schwache, Kranke und die Arbeitslosen wurden zum Staatsfeind Nummer eins für die Stelleninhaber, die jederzeit mit ihrer Kündigung rechnen mussten. 

Tatsächlich hatten alle Arbeitnehmer sehr viel weniger real in der Tasche als noch vor Jahren. Die Euroeinführung war eine Teuerungswelle. Das Kapital, vor allem das US-amerikanische Kapital glaubte in Kriegen genug Beute machen zu können um die Dinge in der Hand zu behalten. Aber die Kriege brachten nicht die erwünschten Rohstoffe zu Billigpreisen, sondern erzeugten Angst, Flüchtlinge und Terroristen. Der internationale Terrorismus wurde als Grund dafür angegeben, warum es den Menschen immer schlechter ging. 

Natürlich sagte man nicht offen dass es den Menschen schlechter ging, aber die Kosten für die Terrorismusbekämpfung wurden deutlich gemacht. Auch wenn sie nur ein Subventionsprogramm für die Rüstungproduzenten waren. 

Witzigerweise klagte die Wirtschaft noch immer über Fachkräftemangel, was aber daran lag, dass man für anständige Arbeit praktisch nichts bezahlen wollte, und auch kaum noch echte Facharbeiter ausbildete, weil das ja Geld kostete und Anspruchsdenken förderte. 

In dieser schwierigen Lage kam dann auch noch eine Flüchtlingswelle nach der anderen dazu. Kriege in Afrika, den arabischen Staaten und eine schon dämlich zu nennende Kultur des Wegsehens in Europa aber vor allem in Deutschland führten zu absurden Situation. Durch die Drittstaatenregelung hätte Deutschland theoretisch nur über die Seegrenze und in Flugzeugen Flüchtlinge erreichen können.

Das Vertragswerk war natürlich von Vollidioten erdacht, weil man die Menschen, wenn man Mensch sein will nicht im Mittelmeer ersaufen lassen kann wurden Griechenland und Italien, als die schwächsten Länder des Euro massiven Kosten ausgesetzt während sie gleichzeitig nach EU-Diktat ihre Ausgaben senken sollten.

Sie konnten nichts tun, aber sie kannten die Geschichte vom Eldorado, mit der die Stämme Afrikas und Amerikas schon lange gefährlich erscheinende oder unerwünschte Besucher in das Gebiet des nächsten Stammes lockten und erzählten denen die es wirklich noch nicht wussten von dem goldenen reichen Deutschland hinter den Bergen. Vielen sagten sie nichts Neues. Das goldene Deutschland war wohl für meisten das ersehnte Ziel.

Als die Syrer von den USA und ihren Vasallen überfallen wurde kam eine neue Flüchtlingswelle, die sich auch in Richtung jedes goldenen Landes im Norden wandte. Fassungslos und entsetzt sahen die deutschen Arbeitnehmer, aber auch die Kranken und Arbeitslosen  neue Konkurrenten um das wenige was ihnen verblieben war ins Land kommen und reagierten verständlicherweise mit Fremdenhass. Die politische Handlung dahinter, verstehen die meisten gar nicht und wenn sehen sie keine Chance die Dinge zu ändern. Also hassen sie wie schon bei Hartz IV die anderen Opfer der gleichen Politik, der sie auch selbst zum Opfer gefallen sind. 

Die Systemmedien taten alles um mit FakeNews oder besser Tatarenmeldungen das Klima der Angst und des Hasses noch anzuheizen. Sie taten es indem Glauben dadurch die Interessen der neoliberalen Wirtschaftsfaschismus zu fördern und weiter mit Anzeigen belohnt zu werden. 

Tatsächlich ist der Globalismus bereits erledigt. Der nächste Schritt der Automatisierung hat schon begonnen. Die klügeren Menschen sehen bereits, dass die ersten Firmen ihre Produktion nach Deutschland zurückholen und diese soweit automatisiert ist, dass außer Wartungstechnikern, ein paar Handlangern und Helfern nur noch wenige Leute zur Systemsteuerung gebraucht werden. 

Überall in der Welt wird nun mit hoher Geschwindigkeit Arbeit verschwinden. und es ist klar, dass die Menschen sich davor zu Recht fürchten, aber kaum etwas tun können, wenn sie das System an sich in Takt lassen. Aber ein Systemwechsel – alleine der Gedanke daran bereiten allen Unbehagen – ist scheinbar nicht möglich. 

Also hassen sie die Fremden, die im Grunde genommen genau so arme Opfer wie sie selbst sind. Glauben dass die ihnen Arbeit, Geld, Wohnung, Rente und das Leben stehlen. Während die Flüchtlinge nicht verstehen, dass im gelobten goldenen Deutschland einem nicht gebratenen Tauben entgegenfliegen und teilweise glauben dass man gerade ihnen etwas vorenthält. 

An dieser Stelle könnte man nun mit einiger Begründung sagen, das die Fremdenfeindlichkeit geboren aus der Verlustangst kein Rassismus ist. Eine Frau die ich persönlich sehr wert schätze und deren klares Denken ich liebe, hält den Fremdenhass für so eine Art Vorstufe des Rassismus und hofft, dass wir die Menschen in dieser Vorstufe noch erreichen und an die Hand nehmen können, um einen Weg zur Lösung der Probleme zu finden. Ich wünschte ich könnte ihre Hoffnung teilen 

Ich befürchte allerdings, dass der Rassismus Teil unseres "Urinstinktes" also eine Art Verhaltensgrundlage ist, die wir zwar durch Vernunft in den Griff bekommen können, was aber gleichzeitig bedeutet dass wir uns mit uns selbst auseinander setzen müssten. 

Die Systemmedien, das Kapital und die Politik haben aber gar kein Interesse daran, dass sich die Menschen selbst erkennen oder gar Anfangen zu denken. Das würde ihnen nämlich die Deutungshoheit und damit ihren Einfluss nehmen. Solange wir Menschen uns gegenseitig hassen, können wir uns nicht solidarisieren und auch nicht für unsere Rechte kämpfen. Wir können nur noch mehr Hass anstauen und uns von diesem Hass zerfressen lassen, oder Wahnsinnstaten begehen. 

Solidarität zerstört Rassismus und macht frei. Wenn es eine Solidarität ist, die vor allem darauf zielt sich selbst und nicht den anderen zu ändern. Wenn wir uns selbst ändern und weitestgehend bedingungslos solidarisch sind, werden Andere sich auch so verhalten. Eine Bewegung könnte entstehen die uns allen nützt. Aber das ist ja der alte Traum von der Brüderlichkeit und der Nächstenliebe noch erweitert auf alle Menschen. Ich wage nicht ihn zu träumen. 

 

 

 

8 comments

  1. Jochen ( User Karma: 1 ) says:

    @eb &Thilo

    Nein ich gebe nicht auf, Ganz im Gegenteil. Dieser Artikel gehört zu denen die ich immer wieder verlinken werde, wenn es um die Frage Rassismus geht. Ich hatte einen anderen dafür ausgekuckt, der aber die Fremdenfeindlichkeit nicht berücksichtigte. Ich brauche solche Artikel um mich in Diskussionen nicht zum millionsten Mal wiederholen zu müssen.

    Das Ende mit dem Traum an dem ich nicht mehr glaube, soll andere aufrütteln mitzumachen und bei euch hat es ja geklappt. Aber ganz im Ernst. Ich glaube nicht an Träume, sondern an das was man tut um seinen Traumzielen näher zu kommen.

  2. Ed says:

    Oh Mann, Jochen … diese theoriefeindliche Schlagwort “Staatskapitalismus ” von Dir? Staatskapitalismus
    Ist ein millionenfach verbreiteter extrem primitiver Unsinnsbegriff. Kapitalismus basiert auf privater, individueller Verfügungsgewalt und Konkurrenz und direkten Profit-Möglichkeiten i.Bezug auf ein Unternehmen bzw. Konzernen oder Fonds und mit allen weiteren Mechanismen die Marx im DAS KAPITAL beschreibt.
    Wenn alle Großbetriebe in staatlicher Hand sind und nach Plänen mit gewissen Freiheitsgraden (sub- und NAchschaltplänen) produzieren, dann ist das Sozialismus. Die typischen kapitalistsichen Merkmale wie Überproduktionskrisen, Fall der Profitrate etc. existieren nicht mehr. Warum wohl hatte die UdSSR in der sog. “WELT”wirtschaftskrise um 1929 über Jahre Wachstumsraten um 26% ???!!

    Auch hat ein ANGESTELLTER (!) Fabrik- oder Konzerndirektor z.B. eines Rüstungsbetriebes, keine Möglichkeit, mehr Profit für sich herauszuholen, wenn er Zeitungen/Medien zu kauft um Kriegshetze für den Absatz seiner Produkte zu erhöhen. Sein Gehalt oder sonstige Schummel-/Bereicherungsmöglichkeiten blieben gleich – es besteht kein Motiv und keine Möglichkeit für solche im Kapitalisus üblichen Tricks – zumal in einem sozialistischen Staat nur soviel Rüstungsgüter beschafft werden WOLLEN wie man außenpolitsuch für nötig hält. Je weniger für Rüstung ausgegeben wird, desto besser für den staat und die Staatsfunktionäre – selbst für die korruptesten !

    Keiner hätte einen Vorteil von Kriegstreiberei – ganz im Gegensatz zu kapitalstischen Ländern, wo ja selbst Nicht-Rüstungsbetreibe Kriegsprofite durch Übernahme von Firmen und Märkten in eroberten Ländern kriegen – z.B. die SPD-nahe WAZ-Verlagsgruppe die das ehm. jugoslawische Presseflaggschiff POLITIKA übernahm, um mit Kanzleramtsminister Bodo Hombach (!) als Chefredakteur in stiller neoimperialistischer Manier jedes politische Projekt oder jeden Politiker abzusägen oder aufzubauen, wie es den Investoren beliebt. Kürzlich haben sie einen Riesen-Reibach mit dem Verkauf der POLITIKA an Russen gemacht: 4 Mrd. ! Und sich zu Vertuschungszwecken einen neuen Firmennamen gegeben….

    1. Jochen ( User Karma: 1 ) says:

      Es stimmt ich bin theoriefeindlich wenn sich die Theorie nur damit beschäftigt sich selbst zu bestätigen. Das ist nämlich Religion.

      Selbstverständlich war real existierende Sozialismus ein Staatskapitalismus. Das ist ja auch gar nichts Schlimmes. Es gibt überhaupt keinen anderen Übergangsweg vom Kapitalismus in einen echten Sozialismus. Zumindest keinen der mir bekannt und gangbar wäre. Das gleiche gilt für den sozialistischen Wettbewerb.

      Aber es ist eben nicht so, dass Konzerne die sich in Staatshand befinden oder der Staat an sich nicht imperialistisch handelten. Überholen ohne Einzuholen war so ein Denkmodell. Wie du richtig bemerkst, machte der Staatskapitalmus die Menschen gleicher und riss die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auf.

      Dumm war nur, dass das sozialistische Bruderland UdSSR für sein Öl eben auch Devisen haben wollte und viele andere Rohstoffe und Konsumartikel auch nur gegen Devisen zu haben waren. Das führte dazu, dass große Teile der Produktivität über den Außenhandel zu miesesten Preisen gegen Devisen eingetauscht wurden. Die DDR war die verlängerte Werkbank der BRD und musste sich Gastarbeiter holen um für Westdeutschland Jeans zu produzieren.

      Das konnte nicht gut gehen. Ich denke immer noch mit einem bitteren Lächeln, an die Chiproduktion die als Erichs Leuchturmprojekt irrsinnige Geldmengen verschlungen hat um einen Prozessor zu erzeugen, der bei uns unter dem Namen “Erster begehbarer Mikrochip” verballhornt wurde und viele Entwicklungen hemmte.

      Ich habe die Fabriken der DDR gesehen und viele Geschäfte dort gemacht und ich kannte sie bei uns. In anderen realsozialistischen Ländern war es sogar noch schlimmer. Sie bluteten alle wirtschaftlich aus. Aber die Parteitheoretiker und selbst Leute wie Schalck haben das nie wirklich begriffen. Sie hatten ja wie du theoretisch recht.

    2. Ed says:

      und “UdSSR-Zusammenbruch”, hast du blind aus der NATO-Presse übernommen. Die KPdSU und besonders Teile der antikommunistischen Bonzen, merkten spätestens mit ihrer Militärunterstützung für Afghanistan, dass ein vereinzelter Sozialismus in der kapitalistischen Welt, zwar zur Entkolonialisierung beitragen kann, aber letztlich nicht den Weltsozialismus, der für einen Weltfrieden und gutes ökologisches Leben nötig wäre, herbeiführen konnte. Der Neokolonialismus und kalte Krieg, der ja dort sehr wohl heiß war, war nicht viel besser. Wenn also Sozialismus in einem Land nicht zum Frieden führt, dann war es für einige egal, ob es Sozialismus gibt und haben sie mit den CIA-Leuten zusammengetan um den Umsturz zu machen – und sogar vom Westen die Gestaltung des neuen kapitalistischen Staates machen lassen – westliche Think-Tanks, Consultants haben die UdSSR zerschlagen und die russischen Gesetze geschrieben und das Land wurde ausgeraubt – von Westfirmen und etwas auch von den neuen kapitalistischen Bonzen: http://www.youtube.com/watch?v=swN43mKszec&t=0m23s

  3. Ed says:

    “Der Sozialismus bestand darin, dass die Bevölkerung für einander einzustehen hatte und das Kapital, wie auch der Staat von diesen Lasten befreit wurden.” ???? dann weiter: ” Das nennen wir heute Neoliberalismus,” ???? Bitte korregieren. Ich weiß nicht was du damit sagen willst. Sinn macht es nicht für mich.

  4. Thilo Triehl ( User Karma: 11 ) says:

    Hallo Jochen, hallo EB, ich grüße euch vom Krankenbett. Ich muss EB leider recht geben, dein Text Jochen, wirkt so, als würdest du resignieren. Tu das bitte nicht!

    Fremdenfeindlichkeit kann rassistisch motiviert sein. Rassismus kann fremdenfeindlich motiviert sein, kann aber auch aus Überzeugung der Überlegenheit der eigenen Gruppe sein.

    Die Großkonzerne sind global, sie leben und arbeiten international. Mein Kumpel ist Manager bei einem US-Konzern, arbeitet in England. Sein Geschäftsbereich hat Mitarbeiter aus allen Ländern Europas und Asiens. Von den Managern dort denkt niemand national.

    National denken die Kleinkarierten und die Dummen. Nation ist eine bürgerliche Erfindung, um miteinander verfeindete Fürstentümer, Königreiche usw zu einen, um einen zollfreien Markt zu erhalten.

    Der Antisemitismus ist klar rassistisch basiert. Die herrschende Klasse nutzte ihn zum Teil auch aus rassistischen Gründen, meistens aber wider besseren Wissens aus taktischen Gründen, um die Wut des Volkes gegen einen Sündenbock zu lenken. Heute ist bei den meisten Menschen der offizielle Antisemitismus verpönt. Ich behaupte, er ist latent immer noch da. Als Sündenbock hält heute der Moslem seinen Kopf hin. Der herrschenden Klasse und der Politik kommt jeder Anschlag, jedes Angrapschen von Frauen durch Moslems grade recht, um die fremdenfeindliche und rassistische Stimmung gegen den Moslem anzustacheln. Was wäre das für unsere Kapitalisten und Liberalen Arschlöcher für eine Katastrophe, wenn sich die Wut der Menschen gegen die WAHREN Verursacher ihres Elends richtet: nämlich nur und ausschließlich gegen die Kapitalisten, Bonzen, Postenjäger, Vetternwirtschaft usw.? Was, wenn die Menschen die Chefs endlich aus dem Fenster werfen? Davor haben sie Angst.

    Ich überspitze es und werde damit wo der Trolle und Amiarschkriecher provozieren: der Moslem ist der Jude von heute. Manche Menschen wollen nicht teilen mit den Fremden. Wie Jochen es schrieb. Aber vor allem wollen immer die Reichen nicht teilen, deswegen sind sie reich. Und das elende Kleinbürgertum, das hat auch Angst zu teilen, besonders wenn es Protestanten sind. Ich bin nicht katholisch, aber ich habe die Katholiken als gastfreundlicher erlebt. Die armen Menschen, die haben mit den Fremden oft viel weniger Probleme.

    Das Kapital ist internationalistisch, der Bürger soll national denken. Für mich persönlich ist nicht wichtig, woher jemand kommt, ob er einen Gott anbetet oder nicht, ob er dick oder dünn, groß oder klein ist, gelb, rot, schwarz oder weiß. Ich kenne nur die Unterscheidung in nette Menschen und Arschlöcher. Arschlöcher gibt es überall.

    Wenn ich einen Bauernhof habe, den ich mit meiner Familie ausschließlich für den Eigenbedarf bewirtschafte, nichts zukaufe, nichts auf dem Markt verkaufe, dann bin ich autark, nur für mich. Sobald ich auch nur ein Teil zukaufen muss oder meinen Scheiß auf dem Markt verkaufe, bin ich Teil des Weltwirtschaftssystems. Das gilt auch für Kommunen, Regionen, Nationen. Es gibt nur ein Wirtschaftssystem, das ist global, universal. Kapitalismus. Selbst Nordkorea lebt nicht autark. Auch Nordkorea kauft und verkauft auf dem globalen Markt. Und wenn es nur Schmuggelware aus China ist, selbst wenn es nur die Ware Arbeitskraft ist.

    Solltet Ihr antworten und von mir kommt nichts mehr, dann wisst Ihr, dass ich gerade sediert oder narkotisiert bin.

    Grüße an alle hier!

  5. eb ( User Karma: 2 ) says:

    Jetzt bin ich aber enttäuscht. Ausgerechnet du, hast den Mut verloren den größten aller Menschenträume zu träumen? Das Geheimnis liegt doch gerade in diesem “alle Menschen”. Aber nöööh, die Welt versinkt im Nationalismus und damit sinkt auch der Mut einen Traum für alle Menschen zu träumen? Wo soll das hin führen? Zu noch mehr Nationalismus? Man streitet sich für oder gegen Putin. Der Kerl ist Nationalist, – verdammt nochmal. Man streitet sich für oder gegen Trump. Der Kerl ist Nationalist, – verdammt nochmal. Bei den restlichen, inklusive der europäischen Beispiele, tun mir schon vorher die Finger weh vom Tippen. Der Rest mit noch Resttraum, eiert in irgendeinem Niemandsland zwischen nichtvölkischem Volk und du bist Deutschland für eingezäunte globalisierte Beuteressourcen herum oder spielt Robert Owens New Harmony, wahlweise als marktradikales Modell für Vollblut-Kapitalisten oder hoffnungslos zerknirscht aber genauso doppelmoralin als Marxisten eben ohne Knete. Auf jeden Fall immer schön bequem um dieses “Erst wir, dann die anderen” herum. Jetzt komm aber mal in die Pötte, – du. Willst du allen Ernstes das Feld den Nationalisten überlassen, nur weil das Thema Globalisierung eines der Marktfritzen war und auch noch genauso wenig darüber hinaus gekommen sind wie sie mit Solidarität den Menschen gegenüber nix am Hut haben? Das ist wie Europa als Euro, während sich die Menschen was ganz anderes darunter vorgestellt hatten. Nee, also echt, wenn du jetzt von der Bütte springst, geb ich auch auf.

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