Trauriger Alltag

Das schlimmste an einem Sonntag ist, dass ihm ein Montag folgt. Aber es ist auch nicht der Montag, es ist der Alltag mit all seiner Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit. Ich bin ein alter Mann, aber wenn mir ein siebzehnjähriges Mädchen erzählt, das ja sowieso alles sinnlos sei, dann nimmt mich das mit. Es macht mich traurig. 

Nein ich halte sie nicht für selbstmordgefährdet aber trotzdem fiel mir sofort das Lied trauriger Sonntag ein. Wenn  eine wunderschöne 17 Jährige keine Träume und keine Hoffnung mehr hat, dann ist das naheliegend. Und sie ist nicht die einzige die so denkt. 

 

Hier das Lied noch einmal in Deutsch. 

 

Anders als der Komponist László Jávor ist die schöne Siebzehnjährige aber nicht von ihrem Freund verlassen worden. Sie hat auch keine Probleme in der Schule. Sie hat nur erkannt, dass sie keine Zukunft hat. Egal was sie lernt, ob sie studiert oder auf den Strich geht, am Ende wird sie sowohl sexuell als auch geistig missbraucht werden. 

Selbst mit einem Einserabitur wird sie Generation Praktikum. Kaum eine Chance auf eine eigene Wohnung und dann irgendwann Hartz IV. Das ist der Lebensweg den sie für sich sieht. Natürlich versuche ich ihr andere Beispiele aufzuzeigen. Aber je mehr wir reden und sie argumentiert gut, desto mehr gerate ich ins Hintertreffen. 

Das was ich auf Duckhome schreibe ermuntert ja auch nicht gerade. Es macht eher Angst. Und dann zieht sie als großen Trumpf noch einen meiner traurigsten literarischen Versuche auf ihrem Netbook nach oben, "Wohlorganisierte Trostlosigkeit" und liest mir dann auch noch vor: 

Wir Verlorenen schätzen den Abstand. Entfernung ist Schutz und Nähe ist Gefahr.

Unsere Angst vor der Nähe ist übrigens wohlbegründet. Wir sind Veteranen. In den wenigen Momenten wo wir uns untereinander unsere Narben zeigen und die Schilde kurzfristig herunterlassen, verstehen wir uns als Geschlagene dieses Krieges. Der Wehrpass ist das Foto der gewesenen Freunde, der gewesenen Ehefrau, der gewesenen Kinder, des gewesenen Hundes und des gewesenen Hauses. Es ist gewesen und wir stoppen die Verwesung nur dadurch, das wir uns in Alkohol einlegen. Das einzige was uns noch mehr Angst als Nähe und die Gegenwart macht, ist die Zukunft. Wir spüren das in dieser Zukunft eine Gefahr liegt, die viel größer ist, als alle Gefahren der Vergangenheit. Aber unsere Angst kann unsere Seele nicht mehr aufessen. Wir haben uns schon lange von unserer Seele getrennt. Sie war nur noch Stückwerk und schmerzte je mehr sie verletzt wurde. Nun sind wir getrennt aber der Schmerz blieb. 

Wie soll ich ihr angesichts meiner eigenen Worte Mut zusprechen. Ich habe noch den Willen zu kämpfen, aber meine Hoffnungen sind schwach geworden. Was nützt mir mein Mut wenn die Realität sicher immer schneller zum Schlimmsten, zum Faschismus wendet. Ja ich kann nicht einmal mehr zur Flucht raten, weil ich keinen Ort kenne der sicher wäre.

Ich könnte ihr raten sich klein zu machen, dem Sturm möglichst wenig Widerstand zu leisten, wie es schon so viele tun, die ich genau dafür verachte. Allerdings glaube ich nicht das kleinmachen und sich sofern man kann anein- und ineinanderkuscheln Schutz bieten wird. Wir werden schutzlos sein und zwar alle, wenn wir nicht Widerstand leisten bis zum Letzten. Dieses Lied von der Siebzehnjährigen ist auf jeden Fall endgültig vorbei:

 

Ja ich weiß eine schreckliche Schnulze. Aber sie sagt aus wie die Welt einmal zu sein schien und für viele ja auch wirklich war. Ich konnte mir meine Welt noch schaffen. Meine Kinder und diese Siebzehnjährige haben diese Chance nicht mehr. 

Alleine können sie es nicht schaffen, aber wenn wir, die das kämpfen ja gewohnt sind und die, die meinen das nun gekämpft werden muss die Arschbacken nochmal zusammenklemmen, dann haben die Kinder noch eine Chance. Meiner Meinung sind wir verpflichtet alles zu tun was möglich ist. Und das sofort. Am Ende des Jahres wird sonst die AfD mit der CDU regieren und als Marionetten die Befehle des Herrn Soros befolgen der nur noch dafür lebt, anderen wehtun zu können. 

 

Wer übrigens glaubt er habe noch zu viel zu verlieren um kämpfen zu können, dem kann ich nur garantieren, dass er oder sie am Ende alles verlieren wird, auch sein Leben. 

 

 

5 comments

  1. Schnulli says:

    Uns in der ‘westlichen’ Welt, ist vielleicht etwas abhanden gekommen im Zuge der Verschiebung vom sittenhaften zum ‘grossgesellschaftlichen’. Welches Bild bietet uns denn unsere Welt noch? Das Staatswesen hat die traditionellen Sippen inzwischen nahezu komplett zerlegt und wir bekommen jeden Tag vor Augen gefuehrt, wie machtlos wir sind und mit welcher Brutalitaet und Gewissenlosikeit das System vorzugehen bereit ist.
    Zusaetzlich sind wir wesentlich direkter und fast schon permanent am Informationsdraht des Systems angeschlossen und werden so gnadenlos zugeballert mit Manipulationen und das auf allen Ebenen des Bewusstseins.

    Ich befuerchte:
    Ehe uns nicht der Hunger packt, werden wir nicht bereit sein zu bluten und schon gar nicht werden wir unser Leben riskieren.
    Ehe wir nicht erkannt haben, dass nicht der ‘arme’ Mensch neben uns das Problem ist, sondern der ‘reiche’ Mensch ueber uns, und nicht entsprechend handeln, werden wir mit dem Smartphone in der Hand unter gehen und unsere Ketten niemals sprengen.

    Noch ist nicht alles verloren!
    Mir gibt eine bestimmte Erkenntnis am meisten Hoffnung: Ich weiss, dass wir die Macht haben den reichen Psychopathen den Saft abzudrehen, wenn wir uns nur zusammenraffen wuerden. Organisatoren gaebe es genug und Geldmittel bzw. Arbeitskraft auch, doch es wird mehr gegeneinander gearbeitet als miteinander und wir scheinen unsere Informationsblase nicht verlassen zu wollen im grossen und ganzen.

  2. Charlie Rainbow says:

    “.. aber noch haben zu viele noch was zu verlieren.” Verstehen kann ich deren Verhalten, wenn man Frau und Kinder, Haus, Arbeit und Schulden am Hals hat. Genau deshalb ist es mMn auch nicht erfolgversprechend zu warten und zu hoffen auf Mitmenschen in so einer Situation. Hab ich selbst auch erlebt.
    Ja, ich bin mir bewusst, dass Viele, die jetzt weiterlesen, von dem, was sie jetzt lesen, nix wissen wollen, aber genaun deshalb AUCH ist unsere Gesellschaft genau die, die sie z.Zt. ist. Denn: schon in der Bibel steht,dass viele den falschen Propheten folgen werden, und hier erkennen schon Zahlreiche, dass sie dazu gehören, dass Versprechen nicht eingelöst, sie Lügen aufgesessen sind, Hoffnungen sich als Trugschluss erwiesen, alles den Bach runter geht, ohne groß Einfluß nehmen zu können.
    Auch: Manche WOLLEN nicht erlöst und gerettet werden! Sie schaffen das aus eigener Kraft!
    Ich hätte der jungen Dame was von Joseph im AT erzählt. An seiner Lebensgeschichte läßt sich einiges zeigen, was ich sagen will:
    Egal, wo du als Individuum gerade bist und deine gesellschaftliche Funktion wahrnimmst, suche nach und vertraue auf Gottes Wort, denn der Weg zur Verlorenheit ist breit, eben, geteert und beleuchtet, deshalb gehen so viele darauf, aber der Weg zur Hilfe ist versteckt und unscheinbar, man müßte ihn suchen, und genau das ist vielen zu mühsam und unattraktiv, weil man auch was abgeben oder sich ändern müßte (sein bisheriges Leben, seine Einstellungen, Werte usw).
    Und Figuren wie Soros: Sie dienen niemals als Vorbilder, sie werden dieses oder in den nächsten Jahren sterben und anschließend für immer leiden (s.o.). Und sie nehmen ihren Reichtum von hier nicht mit.

    1. Jochen ( User Karma: 1 ) says:

      Gott ist genauso ein iIrrweg, wie die breite Straße. Er ist ein Gott der Herrschenden nicht der Unterdrückten und sein Paradies ein Wahlversprechen für die Tölpel. 

  3. Kowalski says:

    Ja, wir sind es unseren Kindern und Enkeln schuldig dafür einzustehen, dass sie eine bessere Zukunft als die jetzige haben werden. Denn wir wissen noch wie es war als man von seinem Einkommen eine Familie ernähren konnte.
    Es wird Zeit die geballte Faust der stummen Wut aus der Hosentasche zu reißen und sie denen entgegen zu recken die uns versklaven und sie denen in den Hals zu stopfen die das zugelassen und gebilligt haben. Nur habe ich Zweifel ob das auf friedlichem Wege zu machen ist. Bereitschaft zur Militanz muss vorhanden sein und wir haben alles Recht dazu wenn es auf andere Weise nicht mehr funktioniert. Aber bis dahin muss die Wut noch geschürt werden. Es brodelt schon unter der Oberfläche aber noch haben zu viele noch was zu verlieren. Nur die Würde nicht, die hat man ihnen schon genommen.

    1. Dian says:

      Götz Eisenberg hat in der jW vom Wochenende zum Thema ausgeführt:

      Der Kapitalismus zerstört das Bekannte und Traditionelle. Viele Menschen erfahren das als existentielle Verunsicherung. Die Linke darf das Leiden am Fortschritt nicht den Rechten überlassen, sondern muss Wege finden, gesellschaftliche Ängste nach links zu wenden (besser: … die Linken! meine Anm.)

      http://www.jungewelt.de/2017/01-14/064.php

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