Tot oder lebendig

Wann ist eine Sache, ein Ding oder gar ein Mensch tot? Über die verschiedenen Definitionen kann man sich etwas heraus suchen. Das ein Mensch tot sein kann obwohl alle lebenserhaltenden Voraussetzungen gegeben sind, darüber machen sich jedoch die Wenigsten Gedanken. Und das der Tod selbst nicht gleichbedeutend mit dem Adjektiv ist.. noch viel Wenigere.

Jene Organismen die mit lebenserhaltenden Voraussetzungen bestückt sind hören nicht einfach auf am weiteren Leben teilzuhaben; sie gehen tatsächlich in einen anderen Zustand über – meistens feinstofflicher Natur. Ich spreche hier nicht von esoterischen Definitionen – auch ein Wikipedia-Eintrag ist nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern von einem chemischen Prozess. Jenem Prozess des „Vergehens“.

Beispiel: Wenn wir etwas auf den Kompost werfen, so beginnt nach einiger Zeit der Prozess des „Vergehens“ weg vom ursprünglichen Erscheinungsbild. Später nutzen wir diese Kompost“erde“ als Dünger. Sie dient als Nährstoffanreicherung, also zur Verbesserung des vorhandenen Bodens. Dort wachsendes gedeiht prächtiger und reicher als zuvor (vorausgesetzt man überdüngt nicht!). Aus einem bisherigen Organismus/Stoff wird also Nahrung für anderes Leben. Dies verhält sich mit allen biologischen Dingen so. Es ist ein Prozess, der unentwegt und fortlaufend auf dieser Erde geschieht. Etwas vergeht und geht in etwas anderem wieder auf. Werden – Vergehen – Werden – Vergehen und immer so fort. Ein ewiger Kreis. In sich geschlossen – immer lebendig.

Wenn ich – wie ich es tue – davon spreche, dass es Menschen gibt die zwar rein biologisch gesehen am Leben und dennoch „tot“ sind, dann hat das einen ganz anderen Hintergrund. Andere nennen das oftmals „Kälte“ und meinen das Gleiche. Ein toter menschlicher Korpus kühlt beim Sterbeprozess aus. Daher die Ausdrucksweise für lebende Menschen die „kalt“ sind. Für gewöhnlich wird dann von Gefühlskälte gesprochen – umfasst jedoch, meiner Meinung nach, sehr viel mehr als das.

Wer nicht fähig ist für sich selbst Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen für sein Verhalten zu tragen – sich ihnen entzieht oder es auf andere abwälzt – kann auch keine Verantwortung für anderes oder Andere übernehmen. Solche Menschen schaffen dies für gewöhnlich nur in einer größeren Gruppe Gleichgesinnter und dadurch werden sie für mich unglaubwürdig. Erwischt man sie Einzeln winden sie sich wie ein Aal und sind zum eigenen Zwecke jederzeit bereit ihre Gruppe zu verraten. Sie sind kalt – tot. Wer sich selbst als zu gering einschätzt, weiß den Wert anderer nur solange zu schätzen wie er seinen eigenen Zweck erfüllt sieht.

Ich sehe überall sehr viele tote Menschen. Aber ich sehe auch das Leben – aus der biologischen Sicht: Werden, Vergehen, Werden.

 

 

Ég heiti Tilda Braknør
Sjáumst síðar. Bless!

7 comments

  1. Thilo Triehl ( User Karma: 0 ) says:

    Es ist völlig richtig, dass viele Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, die wir in Bussen und Bahnen, Geschäften und auf der Straße treffen, emotional tot sind. Jedoch klingt Ihr Beitrag ein wenig nach der typisch protestantischen Mentalität, die im real existierenden neoliberalen Kapitalismus tief verankert ist, zu sehen, dass jeder seines Glückes eigener Schmied sei. Damit kann ich nicht konform gehen, denn letztendlich sind wir Produkte unsere sozio-ökonomischen Umwelt sowie der Produktionsbedigungen Erziehung und Sozialisation sind und waren destruktiv, das ist kapitalismusimmanent, wird gefördert durch Entfremdung, Zerstörung der ländlichen Großfamilie, pathologische Scheinindividualisierung, pathologisches Konsumverhalten (besonders bei den 18-40-Jährigen “gelungen”, da kann unsere herrschende Klasse stolz auf sich sein) und alle anderen Aspekte dieser Gesellschaft. Der US-Psychologe, der im Rahmen der Nürnberger Prozesse mit den Nazimassenmördern gesprochen hat, stellte sich die Frage, wie “intelligente” Menschen, Menschen aus dem Land von Goethe und Schiller, das millionenfache Morden an unschuldigen Menschen begehen konnten?

    Intelligenz das Menschen besteht eben nicht aus irgendwelchen Inselbegabungen; es reicht nicht, dass jemand schneller als jeder Computer rechnen kann, dass jemand tolle Gedichte schreibt, ein anderer einen Konzern führt. Zur Intelligenz gehören auch Faktoren wie Empathie. Echtes Mitgefühl. Das unterscheidet uns vom Tier. Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen oder altruistisch zu handeln. Davon sind die Menschen im Kapitalismus weit entfernt. Und in Deutschland auf Grund der besonders destruktiven Erziehung besonders weit entfernt. Im Nazideutschland waren die Verbrechen, die unsere Vorväter an Greisen, Männern, Frauen und Kindern, Zivilisten, begangen haben möglich, weil es auf Grund der fehlenden Empathie allen egal war, weil jeder die Verantwortung auf andere abschob. Ein beliebter Satz in der deutschen Arbeits-und Behördenwelt ist heute immer noch: ich bin dafür nicht zuständig. Denken von 12 bis Mittag. Nach mir die Sintflut. Das gehört zum Kapitalismus und das wird gefördert, denn nur so kommt es niemals zu einer Revolution gegen die herrschende Klasse. Ohne Empathie keine Solidarität. Das Widersinnige, was die Menschen nicht begreifen, ist, dass wir als Individuen har nicht überleben könnten. Es ist nur Schein. Arbeitsverträge sind individuell, die Ausbeutung aber immer kollektiv. Die pathologische Trendsucht der jungen Generation gaukelt ihnen Individualität vor, aber alle sind gezwungen, wie die Lemminge das Gleiche zu tun, um sich nicht auszugrenzen.

    Die Eigenverantwortung liegt nicht darin, dass jemand schuld ist, dass er keine Empathie fühlen kann, die Eigenverantwortung beginnt dort, wo man erkennt und aus Eigennutz nichts ändert. Nur wenn wir den Kapitalismus endgültig überwinden hat die Menschheit langfristig eine Überlebenschance.

    1. Tilda Braknør ( User Karma: 1 ) says:

      Kapitalismus lässt sich nicht abschaffen in dem man hergeht und sagt das er abgeschafft werden muss. Der “Anfang” liegt in jedem selbst. Nur wenn wir uns erkennen und ändern, ändern wir auch das Verhalten (welches wir kritisieren) anderer auf breiter Ebene. “Man sieht den Splitter im Auge des anderen, aber den Balken im eigenen nicht”! [In so fern: Danke Elmar!]

    2. Elmar Benninghaus ( User Karma: 2 ) says:

      @Thilo Triel
      Großer Widerspruch von meiner Seite, (aber schwer verschmitzt gemeint, also bitte nicht persönlich nehmen).
      “Ich” bin kein “Produkt” meiner sozio-ökonomischen Umwelt. Ich bin allenfalls ein Mensch, der darin leben muss. Der Begriff; “Produkt”, beschreibt entweder bedingt das Resultat einer Berechnung in der Mathematik oder ein technisch hergestelltes Stückgut, – bzw. eine Ware. Besonders bezüglich letzterer Bedeutung, erfreut er sich einer besonderen Beliebtheit selbst noch auf dem Arbeitsmarkt eines real
      existierenden neoliberalen Kapitalismus.

      Der Anfang deines Kommentares klingt also schwer danach, als würdest du dies akzeptieren.

      Nochmals, – bitte nicht böse sein, es war ziemlich gemein von mir, – ich weiß, – auf der anderen Seite, müssen wir aber alle ein wenig darauf aufpassen, dass wir nicht überall dort etwas riechen, wo es vielleicht gar nicht angebracht ist.

      Wobei es natürlich hoch interessant wäre, wenn jeder mal ein wenig bei sich selber reflektieren würde, wie tief da eigentlich was in jedem so selbst stecken könnte, bzw. seine Schatten zurück gelassen hat.

      1. Thilo Triehl ( User Karma: 0 ) says:

        Nein, um Gottes Willen, das sollte nicht so rüberkommen, die Geschichte mit dem Produkt. In gewisser Weise wäre Opfer der…. Umstände vielleicht passender. Aber ich weiß was du meinst. Einwand berechtigt :)

    3. Jochen ( User Karma: 1 ) says:

      Ich glaube Thilo du hast Tilda nicht ganz richtig verstanden. Ihr geht es doch gerade darum Empathie wieder nach vorne zu bringen. Nicht als besondere Leistung die schuldhaft erbracht werden müsse sondern, als Kernziel der Arbeit an sich selbst. Denn nur mit Empathie können wir das System in Frage stellen und schließlich beiseite schieben und vergessen. 

      1. Thilo Triehl ( User Karma: 0 ) says:

        Genau darauf (dein letzter Satz, Jochen), wollte ich auch hinaus. Du kennst ja meine Situation. Dadurch habe ich derzeit Wortfindungsstörungen.

        @Tilda: ich habe den Beitrag vielleicht nicht komplett im ersten Anlauf verstanden, daher wollte ich prophylaktisch dieses “jeder ist an seiner Situation selbst schuld” klarstellen.

        Ein Arbeitsloser ist zum Beispiel in der Regel nicht schuld an seiner Situation, es sei denn, er hat alles dafür getan, dass man ihm kündigt. Das war so die Essenz meiner Worte.

        Ich hatte unmittelbar vor dem Lesen dieses Beitrages einen Bericht über den scheidenden BuhPrä gesehen, darin kam ein Vertreter der militanten “Arbeitslose-sind-selbst-schuld”-Vereinigung, F. Müntefehring, zu Wort. Das echauffierte mich ein wenig :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.