Schuld, schuldig – abgestempelt

Chinesen trinken zu viel Milch; die Inder essen zu viel; die Arbeitslosen verbrauchen unser Geld und überhaupt: Schuld sind immer andere. Einmal öfters wird der Blick in den Spiegel verweigert, in dem man feststellen müsste, dass im eigenen Auge selbst ein Balken hängt. “Cest la vi” möchte man sagen, ist halt viel leichter anderen ihre Fehler unter die Nase zu reiben als die eigenen eingestehen zu müssen. Mit einem funktionierendem oder nicht-funktionierendem Sozialstaat hat dies aber rein gar nichts zu tun. Das hat eher etwas mit der Psychologie des Menschen zu tun. Das mangelnde Bewusstsein sich eben als Mensch sehen zu müssen – dem Perfektion leider nun mal nicht zugeteilt wurde. Strebt der Mensch zwar mal mehr, mal weniger ausgeprägt nach Perfektionismus, so ist dieser Perfektionismus immer nur jener der einem selbst vorschwebt. Und geht dann mal etwas schief, dann hat das wie selbstverständlich nichts mit einem selbst zu tun. Man glaubt schließlich an sich selbst. Mit Selbstbewusstsein hat das aber auch wieder nichts zu tun – das ist dann eher das Selbstwertgefühl, welches durch niemanden gebrochen werden soll. Das Selbstwertgefühl wird somit zum Alpha und Omega des Egoismus. Und damit daran auch weiterhin nicht gekratzt werden kann, werden Grüppchen gebildet. Schubladen in die man die Schuldigen stecken kann.
Schublade auf, Schuldiger rein, Schublade zu – Schlüssel entsorgen – fertig. Das klappt immer!

Kommentar zu folgendem Welt Online Artikel: Diese Gruppen gehören zur Unterschicht