Deutsche Schiffe, die Seele und der Untergang der FDP

Nur um es wenigstens am Rande noch einmal erwähnt zu haben. Während die Krise bei den Schiffahrtsbeteiligungen selbst die beteiligten Anwälte nicht mehr glücklich macht und am Ende die Beteiligungsverluste wohl von den normalen Arbeitnehmern getragen werden müssen, weil die sogenannten Anleger ihre Verluste steuerlich geltend machen, klingt immer wieder an, dass die angeblich deutschen Reeder für ihre angeblich deutschen Schiffe, kostenlos deutsche Soldaten zu deren Schutz vor Piraten haben wollen. Das ist schon dummdreist. Das einzig deutsche an diesen Schiffen ist der Staat wo die Subventionsmilliarden und die Abschreibungen abgezockt werden. Gebaut werden die Kähne meist in Billiglohnländern, ausgeflaggt in Billigländer ohne Sicherheitsvorschriften und betrieben von Seeleuten die ihre Seele verkaufen müssen um für einen Hungerlohn zu miesesten Bedingungen zu arbeiten.
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Sie sind unter uns!

Viele Jahre habe ich immer gelacht, wenn wieder ein neuer Zombie-Film auf den Markt geschmissen wurde. Die vergangenen Veröffentlichungen allerdings erweckten nur noch Ekel und Angst. Sie wirken realistischer als noch vor 10 Jahren.
Die Knaller waren damals „Return of the living Dead“ und die berühmt berüchtigten Kaufhauszombies. Heute wohl eher Filme wie „28 Days later“, „28 Weeks later“. Aber ich zähle auch „I Am Legend“ mit Will Smith in der Hauptrolle zu dieser Kategorie. Diese, etwas krude, Verfilmung zeigt wie nah wir in der Realität diesen Filmen sind. Bezeichnend hierin wohl ein Impfstoff der mutiert und somit 90% der Weltbevölkerung auslöscht.

Aber auch der „reguläre“ Zombiefilm, wie ihn „I Am Legend“ eher nicht darstellt, verfehlt den Bezug zur Realität nur wenig.
Völlig Gedankenlos, durch den inneren Trieb gesteuert, fressen diese Menschen alles lebendige was sich ihnen in den Weg stellt an. Gefühle kennen diese andersartigen Wesen seit der Verwandlung nicht mehr. Nicht mal ihre Kinder sind ihnen heilig.
Sie wissen definitiv nicht mehr was sie dort tun und warum sie das tun. Ganz ähnlich verhält es sich heute mit den realen Menschen.

Die Mehrheit läßt alles auf sich einrieseln – frisst es und speichert es als „gegebenen“ Input ab. Sie infizieren mit ihrem „Gutdünck“ alles was ihnen über den Weg läuft. Kinder eingeschlossen. Gut, wenn Kinder sich damit infizieren, so kann ich ihnen das nicht anlasten. Sie lernen in der Regel ja nur von dem was ihnen die Erwachsenen vermitteln. Aber genau da ist der Punkt. Wenn Eltern nicht mal in der Lage sind selbst zu denken, statt dessen sich von Medien, von Politikern und angeblichen Wissenschaftlern Hirntod machen zu lassen, … dann haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir sagen können: „Sie sind unter uns!“ – die Zombies in Realtime! Fressen, schlafen, scheissen und wieder: fressen, schlafen, scheissen – alles wird gut!

Und wenn sie dann doch eines Tages aufwachen, dann heißt es „Wir haben das doch nicht gewusst!“ oder „Was hätten wir denn tun sollen?“.
Ihr habt es gewusst; man hat Euch immer wieder versucht darauf hinzuweisen. Man hat versucht Euch zu erklären warum etwas nicht richtig ist wie es gemacht wird. Ihr aber habt geglaubt der Mensch sei grundsätzlich „gut“!
Zum Teufel mit Eurem Glauben!!

Der 11. September und Pakistan: Neocon-Politik hat politischen Islamismus in den Sattel gehoben …

Am 23. September des letzten Jahres habe ich mich im Watchblog mit einem Artikel von Jörg Lau beschäftigt, der sich mit dem damals neuen Buch des britischen Autors William Dalrymple auseinandersetzt – „The Last Mughal“. Wegen der Tagesaktualität wird hier nochmals darauf eingegangen, denn es geht um genau diesen Interventionismus und seine Folgen.

Dass eine solche Erkenntnis einige Hoffnungen im Westen zerstört, ist verständlich. Die Folgen dieses Interventionismus können nicht nur in Zentralasien und Lateinamerika, sondern überall auf der Welt heute besichtigt werden.

William Dalrymple ist ein mehrfach preisgekrönter schottischer Autor und Historiker, der sich unter anderem in mehreren Büchern mit dem Sturz des Moghulreiches und seinen Auswirkungen bis auf die heutige Politik auseinandergesetzt hat.
William Dalrymple- nicht zu verwechseln mit der in islamophoben Kreisen geschätzen Krawallkassandra Theodore Dalrymple – schreibt im Guardian:

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Condi’s Krieg oder Scheisse am Hacken

Tja, wir werden uns weiter mit der Neoconnerie, den US-Neocons beschäftigen, die uns diese Woche richtig viel Arbeit machen, sei es, weil sie jetzt alle im Chor begehren, nicht schuld zu sein, sei es, weil sie den bedrängten Freunden vom Vlaams Belang helfen müssen (denn nach Elfmeter-Bart hat jetzt auch Frank Vanhecke einige Probleme, denen ich mich unten schon gewidmet habe), sei es, daß sie weiter fleissig gegen Europa hetzen müssen. Da ist es vielleicht hilfreich, sich mal zu erinnern, wie munter sie noch im Jahr 2006 waren, und nach „Ist das der neue Nahe Osten“ fische ich einen Beitrag aus meinem Archiv, den ich 2006 auf mein persönliches Blog gestellt habe, mit dem Hauptteil aus einer Übersetzung aus „de Groene Amsterdammer“:

Scheisse am Hacken, oder: da ist was los…
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Muhammad Sven Kalisch – keine große Sache.

Die „islamkritische“ Szene jubelt: haben die Muslime doch anscheinend wieder ihre Demokratieunfähigkeit bewiesen und erdreisten sich jetzt auch noch, in die Besetzung von Professorenposten hineinzureden. Und so probiert man sich wieder in agenda setting. In diesen Diskurs sind die „Mainstream-Medien“ längst eingestiegen. Höhepunkt war dann vorgestern – zum 3. Oktober, dem „Tag der offenen Moschee“ – dieser Bericht in den Tagesthemen.

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Die Bertelsmann-Stiftung hat eine Studie über Muslime gemacht…

…und etwas herausgefunden, daß den Pro-Knölls, allen „Islamkritikern“ und unserer Lieblingsbloggerei garnicht gefallen dürfte – zum Teil wird ja schon mit dem Mut der Vezweiflung dagegen angebloggt. SpOn und der Kölner Stadtanzeiger sowie 124 weitere Medien haben das Ergebnis schon zur Kenntnis genommen und berichten:


Muslime in Deutschland sind sehr religiös – und offenbar toleranter, als manche Menschen glauben. Das hat eine Bertelsmann-Studie ermittelt, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

(zum Vergrößern auf die thumbnails klicken.)

Auch Jörg Lau tut ganz erleichtert:

Die Bertelsmann Stiftung hat endlich getan, was hier schon seit langen gefordert wird: Die Einstellungen der in Deutschland lebenden Muslime einmal repräsentativ zu erfragen. Vielleicht kommen wir so aus dem rein Anekdotischen und aus den wechselseitigen Projektionen heraus.

Die Studie mit ihren Einzelergebnissen wurde auf der Internetseite der Stiftung online gestellt:
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Ehrfurcht vor dem Glauben der Anderen

Ich gebe zu, das ist eine etwas ungewöhnliche Wortwahl. Ehrfurcht vor Glauben? Ehrfurcht vor dem Anderen? Warum verwende ich nicht das Wort Respekt oder Anerkennung?

Respekt ist etwas das man sich verdienen muss. Im Gegensatz zu dem was viele Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund glauben, fällt Respekt einem nämlich nicht automatisch zu. Den muss man sich in langer Zeit erarbeiten, durch Kontinuität, Vernunft und Verantwortung. Ich kann anerkennen das jemand ein Tor getroffen hat, gut frisiert ist oder eben absolut unfähig ist, etwas vernünftiges zu sagen oder zu denken.

Bewundern kann ich das jemand einen Marathon durchhält, sich Telefonnummern merken oder Lieder singen kann. Stolz kann ich sein, wenn ich oder meine Kinder etwas gut hinbekommen haben. Befriedigen gehört in eine andere Kategorie.

Ich könnte den Glauben eines anderen achten, aber dazu müsste ich ihn verstehen. Er müsste sich mir erschließen. Das gleiche Problem habe ich mit Wertschätzung. Ich weiß nicht was der Glaube der Anderen wert ist.

Vielleicht ist ja auch das Wort Glaube falsch, aber das Wort Religion würde es auch nicht treffen. Religion ist vielfach nichts anderes als ein Geschäft, bei dem unter Drohung des Entzuges von Vorteilen nach dem Tod, ein Gehorsam unter die Regeln einer Religion erzwungen werden soll, der zusätzlich noch mit Spenden für die Religionsvermittler verbunden ist.

Bei einem normalen Geschäft würde ich sofort nach dem Staatsanwalt rufen wenn mir jemand mit einem solchen Vorschlag käme. Bei Religionen nehmen wir fast jede Art von Fehlverhalten hin, weil sich die Religion ja nicht nur aus dem jeweiligen Bodenpersonal eines Gottes, das ganz von der Beschäftigung mit dieser Religion lebt, besteht sondern auch aus den Gläubigen.

Glauben heißt nicht wissen. Natürlich ist Wissen eine Holschuld, allerdings muss dieses zu holende Wissen auch mit den verfügbaren Mitteln des Glaubenden zu beschaffen sein. Das trifft aber weder auf möglich Wiedergeburten noch die Lebensweise und Lebensqualität in Paradiesen zu. Herr Dante Alighieri hat sich zwar in seiner Göttlichen Komödie ausführlich mit der Hölle beschäftigt, aber die Berichte über Paradiese sind eher spärlich und vor allem bei weitem nicht so detailreich.

Der Glaubende kauft also die Katze im Sack, oder besser noch er kauft das Anrecht nach seinem Tode eventuell einen Sack erwerben zu können, in dem vielleicht eine Katze sein könnte, vielleicht aber auch gar nichts ist und sogar der Sack könnte Fiktion sein. Man sieht es ist leicht, sich über die Religion und damit auch über den Glauben des anderen lustig zu machen.

Glaube erschließt sich nur dem Glaubenden. Damit ist auch klar, dass man zwar die Religion an sich kritisieren kann, aber keinesfalls den Glaubenden. Wenn jemand glaubt stellt sich nicht die Frage nach richtig oder falsch, Sinn oder Unsinn. Glaube ist eine Tatsache die von keinem Dritten interpretiert werden kann, so gerne man das auch oft machen möchte.

Den Glauben des Anderen könnte man nur verstehen wenn man der Andere wäre. Man kann diesen Glauben also gar nicht respektieren, weil man ihn nicht kennt, ja auch nach langen Gesprächen nicht wirklich erfahren kann. Die Rituale der Religion, die Texte der Bücher, die Lehrmeinungen. All das kann man kennen, interpretieren und auch kritisieren. Aber genau wie offiziellen Lehrmeinungen dieser Religion haben sie nur am Rande mit dem individuellen Glauben zu tun.

Nun ist es schwer in Deutschland über Glauben zu diskutieren, weil man bei den hier häufig vorkommenden Glaubensrichtungen sofort auf die Verblendeten beider Seiten stößt und eine Diskussion eher eine Schlammschlacht wird. Deshalb wird hier das Beispiel der Amish People verwandt, die sich zwar vor langer Zeit von den auch heute noch im deutschen Sprachraum vorkommenden Mennoniten getrennt haben, aber heute nur noch sehr wenig Gemeinsamkeiten mit diesen aufweisen:

Aus der Wiedertäuferbewegung entstand im Laufe der Zeit die Religionsgemeinschaft der Mennoniten, zu denen sich im 17. Jahrhundert auch die Gemeinden zählten, die in der Schweiz als Reste der verfolgten Wiedertäufer sich als „Schweizer Brüder“ bezeichneten. Diese hatten das Dordrechter Bekenntnis der Mennoniten der Niederlande und Norddeutschlands 1632 angenommen, praktizierten aber viele darin genannte Punkte nicht so streng. Schließlich entstand, verursacht durch die strenge Interpretation des Schweizer Ältesten Jakob Ammann, Unruhe in den schweizer und nahen elsässischen Gemeinden.

Jakob Ammann stritt sich mit dem Mennonitenbischof Hans Reist über die Frage, wer gerettet werden könne, wer also in den Himmel käme. Viele Nichtmennoniten halfen damals den Mennoniten, die verfolgt wurden, indem sie sie versteckten oder andere Hilfe zukommen ließen, und retteten ihnen dadurch das Leben. Hans Reist meinte, dass diese so genannten „Treuherzigen“ auch gerettet werden könnten, obwohl sie nicht in die „Gemeinde Gottes“ eintraten; die eigene Gemeinde wurde als die einzige richtige Gemeinde verstanden. Viele dieser „Treuherzigen“ standen auch den mennonitischen Glaubenslehren sehr nahe, doch die Umstände hinderten viele, sich ihnen anzuschließen, etwa aus Angst vor dem Verlust des Lebens etc. Jakob Ammann sah dies viel rigoroser: Er verlangte einen vollständigen Übertritt zum Mennonitentum, mitsamt dem Ertragen aller Konsequenzen. Die wahren Gläubigen sollten „das Kreuz auf sich nehmen wie das Vorbild“ und hätten dann eine „lebendige Hoffnung auf Rettung“, während die Zweifler, Weichlinge, diejenigen, die sich eben nicht klar für ihre Gruppe entschieden, weil sie „diese Welt eben doch noch mehr lieb haben als den Herrn“, nicht Gnade erwarten können. Dies war einer der Hauptpunkte des Streites.

Daneben hatte Jakob Ammann unter anderem spezifische Ansichten über das Aussehen des Gläubigen wie über die Handhabung der Gemeindezucht und betonte sehr strenge Kleidungsregeln und den Bart. Wegen Jakob Ammanns Betonung starker Äußerlichkeiten kamen viele legalistische Elemente in die sich neu formende Gruppe hinein. Begründet fand er diese Punkte zum Beispiel in dem Bekenntnis von 1632, aber auch in der Heiligen Schrift, wo von einem demütigen Lebenswandel gesprochen wird und deren Worte er dann zeitbezogen so auslegte, dass zum Beispiel kein Oberlippenbart erlaubt sei, weil er an Militärpersonen erinnere.

All diese Streitpunkte endeten in einer Spaltung. Es entstanden die „ammannschen Leute“, die Gemeinde Jakob Ammanns, die sich als die rechte Gemeinde ansah. Dabei ging die Spaltung von Jakob Ammann aus: Wer mit Jakob Ammann nicht übereinstimmte, den bannte er und forderte von der Gemeinde die strenge Meidung desselben. Dies bedeutete auch das Meiden innerhalb der Familie: Mann und Ehefrau haben sich fortan ihrer ehelichen Pflichten zu enthalten und dürfen nicht am selben Tisch essen. Später kam er zu der Einsicht, dass seine Verfahrensweise zu rigide war, und bannte zur Strafe sich selbst.

Wer Jakob Ammans und vor allen Dingen seine Rigidität und seinen Selbstbann vor Augen hat, fasst sich als Ungläubiger oder auch nur Andersgläubiger an den Kopf und fragt sich was das soll.

Foto wikipedia/ Matthew Trump
Amisches Paar im Pferdewagen im ländlichen Holmes County, Ohio (26. September 2004)

Auch wenn wir es nicht verstehen berühren uns solche Bilder wie diese Pferdekutsche doch recht eigenartig positiv, auch wenn sie natürlich das klare Zeichen einer Parallelgesellschaft sind.

Diese selbst auferlegten Verbote liegen zum einen darin begründet, dass sie theologisch betonen, „in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt zu sein“ und damit immer wieder gefordert werden, zu erklären, was „weltlich gesinnt“ sei und was nicht. Zudem spielt es eine Rolle, sich „den Himmel auf Erden“ verdienen zu müssen. Amische selbst sagen dazu: „Mir misse unser Glaawe ausschaffe“. Man nennt dies eine legalistische Theologie, die betont, dass die Einhaltung von Gesetzen und Lebensmaximen den Eingang in den Himmel verspricht.

Es gibt für Andersdenkende durchaus nachvollziehbare Überlegungen zu den amischen Verboten. Die Maxime ist: „Gruppenerhalt und Gruppenleben gehen vor individueller Verwirklichung“. So wird der Einfluss des Fernsehens und vieler Neuerungen auf das Familien- und Gruppenleben kritisch gesehen.

Einige äußerliche Merkmale der amischen Kultur: Die Amischen alter Ordnung fahren Pferdekutschen, die je nach der Gruppe grau, schwarz, gelb, weiß oder braun sind, deren Räder Stahlmäntel haben und keine Gummibereifung (dies erlauben andere Gruppen), was ebenso übertragen wird auf den Einsatz von Traktoren (zumeist im stationären Betrieb), aber auch auf Fahrräder (verboten im Lancaster County, erlaubt außerhalb lancastrianischer Siedlungen); erwachsene (getaufte oder verheiratete) Männer tragen einen Vollbart ohne Schnurrbart; Frauen tragen als Kopfbedeckung eine „Kappe“ oder beim Ausgehen einen „Strohhut“ (Bonnet); es wird einfarbiges Tuch für die Kleidung verwendet, gemusterte Stoffe werden vermieden.

Amische Kleidung ist zumeist einfach, jedoch qualitativ hochwertig gehalten. Es ist nicht gestattet, Knöpfe an Mänteln anzubringen – sie müssen Kleidernadeln oder Haken mit Ösen verwenden. Es werden jedoch durchaus auch synthetische Stoffe vernäht, um zeitaufwändiges Bügeln zu reduzieren. Zumeist wird die Kleidung selbst gefertigt, wobei Hemden jedoch auch in Läden gekauft und Mäntel als Spezialarbeit an besonders fähige Näherinnen vergeben werden.

Amische Haushalte besitzen keinen Anschluss an das Elektrizitätsnetz, sondern verwenden gasbetriebene Lampen oder erzeugen für einige Geräte eigene Elektrizität. Batterien sind teilweise erlaubt, mancherorts wird ein Hydraulikbetrieb genutzt. Fotografiert zu werden, so wird oft behauptet, sei den Amischen aus religiösen Gründen untersagt. Es gibt kein derartiges Verbot. Aus der allgemeinen Ablehnung, das Individuum herauszustellen, wird ein sich „In-Pose-Setzen“, was früher mit dem Fotografiertwerden verbunden war, abgelehnt.

Natürlich können wir einiges an diesen Gedanken verstehen aber im wesentlichen bleibt das Gedankengut unserer individualistischen gewinnorientierten Gesellschaft fremd. Wir denken nicht wie die Amish und wir können auch keine Amish werden. Deshalb grenzen sich die Amish ja auch bewusst aus der real existierenden amerikanischen Gesellschaft aus. Sie sind anders und wollen anders sein. Auffällig werden sie nur, wenn sie wieder einmal jemanden aus ihrer Gemeinschaft gebannt haben und dieser sein Leid einer Welt klagt, die nicht einmal ansatzweise begreift, was ihm durch den Bann genommen wurde.

Aber man fürchtet sich nicht vor den Amish. Diese Viertelmillion Leute wird belächelt aber nicht als Bedrohung empfunden. Wie würden wir diese Art der kindlichen Bindung an die religiöse Gemeinschaft wohl bei anderen Glaubensrichtungen nennen:

Kinder der Old Order Amish besuchen heutzutage zumeist keine öffentlichen Bildungseinrichtungen mehr, sondern gesonderte private Schulen, in denen sie von jungen, unverheirateten Frauen unterrichtet werden. Diese so genannten „one-room schools“ (Ein-Raum-Schulen) verteilen sich über das Siedlungsgebiet und werden durch Schulgelder der Eltern finanziert – nicht durch die amerikanischen Schulbehörden. Die eigenen Schulen erlauben die Kontrolle der Unterrichtsinhalte und konditionieren sowie sozialisieren die Kinder stärker in Richtung des späteren Beitritts zur eigenen Gruppe. In diesen Schulen werden die Basisfähigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens gelehrt, nicht aber Biologie (besonders nicht Sexualkunde), keine wissenschaftlichen oder erdgeschichtlichen Lehren oder gar die Evolutionstheorie. Hinsichtlich des Wissens über „die drei Rs“ (reading, writing, ‚rithmetic) können amische Schüler mit ihren amerikanischen Gleichaltrigen in öffentlichen Schulen mithalten. In amischen Schulen herrscht große Disziplin, vieles wird durch Stillarbeit erlernt. Es wird ebenfalls Deutsch unterrichtet (wofür angepasstes Schulmaterial entwickelt wurde), damit die religiösen Texte gelesen werden können. Das amische Schulwesen ist stark identitätsstiftend, einige Soziologen sehen in ihm sogar den größten Faktor für das Überleben der Amischen als eigene Gruppe, da Religion nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse in argumentative Beweisnot gerät und andere Lebensoptionen weder gezielt angesprochen noch gefördert werden.

Erstaunlicherweise sind wir bereit eine Menge an Parallelgesellschaft und auch undemokratischer Bindung an eine Gruppe hinzunehmen solange diese Gruppen nur zahlenmäßig klein genug ist. Natürlich ist diese Hinnahme keine Anerkennung. Tatsächlich sind solche Gruppen verwirrend und in einigen Sonderfällen können sie durchaus Furcht erregen.

Die Amish behalten das Deutsche bei um ihre Abgrenzung zu unterstreichen und sie empfinden sich als etwas Besseres als all die anderen Glaubensgemeinschaften und natürlich die Ungläubigen. Diese Einschätzung kommt aus dem Selbstverständnis der religiösen Gruppe und es selten klar ersichtlich ob der einzelne Gläubige sie direkt auf sich oder nur auf die Gemeinschaft bezieht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass gerade religiöse Einstellungen noch lange vor politischen Einstellungen für Ausstehende furchteinflößend sein kann. An sich sind ja die offiziellen Ziele aller Religionen dem zugewandt, was die meisten Menschen als das Gute definieren würde, aber immer wieder gibt es einzelne Gruppen, denen es nur darum geht ihre eigene Meinung als die einzig wahre durchzusetzen und die dafür auch vor Mord nicht zurückschrecken.

An dieser Stelle genau setzt das Problem ein. Ist derjenige der glaubt mit seiner Religion gleichzusetzen? Sind alle Katholiken so wie Ratzinger oder sind gar alle Katholiken Pädophile weil in ihrer Religionsgruppe der Missbrauch von Kindern durch Priester besonders häufig vorkommt? Man kann diese Frage sicher ruhigen Gewissens verneinen. Weil es katholische pädophile Priester gibt, sind nicht alle katholischen Priester pädophil und schon gar nicht alle Katholiken.

Wenn aber eine Religion wie die katholische sich als die alleinseligmachende bezeichnet und von ihrem Oberpriester in schöner Regelmäßigkeit die anderen Religionen als falsch bezeichnet werden und dazu aufgefordert wird, die Angehörigen dieser Religionen zu missionieren, dann kann man schon Angst bekommen.

Was aber könnte der einzelne Gläubige tun. Wendet sich ein Katholik gegen das was Ratzinger und die pädophilen Priester treiben, dann muss er um sein Paradies fürchten. Wenn jemand wirklich glaubt, kann derjenige ja nicht für Einzelfragen aus der Bindung seiner Religion heraustreten und diese gesondert werten. Der Gläubige einer Religion muss dieser folgen. Er ist abhängig und nur in sehr geringem Maße in der Lage Kritik zu üben. Schließlich versprechen ihm die Religionen für seinen Glauben und sein Geld ja die ewige Seeligkeit, die ein Gläubiger nicht gefährden darf.

Kritik können nur Leute üben, die nicht im Glauben gefangen sind. Allerdings geht die Freiheit die man einem Gläubigen bewilligen muss nicht soweit, das er selbst Täter werden dürfte. Genau an dieser Schwelle wo er sich aktiv an den Untaten seiner Religion beteiligt, muss er zur Verantwortung gezogen werden. Bis dahin ist er als Gefangener seines Glaubens zu sehen.

Gefangene die ihre Ketten mit Freuden tragen. Entweder steckt dahinter eine Gehirnwäsche, eine Selbstsuggestion oder eben dieser mystische Gott selber. Ich kann das für andere nicht beurteilen. Es entzieht sich meinen Beurteilungsmöglichkeiten. Deshalb muss ich es so hinnehmen, wie es die Gläubigen selber sehen. Ich muss es ihnen abnehmen dass sie ehrlich glauben.

Wenn sie aber ehrlich glauben, dann reicht es nicht ihren Glauben zu tolerieren, obwohl ich ihn nicht respektieren kann. Es muss ein anderes Gefühl her. Ehrfurcht trifft die Dinge da schon ganz gut:

Ehrfurcht ist ein hochsprachliches Wort für eine mit Verehrung einhergehende Furcht. Sie bezieht sich immer auf einen übermächtigen (erhabenen) Adressaten, ob real oder fiktiv. Sie kann individuell oder allgemein üblich sein. Sie empfinden zu können, wird zumeist als Tugend angesehen.

Wenn ich dem Glauben des Anderen die Ehrfurcht erweise, die ich von anderen auch für meinen Glauben erwarten würde, dann kann das nicht falsch sein. Allerdings bezieht sich diese Ehrfurcht nur auf sein persönliches Verhältnis zu seinem Gott und nicht auf seine Religionsgemeinschaft.

Religionen sind wie gefährliche Tiere. Sie können von ihren Mitgliedern nur schwer kontrolliert werden und bedürfen deshalb der ständigen Überwachung durch Menschen die nicht dieser Religion verfallen sind. Solange sich die Kritik dabei auf die institutionelle Religion beschränkt ist so gut und richtig. Individueller Glauben darf nicht kritisiert werden.

Wer gar mein, er könne individuellen Glauben zu einem Rassemerkmal hochstilisieren, zeigt nur das es ihm an der Ehrfucht vor dem Glauben an sich mangelt.