Studiengebühren – das Weihnachtsgeschenk der Zeit

Die Zeit, das neoliberale, wirtschaftsfaschistische Kampf- und Propagandablatt rückt kurz vor Weihnachten die Dinge mal wieder ins „rechte“ Licht. Zum Thema Abschaffung der Studiengebühren titelt das Blättchen „Gerecht, aber schlecht“ und haut auf Seite 2 noch ein „Wer von einem Studium profitiert, sollte auch an der Finanzierung beteiligt sein“ hinterher. Natürlich muss auch die Neiddebatte gefütter werden wozu mit dem Satz „Die Frage dürfe nicht lauten »Studiengebühren – ja oder nein?«, sondern eher: »Was ist fairer: Bis zu 600 Euro pro Monat für die Kita oder 83 Euro für die Uni?«.“ auch die Bildzeitungsleser befriedigt werden sollen.

Natürlich fallen nur die ganz Dämlichen auf derartig blasse Propaganda herein. Selbstverständlich sollte die Kita immer kostenlos sein, genau wie Uni, weil Bildung ja der wichtigste Rohstoff ist, denn ein so rohstoffarmes Land wie Deutschland problemlos immer neue schaffen kann. Aber mal im Ernst die Zeit ist natürlich nicht dafür bekannt, dass sie das Offensichtliche begreift. Sie hat den Auftrag die Menschen die sogar längere Texte lesen zu können, zu verarschen, wie es die Bildzeitung für die Leseschwachen tut. Früher geschah das in der Zeit sogar mal auf einem etwas höheren Niveau, aber mittlerweile kann ein Autor problemlos zwischen der Bild und der Zeit hin- und herwechseln. Die Anforderungen sind gleichermaßen unterirdisch.

Die Forderung nach Eintrittsgeldern für Bildung in Kita, Schule, Universität und Beruf haben natürlich einen Zweck. Es geht darum den gesellschaftlichen Aufstieg zu verhindern. Nehmen wir doch mal einen klassischen Zeitjournalisten. So wie der denkt und schreibt erzieht der ja auch seine Kinder. Diese Kinder haben im Wettbewerb gegen die viel offener und denkfreudiger erzogenen Kinder aus der Arbeiterklasse und den bildungshungrigen Migranten natürlich keine Chance. Deshalb muss dieser Journalist für Hemmnisse sein, die seine Kinder schützen und ihnen Jobs verschaffen, die sie in einem fairen Wettbewerb nicht bekommen würden.

Was für den Propagandajournalisten gilt, gilt natürlich auch für den Bankster, den gekauften Wissenschaftler, den Manager der nichts leitet und steuert sondern nur die Arbeitslöhne drückt. Sie brauchen hohe Einstiegshürden, Privatschulen und Privatuniverisitäten, hohe Kitagebühren, möglichst Schulgeld und hohe Studiengebühren. Sie lassen Naturschutzparks für ihren Nachwuchs bauen, der dann in der Verantwortung noch jämmerlicher versagt als seine Eltern. Unnötig zu sagen, das all die Privatschulen und Privatuniversitäten mit Steuergeldern bezahlt werden. Jede Spende ist steuerabzugsfähig. Der Arbeiter bezahlt also die Schule und Universität der Reichen, die aber dafür sich die Steuern ganz sparen und ihr Geld in der Schweiz bunkern.

Soweit ist das Ganze klar und durchschaubar. Es ist eben der alte Klassenkampf von oben und es beweist, dass die da oben immer noch viel Angst vor den Fähigkeiten des Volkes haben. Aber es hat natürlich auch einen Nachteil. Die Kinder dummer Eltern sind oft selber dumm. Die sogenannte Elite, die ja nur eine Elite der Abzocker ist darf man im klassischen Sinne ruhig als dumm bezeichnen. Aus ihr wird nie ein Nobelpreisträger kommen und auch keine bahnbrechenden Forschungsergebnisse. Wir müssen uns damit abfinden das ihre Doktorarbeiten immer dann besonders gut sind, wenn sie zu hundert Prozent aus Plagiaten längst toter Autoren bestehen, da ihre eigenen Gedanken nutzlos sind.

Wer sich heute fragt warum es sowenig Innovation und neue Produkte in Deutschland gibt, der kann ruhig diesen Klassenkampf von oben als Ursache nennen. Aber da wir diesen Schwachsinn ja wie so vielen anderen Unfug auch von den USA übernommen haben, ist es vielleicht interessant mal einen Blick in die USA zu werfen, wo die Bildungskosten den Amerikanern langsam aber sicher über den Kopf wachsen:

Die Höhe der Bildungskredite beträgt in den USA insgesamt mehr als eine Billion Dollar. Im vergangenen Jahr waren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten allerdings rund 1,5 Millionen und damit 53,6 Prozent der Bachelor-Absolventen unter 25 Jahren arbeitslos oder unterbeschäftigt. Schlecht auch für die Rückzahlung der ausstehenden Darlehen, denn in den USA sind Studentenkredite Standard.

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Aktuelle Zahlen lassen die Alarmglocken neuerlich schrillen. Es haben mehr Amerikaner Probleme, ihre Studentenkredite zurückzuzahlen, als ihre Kreditkartenschulden zu begleichen. Rund 956 Milliarden Dollar (736 Milliarden Euro) an Student-Loans standen Ende September aus. Elf Prozent der Kreditnehmer sind ihren Zahlungsverpflichtungen seit mindestens 90 Tagen nicht nachgekommen, gab die Zentralbank von New York bekannt.

Werden die Kredite dazugerechnet, die aus Kulanz oder anderen Gründen auf Eis liegen und vorübergehend nicht bedient werden, liegt die Verzugsrate bei 20 Prozent. Die ausstehenden Kreditkartenzahlungen fallen dagegen mit knapp 700 Milliarden Dollar geradezu bescheiden aus.

Da wird eine Schuldenblase aufgebaut, die bei einer sich immer mehr verschlechternden Wirtschaftslage irgendwann platzen muss. Gerade die Zeit die wie die gesamte Systempresse doch immer so sehr dafür ist, dass die Arbeitnehmer ausgebeutet werden und die nichts dabei findet, dass ganze Studentenjahrgänge in der Generation Praktikum verschwinden und komplett vom Großkapital ausgebeutet werden, müsste erkennen, das dieses System nicht funktioniert. Aber woher sollte dieser Verstand kommen. Die Journaille dort sieht sich ja als Elite und merkt ja gar nicht, dass sie auch ihren Kindern das Grab gräbt. Vielleicht ist es diesen Leuten auch egal.

Bei den Systemmedien ist es einfach. Wir müssen ihn nur nicht glauben. Komplizierter ist es wenn Politiker wie Sarrazin und Buschkowsky zusammen mit anderen Rassisten oder Menschenverächtern Bildung schon in der Grundschule blockieren. Die kann man nicht mehr ignorieren, die muss man bekämpfen. Kita, schulische Bildung, Studium und Berufsaus – und Weiterbildung müssen kostenlos sein und jedem jederzeit zur Verfügung stehen. Wir müssen den Menschen die Bildungsangebote nachtragen. Wir brauchen keine Talkshows die Herrn Jauchs Menschenverachtung teuer bezahlen, sondern Bildungsfernsehen. Jede denkbare Unterrichtstunde, jede Vorlesung, jede betriebliche Ausbildungsstunde muss jedem interessierten jederzeit über das Internet zur Verfügung gestellt werden.

Wir müssen den Menschen Zeit für Bildung verschaffen und sie mit wirtschaftlichen Anzreizen dazu bringen sich weiterzubilden. Das Geld dafür ist mehr als vorhanden. Wir müssen nur wollen. Warum haben wir eigentlich keine Partei die Bildung für alle fordert?

Aber Bildung ist ja auch ohne den Staat zu machen. Was hindert uns eigentlich daran jede Unterrichtsstunde aufzuzeichnen und ein Bildungsportal im Internet selbst zu gestalten. Ich wäre sofort mit dabei. Gibt es Lehrer und Filmemacher die mitmachen? Gibt es Tutoren die per Videokonferenz bereit sind die Lernenden zu unterstützen? Gibt es vielleicht sogar Firmen die kluge Mitarbeiter suchen und ein solches System unterstützen? Das wäre doch eine Aufgabe für 2013. Machen wir Bildung. Das erledigt auch unsere Parteien und die Systemmedien. Von denen lassen sich nur dumme Menschen beeinflussen.


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5 Kommentare

  1. Lieber Jochen,

    es tut mir jedesmal weh, wenn gebildete, reflektierte Menschen wie Du so sorglos mit dem Begriff Faschismus hantieren. Die „Zeit“ mag ein rechtskonservatives, elitäres BLatt sein, welches in ökonomischen Fragen meistens (nicht immer!) neoliberale Positionen vertritt. Aber „faschistisch“ ist sie nun wirklich nicht. Die inflationäre Verwendung des Labels „Faschismus“ ist nicht nur unhistorisch, sondern sie vernebelt auch aktuell die Besonderheiten einer faschistischen Diktatur und entsprechende Bestrebungen (wie z.B. in Ungarn)

    1. Oh Rainer, ich bin nicht sorglos mit meinem Faschismusbegriff. Wir sind nur unterschiedlich sozialisiert worden. Ich habe schon als Kind mitbekommen, dass eine der Urwurzeln des Faschismus der Kapitalismus ist, den du vermutlich als Imperialismus bezeichnen würdest.

      Dabei geht es um das alte „Teile und herrsche“, aus dem heraus sich automatisch Rassismuss, Verfolgung und Vernichtung ergeben. Adolfs Mitläufer sind nur ein kleiner, wenn auch schrecklicher Aspekt des Faschismus. Es ist der Hitler- oder Nazifaschismus.

      Aber in Nürnberg und den nachfolgenden Prozessen wurden die Täter des großen Geldes alles mehr oder weniger frei gesprochen und weiß gewaschen.

      Leiharbeit, Werkverträge, prekäre Beschäftigung sind Ausdruck faschistischen Denkens. Das ist doch nicht mit Krupp und Stinnes untergegangen. Aber rein rechtlich, darfst du heute einen Rassisten und Faschisten nicht mehr als solchen benennen. Das verbietet dir das nächste Gericht, weil ja Faschismus in Deutschland nur der Hitlerfaschismus ist.

      Wenn ein Faschist in Deutschland nicht dreimal täglich „Heil Schickelgruber“ ruft dann ist er kein Faschist.

      Der Begriff Wirtschaftsfaschist ist der Ausweg. Ich kann auf die faschistoiden Tendenzen aufmerksam machen ohne dass mich ein Gericht dafür fassen könnte.

      Denn das wofür die Zeit steht ist Wirtschaftsfaschismus und wenn du magst kriegerischer Imperialismus in seiner typischten Form.

      Und lieber Rainer, wir müssen den Gegner mit klaren Eigenschaften benennen um zu zeigen, gegen wen wir kämpfen.

  2. Wie immer ein guter Artikel.
    Jedoch störe ich mich in einer Zeit, in der Qualifikationen innerhalb von Monatsfrist aberkannt werden, an folgendem Satz: „Aber Bildung ist ja auch ohne den Staat zu machen“.
    Die Aussage stimmt natürlich, nur braucht es für jede „Bildung“ einen staatlich anerkannten Abschluss. Wenn man den nicht hat, steht man auch mit der besten Bildung vor verschlossenen Türen.
    „Sie besitzen keine Qualifikation, weil wenn Sie eine hätten, wären Sie ja nicht arbeitslos“

  3. #1 #2

    Einverstanden: Begriff „Faschismus“ nicht inflationieren = übermäßig im pol. Kampf vernutzen.

    Nur oben stand eingegrenzt auf die scheinliberale Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“: das *“neoliberale, wirtschaftsfaschistische Kampf- und Propagandablatt.“*

    Damit hat der Autor zugespitzt auf „wirtschaftsfaschistisch“, was auch Juristen im öffentlichen Meinungskampf vermutlich grad so noch unterhalb von „Beleidigung“ etc. durchgehen lassen würden.

    Präzise Begriffe empfehlen sich auf zwei Gründen:

    a) mit Blick aufs Strafgesetzbuch allgemein
    b) speziell, weil Begriffe Denken ausdrücken.

    Und wenn´s einen Guten Wunsch fürs Neue Jahr gibt, dann den: bitte immer vorm Niederschreiben und ins Netz stellen denken und möglichst wenig abstrakte Schlagworte benutzen … ist anstrengend, führt aber kein Weg dran vorbei.

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