Strafzölle und Protektionismus

Strafzölle als Endpunkt der Globalisierung. Ehrlichgesagt kann ich mir bei der ganzen Diskussion zu dieses Thema ein innerliches Grinsen nicht verkneifen. Denn tatsächlich wurde der gesamte Handel stets mit Zöllen reguliert. Heute in Großeuropa nennen wir es nur nicht Zoll sondern mokieren uns über den falschen Krümmungsgrad einer Gurke oder bemängeln die Nichteinhaltung unserer Normen. Die neueste Idee ist den Handel mit der Rücknahme von Flüchtlingen zu verknüpfen.

Das ist alles relativ unproblematisch. Denn Märkte wie die USA, Europa, Russland oder China sind so groß, dass sie für die nächsten zehn Jahre nur sehr begrenzt wirklich einen Außenhandel brauchen. Tatsächlich wird der Bedarf an Rohstoffen, auch anderen Handel mit öffnen. Weiterhin sind ja auch nicht nur die Zölle auf Importe möglich, sondern eben auch Ausfuhrzölle, die manches rohstoffreiche Land finanziell wieder auf die Füße bringen können. 

Das Ziel von Trump ist klar. Er braucht Geld und Arbeitsplätze. Das geht zum Beispiel sehr leicht mit Autos. Anstatt eben deutsche, japanische oder koreanische Autos zu verkaufen, werden durch Importzölle, amerikanische Autos billiger. Im Moment schöpft man bei VW die US-Gewinne und mehr dadurch ab, dass man in Gerichtsverfahren hohe Strafen verhängt um zum Beispiel Dieselautos ganz vom Markt zu verdrängen, was ja auch geklappt hat.

Im Prinzip reicht es aus über Zölle die billigeren Lohnkosten in anderen Ländern abzuschöpfen, aber die meisten werden wohl mehr nehmen und versuchen von ihren Auslandsschulden runterzukommen und auch Steuererleichterungen möglich zu machen. Steuerleichterungen für die Reichen im eigenen Land. Damit werden deren Verluste abgefangen und gleichzeitig über mehr Arbeit neue Steuereinnahmen in den USA oder Europa geschaffen. 

Wenn man das konsequent zu Ende denkt, bedeutet es auch, das riesige Investitionsströme in die Binnenwirtschaft fließen. Es ist wie nach einem Krieg. Eine ganze Wirtschaft muss neu aufgebaut werden. Das gute daran ist, dass es eben ohne Krieg geht und es viel Zeit für den Umbau braucht. Es fällt also niemand plötzlich in ein Loch. 

Dumm an dem Ganzen ist nur, dass in diesen Zeitraum auch ein weiterer und sehr großer Automatisierungsschritt fällt. Es werden weniger als die Hälfte der Arbeitsplätze zurückkehren die einstmals durch die Globalisierung in Billiglohnländer ausgelagert wurden. Aber diese Entwicklung wäre auch bei einer Weiterführung der Globalisierung genau so eingetreten. In Europa und den USA wird die Wirtschaft unter dem Strich profitieren und nach dem Abschluss der Investitionsphase auch wieder wahnsinnige Gewinne einfahren. 

Der pazifische Raum wird von den USA Sonderkonditionen bekommen, da dort Trumps Interessen liegen. Das gilt auch für Australien. China hat so viele US-Dollar, dass sie die wegfallenden Aufträge dazu nutzen können ihre Binnenkonjunktur in Gang zu bringen. Der indische Einflussbereich ist ja schon seit langem dabei mit den umliegenden Staaten Handelsabkommen zu schließen und wird sich selbst helfen können. Die Araber haben noch Öl und Gas, also Geld. Sie können und müssen sich eng zusammenschließen was ohne Einflussnahme von außen auch machbar ist. 

Den ganz schwarzen Peter haben die Briten gezogen. Sie sind raus der EU und werden schnell feststellen, dass ihnen Schutzzölle nichts nutzen. Natürlich werden sie die Frankfurter Börse bekommen, aber der Markt ist flexibel und wird ausweichen. Sie bleiben sich selbst überlassen und werden wohl auch noch die Schotten verlieren. 

Das ganz große Problem ist Afrika. Die Rohstoffexporteure werden gewinnen, aber die anderen werden noch sehr lange Hilfe brauchen, die wirklich die Länder in Schwung bringt. Europa aber auch Russland und China werden helfen müssen. Lateinamerika wird als Hinterhof der USA entweder verkommen oder sich auf seine eigene Wirtschaftskraft und sich selbst besinnen müssen, wenn die USA das zulassen. 

Russland und Europa werden viel stärker mit einander verzahnt sein, als das heute denkbar ist. Langfristig werden sie zusammenwachsen zu einem Wirtschaftsbereich. 

Kommen wir nun also noch kurz zum Protektionismus. Zollschranken zum Schutz des eigenen Wirtschaftsraumes sind kein Protektionismus. Schon der Begriff Strafzoll ist in dem Zusammenhang Blödsinn. Tatsächlich wird so dafür gesorgt, dass die Konzerne nicht überall noch mehr Abzockmöglichkeiten bekommen, weil sie die angeblich für die Globalisierung brauchen. Sie werden wieder in die Rechtssysteme ihrer Wirtschaftszonen zurück müssen um weiter leben zu können. Das ist gut für alle. 

Natürlich ist schon jetzt das Geschrei groß, dass man angeblich die Zulieferungen aus anderen Gebieten braucht und Zölle dies unmöglich machen würden. Tatsächlich können sie ebensogut in den Wirtschaftsräumen in denen sie ansässig sind all das produzieren was sie brauchen. Echter Protektionismus beginnt da wo man die Produkte anderer Länder grundsätzlich ablehnt, anstatt sie zu nutzen weil sie gut sind. Normalerweise finden gute Produkte, wie die Geschichte des Made in Germany zeigt, auch in einem dummen Protektionismus ihren Markt. Aber dazu braucht man attraktive und innovative Produkte mit hoher Lebensdauer in bester Qualität. 

Es geht also um einen Wettbewerb in Innovation. Konzernmanager die nur auf Quartale schielen, wollen aber keine Innovation. Durch Importzölle geschützte Binnenmärkte die groß genug sind, werden zwangsläufig neue Firmen entstehen lassen, die den traditionellen Konzernen durch innovative und attraktive Produkte einen harten Wettbewerb liefern werden. Mancher Globalplayer von heute wird das nicht überleben. Und das ist gut so. 

Vermutlich wird nach Trumps zweiter Amtsperiode wieder eine Wende eintreten, aber bis dahin werden die meisten, heute noch unlösbar erscheinende Probleme gelöst sein. Man wird dann nur noch über unsere heutigen Probleme mit einem bedingungslosen Grundeinkommen lächeln. Die kommende Entwicklung gibt uns eine Chance. Ob wir sie nutzen liegt an uns. 

 

 

3 comments

  1. Toorop says:

    Sehr guter Artikel. Leider haben die meisten Menschen keine Zeit, das zu lesen und darüber auch noch nachzudenken. Wenn Spiegel oder WELT denen Worte wie “Protektionismus” und was weiß ich was es noch gibt, vor die Nase schiebt, dann glauben das die schlafenden nicht erleuchteten Schäfchen…
    Tja…
    Zeit ist Geld, Geld braucht man zum Leben…
    Wer liest schon auf unabhängigen Medien über Politik..

  2. Felix Klinkenberg says:

    Sehr geehrter Jochen, genauso wie sie es Ausgeführt haben. Nur mit Schutzzöllen, kann man ein Land wieder Aufbauen, die USA sind in einem Zustand, wie nach einem Krieg. Haben wir in der BRD, nach dem Krieg, kein bisschen anders geschafft, das war die Ursache und nicht die vergötterte Marktwirtschaft von Ludwig Erhard.

  3. Schnulli says:

    Was ist denn mit Ramschartikeln? Koennen wir uns ueber Zoll oder Steuer nicht auch endlich einmal dagegen schuetzen? Eine Herstellergarantie per Gesetzt z.B., die nicht die ordentliche Funktion beim Verkauf betrifft (Gewaehrleistung) sondern ganz konkret auf die Lebensdauer bezogen ist.

    Und von was fuer Innovationen sprichst du, Jochen? Sollten wir nicht langsam mal Entschleunigen mit dem Immerneuen. Denn immer mehr und immer schnellere Innovationsschuebe muessen auch konsumiert werden koennen. Die Lebenszeit der Artikel ist eh schon extrem in den Keller gewandert, und die Muellberge mag ich mir gar nicht vorstellen, die noch auf uns zu warten scheinen.

    Irgendwie klingt dein Ausflug in die Makrooekonomie nach Hoffnung? Zeig doch den Artikel mal dem 17-jaehrigen Maedchen ;) Vielleicht hilfts ja.

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