SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – Ein Portrait

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Nachdem die SPD schon den besten CDU-Kanzler (Helmut Schmidt) und einzigen FDP-Kanzler (Gerhard Schröder) stellte, wird sich laut BILD nun also Peer Steinbrück für weitere Abrissarbeiten am Gemeinwohl bewerben. Und da der Pöbel ja eher mit einem Kurzgedächtnis gesegnet ist, will ich nochmal einige seiner Heldentaten auflisten.

Peer Steinbrück hatte nämlich schon 2008 mal einen Regulierungsplan gegen das Bankengezocke angekündigte – und selbstverständlich NICHTS davon umgesetzt. Ganz im Gegenteil hat er diese sogar persönlich blockiert, als er noch regierender Bundesfinanzminister war. Dies darf gerne als exemplarisch für Steinbrücks Glaubwürdigkeit herhalten, der zur Zeit ja mit einem angeblichen Banken-Programm auf Wählerfang geht.

Und Steinbrücks Liste an „Glanzleistungen“, gerade während seiner Regierungszeit als Bundesfinanzminister, ist lang:

Es war Steinbrück, der einst grosse Spekulationsgewinne steuerfrei stellte. Es war Steinbrück, der mit dem „Deutschlandfonds-Konzept“ Werbung fürs Finanzcasino machte. Es war Steinbrück, der einen Urlaubsverzicht der Deutschen forderte, um das gesparte Geld besser „zur Altersvorsorge“ ins Finanzcasino zu schmeissen. Und es war Steinbrück, der auch noch unsere Deutsche Bahn dazuwerfen wollte.

Es war Steinbrück, der sich erst über die Amis lustig machte, als sie 2008 Milliarden in ihre Banken schaufeln mussten und triumphierend jede Gefahr für Deutschland ausgeschlossen hatte – ja sogar eine „Bad Bank“ strikt ablehnte. Nur wenige Tage später warf er der Hypo Real Estate zuerst 26, dann 35, letztlich über 100 Milliarden Euro nach. Und treffsicher gab es die Rettungsmilliarden exakt einen Tag später, als deren Fünf-Jahre-Haftungsfrist ablief. Natürlich inklusive Blockade, Verschleppung und Vertuschung im nachfolgenden Untersuchungsausschuss. Weitere zweistellige Milliardensummen für Commerzbank und Komplizen liefen parallel.

Natürlich musste im Gegenzug auch irgendwo „gespart“ werden. Also hat Steinbrück mal eben (verfassungswidrig) die Pendlerpauschale gekürzt. Und nach der folgerichtigen Ohrfeige vom BVerfG meinte er, dass er das Geld jetzt natürlich nur durch Kürzungen bei Bildung, Forschung oder Infrastruktur gegenfinanzieren kann. Auch war es Steinbrück, der über 20 mal per Ministeranweisung eingriff, damit der Pöbel seine Steuerrechte nicht wahrnehmen kann. Und es war Steinbrück, der die „Rente mit 67“ verteidigt und sogar die lächerliche „Rentengarantie“ für falsch hält.

Steinbrück zeigte stets ein weiches Herz zugunsten derjenigen, die ohnehin schon fett in der Sahne schwimmen. Es war nämlich Steinbrück, der das Bankenrettungsgesetz extra intransparent gestaltete, damit sich die Finanzindustrie (und sogar externe „Berater“) heimlich nach Lust und Laune bedienen können. Auch war es Steinbrück, der den Finanzlobbyisten Jörg Asmussen unterstützte, statt wegen seiner ruinösen Arbeit rauszuwerfen. Natürlich bezeichnete Steinbrück die in einer Wirtschaftskrise nötigen Konjunkturprogramme als reine Geldverbrennung. Und es war Steinbrück, der grossmäulig „die Kavallerie ausreiten“ lassen wollte, aber dann doch nichts gegen die milliardenschwere Steuerhinterziehung tat.

Knallharte Kante hingegen bekamen diejenigen zu spüren, die ohnehin schon am Boden liegen. Schliesslich sind diejenigen, die sich gegen die finanzstarken Mächtigen auflehnen, verachtenswerte linke Populisten. Die wahren Helden hingegen treten gegen die Schwächsten unserer Gesellschaft und bekommen in unseren Qualitätsmedien grosse Anerkennung, wenn sie gegen Ausländer und Erwerbslose agieren. Exemplarisch dafür seine Steuererhöhung auf Schulessen, um zeitgleich „Leistungsträger“ entlasten zu können. Auch war es Steinbrück, der Kindergeld als “Subvention der Alkohol- und Zigarettenindustrie“ bezeichnete. Steinbrück war es auch, der während seiner vierjährigen Amtszeit stets verhinderte, dass die Kinder arbeitsloser Eltern ihr Ferienjob-Geld behalten dürfen. Und als sogar die CDU anregte, dass auch der Regelsatz wenigstens an die Inflationsrate angepasst werden müsste, wischte Peer Steinbrück dies als „nicht finanzierbar“ vom Tisch.

Es war Steinbrück, der jedes Linksbündnis (inkl. Tolerierung) in Hessen ablehnte, sich auf Bundesebene zugunsten der CDU aussprach und in Steuerfragen sogar eng mit Hessens Oberkorrupti Roland Koch (CDU) zusammenarbeitete. Es war Steinbrück, der sich über Heuschrecken und Arbeitsplatzabbau freut. Ja sogar noch mehr Freiheit für Heuschrecken forderte. Und es war Steinbrück, der vor zu viel Kritik gegen Merkels Politik warnte.

Heute hält Steinbrück vor jubelnder Finanzlobby überbezahlte Redevorträge und kassiert dafür über eine Million Euro ab[/url]. Kein Wunder, posaunt er doch tagein tagaus, dass man „die Starken nicht verprellen dürfe“ und somit eine Reichensteuer nicht infrage kommt. Wenn es allerdings um klitzekleine Vergünstigungen ging, die dem Pöbel aufgrund diverser Gerichtsurteile zugute gekommen wären, hat er sofort Nichtanwendungserlasse ausgesprochen.

Auch FDP-Landeschef Kubicki sagt: „Steinbrück ist ein guter Mann.“ Für wen, muss er ja nicht dazusagen. Und welches höhere Lob kann es für einen Sozialdemokraten noch geben, als von den Taliberalen bewundert zu werden?

Auf auf, Genossen, ran an die Wahlurne und unterstützt euern Sozialdemokraten

28 Kommentare

  1. Der Deutsche liebt Leute wie Steinbrück, denn jeder, der hierzulande den Schwachen in die Weichteile tritt ist für ihn ein echter Macher und so etwas brauchen wir in der Krise.

    Zudem passt es natürlich prima ins Bild, wenn sich zu all den Banklobbyisten von Goldman-Sachs, die mittlerweile an allen wichtigen Schaltpositionen in Europa sitzen, ein Mann dazugesellt, der sich ne Million mit Vorträgen bei ihren Freunden „verdient“ hat.

  2. Vielen Dank für die Auflistung! Man vergisst ja so schnell.

    Steinbrück, sollte er denn Kanzler werden, wird den noch verbliebenen Sozialstaat in einen Steinbruch verwandeln.

  3. Eine weitere Bilderbericht Marionette

    Die macht bleibt im Hause

    Der Schein der Demokratie wird gewährt

    Die n-w-o überlässt nichts dem Zufall

    Ob nun Merkel oder steinbrück oder Trittin- die agenda wird sich nicht ändern

    1. # 6

      Jau, und wer sonst als BKK Steinbrück sollte es schaffen, nächsten September bei der BT-Wahl diese SPD unter 20 Prozent der Stimmen zu drücken?

  4. Nicht zu vergessen, dass Steinbrück wohl der führende Sozialdemokrat war, der Sarrazin anläßlich seines Buches ‚Deutschland schafft sich ab‘ am engagiertesten verteidigte – auch inhaltlich. Ich erinnere mich an eine TV-Talkshow, in der St. genau das tat und dabei Gunnar Heinberson als angeblich unverdächtigter Kronzeugen für S.s Thesen anführte. Dabei weiss jeder, der sich ein bißchen auskennt, dass Heinerson und Sarrazin genau auf der gleichen Wellenlänge liegen. Leider kann ich nicht mehr rekonstruieren, welche Sendung das war, vieleicht findet jemand anders das ja raus.

    Mit Sarrazins Eurobuch war das anders, da hat St. ja dagegen gehalten, aber der Euro ist ja auch ein deutsches Elitenprojekt, da war Runde der Applaudierern von S, sowieso schon wesentlich kleiner und gab es auch keinen Grund für St. sich mit S. gemein zu mnachen.

  5. danke Andreas, super Infos- noch besser die Kommentierung.

    zu Steinbrück:
    „Es hat keinen Sinn, eine Mehrheit für die SPD zu erringen, wenn der Preis dafür ist, kein Sozialdemokrat mehr zu sein “ Willy Brandt

      1. Ne, die von anderen Parteien. Oder stehen noch keine fest. Ich würde mich gerne vor den Wahlen erkundigen. Und diese Seite ist perfekt dafür

        1. Kanzlerkandidaten gibt es doch ansonsten keine anderen. Weder die GRÜNEN, noch FDP, die LINKEN, oder die PIRATEN werden einen Kanzlerkandidaten vorstellen. Das wäre ja auch lächerlich angesichts der aktuellen Umfragewerte.

          Über einzelne Politiker hingegen gab es schon öfters einmal Portraits oder sachbezogene Gegenberichte.

          Olaf Scholz (SPD)
          Cem Özdemir (GRÜNE)
          Joachim Gauck
          Sigmar Gabriel (SPD)
          Tarek Al-Wazir (Grüne Hessen)

          Und auch Duckhome-Chef Jochen hat öfters mal entsprechende Berichte hier veröffentlicht.

          1. Hi, okay danke.

            Dass mit den Kanzlerkandidat kann ich jetzt nachvollziehen. War mir einfach nicht bewusst.

            Interessiere mich für Politik nicht all zu lange. Entschuldige die die dumme Frage :)

          2. Einfach fleissig hier weiter mitlesen. Wir geben uns durchaus Mühe, die Politik auch für Jedermann verständlich zu beschreiben

            Da hat Herr Steinbrück wohl seine ganzen Vergehen übersehen. Naja, mit über 60 darf man schon einmal etwas vergesslich sein :-)

          3. …….der wirds sowieso net……..aber trotzdem wird es langsam Zeit die Messer zu wetzen und die Stricke vorzubereiten…..

          4. @andreas,
            bei Ordensverleihungen und ähnlichen Ehrungen fasst man die großen Verdienste des zu Ehrenden kurz und tabellarisch in einem Auslegeblättchen übersichtlich zusammen. Mach das bitte, und auch ne PDF (wg. drucken) draus.
            Steinbrücks Verdienste sollten einer breiteren Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden…;-)

            1. @andreas,
              bei Ordensverleihungen und ähnlichen Ehrungen fasst man die großen Verdienste des zu Ehrenden kurz und tabellarisch in einem Auslegeblättchen übersichtlich zusammen. Mach das bitte, und auch ne PDF (wg. drucken) draus.
              Steinbrücks Verdienste sollten einer breiteren Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden…;-)

              Ui, die Idee ist wirklich nicht schlecht – und werde das sofort umsetzen und verteilen, wenn auf unserem Marktplatz der SPD-Stand wieder eröffnet wird.

          5. Betr. BKKAnwärter der SPD

            Diesen Herrn Steinbrück, der kurzfristig auch der letzte NRW-SPD-Landesvater war, nehme ich als häßlichen Deutschen par excellence, also wie er im Buche steht, wahr. Allerdings tu ich mir diese ARD-Jauche mit dieser Studioclaque nicht an.

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