Sonntagsgedanke: Wenn’s ein bisschen länger dauert, …

Im Augenblick scheint es, als würde man – beinahe täglich – vom Hundertstel ins Tausendstel kommen. Wen wundert das noch, bei der Flut an kolportierter Aufregung?

Nein, es ist gut, dass sich gerade immer wieder aufgeregt wird. Zumindest im täglichen Kampf um die Medienhoheit – aber tatsächlich auch für uns. Zeigt dies doch den Hochmut jener Klasse oberhalb der normalen Bevölkerung. Oberhalb? Ahja, das glauben sogar schon Politiker. Sie identifizieren die Medien zum Beispiel schon als 2. Macht im Staate – ihnen folgt dann erst ex und judikative usw. "Na dann", will man sagen und schüttelt ungläubig den Kopf; obwohl einem insgeheim ja so ein Gedanke schon nicht ganz "unfremd" ist. Einige von uns haben sogar das Gefühl, dass sie sich bereits an erster Stelle befindet. Nunja, ich denke es ist ausgeglichen und genau deswegen nicht mehr explizit auf eine bestimmte Rangfolge festzulegen. Politik gibt zum Teil Weisungen an die Medien und auch die politische Linie an sie weiter; andersherum folgen ihnen die Medien insoweit wie sie bestimmte Ereignisse dann eben so unters Volk bringen, dass es zur vorgegebenen Linie passt.

Früher haben sie wenigstens zwischendurch immer mal wieder Themen mit in die Öffentlichkeit gebrachte die neutral "wirkten", so dass auch niemand grossartig darüber nachdachte oder nachdenken musste, ob es nicht vielleicht doch irgendwie mit der Politik zu tun haben könnte. Diese Themen gibt es natürlich immer noch, nur nehmen die Wenigsten Menschen sie wahr. Zwei Gründe – will ich meinen – sind verantwortlich dafür. Zum Einen ist die Politik der letzten 10 Jahre nun endgültig beim Volk angekommen; sprich – die Bürgerinnen und Bürger erleben am eigenen Leib was die politischen Vorgaben wirklich bedeuten. Zum Zweiten wird die Bevölkerung, gerade im Moment , geradezu überflutet mit politischem "Kalkül".

Ein Überblick

Diese Masse an Politik lässt uns ein wenig blind daherstochern. Nicht "blind" im Bezug auf das politische Geschehen, sondern "blind" im Sinne von "Scheuklappen" – wir nehmen nur beiläufig, wenn überhaupt, andere Dinge wahr die auch geschehen. Sobald diese den "toten Winkel" der "Scheuklappen" erreicht haben… sind sie weg. Seoul ist ein gutes Beispiel – Millionen Menschen sind auf den Strassen und fordern die Absetzung ihrer neoliberal-totalitären Präsidentin. Aber auch ein Blick nach Frankreich würde frappierende Ähnlichkeiten ersichtlich werden lassen – wenn wir sie doch nur wahrnehmen könnten in unserer Reizüberflutung. Bulgarien und die Republik Moldau haben sich bereits in den letzten 2 Wochen von ihren neoliberalen Präsidenten getrennt. Der Brexit.. – gewünschte Abkehr von der neoliberalen Politik der Europäischen Union. Auf dem gesamten europäischen Kontinent glüht eine Flamme.

Der rechtsliberale Regierungschef in Island ist zurückgetreten; in Italien hat Ministerpräsident Renzi – im Falle eines negativen EU-Referendum im Staat – seinen Rücktritt angedeutet; Spanien hat nach 2 verunglückten Parlamentswahlen und monatelanger Blockade zwar wieder Konservative an seiner Spitze einsetzen können, die Unzufriedenheit aber bleibt weiterhin hoch – vielleicht auch gerade wegen der Konservativen – dort heisst es, man wolle den Verpflichtungen gegenüber der EU weiter nachkommen. Was nichts anderes bedeutet, als dass weiter gespart werden soll: 15 Milliarden. 2017 allein 5,5 Milliarden.
In Portugal sieht es bei genauerer Hinsicht nicht viel anders aus. Allein die Staatsbediensteten haben in den letzten 4 Jahren Lohneinbußen in Höhe von 17,5 Prozent hinnehmen müssen – eingefordert durch die ehemalige konservative Regierung – und fordern dementsprechend höhere Gehälter. Ihnen haben sich Feuerwehrleute, Professoren, Verwaltungsangestellte, Krankenpfleger und Pflegekräfte angeschlossen. In Litauen dagegen haben im Oktaober überraschend die Bauern die dortige Parlamentswahl gewonnen. Das lässt tief blicken. In Estland ist die prowestliche Regierung derweil vor wenigen Tagen durch ein Mistrauensvotum gestürzt worden. In Polen stehen die Menschen zu zehntausenden auf den Strassen und protestieren gegen die Bildungsreform der nationalkonservativen Regierung – sie sehen nicht nur ihre Arbeitsplätze in Gefahr, auch die Befürchtung es können damit tausende Lehrstellen wegfallen nährt ihren Protestwillen.

Fazit

Wo man also hinschaut – es muss nicht mal Amerika sein – geht es den Menschen in den jeweiligen Bevölkerungen um realexistiernde Existenzängste. Sie kommen nicht von ungefähr. Sie gibt es nicht nur auf dem europäischen Kontinent. Nehmt die Scheuklappen runter – kommt aus der Deckung. Was auch immer zurzeit Medien und Politik kolportieren und welche Macht sie meinen zu haben:
Reitet die losgebrochene Welle – reitet sie. Es ist die Welle eures Lebens. The big Wave.

9 comments

  1. Derweg says:

    und die Welle schwappt wie vom Kapital gewünscht nach rechts, denn das was sich in all den Ländern links NENNT ist genauso unwählbar wie hier die pdseudolinken Parteien. In Griechenland regiert doch eine Linke …und? Nix da es wird die selbe Politik gemacht. -Die Geschichte beweist es: Nicht Wahlen oder friedliche Umbrüche ändern was, sondern einzig und allein das reinigende Feuer einer Revolution. Davon sind wir jedoch meilenweit entfernt.

    1. K!A.o.S. ( User Karma: 0 ) says:

      In Griechenland regiert keine Linke, sondern die Neoliberale. Politisch Links und Rechts spielt da keine Rolle! Allgemein braucht es den Wechsel vom Wirtschaftsliberalen zurück zu einem Ganzheitlich Liberalen. Und durch den politischen Missbrauch des Machtmonopols der letzten Jahre (, eher noch Jahrzehnte), unter Anfänglich hoher Gewichtung des Sozialliberalen.

      1. K!A.o.S. ( User Karma: 0 ) says:

        Und da Du Dich wahrscheinlich fragst, wie man dahingelangen soll …

        Meine Meinung: Den rechtlichen Status des Bürgers als Produzent und Urheber seiner Rohdaten erstreiten, Sammlung, Verarbeitung und Verkauf mit Gebühren und anteiligen Abschlägen belegen und daraus, auf Europaebene, ein Teilgrundeinkommen stricken.

        Das ganze Lokal dann ergänzt mit einem durch Staffelung modifiziertem Mehrwertsteuermodell, welches das Teilgrundeinkommen zum vollständigen, sozikulturellen Grundeinkommen macht. (Nicht, wie dieses rein existentielle Grundeinkommen AlgII, welches zudem noch Sanktionierbar ist …) Die Staffelung der Mehrwertsteuer kann man an solchen Dingen, wie Ressourcenverbrauch, Aufwändigkeit und Umweltschädigung des Herstellungsprozesses oder auch dem Geldbeutel der Zielgruppe eines Produktes oder einer Dienstleistung festmachen.

        Was wäre Dein Weg?

        1. Derweg says:

          Mein Weg ist der der schon seit über 150 Jahren in den Büchern steht und der heißt Abschaffung des Eigentums.. Das ist übrigens der Hauptgrund warum der so genannte sozialismus nicht geklappt hat, denn das Eigentum war auch dort nicht abgeschafft. Es hatte nur einen anderen Aufkleber.

          1. K!A.o.S. ( User Karma: 0 ) says:

            Das ist ein gutes Ziel. Doch wie möchtest Du Dorthin gelangen? Die Widerstände gegen die Abschaffung des Eigentums sind Stark und der Glaube, daß ein Solches überhaupt existieren würde, in den Köpfen Tief verankert.

    2. Thomas L. says:

      Solche Aussagen motivieren natürlich ungemein. Danke. Bleiben wir demnach also gleich ganz in unseren Wohnstuben. Ich sehe in dem Text da oben ganz klar eine Motivation zum aufstehen; oder nenn es zum “revolutionieren”. Kannst das ja anders sehen, aber versuch nicht anderen zu unterstellen sie würden den Arsch nicht hochkriegen. Dazu brauch es nämlich Motivation und nicht dein lamentieren wie Scheiße doch alles ist.

      1. Derweg says:

        Ich lammentiere nicht, denn ich gehöre zu der absoluten Minderheit die noch aufsteht. Ich halte mich jedoch an Fakten und nicht an Träumereien. Die Wochenangebote der Discounter bewegen wöchentlich mehr Menschen zum Aufstehen, als in den letzten 10 Jahren gegen Sozialabbau oder Krieg aufgestanden wurde. Oder nimm dieses dumme Rasengekicke. Knapp eine Million die allwöchentlich in die Stadien der 3 Profiligen laufen. Wenn dann mal 10 000 irgendwo demonstrieren nennen das die Veranstalter schon Großdemonstration. In einem Land mit über 80 Mio Menschen ist das aber nur ein Fliegenschiss.

        Dieses Land ist politisch genauso tot wie die Regierung. Da ist nichts. Da werden lieber Faschisten gewählt als sich mal was zu trauen und die sogenannte Linke kannst du derweil in der Pfeife rauchen. Schau nach Thüringen, Brandenburg oder jetzt Berlin. Da ist überhaupt nichts. Ein bißchen heiße Luft, aber im Kern die selbe Verarschung. Das ist die Realität und wer die RFealität ändern will muss sie erstmal KORREKT analysieren. Das machen die Träumer nämlich nicht und deswegen wundern sie sich warum ihre großen Pläne mal wieder versagten.

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