Sonntagsgedanke: “Die Geister die ich rief”

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns. Doch was ist tatsächlich geschehen?

Amerika hat mal wieder einen neuen Präsidenten gewählt. Frau Nahles hat die Veröffentlichung ihrer neuen Rentenpläne verschoben. Hängt beides zusammen? Wir wissen es nicht. Es spielt im Grunde auch keine Rolle. Medien, wie auch Politiker Deutschlands, waren mindestens "geschockt" – eher müsste man allerdings von einer "Überforderung" sprechen.

Jahrzehnte lang gab es für sie immer nur eine Richtung. Festgefahren in dieser Richtung glaubten sie zunächst sich aus dem Schlamm ziehen zu können – mit altbewährten Mitteln. Demagogisch wie eh und je haben sie den Schlamm dort verortet wo sie ihn immer verortet haben. Bei dem was sie nicht einzuschätzen vermochten, weil sie es auch gar nicht gelernt haben. Sie machten was sie immer schon machten: Auf andere einknüppeln und alle die nicht ihrer festgefahrenen Meinung sind in eine Schublade stecken. Nichts was wirklich hätte überraschen müssen.

Die eigentliche Offenbarung jedoch war, abgesehen von dem ganz und gar offensichtlich diplomatischem Dilemma, dass sie bewiesen was sie unter der "Basis" zu verstehen wissen wollen. Arbeit an der "Basis", sprich: beim kleinsten Glied der möglichen Ketten politischer Arbeit, haben sie versagt. Beim Otto-Normal-Bürger. Das zeigte sich zuletzt auch in Niedersachsen sehr deutlich. Dort zog man es vor Menschen anzusprechen die zumindest optisch den Eindruck hinterliessen als müsse man sie gar nicht mehr überzeugen die jeweilige Partei zu wählen, weil man sie dort bereits verortete. Mitgliederpflege. Und das lässt sich 1 zu 1 auf die Bundesebene übertragen.

Jene Menschen die man erreichen muss werden aus dem politischen Prozess ausgeschlossen. Ihnen wird die Tür vor der Nase zugeschlagen. Es wird also selektiert. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Nur wer ganz offensichtlich hinter der Linie der Partei steht wird hofiert. Wer so etwas jahrzehntelang beibehält, bei dem kehrt Gewöhnung und Extase ein – der ist am Ende blind für Andere und anderes.

Mit demokratischen Werten hat ein solches Verhalten nichts mehr zu tun. Es bleibt die Selbstbeweihräucherung. Zurück bleiben jene Menschen die sich, zu Recht, nicht mehr verstanden bzw mitgenommen fühlen. Jene lassen das eine zeitlang geschehen – in der Hoffnung, dass die Politik ihre Chance wahrnimmt und etwas an dem Zustand ändert den sie selbst geschaffen hat. Diese zurückgelassenen Menschen geben der Politik nicht unendlich viele Chancen. Irgendwann weicht die Hoffnung der Feststellung, dass die Chancen – die man grosszügig den Politikern (und auch Medien) offen ließ – nicht genutzt werden und die Stimmung schlägt um. Erst langsam, doch der angestossene Stein gerät mit der Zeit der vertanenen Chancen immer mehr ins rollen. Er erreicht eine Geschwindigkeit die nicht mehr aufzuhalten ist.

Selbst wenn sich die jeweiligen Verantwortlichen – und derer sind es viele – jetzt um 180° Grad verbiegen würden und wieder auf Jene zugehen die man einst zu lange zurück ließ… Man hat das Vertrauen irgendwo auf der Strasse verloren, wo man glaubte schon eine gepflasterte Strasse erkennen zu können. Man rannte durch Schlaglöcher, durchfuhr sterbende Wälder – immer mit dem Blick nach vorn – von den langsam welkenden Blumen hinter einem abgewendet.

Es sind ihre eigenen Geister die sie riefen – jene haben die Verfolgung aufgenommen. Und sie sind im Begriff ihre Schöpfer zu überrollen. Es wird Jahrzehnte dauern bis die Geister wieder Vertrauen fassen – es wird Jahrzehnte brauchen bis die Schöpfer dies aufgebaut bekommen.

Man kann nicht hergehen und den Menschen ans Bein pinkeln und ihnen dann erzählen es würde doch nur regnen. Don't piss down my back and tell me its raining!

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