Sicherheit ist eine Fiktion

Immer wenn jemand was für meine Sicherheit tun will, werde ich hellhörig. Denn schon im ersten Nebensatz wird klar, dass ich für dieses mehr an Sicherheit bezahlen soll. Mal nur mit Geld, mal mit meiner Freiheit und mal indem ich anderen etwas wegnehme. Dabei habe ich keine Probleme mit meiner Sicherheit, ich bin nämlich selbstsicher. 

Gut, der Scherz ist misslungen. Aber nehmen wir doch ein paar Beispiele. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, will meine Sicherheit dadurch erhöhen, dass er die Trennung zwischen den Verfassungsschutzbehören und der Polizei auch formal aufhebt, da der IS sich – seiner Meinung nach – aus Drogenverkäufen im Görlitzer Park finanziert. Nein, das ist kein Witz. Der glaubt so etwas wirklich. Da hilft auch kein Gott der Hirn vom Himmel schmeißt, er würde es eh nicht annehmen. Er wüsste ja auch gar nicht was er damit anfangen soll. Außerdem arbeiten der BND und der Verfassungschutz zusammen und im Zweifelsfall liefern die Amis auch die Daten uns deutschen Polizeicomputern. Wendt will mir die laut Grundgesetz zustehenden Rechte nehmen. 

Unser Innenminister die lebende Misere hat größeres vor und möchte die Bundespolizei und das BKA zu einer Art deutschem FBI machen. Zwar soll die Schutzpolizei Ländersache bleiben, aber alles andere wäre dann zentral gesteuert. Ich weiß ja dass die Misere nur über sehr begrenzte Intelligenz verfügt, aber ihm sollte mal jemand erklären, dass John Edgar Hoover knapp 48 Jahre über das FBI und dessen Vorgängerorganisation, praktisch die ganze USA regierte, weil er von den anderen Menschen wusste, wo die ihre Leichen im Keller hatten. Das FBI ist allen Fernsehfilmen zum trotz noch immer der Feind der lokalen Polizei. 

Ein deutsches FBI brauchte man dann nur noch wie von Herrn Wendt vorgeschlagen mit dem Verfassungsschutz zu verknüpfen und schon hätten wir wieder eine Geheime Staatspolizei, die uns im Zweifelsfall zur Erhöhung unserer Sicherheit das Leben kostet. 

Aber bitte es geht auch einfacher. Pflanzen wir überall Videokameras auf und belauschen unsere Bürger bis aufs Klo und ins Schlafzimmer. Das nimmt ihnen durch die Verfassung garantierte Rechte und bringt keine Sicherheit. 

Die Dienste mussten gerade über die Bundesregierung zugeben, dass keine Überwachungskamera ein Attentat von wem auch immer verhindern kann. Auch die heute schon riesigen Datenmengen die über jeden Bürger gespeichert werden, können das nicht. All diese Maßnahmen dienen nur zur Unterdrückung der Bevölkerung und zum Abbau jeder Meinungsfreiheit. 

Als kleinen Nebeneffekt bietet die Überwachung auch noch eine schnellere Identifizierung der Täter. Allerdings wird das dazu führen, dass Taten in ein nicht überwachtes Gebiet verlagert werden. Bei "Selbstmordattentätern" bringt es gar nichts, da die ja gerade dIe Öffentlichkeit suchen. 

Man verspricht uns Sicherheit und in Wirklichkeit geht es gegen unsere Freiheit. Es gibt nämlich keine Sicherheit. In Deutschland starben im Jahr 2015 74,000 Menschen an Alkohol und rund 120.000 am Rauchen, aber nur etwas mehr als 1000 an Drogen sowie rund 400 an HIV. Dazu kommen noch einmal rund 300 Mordopfer und knapp 3.500 Verkehrstote . Jedes verlorene Menschenleben sollte für uns den gleichen Rang haben. Das hat auch nichts mit Relativieren zu tun. Es sind nur Zahlen. 

Aber wir müssen uns Angesichts dieser Zahlen fragen, ob wir bereit sind für eine Scheinsicherheit unsere eh schon eingeschränkte Freiheit komplett aufzugeben. Ich bin nicht dazu bereit, weil ich keinen Nutzen sehe. 

 

2 comments

  1. Derweg says:

    Natürlich geht es um Sicherheit. Um die Sicherheit des Eigentums. Die ganzen Videokameras sind doch nicht da um Menschen zu schützen, sondern um Eigentum zu schützen.Steht sogar im GG Art. 1.

    Die Würde des Eigentums ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    Vielleicht nicht in der Theorie, aber auf jeden Fall in der Praxis.

    btw
    Die PKS weist für Mord und Totschlag ca. 2000 Tote jähtlich aus, wobei der Verein der Rechtsmediziner davon ausgeht, dass nur etwa die Hälfte aller Mordopfer als solche erkannt werden.

  2. Schnulli says:

    Es gibt nur 2 Dinge, wo Sicherheit wirklich existiert:
    – Wir werden alle mit Sicherheit eines Tages sterben
    – Das Universum wird uns mit Sicherheit nicht vermissen

    Schon toll, wie das Beduerfnis ‘Geborgenheit’ in ‘Sicherheit’ umgemuenzt wurde und wird, um Waffengewalt, Ausbeutung und Massenmord eine Legitimation zu verschaffen.

    Der Komplex des Sicherheitswahnsinns:
    Sicherheit muss verteidigt werden koennen UND Beste Verteidigung = Angriff
    >> Beste Sicherheit = Angriff

    Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Staerke!

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