Schafft die Olympiade ab

Wladimir Putin hat es einfach. Es reicht ein Fingerschnippen des egomanischen Autokraten, und schon werden ein paar Milliarden locker gemacht, um einen Badeort in eine Arena für olympische Winterspiele zu verwandeln. Umweltschutz ist ohnehin was für für Weicheier und Warmduscher. Selbst die Bayern haben mit einem Rest von in diesem Landesteil nicht zu erwartender Rationalität geschafft, eine Olympiade in ihrer Heimat zu verhindern.


Die Spiele sind ein sinnloses, menschenfeindliches Spektabel. In „Trendsportarten“ wie Snowboard und Halfpipe geht es um den lustigsten Knochenbruch, auf der Riesenslalom-Piste rast ein deutscher „Held“ mit einem frischen Schleudertrauma durch die Stangen, in der Loipe tobt der ewige Kampf zwischen verschwiegenen Pharmalaboren, die immer neue Dopingmittel entwickeln und ihren Gegnern von der Dopingfahndung. Der deutsche Staat lässt sich seine Zirkuspferde zwei- bis dreistellige Millionensummen kosten, oberste Dienstherren der Olympioniken sind mit Ursula von der Leyen und Thomas de Maiziére die amtierende Kriegsministerin und und ihr Vorgänger; also Politiker, die junge Menschen eigentlich eher in den Krieg als in den sportlichen Wettkampf schicken.

Erfolgreiche Leistungssportler wären Identifikationsfiguren und hätten eine Vorbildfunktion heißt es mitunter zur Rechtfertigung dieser gigantischen Verschwendung und Volksverblödung. Wir sollen uns also mit Menschen identifizieren, die wissentlich für Geld ihre Gesundheit ruinieren und Medaillen höchstens als Beiwerk für lukrative Werbeverträge betrachten.

Um das mal klarzustellen: Sportler des Jahres sind nicht diese hochgezüchteten Zombies, sondern Menschen wie Ich. Jeden Morgen wird ein 20minütiges Sportprogramm absolviert, und zwar nicht um meine Muskeln und Gelenke zu zerstören, sondern um sie zu möglichst fit zuhalten. Auch versuche ich möglichst jeden Tag mindestens 15 Kilometer mit dem Fahrrad zu fahren. Sponsoren bitte melden.

Kommen wir zu Genussfragen. In fast allen Weinbaugebieten werden mittlerweile „Bordeaux-Cuvées“ aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc produziert. In der Regel sind das vollkommen missratene Versuche, sich an die große französische Weintradition anzuhängen: Mastige Weine mit viel zu viel Alkohol, deutlichen Noten von Überreife ohne jegliche Finesse. Oder auch eher dünne, säuerliche Tropfen, die mit viel zu viel Holz ein wenig aufgehübscht werden sollen. Was da neulich aus der Türkei, aus Italien, aus Spanien und auch aus Rheinhessen in mein Probierglas tröpfelte und wenig später im Ausguss landete, war einfach ärgerlich und angesichts von verlangten Preisen zwischen 13 und 35 Euro fast schon lächerlich.

Da lobe ich mir doch den „Schmeckt wie Portugal-Wein“ der neulich bei meiner Lesung in einer Schöneberger Weinhandlung ausgeschenkt wurde. Für 4,50 Euro (kein Schreibfehler!) erhält man bei Autos&Weine den Terras de Xisto 2010, eine sehr runde Rotweincuvée aus dem Alentejo mit feiner, dunkler Beerenfrucht, gut eingebundenen Gerbstoffen, dezenten Kräuternoten und feinem Säurespiel. Verhält sich zu den Pseudo-Bordeaux-Weinen ungefähr so wie meine Morgengymnastik zur Olympiade.

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