Sal. Oppenheim, Esch, Kölner Klüngel und die Situation heute

Es gibt Nachrichten, die sich zwar nicht unterdrücken lassen, die aber nur leise durch enge Ritzen in die Medien dringen und sich dort auch nur äußerst zäh und ohne jeden journalistischen Ehrgeiz am Rande platzieren lassen. Eine solche Nachricht ist die Untersuchung von Bafin und Bundestag bei Sal. Oppenheim.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Bundesbank ermitteln bereits seit März offenbar bei Deutschlands größter Privatbank Sal. Oppenheim. Grund der Sonderprüfung seien "problematische Kredite", die das Institut an zwei Kölner Kunden in Zusammenhang mit den hauseigenen Oppenheim-Esch Immobilienfonds vergeben hatte, schreibt der "Spiegel". Diese Fonds waren insbesondere bei vermögenden Kunden wie Thomas Middelhoff, Madeleine Schickedanz, oder dem Kölner Verleger Alfred Neven DuMont beliebt. Zuletzt hatte sich jedoch unter Fonds-Inhabern Unmut über "mangelnde Transparenz" breitgemacht. Erst vor vier Wochen haben Anleger bei einer Gesellschafterversammlung des MMC-Fonds, der Fernsehstudios in Köln-Ossendorf finanziert hatte, über eine unzureichende Informationspolitik der Geschäftsführung geklagt.

Man kann das ganze für einen billigen Racheakt der Arcondor-Gruppe um Madeleine Schickedanz und Thomas Middelhof halten, weil die eine ihre Aktien verlor und der andere seine Macht im Konzern. Das wäre zwar nicht die feine englische Art, aber menschlich durchaus verständlich.

Allerdings hat das Ganze auch eine andere Dimension. Nur wenige werden sich noch an die vielen Skandale um die verschwiegenen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Holding erinnern. Deshalb wird es heute fast eine Schulstunde Video geben. Die Teilnahme ist Pflicht, weil man nur so versteht, wie das System in Köln – und nicht nur da – funktioniert.

Milliarden Monopoly I – Das verschwiegene Geschäft der Oppenheim-Esch-Holding (1/4)

Milliarden Monopoly I – Das verschwiegene Geschäft der Oppenheim-Esch-Holding (2/4)

Man könnte das ganze abtun als die Rache der Leute um Madeleine Schickedanz, Thomas Middelhoff und die sonstigen Arcandor-Truppe, Rache dafür, dass Sal. Oppenheim ihnen die Aktien und die Handlungsmacht bei Arcandor genommen hat.

Milliarden Monopoly I – Das verschwiegene Geschäft der Oppenheim-Esch-Holding (3/4)

Milliarden Monopoly I – Das verschwiegene Geschäft der Oppenheim-Esch-Holding (4/4)

Ja. Das war lang, aber sicher nicht langweilig. Natürlich können die Feinde Kölns argumentieren, dass es eben der typische Kölner Klüngel sei. Aber wer sich ein wenig umschaut, stellt fest, dass all die schönen von Ackermann und andern immer wieder geforderten Renditen nur durch etwas zu Stande kommen, das man zwar nicht Betrug nennen darf, weil die Gegenseite die besseren Rechtsanwälte hat, das man aber durchaus als Betrug und Abzocke verstehen kann.

Jetzt, in der Weltwirtschaftskrise, beginnen die Abzocker, sich gegenseitig aufzufressen. Raubtierkapitalismus ist eben von Hause aus kannibalistisch. Auch wenn unsere Superjournalisten von der Systempresse natürlich nicht nachfragen werden, wird sich bald jemand finden, der durch die seltsamen Geschäfte von Sal. Oppenheim und Esch sein Vermögen im wesentlichen verloren hat.

Das, was Journalisten, Justiz und Politik nicht schaffen wollten oder konnten, wird dann ganz schnell passieren. All die Vorwürfe aus der Vergangenheit werden sich bestätigen, und der erste der redet, bekommt für sich den Rabatt von der Staatsanwaltschaft. Natürlich ist es so, dass sich das Pack schlägt und dass sich das Pack dann wieder verträgt. Aber hier geht es um etliche Jahre Knast und viel Geld. Einige, die schon auf Verjährung gehofft hatten, werden feststellen, dass es um ganz andere Delikte geht, die eben nicht verjährt sind.

Aber selbst da, wo Verjährung greift, gibt es eine Menge an Reputation zu verlieren. Auch wenn dadurch die systembedingten Fehler nicht korrigiert werden, ist es gut, wenn es Risse im festen Gefüge der Mächtigen gibt. Wer kann, sollte seinen Meißel in diesen Rissen ansetzen und kräftig draufschlagen. Duckhome nimmt jede Information absolut vertraulich gerne entgegen. Es ist Jagdzeit.

8 Kommentare

  1. Ist es nicht ein wenig peinlich, die „Superjournalisten“ der „Systempresse“ zu geißeln, die angeblich „natürlich nicht nachfragen“ bei Sal. Oppenheim und im gleichen Beitrag einen Spiegel- und einen WDR-Bericht zu verwursten?
    Na zum Glück erledigen Superjournalisten von Duckhome die investigative Arbeit, da braucht man sich um die Berichterstattung wirklich keine Sorgen mehr zu machen.
    Übrigens ermittelt nicht der Bundestag (siehe oben) sondern die Bundesbank. Wenn man schon von der „Systempresse“ abschreibt, dann doch bitte wenigstens korrekt

    1. Lach. Gut das du noch nie einen Schreibfehler gemacht hast. Ich habe meine Quellen angegeben. Was ich bei der Systempresse gerne einmal sehen möchte wenn sie von Blogs abschreibt.

      Wenn ich die Info vom Spiegel habe gebe ich den Spiegel an. Aber lesen kannst du scheinbar auch nicht.

    2. Das die Mietmäuler brisante Themen angehen wird immer seltener,schreibt doch mal was zu 9.11.,oder habt ihr Angst vor Harz IV.Wenn ich in irgendeiner Weise mit den Systemmedien zu tun hätte würde ich bei jeden Blick in den Spiegel reihern.

    3. Dem Inhalt gegenüber immun sein, aber wie ein Klabusterdocktor an der Form rummäkeln und den Leser hier mit vermeindlicher Unseriösität ablenken, ja genau solche Leute wie „Systempresse“ braucht das kriminelle Gesocks

    4. Ein wirklich guter Beitrag der glasklar aufzeigt dass der Sumpf noch lange nicht trocken gelegt ist.Die Vorgänge kommen wahrlich nicht unerwartet!Mögen die Initiatoren der Korruption,Vettern und Sippenwirtschaft das nun endlich zum Anlaß nehmen und zurückkehren zu den Maxime die unser Tun und Handeln in einem Sozialstaat leiten sollten.
      Bremen
      Dr.med.Wigand von Bremen

  2. Die kleine Verkäuferin wird gnadenlos wegen € 1.26 verurteilt und die fetten Drecksäcke aus Politik & Wirtschaft lachen sich in´s Fäustchen wie einfach die Abzocke hier im Lande ist, wenn man den richtigen krimminellen Netzwerken angehört.
    Wacht auf Leute da Oben ist nicht aber auch gar nichts sauber, ihr werdet nach Strich und Faden verarscht!

  3. Hallo Jochen,
    merci fuer den Artikel und die Video-„Schulstunde“. Ob jetzt die Schickedanz und Co. Truppe Rache uebt, keine Ahnung; Koeln-Kluengel — bei uns laeuft das unter Spezl-Wirtschaft: anderer Name gleiches Prinzip, selber Mist… aber das erinnerte mich an was:
    „Ihr könnt kein kapitalistisches System betreiben, wenn ihr keine Geier seid;
    ihr müsst das Blut von jemand anderem saugen, um Kapitalist zu sein.“
    Malcom X – Rede am 20. Dezember 1964
    Sollen sich die Geier doch selber fressen…
    und noch eins:
    „Wenn eine freie Gesellschaft den vielen, die arm sind, nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind.“ – JFK
    Tja Pech gehabt Hochfinanz, der Schuss geht ins eigene Knie…
    Ist irgendwie komisch, man findet Zitate/Aussagen von Leuten von vor wenigen Jahren bis zu Jahrzehnten zurueck, die im Prinzip warnen (und ich mein jetzt nicht mal im Umfeld von Kommunismus) und Keinen hat’s interessiert…
    Haeng ich noch Ghandi dran:
    „Europa ist heute nur dem Namen nach christlich. In Wirklichkeit betet es den Mammon an.“
    Hatte er wohl Recht und das schon vor langer Zeit…

  4. Den Schaden hat der Bürger, sagt Antwerpes.
    Einen Anfangsverdacht gibt es nicht, sagt die weisungsabhängige Staatsanwaltschaft.
    Schaden?!
    Nein, Rechtsstaat. Was denn sonst!

    „Mehr Gerechtigkeit“ bei der SPD
    www.souebbes.de/muDrexler2006.pdf
    Antwort
    www.souebbes.de/mupetition001.pdf

    http://www.souebbes.de/muGoll2006.pdf

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