Resozialisierung und der Fall Uli Hoeneß

Es gibt wohl niemanden der noch bei Verstand ist und sich ernsthaft gegen die Resozialisierung von Strafgefangenen ausspricht. Der arme Knacki der nach vielen Jahren aus dem Knast kommt, braucht unsere aktive Unterstützung um wieder ein normales und nützliches Mitglied unser Gesellschaft werden zu können. Das geht nur mit begleitenden Maßnahmen und Unterstützung, zumal viele keinerlei Kontakte in der Außenwelt haben. 

Der Fall Uli Hoeneß liegt allerdings ganz anders. Wir haben es hier mit einem Täter zu tun, der eigentlich sein Urteil über sich selbst schon gesprochen hatte, als er damals über Christoph Daum urteilte: 

"Kriminelle haben im Fußball nichts verloren"

Natürlich ist dieser Satz genauso Blödsinn, wie das meiste was der gute Uli so von sich gegeben hat. Ich erinnere da nur an den Satz "Ich weiß, das ist doof. Aber ich zahle volle Steuern." Aber diese Dinge sind bekannt und selbstverständlich dürfen Kriminelle lügen um von ihren Taten abzulenken und auch so ein Schwachsinn darf eine Resozialisierung nicht verhindern. 

Natürlich wissen wir alle dass auch das Strafmaß für Uli Hoeneß lächerlich war: 

Ich hab letztens was von einem Schwarzfahrer gelesen, dem seine Strafe sich auf etwa 700€ summiert hatte. Dafür ging der 2 Monate ins Gefängnis. Weil er ein Wiederholungstäter sei.
Wenn man hier mal einen Hoeneß-Maßstab anlegt, dann müsste der schon nach 8 Stunden eigentlich wieder entlassen worden sein.

Oder anders herum, wenn man Hoeneß mal mit einem Schwarzfahrer vergleichen würde (wir erinnern uns, er soll so 5000 Transaktionen gemacht haben, also auch Wiederholungstäter), dann müsste der Hoeneß für mindestens 6.500 Jahre in den Knast. Und selbst wenn man seine Spenden (was wiederum woanders Steuern sparte) und andere Dinge zu seinen Gunsten anrechnet. Unter 4000 Jahre ginge da sicher nix.

Aber auch die Rechtsbeugung beim Urteil, die Tatsache dass sich Uli Hoeneß nie in den Knast einpassen musste, sehr früh Urlaube bekam und Freigänger wurde, was alles darauf zurückzuführen ist, dass er in der bayrischen Gesellschaft ein mächtiger Mann ist und vermutlich genau weiß, wo andere ihre Leichen verbuddelt haben, ist eben auch kein Grund ihm eine Resozialisierung zu missgönnen. Das gleiche gilt für die Tatsache, dass er ein unangenehmer verschlagener Typ ist, der leicht Abscheu erregt. 

Allerdings gibt es ein ganz wichtiges Argument dass gegen Uli Hoeneß wieder auf seinem alten Posten bei den Bayern arbeitet. Ein drogenabhängiger Apotheker dürfte wohl kaum in der Krankenhausapotheke die Mittel für die Narkosen verwalten. Ein wegen Zuhälterei verurteilter Bordellbesitzer bekäme nie wieder eine Genehmigung offiziell ein solches Haus zu führen. Ein Spielsüchtiger würde kaum einen Job in einer Spielbank aufnehmen dürfen. 

Uli Hoeneß bekam das Geld mit dem er die Steuern hinterzog vom ehemaligen Adidas-Boss Robert-Louis Dreyfus stammte dem Uli Hoeneß einen Ausstattungsauftrag des FC Bayern für mehrere Jahre zugeschanzt hatte, obwohl es nach den Angaben von Hoeneß und Dreyfus von Nike ein um das zehnfache höheres Angebot gegeben hatte. Als Begründung für seinen Handel mit Adidas sprach Uli Hoeneß davon, er  habe die Arbeit "mit einem deutschen Unternehmen" fortsetzen wollen und dafür höhere Angebote von "zig interessierten Unternehmen" ausgeschlagen.

Tatsächlich wäre das aber eine Untreuehandlung gegenüber den Bayern und ob er nun fünf oder zwanzig Millionen oder gar noch viel mehr von Dreyfus bekommen hat, ob er das Geld zurückzahlte aus seinen Spekulationsgewinnen oder nicht ist heute rechtlich unerheblich. 

Aber darf man einen Mann wie Hoeneß wieder in Versuchung führen. Einem Kinderschänder erteilen wir sinnvollerweise Auflagen sich von Kindern fern zu halten und ein Spieler muss sich in den Kasinos sperren lassen. Es hat nichts mit einer Resozialisierung zu tun, Uli Hoeneß erneut der Versuchung auszusetzen. Ja es ist für ihn geradezu ein Signal weiterzumachen und sich nur diesmal nicht erwischen zu lassen. Wenn Uli Hoeneß nach seiner Wahl erneut Steuern hinterzieht, dann sind die Leute die ihn jetzt wieder auf den Thron heben, genauso schuldig wie er. 

Besonders bestürzend ist dabei, dass der FC Bayern im Zuge des Hoeneß-Desasters auch seine Satzung änderte. Konnten früher nur unbescholtene Personen überhaupt Mitglied werden, wird jetzt ein verurteilter Krimineller der den Verein augenscheinlich als Tatwerkzeug benutzt hat, wieder Präsident. 

Dazu kommt noch, dass die Sponsoren des FC Bayern die sich in ach so tollen Ethikerklärungen unter anderem gegen Betrug wie die Steuerhinterziehung stellen und verpflichtet haben diese zu unterbinden nun einen Steuerbetrüger als Präsidenten finanziell unterstützen und damit klar machen, dass sie Steuerhinterziehung in großem Maßstab für toll und förderungswürdig halten. Wie die Telekom das ihren Kunden erklären will oder die Firma Adelholzer ist mir persönlich unbegreiflich. Da Martin Winterkorn aber immer noch im Aufsichtsrat der Bayern sitzt. dürfte auch dies wohl kein Problem sein. 

Man wünschte sich für manch eine kleinen Hühnerdieb der die volle Härte unserer Justiz zu spüren bekam, würde sich nur ein Millionstel dessen was für Uli Hoeneß getan wird, investiert. Der wäre dankbarer und das Geld wäre für die Gesellschaft besser angelegt. 

So können wir nur abwarten, wann der Herr Hoeneß wieder straffällig wird. Dann aber bitte keine Krokodilstränen. Jeder hat gewusst was kommen wird. 

 

 

3 Kommentare

  1. Herr Hoeneß war sicher nur die Spitze des Eisberges und ist stellvertretend für alle anderen für die paar Monate in den Knast gegangen. Klar sicher auch, dass er jetzt seinen Preis dafür verlangen wird und ihn auch bekommen wird.

    Wer hatte in Bayern etwas anderes erwartet? Man erinnere sich nur an die Flick Affäre, den Bäderkönig Zwick usw. usw. Letztendlich zeigt es uns den allgemeinen ethischen Zustand unserer sogenannten Eliten.

    Wer denen, genau wie der Politik, noch etwas glaubt dem ist nicht mehr zu helfen.
    Scheinbar stört es weder die Fans noch die Wähler was in Deutschland so abgeht.

    Die akademischen Eliten wandern aus und eröffnen uns so die Möglichkeit einer Rückkehr zum Agrarstaat. Also blühende Landschaften wie von Herrn Kohl versprochen.
    Wo also ist das Problem? Statt voller Rente gibt es dann Deputat z. B. in Form von Kartoffeln.

  2. Uhh, gerade schweissnass aufgewacht. Scheiße, Alptraum.

    Da habe ich doch tatsächlich geträumt, jmd stände auf und fragt mal in die Vereinsrunde ob jmd dort Kinder hat?
    Kinder? Ja, die die mal in eine Kita gegangen sind; oder zur Schule. Und deren Eltern sich tierisch darüber geärgert haben, jeweills Gebühren zu zahlen. Und wie hoch die die doch seien! Viel zu hoch.
    Und ob ein Hoeneß mit seiner Steuerhinterziehung vllt. mitschuldig dran sei?

    Tumult, Tumult …. und zum Glück aufgewacht

    Ja- man kann wohl ohne Übertreibung und ziemlich gefahrlos sagen, dass der angebliche Vorzeigeverein von einer kriminellen Person geführt werden wird in Zukunft.

    Das was man anscheinend gegen solche Scheinheiligkeit- und Schein & Heilig steht hier in der Tat für Geld!- machen kann wäre wohl:
    In locker loser Reihenfolge mal per Mail nach fragen, ob er (heute) schon Steuern hinterzogen hat.

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