Reemtsma – Wie alles begann

Das Jahr 2003 und der Jahresanfang 2004 hatten im Internet eine wahre Abmahnwelle erlebt. Deshalb waren viele Leute sensibilisiert, als sie von Sebastian Luetgert der, die Website textz.com betrieb und gerade von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, besser bekannt als Jan Philipp Reemtsma Stiftung abgemahnt wurde, weil auf der Site Texte von Theodor W. Adorno veröffentlicht wurden. Wie viele andere fand ich sowohl die Höhe der Kostennote, als auch die rigerose Art des Vorgehens übertrieben und bat Herrn Reemtsma in einer Mail um nähere Aufklärung. Herr Reemtsma antwortete dankenswerter Weise mit einer Klarstellung, die mich aber nicht vollständig befriedigte, so das ich in einer weiteren Mail nachfragte. Herr Reemtsma verlor nicht die Geduld mit mir, sondern versuchte in seiner Antwortmail mir seinen Standpunkt zu erläutern. Das unsere Standpunkte nicht identisch sind, konnte er meiner Abschlussmail entnehmen. Ich bin bis heute davon überzeugt, das Jan Philipp Reemtsma nicht verstanden hat, das jemand der sich als Sachwalter Adornos und Benjamins sieht, nicht einfach seine wirtschaftliche Macht dadurch ausüben darf, das er das Medium wechselt. Aber vielleicht ist gerade das ein gefährliche Idealisierung, das ich von jemandem der sich selbst als Sachwalter sieht, zumindest verlange das er sich nicht genau gegensätzlich verhält. Vielleicht geht es eben doch nur darum Adorno zu besitzen, wie ein Bild oder ein Schmuckstück. Vielleicht reizt es ja das Ego. Zwei Fragen bleiben dabei generell. Gibt es kulturelle Güter die wir nicht dem Willen und Besitz Einzelner überlassen sollten? Müssen wir Stiftungen die auf Kosten des Volkes, sich einen Besitz aneignen, den das Volk sich selber genauso leisten kann, nicht verbieten. Beide Fragen kann man ohne Zögern bejahen. Ob Bertelsmannstiftung, Reemtsma Stiftung oder welche auch immer. Das Stiftungskapital und die Spenden sind nur möglich, weil, der Staat auf Steuern verzichtet. Würde der Staat die Steuern nehmen, könnte er ohne die Stiftungen, das Gleiche leisten, bzw. das Überflüssige lassen. Niemand muss Adorno besitzen.