Reemtsma – Seine Antwortmail

Sehr geehrter Herr Hoff, daß das Recht * das bürgerliche, wenn Sie so wollen -, weil es auf dem Grundsatz der formalen Gleichheit beruht, materielle Asymmetrien nicht aufhebt, sogar verschärfen kann * nicht muß -, sollte man nicht leugnen. Wie auch immer man aber diesen Umstand generell bewerten mag, so spielt er doch im vorliegenden Fall keine Rolle. Ich verfüge über keine *Hausjuristen”, und selbst wenn ich welche hätte, so bewirkte weder dies noch die Kosten, die sie verursachten, einen Einfluß darauf, ob ein Gericht eine einstweilige Verfügung erläßt, welches Ordnungsgeld für angemessen erachtet wird, oder welche Gebühren dabei anfallen. Das sollten Sie wissen. Es ging darum, Herrn Luetgert dazu zu veranlassen, seine rechtswidrigen Handlungen einzustellen. Erst im Laufe der erfolglosen Versuche, das zu tun, kam es zum Einsatz der Mittel der einstweiligen Verfügung und so weiter. Hätte Herr Luetgert sofort mit einer Unterlassungserklärung reagiert, hätte er sich den Rest erspart. Wie Sie wissen, zog sich die Angelegenheit über eineinhalb Jahre hin, bevor Herr Luetgert antwortete. Nur durch den Einsatz dieser Mittel konnte er überhaupt dazu gebracht werden, sich zu melden. Um die Frage, ob Herr Luetgert kommerzielle oder andere Interessen oder Ziele verfolgte, ging es nicht. Ich habe dazu Stellung genommen. Ebenfalls ging es nicht darum, die Rechtmäßigkeit des Eigentums der Stiftung an den Rechten Adornos zu unterstreichen, denn die ist nie in Zweifel gezogen worden. Ich mußte nur klarstellen, daß die Rechte, anders als inzwischen landauf-landab behauptet, nicht mein persönliches Eigentum seien. Es ging ferner auch um keine *ethische Würdigung” dieser Sachverhalte, noch darum, irgendeine *Großherzigkeit” unter Beweis zu stellen. Ich habe die Geschichte, auf welchem Wege der Nachlaß Adornos in das Eigentum der Stiftung übergegangen ist, eben zuvor nicht in der Öffentlichkeit thematisiert. Ich habe es jetzt getan, weil der Fall Luetgert bei manchen den * bei Ihnen allerdings wohl beim besten Willen unzerstreubaren * Eindruck hinterließ, hier seien Rechte an einem Nachlaß durch eine Privatperson monopolisiert und so zum Spielball ihrer Millionärslaunen geworden. Der Begriff *gemeinnützig” bedeutet in der Tat nicht, daß das als gemeinnützig anerkannt wird, was auch in demokratischer Abstimmung als solches anerkannt werden würde. Das ist gut so, weil ich sehr im Zweifel bin, ob Editionen wie die der Werke Adornos oder Projekte wie die von Ihnen geschätzte Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht in diesem Verfahren als gemeinnützig anerkannt werden würden. Da mögen Sie dann von *Hobbys” sprechen, und sicherlich würden viele Ihnen zustimmen. Sie irren sich aber, wenn Sie meinen, bei gemeinnützigen Stiftungen handele es sich um kommerzielle Unternehmen. Der Begriff der Gemeinnützigkeit schließt genau das aus, und sonst nichts. Er bedeutet, daß eine Stiftung (ein Verein) nicht in erster Linie eigenwirtschaftlich tätig werden darf * bei Zuwiderhandlung erlischt die Gemeinnützigkeit. Eine Stiftung darf Einkünfte erzielen, aber auch die müssen dem Stiftungszweck, der wiederum kein wirtschaftlicher sein darf, zugeführt werden. Darüber, daß das eingehalten wird, wacht die Stiftungsaufsicht. Die von Ihnen gewünschte Überprüfung erfolgt also jährlich. Sie irren sich ferner, wenn Sie unterstellen, die Stiftung nehme öffentliche Mittel in Anspruch, gar *erhebliche”. Wie kommen Sie auf so eine Idee? Stiftungen, die von privater Hand errichtet werden, haben keinerlei Anspruch auf öffentliche Mittel, sondern müssen sich aus dem gestifteten Kapital und Spenden finanzieren. Was veranlaßt Sie zu einer Unterstellung, die keinerlei Faktenhintergrund hat? Der Umstand, daß Sie annehmen, es könne doch nicht sein, daß jemand sein gutes Geld in eine Stiftung steckt, die dann davon u.a. die Edition der Werke Adornos finanziert? Daß Sie das vielleicht nicht täten, wären Sie in meiner Lage, mag sein. Nur sollte die Basis, auf der Sie die Wahrscheinlichkeit des Verhaltens anderer Leute einschätzen, größer sein als die Kenntnis Ihrer eigenen Person. Kurz: die Stiftung wird ausschließlich aus Spenden, und zwar aus solchen aus meinem Privatvermögen finanziert. Den Unterton, den Sie zudem in meinen Äußerungen zu vernehmen meinen, erzeugen Sie durch Projektion. Niemand hat einen durch meine Worte gegebenen Anlaß, zu meinen, ich betrachtete den Nachlaß Adornos als *mickerigen Gegenwert”, gar überhaupt als *Gegenwert”. Es ist Ihr Problem, daß Sie sich eine andere Haltung als die, die Sie mir unterstellen, augenscheinlich nicht vorstellen können. Ich hätte nicht gedacht, wie prompt ein Schreiben das belegen würde, worüber ich im letzten Teil meines taz-Interviews gesprochen habe. Daß Sie meinen, die Edition des Nachlasses Adornos sei ein *einträgliches Geschäft”, ist skurril. Ich hatte mir überlegt, ob ich in Interview und *Klarstellung” diese Zahlen nennen sollte, denn mir war schon klar, daß mancher würde meinen können, ich wollte mich mit ihnen schmücken. Ich wollte klarstellen, daß die Stiftung nichts weiter tut, als für einen Zweck, den ihr Vorstand für fördernswert hält, Geld auszugeben. Zu meinen, mit den Werken Adornos und Benjamins könnte auch nur ein nennenswerter Bruchteil der Kosten ihrer Edition verdient, geschweige denn darüber hinaus ein einträgliches Geschäft betrieben werden, ist derartig weltfremd, daß es zum Lachen wäre, würde der ressentimentgeladene Ton Ihres Schreibens solcher Komik nicht abträglich sein. Schließlich verwenden Sie einige Zeit darauf, mir vorzurücken, daß Sie dieses Vorgangs wegen an meiner Person irre geworden seien: *mein Abbild von Ihnen hätte anders reagiert” und *Sie werden aber sicherlich verstehen, daß ich meine bisherige konsequent positive Haltung zu Ihnen und Ihrer Stiftung nicht aufrechterhalten kann”. Ich möchte Sie herzlich bitten, nicht nur in meinem Falle von *konsequent positiven Haltungen” wem auch immer gegenüber abzusehen. Dergleichen nennt man Idealisierungen, die bekommen leicht einen Stoß und führen zu Unsicherheitsgefühlen bei dem Idealisierenden: Wenn Menschen es nicht schaffen, Ambivalenzen auszuhalten, werden sie aggressiv, und die Aggressionen bekommt dann das früher idealisierte Objekt zu spüren. Aber so schlimm ist das ja auch wieder nicht. Nur Sie sollten wissen, mit wem Sie es die ganze Zeit zu tun haben: mit sich selbst. Mit freundlichen Grüßen Jan Philipp Reemtsma 15.3.2004 Zurück zum Anfang