Problem Kapitalgesellschaften

Kapitalgesellschaften haben einen grundsätzlichen Mängel. Ihr oberstes Ziel ist die Haftung der Gesellschafter auf den Betrag ihres Gesellschaftsanteiles zu begrenzen. Dies gelingt aber nur wirklich großen Kapitalgesellschaften wie zum Beispiel den Aktiengesellschaften. Bei allen anderen Kapitalgesellschaften haften zumeist die Mehrheitseigentümer oder Mehrheitsgesellschafter gegenüber den Banken mit ihrem ganzen Vermögen. Dass die Banken gebenüber anderen Gläubigern bevorzugt werden, hat auch nichts mit einer fairen Wirtschaft oder auch nur einer Marktwirtschaft zu tun.

Der Haftungsausschluss hat aber auch eine gewaltige gesellschaftliche Dimension. Bei Fehlentscheidungen der Kapitalgesellschaften, haften nicht die Eigentümer sondern die gesamte Gesellschaft. Steuerausfälle, Schadensersatz, Arbeitslosigkeit und alle anderen Folgekosten werden sozialisiert, also von der Gesellschaft getragen, während die Gewinne privatisiert werden und noch alles mögliche getan wird um diese Gewinne nicht versteuern zu müssen.

Im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang sind Kapitalgesellschaften eine bedauerliche Fehlentwicklung, die stets damit begründet wird, dass ja nur auf diesem Wege der Wirtschaft Kapital zur Verfügung gestellt wird. Diese These ist aber grober Unfug, eine Lüge oder vielleicht sogar schon ein Betrugsversuch.

Auch wenn die Grundlage der Kapitalgesellschaften der Verein ist, kann und darf es keinen Haftungsausschluss geben, weil damit auch gleichzeitig eine totale Verantwortungslosigkeit zementiert wird. Wer nicht haftet, ist nicht verantwortlich und kann auch bei Betrug nicht in Regress genommen werden. Im Betrugsfall, wie zum Beispiel jetzt bei VW, verbleiben die durch den Betrug erwirtschafteten Gewinne bei den Kapitaleignern, die Verluste trägt der Steuerzahler durch Verlust von Arbeitsplätzen und Steuerausfällen.

Ja selbst uneinschätzbare Folgekosten wie z.B. der Rückbau von Atomkraftwerken und die Endlagerung von Atommüll über hunderttausende von Jahren gehen zu Lasten der Allgemeinheit während die Kapitaleigner die Gewinne schon lange kassiert haben.

Unternehmen wie Bayer und Monsanto können bedenkenlos die Umwelt vergiften, weil sie ja sicher sein können, das ihre Besitzer nie für ihre Taten haften müssen. Dadurch wird ein völlig verantwortungsloses Handeln noch zusätzlich belohnt, etwas das weder unserem sonstigen Rechtssystem noch dem gesunden Menschenverstand entspricht.

Artikel 14 des Grundgesetzes Absatz 2 lautet: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.” Die aktuelle Handhabung mit dem vollständigen Haftungsausschluss für Kapitalbeteiligungen widerspricht dem und ist damit ungültig.

Schon um nur alleine dem Grundgesetz Geltung zu verschaffen muss jede Kapitalbeteiligung automatisch mit einer Vollhaftung des Eigentümers verbunden sein. Dabei ist auch immer zu prüfen ob diese Kapitalbeteiligung dem Allgemeinwohl dient oder nicht. Große Teile der heutigen Kapitalbeteiligungen wie z.B. die Herstellung von Pflanzengiften, Atomstrom, gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren, Waffen und Munition, aber auch große Teile der Chemie und Lebensmittelindustrie schädigen das Allgemeinwohl und sind deshalb nicht zulässig. Sie können gar keinen Schutz in Anspruch nehmen.

Daneben gibt es aber unzählige Kapitalbeteiligungen die dem Allgemeinwohl nützen können, wenn sie ordentlich kontrolliert werden. Diese Kontrolle aber obliegt den Eigentümern und nur durch eine Vollhaftung für alle Fehlentwicklungen können die Eigentümer ihre Verantwortung im Schadensfall wirklich wahrnehmen. Gleichzeitig verstärkt die Gefahr des Totalverlustes des eigenen Vermögens natürlich auch den Kontrollwillen der Anteilsbesitzer und wird viele mögliche Schäden von vornherein vereiteln.

Wer also nicht kontrollieren will, was mit dem von ihm eingesetzten Kapital gemacht wird, muss jederzeit damit rechnen alles zu verlieren was er besitzt. Dies gilt auch für alle Anleihen in der Wirtschaft. Lediglich bei Kommunalobligationen, Landes- oder Bundesschatzbriefen gilt diese Haftungsregel nicht, dafür gibt es aber auch im besten Falle nur einen Inflationsausgleich und keine Gewinne.

Durch die Aufhebung der Haftungsfreiheit, die ja nichts anderes als das Risiko aus den Kapitalbeteiligungen genommen hat, wird sich bei der Kapitalversorgung der Wirtschaft nicht viel ändern. Aber die Unternehmensentscheidungen und das Handeln der Manager wird viel sorgfältiger als bisher sein, weil sie eben besser kontrolliert werden. Gleichzeitig wird es leichter für Unternehmen Geld aus ihrer Region und von ihren Kunden als Kapital zu bekommen, da man sich und die jeweilige Denkweise und das Risikoverhalten besser einschätzen kann.

One comment

  1. alles nur satire ( User Karma: 0 ) says:

    Hallo Jochen,

    WORD = Internetsprache und bedeutet angeblich die volle Zustimmung zu jedem Wort.

    Ihre Texte zu “Börse” und heute zu “Kapitalgesellschaften beschreiben die Zustände und Auswüchse, den Missbrauch einiger Weniger, zum Nachteil der Allgemeinheit trotz der einfachen (oder vielleicht gerade deshalb?)Wortwahl sehr zutreffend.

    Bin gespannt auf die nächsten Veröffentlichungen.
    Beste Grüße

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