Problem Börsen

Offiziell beginnt die Geschichte der Börsen (beurs = niederländisch für Geldbeutel) 1531 mit dem ersten Börsengebäude in Brügge, wo Schuldwechsel gehandelt wurden. Tatsächlich ist dieser Handel vermutlich viel älter, man versammelte sich eben nur nicht in Börsengebäuden sondern in Schenken, Privathäusern und auf Märkten. Selbst Warentermingeschäfte auf diverse Produkte wurden schon vor dieser Zeit gemacht.

Der Sinn dieser Börsen war es zum einen für die unterschiedlichen Währungen mit unterschiedlichem Edelmetallgewicht gemeinsame Preise zu finden und als mit immer entfernteren Orten gehandelt wurde, den unpraktischen Transport von Geldkisten durch Schuldwechsel zu vereinfachen. Der Wechsel war ein ein schriftliches Versprechen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort oder einer beliebigen Niederlassung eine bestimmte Summe zu bezahlen.

Je sicherer die Aussteller dieser Wechsel erschienen und je weiter verbreitet seine Niederlassungen waren, desto wertvoller waren auch die Schuldwechsel. Unter anderem auf diese Weise entstand der Reichtum der Fugger und Welser und anderer großer Handelshäuser. Selbstverständlich gab es auch von der ersten Stunde an Wechsel, die reiner Betrug waren und schwächere Marktteilnehmer bekamen für einen Wechsel oft weniger als vierzig Prozent des Wechselwertes.

Was wir heute nicht mehr so richtig wahrnehmen wollen, war das Zinsnahmeverbot für Christen, ähnlich wie heute im Islam das, mit Schuldwechseln und dem Rentenkauf umgangen wurde. Während letztere vom Zinsverbot ausgenommen waren konnte man bei Schuldwechseln die Zinsen dadurch abrechnen, dass man beim Ankauf des Wechsel weniger als die Wechselsumme auszahlte.

Im Grunde war mit dem Ausstellen des Wechsels auch eine Geldschöpfung von Giral- oder Buchgeld verbunden, wobei die angenommene finanzielle Leistungsfähigkeit des Ausstellers die Grenzen setzte.

Der Erfolg der Hanse, ist neben ihrer militärischen Macht auch diesen Schuldwechseln zu verdanken. Der Börsenhandel mit Aktien begann erst richtig im 18. Jahrhundert auch wenn im Bergbau die sogenannten Kuxe als Frühform der Aktie betrachtet werden und auch an den Börsen gehandelt wurden. Die Aktie als Anteilschein an einem Unternehmen wuchs in ihrem Umfang so sehr, das extra Aktienbörsen gegründet wurden. Die Schuldwechsel wurden zu Anleihen.

Aber die Börsen hatten von Anfang an einen Makel. Sie waren Wettbüros in denen man darauf setzte, das die angekauften Schuldwechsel werthaltiger waren, als man selbst dafür bezahlt hatte. Spekulation muss natürlich zwangsläufig zum Crash führen. Das beste Beispiel ist der Tulpencrash in den Niederlanden, der auch als Mutter aller Crashs gilt.

Die Börsen werden optisch durch Bullen und Bären symbolisiert, wobei der Bulle für “Aufwärts” steht, weil er mit seinen Hörnern von unten nach oben stößt und jederzeit vorwärts stürmt, während der Bär mit seinen Tatzen von oben nach unten angreift und sich eher schwerfällig bewegt. Allerdings neigen Bullen dazu beim Vorwärts stürmen in eine Stampede zu geraten, die sich kaum noch stoppen lässt.

Wie wir schon aus dem Tulpenvideo wissen, neigt der Mensch dazu sich bullig zu verhalten und seinen Verstand sowie sein Wahrnehmungsvermögen an Börsen abzuschalten. Heute haben wir eine Anzahl an Börsenprodukten die nur ein Hasardeur spielen kann.Aber auch dafür gibt es dann noch rationale Erklärungen.

So vermitteln die Analysten der US-Bank JPMorgan, ganz ernsthaft den Eindruck “RWE könnte gerettet werden” weil in der politischen Debatte einige Politiker fordern, man könne die Energiewirtschaft nicht auf den Rückbaukosten von Atomkraftwerden und der Endlagerung sitzen lassen, da sie dann bereits heute pleite wären.

Tatsächlich schützt die Politik das Großkapital dem die Energieindustrie gehört, dadurch, dass die Auslagerung der profitablen Geschäftsbereiche in neue Gesellschaften nicht verhindert wird und die Kapitaleigner eben die Anteile an den neuen Gesellschaften bekommen und die Altgesellschaften, die jahrzehntelang die Bürger abgezockt haben, in die Pleite geschickt werden. Aber das rettet die Altgesellschaften nicht mehr. Die Analyse ist also Unfug.

Noch besser kommt es bei der VW-Aktie. Da erklärt Stefan Mayriedl von Börse Online, wie man mit dem anzunehmenden weiteren Kursverlust von VW noch Rendite oder besser Gewinn machen kann.

Die eigentliche Aufgabe der Börse sollte es ursprünglich sein, Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen. Ein Zweck den die heutigen Börsen nur noch in Bruchteilen von Prozenten ihres Umsatzes oder eigentlich gar nicht mehr erfüllen. Die Börsen sind Casinos und reines Glücksspiel. Ihr Umsatz müsste also der Spielbankabgabe unterliegen, die je nach Bundesland zwischen 45 und 80 Prozent der Differenz zwischen Einsatz und Gewinn entspricht.

Es macht keinen Sinn über Transaktionsabgaben und Regulierungen anderer Art zu reden. Die Börsen sind schon lange nicht mehr Teil der realen Wirtschaft und erfüllen auch keinen gesellschaftlich sinnvollen Zweck mehr.

Trotzdem muss es möglich sein Aktien und Anteilscheine anderer Art sowie Anleihen zu handeln. Dazu aber reicht es eine Plattform im Netz zu schaffen, auf der gegen eine geringe Gebühr diese zu ihrem Nennwert gehandelt werden können. Es ist unnötig einen Kurs zu bilden oder Derivate zu handeln. Dies mag in den Casinos zum Vergnügen geschehen unterliegt aber dann der Spielbankenabgabe, was den Spaß wohl etwas vermindern dürfte.

Selbstverständlich muss die Handelsplattform im Netz streng überwacht werden und es muss harte Strafen für Nebenabsprache geben. Um solche Nebenabsprachen zu verhindern, ist es am besten den Handel anonym stattfinden zu lassen, sodaß sich Käufer und Verkäufer gar nicht absprechen können. Ein direkter Handel unter Umgehung der Plattform muss verboten sein.

Diese Regelung betrifft nur Spekulanten. Für Unternehmen der Realwirtschaft ist sie bedeutungslos, da diese auf anderen Wegen mit Kapital versorgt werden können.

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