Politiker als Zuschauer

Allmählich wird einem richtig mulmig. Nehmen wir spontan zwei Sachverhalte, die heute in den Meldungen auftauchen, und die davon zeugen, wie unsere Politik nichts unternimmt, sondern seit Monaten und Jahren nur zuschaut, wie die Entwicklungen entgleisen, dann möchte man es nicht glauben: unsere regierenden Politiker machen nichts! Ob unwillig oder unfähig – ist auch schon egal. Wir haben den Schaden.


Die OECD schlägt Alarm, schreibt focus.online.

Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) erklärte, dass Deutschland im internationalen Vergleich zu den Schlusslichtern bei der Alterssicherung von Geringverdienern zähle. Demnach seien gerade die sozial schwachen im Alter von einem Leben in Armut bedroht.

Und keine Maßnahme in Sicht. Ein reiches und leistungsstarkes Land wie Deutschland sieht zu, wie ein Großteil der Alten in die Armut abrutschen wird.

Börse auf Speed, schreibt Spiegel.online.

Sekundenschnelle Computergeschäfte lösen bisweilen gefährliche Kursschwankungen aus – nach Willen der EU-Kommission soll das in Europa künftig nicht mehr möglich sein

“künftig” wohlgemerkt. Seit Jahren schaut man zu, wie an den Börsen weiterhin gezockt wird und wie die Banken weiterhin tun was sie wollen. Zum Schaden des gesamten europäischen Wirtschaftsraumes. Unfaßbar.

Wie sagte Oskar Lafontaine in einem Interview in der Saarbrücker Zeitung am 19.8.11:

Die europäischen Schulden betragen addiert etwa neun Billionen Euro, das Geldvermögen der Millionäre Europas beträgt etwa neun Billionen Dollar (…) Die Schulden der Staaten sind das Vermögen der Reichen.

Aber anstatt anzufangen, dieses eklatante Ungleichgewicht langsam zu ordnen, den Banken ihre Macht zu begrenzen, das Gezocke an den Börsen zu verbieten, schauen unsere Politiker einfach zu. Und mir wird langsam richtig mulmig, wiegesagt.

13 comments

  1. Otto says:

    Nehmen wir spontan zwei Sachverhalte, die heute in den Meldungen auftauchen, und die davon zeugen, wie unsere Politik nichts unternimmt, sondern seit Monaten und Jahren nur zuschaut, wie die Entwicklungen entgleisen, dann möchte man es nicht glauben: unsere regierenden Politiker machen nichts! Ob unwillig oder unfähig – ist auch schon egal. Wir haben den Schaden.

    Dazu passt eigentlich dieser Beitrag. Der Gregor hat´s mal wieder krachen lassen. Aber man kann sagen was man will: Er hat in seiner Rede recht.

    1. Luise ( User Karma: 0 ) says:

      Von meinem Standort aus (als Bürgerin), sind sie Zuschauer (anstatt Handelnde).
      Ich finde, wir haben uns zu sehr daran gewöhnt, die Welt aus fremden Blickwinkeln zu betrachten.

      1. Otto says:

        So gesehen hast du nun auch wieder recht. Ach Luise, es wird immer schlimmer im Deutschen Ländle. Hättest gestern einmal Maybritt Illner sehen sollen. Da ging es wieder um den Euro.

  2. zdago says:

    @unsere regierenden Politiker machen nichts!

    da muß ich “unsere” Politiker schon verteidigen. Sie tun durchaus etwas – sie tragen ihr Teil zum Krieg der Eliten gegen das Volk bei.

    Bsp. ( nur eines von vielen )
    haben sie vor mehr 10 Jahren genau die bis dahin verbotenen “kreativen neuen Produkte (Zitat eines bekannten Bankiers) freigegeben haben –
    weiterhin ist ebenso bekannt, das selbige Spitzenkraft der Finanzwirtschaft – die zwar nicht die deitsche Wirtschaftsgesetzgebung, dafür aber das churchill’sche Victory-Zeichen beherrscht – schon vor 10 Jahren mit der deutschen Politik gekungelt hat, wie sie diese kreativen Produkte an eine “Bad bank” – sprich den deutschen Steuerzahler – auslagern können
    – und wie sie vielleicht bemerkt haben, haben die aktuellen Politiker das dann auch pflichtschuldig erledigt
    Und die so “kompetenden” freien Medien haben das ganze ebenso pflichtschuldig verschwiegen.

    Na ja – in meinen Augen nennt sich das ganze ja Betrug im Rahmen organisierter Kriminalität – aber nach unseren weisungsgebundenen – an die Weisungen eben dieser Politiker – gibt es ja keine organisierte Kriminalität in der Bananenrepublik.
    mfg zdago

  3. willi says:

    Ich geb’ dir ja durchaus recht, aber Fettaugen können sich nun mal darauf verlassen, dass sie immer oben schwimmen werden, wenn sie geschickt sind. Natürlich ist es für die wirklich Reichen angenehmer, wenn alles stabil vor sich hinläuft, aber große Sorgen müssen sie sich auch dann nicht machen, wenn alles scheinbar den Bach runtergeht.
    Solange das Eigentumsrecht nicht angerührt wird müssen sie nur zusehen, dass sie in die Sachwerte kommen, bevor sich die Geldvermögen in Luft auflösen. Die weltweiten Landkäufe im großen Stil deuten darauf hin, dass dies auch schon länger passiert.
    Solange die Eigentumsrechte unverletzt bleiben sind die oberen Zehntausend auch nach einem Crash noch die oberen Zehntausend. Sie werden Ländereien Unternehmen und Infrastruktur besitzen. (Warren Buffet hat sich kürzlich z.B eine Eisenbahn zugelegt)
    Auf Demokratie sind sie ohnehin nicht angewiesen.

    1. Luise says:

      leider muss ich dir recht geben, was die “Landnahme” anbelangt, infolgedessen die Reichen bleiben werden, was sie sind. Aber Land muss bewirtschaftet werden, wenn es was einbringen soll. Und da kommen dann wieder die Menschen ins Spiel! Schauen wir mal.

  4. willi says:

    Die Politik hat die Aufgabe, dem Kapital optimale Verwertungsbedinungen zu verschaffen und im Zusammenhang mit der gesetzlichen Rente geht es darum, sie nach und nach zu zerstören.
    Für das Kapital eine Win-Win-Situation: Billige Arbeitskräfte, die versuchen, jeden Cent, den sie nicht zum direkten Überleben brauchen in private Altersvorsorge zu investieren, weil sie sonst zu 100% von den Almosen des Staates abhängig wären.
    Das ist sozusagen Punkt 2 auf der Agenda. Nach der Schaffung eines Millionenheers an Billiglöhnern für die Produktion kommt die Umleitung der Beiträge zu den Sozialversicherungen in die Kassen privater Versicherer. Das funktioniert um so beser, je mieser die Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherungen sind.
    Wir leben in einer Farm, die den Namen “Deutschland” hat. Wir leben hier als Nutztiere. Eine andere Bestimmung haben wir nicht.

    1. Luise says:

      von wegen win-win-Situation. Das mag ja bisher so funktioniert haben. Aber wenn die Systeme (Währung, Wirtschaft, demokratische Regierungsform) immer instabiler werden, dann können die Oberen Zehntausend alle noch einmal wie Dagobert Duck in ihren Milliarden baden und dann haben sie auch nichts mehr zu lachen. Wo wollen sie denn leben, ohne stabilen Mittelstand, der den Laden am Laufen hält?
      Ich bin überzeugt, wir brauchen eine neue Agenda und über unsere Bestimmung sollten wir möglichst früh und gründlich selbst entscheiden. Unaghängig davon, welche Bestimmung sie uns momentan gegeben haben.

  5. reni says:

    2,8% bei der Meck-Pomm-Wahl. Die “Leistungselite” von der FDP hat ihre Quittung. Sie war ja mal angetreten als die “Partei der Besser-verdienenden”.

    Ich sage es hier nochmal: Die wahren Strolche nennen sich “sozial” und “demokratisch”!!!

    Sie haben in jeder Beziehung den Grundstein für diese Scheiße gelegt.

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