Nicht immer nur mit Brexit drohen sondern endlich gehen

Solange ich politisch denken kann, meckert dieses komische Königreich an Europa rum. Lange Zeit habe ich geglaubt dass die Grundlage Phantomschmerzen in den schon lange amputierten Gliedern des britischen Empire seine und dieses Land seinen Absturz in die Bedeutungslosigkeit einfach noch nicht verkraftet habe. Aber nun bin ich alt und die Briten nörgeln noch immer.

Als Mann (und sicherlich auch als Frau) kennt man dass, wenn man mal verheiratet war oder wie die verrückteren unter uns (mich eingeschlossen) diesen Fehler sogar mehrfach gemacht haben. Nach einer Zeit des Honeymoon kommt der graue Alltag mit all seinen Enttäuschungen.

In den schlimmsten Fällen bleibt ein nörgelnder Partner der den ganzen Tag an der Beziehung leidet und als lebender Vorwurf durch die Gegend trabt. Das ist nicht schön, aber das gibt es eben und dann gibt es nur eines. Man muss sich trennen, möglichst im Guten, da ja das Erschießen des Partners genau wie das Erwürgen verboten ist. Wie die Schnulze schon sagt:

Am schlimmsten sind die Beziehungen in denen genau das nicht passiert, sondern die zerstörte Beziehung auf jeden Fall aufrecht erhalten werden soll, weil es ja Kinder gibt, man das Oma oder Opa nicht antun kann und was denn die Nachbarn sagen, wenn sie mitbekommen, dass man seine Beziehung nicht geschafft hat, sondern von ihr geschafft wurde.

Es sind diese nicht enden wollenden Beziehungen die den Menschen das Leben vergällen, obwohl es einige gibt denen es scheinbar sehr gut gefällt wenn sie ständig als lebender Vorwurf durch die Welt geistern können und dem anderen damit das Leben vergällen und letztendlich zerstören.

Das was in einer Zweierbeziehung schon so unheimlich schwierig ist, ist in einem großen Swingerclub wie diesem Europa noch viel problematischer. Wer da als Männlein oder Weiblein ständig die Diva gibt, hat nicht nur den Sinn des Ganzen nicht verstanden sondern nimmt auch allen anderen den Spaß. In einem Swingerclub wird das einfach gelöst. So einen Laden hat meist einen Besitzer oder eine Besitzerin und bevor die sich den Laden zerstören lassen, werfen die Störenfriede und Nörgler einfach raus.

Europa hat keinen Besitzer, auch wenn die Lobbyisten und Politiker sowie die Berater des Großkapitals das anders sehen und Europa muss sich selbst helfen. Das ist schwierig, weil in der Vereinssatzung nichts steht, womit man einen Partner der nicht passt wieder loswerden könnte. Einer der vielen Gründungsfehler dieses Europas.

Aber nun gibt es ja zum Glück die Briten die die Schnauze von Europa voll haben und ständig eine Extrawurst gebraten bekommen wollen. Man muss jetzt nur einfach mal hart bleiben und den Briten sagen, dass sie gehen sollen, wenn sie doch schon seit Jahrzehnten gehen wollen.

Nicht weil die Extrawürste der Briten so teuer wären, sondern weil man das Genörgele einfach nicht mehr hören kann. Nur alleine um endlich wieder einmal Ruhe ins Getriebe zu bekommen und überhaupt nachdenken zu können, müssen die Briten raus. Europa muss sich neu erfinden und das geht mit einem Haufen Klageweiber die gar keinen Toten zu beweinen haben, aber so laut brüllen, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hören kann.

Selbstverständlich wollen die Briten ja gar nicht wirklich aus der EU. Denn während sie so, als Stellvertreter der USA in allen Gremien die Dinge aufhalten und im Sinne der USA beeinflussen können, wären sie alleine nur ein Ländchen am Rande Europas, das seine Waren nur noch für wenig Geld in weit entfernte Gebiete liefern könnte und ständig am Tropf der USA hängen würde, was die sicher nicht lange mitmachen würden.

Wenn die Briten gehen verlieren die Briten. Aber wen stört das schon. Sie haben solange erklärt dass sie gehen wollen und nun sollen sie endlich tun. Haut ab. Verwindet, macht euch dünne. Lasst euch nicht mehr sehen, streicht unsere Adressen in euren Telefonbüchern. Lebt euer Leben, aber lasst uns unseres Leben.

Selbstverständlich kommen da bei uns die Weicheier die sagen dass es kein Szenario für einen Ausstieg eines Landes aus Europa gibt. Es gibt auch kein wirkliches Szenario für das Ende einer Beziehung. Das Ende sieht immer aus, der Blödsinn mit dem Scheidungsurteil ist ja nicht das Ende der Beziehung sondern nur die amtliche Bestätigung dass die Beziehung am Ende ist.

Wir wissen nicht, wie Europa sich von den Briten trennen kann und umgekehrt. Kein Problem. Finden wir es raus. Das macht es beim nächsten Mal leichter. Es funktioniert ja auch in Swingerclubs, Ehen und Beziehungen. Wir müssen es nur probieren.

Gerade weil wir nicht wissen, wie es geht, müssen wir es einfach halten. Damit die Briten gar nicht mehr erst lange überlegen müssen, sollten wir ihnen zum 31.3.2016 kündigen. Quartalsende ist ein feines Datum. Zu diesem Datum müssen die Briten ihre Büros in Europa räumen und ihre Leute abziehen, alle Schlüssel übergeben und sind ab 1.4. völlig selbstständig und unabhängig von Europa. Ab diesem Zeitpunkt gelten die gleichen außenwirtschaftlichen Bestimmungen, wie sie auch für die Innere Mongolei und das Königreich Tonga gelten.

Klar, den Tunnel unter dem Ärmelkanal wird man dann schon mittelfristig nicht mehr unterhalten können, weil es an Fahrgästen mangelt und für den Tourismus ein paar Fähren ausreichen. Dafür können die Briten dann aber eine Menge Flugzeuge für den europäischen Verkehr verkaufen, weil es keinen Bedarf mehr gibt.

Schottland und Wales werden sich dann erneut die Frage stellen müssen, ob sie mit England weiterhin eine Staatengemeinschaft bilden wollen, oder diesen Verbund lieber kündigen. Aber das sind innerbritische Entscheidungen, die für Europa von nicht allzu großem Interesse sind.

Den Briten kann man nur noch noch nachrufen:

Geht mit Gott – aber geht endlich!

PS: Natürlich dürfen sie auch ohne Gott gehen.

10 Kommentare

  1. Die schaffen das auch als Einzelne, als lebendig gewordener Vorwurf durch die Lande zu ziehen!
    Die Emanzen können das übrigens auch. Kenne auch ein paar Damen die kriegen das auch hin.

  2. Die 6000 gepanzerten Fahrzeuge? haben die noch so viel bei uns? Oder sind das dem Ami seine? Der wird nicht gehen, ein USexit steht ja leider noch nicht an.

    1. Die 6.000 gepanzerten Fahrzeuge sollen am Niederrhein irgendwo eingelagert sein, da dies billiger sei, als sie im UK einzulagern und sie im Ernstfall ja “zu unserer Befreiung” hier auf demKontinent benötigt werden würden ;-)

  3. Meinetwegen können die auch zum Teufel gehen ;)

    Ich habs eh nicht verstanden, warum hier Europa wieder mal einknickte statt zu sagen: Ihr wollt pleite gehen? .. bitte, kein Problem, viel Spaß.

  4. Der “Brexit” ist eine Scheindebatte der Eliten, die dieses Mal real werden könnte, wenn die Bewohner UKs ihre miese persönliche Situation tatsächlich der EU und nicht ihren nationalen Politikern und Wirtschaftseliten zuschreiben.
    Scheindebatte der Eliten deshalb, weil es im Prinzip nur darum geht, die City of London (was nicht gleich der Hauptstadt London ist) dem Einfluss Brüssels dauerhaft weiterhin zu entziehen. Man weiss eben nicht, in welche Richtung es in der EU geht und da will man sein Vermögen in Sicherheit wissen. Geldanleger würden sagen: Risiko. Wenigstens hat Brüssel seinen “Verzicht”, der vielleicht auch eine britische Erpressung ist, signalisiert.
    Das entindustrialisierte Königreich hat ein wenig Öl und einen großen Dienstleistungssektor. Ein bedeutender Part des Dienstleistungssektors sind Finanzdienstleistungen.
    “Auf die Londoner City entfallen heute 250 globale Banken mit 160.000 Mitarbeitern, 80% aller europäischen Hedgefonds; 78% des europäischen Devisenhandels, 74% der europäischen Derivate und 57% von Europas privatem Beteiligungskapital.” (Die Welt, 23.03.15)
    Ein Ausscheiden UKs aus der EU könnte natürlich Probleme für Brüssel bergen. Aber auch das wäre nur eine Scheindebatte, weil man alle Probleme bilateral lösen könnte, wenn man denn will. Deshalb ist die Angstmache – der verliert das oder der andere verliert jenes – für den Hugo. Sie lenkt vom wahren Hintergrund ab.

    P.S.: Habe vorhin gerade gelesen, dass die geplante deutsch-britische Börsenfusion wohl die City als künftigen Sitz des Unternehmens plant.

    1. Hallo Carlo,
      danke für deine Hinweise. Ich frug mich nämlich schon nach dem tieferen Sinn der britischen Bestrebungen.
      Hatte dazu auch Kommentar mit Fragen versucht zu posten, aber irgendetwas mit “Spamschutz” verhindert die Veröffentlichung

      1. Ich habe mir angewöhnt immer sofort auf Wirtschaft, Geld und Geschichte zu schauen, wenn ich politische Probleme einordnen möchte. Meistens sind die Ursachen dort zu finden und haben lange Wurzeln. Wer mit den Stichworten City of London und Wirtschaftsentwicklung UK sucht, wird mehr finden als mein Zitat aus “Die Welt”.

        Man wird entdecken, dass niemand in den “oberen Etagen” einen echten Brexit möchte. Auf keiner Seite des Ärmelkanals.

  5. Ich habe noch nie eine schlechte Theater- oder Kulturvorstellung vorzeitig verlassen, denn sowas finde ich mutig genug.

    Aber was da in der EU so öffentlich zur Schau gestellt wird- allerdings nicht nur in Sachen GB- kann nur noch zum Abkotzen gebraucht werden.Ohne sich ab zu wenden, volles Rohr mitten in die Fr……….

  6. Man hat manchmal den Eindruck, die Protagonisten dieses EU-Spektakels glaubten selber, daß sich der Zustand des UK IN oder AUS der EU wie mit einem Lichtschalter herstellen lasse? Was in zwanzig, dreissig Jahren mit Verträgen und Gesetzen entstanden ist, daß müsste nun ordentlich rückabgewickelt werden. Im Prinzip müssen sich EU und UK ALLES noch einmal vornehmen und in jedem einzelnen Fall eine Regelung treffen. Das wird Jahre dauern und womöglich wird der neue Zustand sich am Ende kaum, oder nur unwesentlich, vom alten Zustand unterscheiden. Nachbarn bleiben wir auch. Miteinander auskommen wollen wir künftig auch. In diesem Sinne ist das eine Scheindebatte, die hier geführt wird…

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