Netzbrummen, auch mal ganz ohne saubere Festspannungsregelung

Mal'n bisschen Netzbrummen, außerhalb dieser, meiner Ansicht nach etwas zu einfachen Filterblasenalgorithmik der Schwarmintelligenzler. (Neben der Werbebranche, kommt das nämlich ursprünglich da her, ihr verzweifelten Sucher nach neuem uralt-funktional abstraktem Balsam für eure konditionierten Technoseelen).

Sinnigerweise, ist es ja mittlerweile so, dass auch das Ding mit den Freundschaftsanfragen auf den sozialen Netzwerken, fast schon einer Art Mixtur aus Controling und Überprüfung anhand von gewohnten Klischees (oder sagen wir Filterblase) sowie beteiligten sonstigen Friends zur Stärkung des eigenen Vertrauens entspricht. Senden dir vollbusige Damen oder knackige Sixpacks eine Freundschaftsanfrage, ist es dem kreativem wie politischen, als auch generell gesellschaftskritischem Ambiente relativ klar, dass da irgendwie ein ganz anderes Metier irgendwie auf Publicity oder gleich Kundschaft aus ist. Im rechten Hassofen, will man als Linker ja ebenfalls genauso wenig landen, wie wahrscheinlich auch als Rechter nicht zwingend im linksgrünversifftem Millieu, – also schaut man auch beim vollständig angezogenem Anklopfer erst mal nach, was der so in seinem digitalen Wohnzimmer postet. Sieht man, dass er auch Freunde aus dem eigenen Freundeskreis hat, ist da gleich schon mal mehr Vertrauen möglich. Das hilft aber auch nicht mehr, wenn man sieht, dass außer Werbung für irgendein Geschäft oder Geschäfte gar nix vorhanden ist. Das riecht dann einfach gleich nach der Schmalspur-Strategie von Vertrieblern. Wobei man natürlich jederzeit versteht, dass man privates und berufliches nicht immer trennen kann, und speziell bei den Künstlerseelen, geht das nun mal oft komplett ineinander über. Was ja sinnigerweise auch noch in einen Kontext für alle fällt, wo man vor der großen Funktionalisierung und Desozialisierung, noch über so schöne Dinge wie Selbstverwirklichung sprach.

Schwierig wird es natürlich dort, wo Leute wie ich auch, daran glauben, dass auch die Unpolitischen, Nichtgeschäftsleute oder sonstigen Anhänger des Nichtanhängertums, – Menschen sind, und man eben sonstige gemeinsame Interessen hat. Eigentlich die Klientel, auf die anfangs fast alle sozialen Netzwerke für ihre werbeintensiven Datenerhebungen gesetzt hatten. Also all die unschuldigen Gemüter, die man angesichts ihres noch unschuldigerem Katzencontents, Feierabendbierchens, Heile-Welt- bis Flirtgeplänkels, über durchaus auch die Schleimpilzsammler bis zu den Hobbyastronomen und Taubenzüchtern in sauberes zielorientiertes Konsumverhalten verfiltern konnte. Dass die sozialen Netzwerke selber, überhaupt je so was wie Unschuld besessen hätten, ist natürlich eine Frage gesteigerter Naivität, aber das Schema der über Werbung finanzierten kostenlosen und sattsam benutzten Möglichkeiten, ist nunmal auch älter wie sie. Ein bisschen arg peinlich, war anfangs speziell auf der Werbebühne Facebook, das etwas übertriebene Interesse der Kreativen, alles so mit der eigenen Selbstdarstellung zuzubomben, (so mitten in der ICH-AG-Ära), dass man zeitenweise gar nichts anderes mehr dazwischen sehen konnte. Aber mittlerweile haben die auch ganz brauchbar gelernt, dass Fanseite und Freundeskreis einfach unterschiedliche Begriffe sind. Wobei ich da aber schon angesichts des Umstandes, dass sich die Friends da gerne selber wie die Fans und/oder anders herum verhielten/verhalten, jetzt auf keinen Fall von Strategie sprechen möchte/könnte.

Mit einem bewusst verwendetem Schema, dass sich Angehörige einer partikularen Interessengruppe, gezielt über die eigentlich privater verkauften Freundeskreise vernetzen bzw. diese durchsetzen, ist es jedenfalls nicht zu vergleichen. Also die harmlosen Freundschaftsanfragen der gestylten Unschuld, Durchschnittlichkeit, Normalität, – die es sein kann, – oder eben nicht. Entweder versaust du dir aus Vorsicht die Chance einen interessanten neuen Menschen kennen zu lernen, der an der Oberfläche einfach nicht zu viel von sich selber preis geben will, – oder du hast dir einen als Taube verkleideten Raubvogel ins Nest geholt, bei dem du i.d.R. auch erst im Nachhinein die Register siehst, die der zieht. Im Prinzip, ähnlich der versteckten Trollerei der neoliberalen Harmlosigkeit, wie sie jeder linke blogger auch noch kennt. Oder auch der besonders skrupellos auf alte Leutchen fixierte blütensaubere Versicherungsvertreter, bei dem die dann nur noch deshalb unterschreiben, damit er endlich die Wohnung verlässt. Für geübte Netzaffine normalerweise kein Problem, ganz im Gegenteil, manche halten sich sogar ganz bewusst den einen oder anderen vermeintlich strategischen Helden, um selber an Infos und Sichten auf Entwicklungen aus erster Hand zu gelangen, – aber für die Unschuld ist es genauso ein Spiel mit der Hilflosigkeit, – wie mit der Angst. Generell, würde ich aber mal sagen, dass von der guten alten offenen- und vom Misstrauen relativ freien Netzkultur, sicher auch im Zuge von NSA, BND, Fake etc. usw. usf, – nicht mehr allzuviel übrig geblieben ist. Kurzum, – das Netz ist nun endgültig zum Schlachtfeld geworden.

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