Manager statt Unternehmer

Ich ernte immer wieder staunende Blicke wenn ich sehr genau zwischen Managern und Unternehmern unterscheide. Dabei ist es doch völlig klar. Ein Manager ist ein angestellter Verwalter auf Zeit, der an seinen Gewinnen gemessen wird, während ein Unternehmer an seinem Lebenswerk arbeitet und Gewinne häufig nur dazu dienen, den Ausbau des Unternehmens voran zu treiben.

Gewinnmaximierung, wie sie die Aufgabe von Managern ist und unternehmerische Tätigkeit unterscheiden sich gravierend. Der Manager denkt in Quartalen, der Unternehmer in Jahrzehnten oder gar in Generationen. Ein Unternehmer pflanzt einen Wald damit seine Nachkommen aus dem Holz dieses Waldes Häuser bauen oder Kochlöffel fertigen können. Ein Manager führt von Quartal zu Quartal.

Die Erfolge eines Unternehmers lassen sich oft erst nach Jahrzehnten wirklich messen, die des Manager innerhalb von 12 Wochen. Für Manager sind Unternehmen das gleiche wie ein Obststand auf einem Markt. Wer den meisten Gewinn im Quartal gemacht hat, ist der Sieger. Egal ob er dafür bewährtes Fachpersonal gegen Ahnungslose tauscht, Qualität mindert, oder einfach die Produktbreite verengt.

Am verrücktesten ist dabei das Verhalten der Börsen. Ursprünglich dienten sie einst dazu Unternehmen durch eine Beteiligung per Aktien Geld zu verschaffen und die Haftung für diese Beteilung war auf den Preis der Aktie begrenzt. Manche versuchten die Entwicklung von Börsen mit den abstrusen Methoden der Theologie der Volkswirtschaft vorherzusagen. Stetig wurden neue Börsenprodukte entwickelt und heute wird im Hochfrequenzhandel, praktisch nur noch wie in einem Casino gezockt. Der gesamte Börsenhandel hat nichts mehr mit der realen Wirtschaft zu tun.

Das bedeutet, dass ein Manager der auch nur Nachrichten erzeugt, die den Kurs der Aktie seines Unternehmens bewegt, ein guter Manager ist. Er wird mit Boni und hohen Gehaltszahlungen für etwas belohnt, was nichts mit dem realen Wert des Unternehmens zu tun hat. Selbst wenn er durch Sparen am falschen Platz sein Unternehmen langfristig zum scheitern verurteilt hat, kann das für ihn persönlich noch positive Folgen haben.

Am allerschönsten aber ist, dass es kaum einmal dazu kommt, dass ein Manager wirklich verurteilt wird. Middelhoff bei Karstadt Quelle wurde auch nicht wegen seiner krassen Fehlentscheidungen belangt, sondern nur weil einige seiner Taten als kriminell betrachtet wurden und vor allem weil ihm der Rückhalt aus seinen eigenen Kreisen fehlte.

Wenn Unternehmer wie Max Grundig versagten dann hat man sie in Bausch und Bogen verurteilt. Manager gehen zum nächsten Unternehmen und dürfen weiter ruinieren und wenn sie nicht allzu sehr negativ auffallen wandern sie später noch in die Aufsichtsräte.

Das Manager verantwortungslos handeln, ergibt sich nicht aus Bösartigkeit sondern einfach aus der Art und Weise wie mit Managern umgegangen wird. Man kann nicht einer Gruppe völlige Narrenfreiheit lassen und sich dann bescheren wenn sie sich wie Narren verhalten.

Die Aktionäre müssen sich nicht fürchten für mangelnde Aufsicht in persönliche Haftung genommen zu werden. Die Aufsichtsräte bekommen von ihren Managern allerlei Gutachten von Unternehmensberatern, die oft gerade erst seit wenigen Wochen in der Lage sind sich selbst die Hose zuzuknöpfen. Ein verantwortungsfreies System erzeugt verantwortungslose Manager.

Nehmen wir die Betrügereien von VW bei den Abgaswerten. Zwar wurden ein paar Spitzenmanager in den Ruhestand geschickt. Aber selbstverständlich mit Abfindung und Ruhebezügen. Als Verantwortliche werden uns Leute aus dem mittleren Management genannt. Zahlen müssen die Strafen die VW-Mitarbeiter, die bei VW beschäftigten Sklavenarbeiter und natürlich die Gemeinden denen die Steuereinnahmen wegbrechen. Kein Aktionär muss dafür haften, dass er durch mangelnde Aufsicht den Betrug zugelassen und damit die Verluste verursacht hat.

Um so erschreckender ist es, wenn eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich zu dem Ergebnis kommt, dass die Weltwirtschaft von nur 147 Konzernen gesteuert wird. Wenn völlig Verantwortungslose aus purer kurzfristiger Gewinngier die Weltwirtschaft steuern dann kann dabei nichts gutes herauskommen.

Da die Aufsichtsräte aus der gleichen verantwortungslosen Gedankenwelt kommen, muss man davon ausgehen, dass die Weltwirtschaft aus reiner Gier natürlich alles tut um demokratische Verhältnisse zu verhindern, die ja Verantwortung einfordern könnten.

One comment

  1. zdago says:

    @ Manager gehen ….dürfen weiter ruinieren

    falsch – sieh haben genau das getan, wofür sie eingestellt wurden – aus der Sicht der letzten Entscheider.
    Falsch war das nur aus der Sicht der Angestellten und Außenstehender, Gutgläubigen und Ahnungslosen – möglicherweise aus der Sicht der Firma – nicht aber aus der Sicht der auf beiden Schultern tragenden Spekulanten !

    Merke : das Geld ist nicht verbrannt – das hat nur jemand anders !
    mfg zdago
    Hihi – Relativitätstheorie !!!!!

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