Macht ist nur eine Illusion

Ja, ich gebe es zu. Ich selbst bin über Jahrzehnte auf der Suche nach dem Alleinschuldigen oder einer kleinen Gruppe von Alleinschuldigen gewesen. Ich habe mich dann meist damit begnügt, das Großkapitals zu benennen ohne wirklich klar zum Ausdruck zu bringen, wer dass denn nun ist. Meine Leser sind mir da meist gerne gefolgt. 

Andere nannten den Kapitalismus der erst untergehen müsse, bevor aus seinen Resten etwas neues herauswachsen könne. Marx. Engels und Lenin wurden als die heilsbringenden Götter genannt, obwohl auch sie den Beweis der Wirksamkeit ihrer Theorien in der Praxis schuldig geblieben sind und der real existierende Sozialismus, der in Wirklichkeit eine Art Staatskapitalismus war, der auch nur auf die Entwicklung im anderen Kapitalismus reagierte. Überholen ohne einzuholen war einer der running Gags. 

Das braune Pack sprach ständig vom jüdischen Finanzkapital, das schuld sei. Meist fällt dann der Name Rothschild. Im Grunde genommen gab es bei denen die gleiche Entwicklung wie bei den Fuggern und Welsern, nur dass die Rothschilds genau wie die europäischen Fürsten innerhalb der Familie heirateten um die beträchtlichen Mitgiften in der Familie zu halten. Selbstverständlich haben die Rothschilds wie alle anderen Superreichen kräftig an Kriegen und Menschenschindereien verdient. Aber ihre heutige Macht ist eher lächerlich wenn man über eine persönliche Macht spricht. 

Ein zufälliges Gespräch mit einem Milliardär machte mir dann klar, dass die Dinge vielleicht ganz anders lagen, als ich sie bisher gesehen hatte. Rund um diese Superreichen ist ein Betreuer- und Beraterstab, der wirklich nur das Beste für seinen Herrn oder Herrin will. Höchste Sicherheit, bestes Unterhaltung, beste Nachrichten und natürlich die besten Finanzanlagen. Vierundzwanzig Stunden am Tag wird dem Herrn erzählt, dass er der beste, schönste, klügste und gesündeste Herr aller Zeiten ist, wenn er seine Leute nur machen lässt und sich an deren Anweisungen hält. 

Diese Leute nennen wir sie mal Helferlein, haben ihren Herrn in einem goldenen Käfig eingesperrt und damit er sich nicht aufregt, halten sie ihn von allen schlechten Nachrichten fern. Diese Helferlein haben selbst keine Macht, können aber mit dem Geld ihres Herrn nicht nur Macht projizieren sondern auch real ausüben, wenn sie sagen, dass sie das was sie tun und wollen ja im Auftrag ihres Herrn tun und wollen. 

Die einzigen Konkurrenten die sie haben, sind die Helferlein der anderen Superreichen und manchmal tun sich die Helferlein von verschiedenen Herrn zusammen um gemeinsam mit noch mehr Macht, etwas durchzusetzen. Andererseits landen sie aber auch immer bei den gleichen Vermögensverwaltern und es entsteht der Eindruck einer konzentrierten und planvoll vorgehenden Macht. 

Tatsächlich aber gibt es nur viele deckungsgleiche Interessen die diesen Anschein erwecken. Die Macht die da projiziert wird. ist eine Illusion. Das bedeutet dass wir die Schuldfrage ganz anders anfassen müssen. Wir haben nämlich eine riesige Anzahl von Schuldigen, die man leicht zur Verantwortung ziehen könnte.

Der Fall Winterkorn hat es gerade mal wieder gezeigt. Während ein paar kleine Leute gehen mussten, bleiben Leute wie die Porsches und Winterkorn unbehelligt. Anstatt gegen Merkel oder für einen Weltfrieden zu demonstrieren könnte es sinnvoller sein, dafür zu protestieren, dass diese Leute zur Verantwortung gezogen werden. 

Wenn sie nur vor Gericht kommen. Ihre Pensionen eingefroren werden, dann brennt wirklich die Luft. Welcher Bayer Vorstand will dann noch weiter machen wie bisher. Wenn man sich mit seinem Versicherungsvertreter gegen Aasgeier in den Versicherungskonzernen zusammentut, anstatt den Versicherungsvertreter zu verklagen, dann wird da schnell der Schwanz eingezogen. 

Wenn vermeintliche Wissenschaftler für ihre gekauften Lügen ins Gefängnis müssen, oder auch nur die Gefahr einer Anklage droht, dann wird dieser Dauerbetrug der heute üblich ist nachlassen. Die Macht wird bröckeln. Natürlich werden die ersten Strafen lächerlich sein, aber mit der Zeit lernen auch die Gerichte. 

Wer die Illusion von Macht brechen will, muss das an den richtigen Stellen tun. Nämlich bei den Verantwortlichen. 

 

 

9 comments

  1. Schnulli says:

    Jochen, es gibt halt keine einfachen Loesungen bzw. einfache Welterklaerungen. Willkommen im Club der Aufgeweckten.

    Gruss aus der Projektwerkstatt:

  2. Derweg says:

    Da dachte ich Jochen hat’s begriffen… aber wieder nichts. Er sucht immer noch nach Personen gegen die er dann was zu Felde ziehen lassen will? Die Justiz…

    Das zu lesen tut dann schon richtig weh… 6 setzen!

    1. Schnulli says:

      Kommt drauf an, gegen wen die Schuldzuweisung gerichtet ist. Schuldzuweisungen in bestimmte Richtungen sind ein Kardinalsverbrechen. Und dass ausschliesslich Konditionierung vorliegt bezweifel ich. Gerald Huether uebrigens auch, wenn ich seine Erkenntnisse richtig interpretiere. Wir Menschen sind soziale Wesen und Doppelstandards (Eigene Person/Eigene Gruppe >> hochwertiger) sind uns natuerlich. Und grundsaetzlich gibt es fuer alles Menschengemachte auch menschliche Verantwortliche. Wenn Mist gebaut wurde, wollen wir instinktiv wissen, wer dahinter steckt. Fuer eine bessere Zukunft oder gar das Ueberleben ist es halt wichtig begangene Fehler nicht zu wiederholen.

      Da man sich selber nicht sieht, faellt es einem schwer bei sich selber den Fehler zu sehen und das eigene Selbst wird als hochwertiger (besser) und vertrauenswuerdiger angesehen. Wir sehen oft ein Motiv hinter einer Sache, und da wir selber keines haben, (wer kennt schon die Gedanken der anderen) muss jemand anderes ein Motiv gehabt haben.

      Auch einer zu erwartenden Strafe aus dem Wege zu gehen ist natuerlich und somit sucht man instinktiv den Fehler erstmal woanders. Die Konditionierung liegt vor, da Strafe in unserer Kultur rachebehaftet, nicht selten uebertrieben und oft Teil von Politik ist. Es ist also vielmehr das System, also die Gesellschaft selbst, welche – oft durch eine elitere Minderheit konditioniert – die Verantwortung zu verdraengen sucht. (z.B. Suendenbock-Philosophie)
      Auch sehe ich hierbei weniger eine gesellschaftliche Toleranz, sondern vielmehr einen gesellschaftlichen Zwang als das eigentliche Problem an. (Auf keinen Fall das eigene Nest beschmutzen)

      Es ist also eher natuerlich als konditioniert, den Fehler anderswo zu suchen/sehen.

      1. Jochen ( User Karma: 1 ) says:

        Schnulli ich gebe dir ja grundsätzlich recht. Aber Winterkorn und die ganze Befehlskette unter ihm, wusste bevor sie die Manipulation genehmigten, dass ihr Verhalten Betrug am Kunden und allen Menschen war. Genau wie es unsere Ökonomen wissen, wann sie lügen und betrügen. Das ist kein natürliches Verhalten sondern bewusstes Verbrechen.

        1. Schnulli says:

          Kleiner Nachtrag: Ein Prof. der Uni Bremen referiert “Gibt es geborene Verbrecher?”
          Basiert auf koerperlicher Gewalt, aber finanzielle Gewalt ist auch blutig, daher meiner Ansicht nach trotzdem passend:

        2. Schnulli says:

          Danke fuer deinen Kommentar.

          Na klar gibt es besonders in solch hohen Zirkeln vermehrt Empathiedefizite wg. unserer Ellenbogengesellschaft. Und daher wird weiter oben tendenziell auch mehr verbrochen, gelogen und betrogen. Aber auch das ist zu einem nicht geringen Teil angeboren (Psychopathie) und nicht nur antrainiert (Konditionierung Eltern/Gruppe).

          Ich hatte auch lediglich Bezug genommen auf die allgemeine Betrachtung von “gesellschaftlich toleriertes Verhalten, was im Kern auf einem konditionierten Verdrängungkonzept beruht.” zwecks Relativierung. So einfach ist es naemlich nicht.

          Es ist uebrigens inzwischen auch nicht mehr Stand der Wissenschaft, dass unsere Entscheidungen allein unserem Bewusstsein entspringen. Entscheidungen sind nicht selten schon getroffen, bevor wir bewusst darueber nachdenken, was wir tun wollen. (Frame effect)

          Und das gilt insbesondere bei komplexen Fragestellungen und bei Verlustgefahr.
          http://www.hss.caltech.edu/~steve/rightchoice.pdf

  3. Bernhard says:

    Lesetipp, passend zu Jochens Beitrag – ist die Rezension “Die Begradigungsmaschine” von Anne Seeck zu dem neuen Buch von Götz Eisenberg:
    https://aufstandgegenangst.wordpress.com/2017/02/03/die-begradigungsmaschinerie/

  4. Alles nur Satire ( User Karma: 0 ) says:

    Jeder hat seinen eigenen Weg, die Dinge, die Geschehnisse zu betrachten.

    Manche versuchen von außen auf das System zu blicken, manche versuchen die Missstände von innen zu beleuchten.

    Alles ist subjektiv, die Wahrnehmung der Geschehnisse, die Erklärungen dazu.

    Politische, wirtschaftliche, soziale Systeme sind von Menschen erdacht, werden durch Menschen gelenkt, Menschen, die egoistisch genug sind, aus dem, den System(en) ihren Vorteil zu ziehen.

    Auf solche Menschen hinzuweisen, ihr Vorgehen, ihre Pläne und Absichten zu beschreiben, ist für mich nachvollziehbar.

    Das diese Herangehensweise auch als Schuldzuweisung verstanden werden kann, ist m.M.n. der subjektiven Betrachtungsweise geschuldet.

    Letztlich ist alles subjektiv, der Versuch, die Missstände aufzuzeigen und der Umgang mit dem Ergebnis.

    Machen sie einfach weiter Jochen, sie reflektieren von Zeit zu Zeit, hinterfragen ab und an vielleicht auch ihre Herangehensweise an die Themen.

    Und all das ist besser, als die Schnauze zu halten und im Zimmer die Wände anzubrüllen oder im Debattierclub unter Gleichgesinnten immer wieder die selben Narreteien zu beschwören.

    Sie unternehmen wenigstens noch den Versuch, Menschen auf das aufmerksam zu machen, was nicht “gut” ist.

    Und wie sie das machen, ist ihre Sache.

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