Legalität und Moral des Christian Ulrik von Boetticher

Es gibt Themen, die sind einfach so schmutzig, dass man sich mit ihnen nicht beschäftigen möchte. Dazu gehört auch die Geschichte des Christian Ulrik von Boetticher und seiner 16 jährigen Geliebten. Die Fakten aus seiner Sicht, sind soweit bekannt, schnell erzählt. Während er gleichzeitig eine Beziehung mit Anna Hinze von der Hamburger CDU hatte, lernte er über Facebook Anfang 2010 eine 16 Jährige kennen, die so etwas wie ein Groupie der CDU war und auch mit anderen Politikern dieser Partei in Kontakt stand. Nach ein paar Mails und SMS hüpften die beiden im Düsseldorf im März 2010 im Steigenberg-Hotel ins Bett und haben sich selbstverständlich gegenseitig ihre große Liebe versichert.

Dies hätte auch noch lange gut gehen können, wenn von Bötticher nicht die Treppe heraufgefallen wäre und die Chance bekommen hätte Ministerpräsident in Schleswig-Holstein werden zu können. Selbst Bötticher war klar, dass eine 16 jährige Geliebte da nicht gerade ins Konzept passte und schoss die Junge ab, um mit Frau Hinze in Las Vega den Bund der Ehe zu schließen. Dummerweise fühlte sich die junge Geliebte gekränkt und so kam es wie es kommen musste, die Geschichte wurde ruchbar und von Bötticher musste zurücktreten.

Sein Rücktritt war die große Show, mit Tränen wegen seiner Liebe zu der 16 Jährigen und vermutlich auch weil die schöne Karriere nun beendet war. Heulendes Selbstmitleid. Da der Mann Politiker ist, hätte Duckhome dazu geschwiegen, weil dieses verlogene Pack einfach so ist wie es ist und solche Kleinigkeiten einfach nicht berichtenswert sind. Nun aber jault das Bötticher-Unglück darüber, dass die Medien ihn angeblich öffentlich hinrichten und will einfach nicht begreifen wo sein Fehler lag.

Sex mit einer 16 Jährigen ist erlaubt, solange es sich dabei nicht um eine Abhängige handelt. Auch ein Ministerpräsident in Schleswig-Holstein kann eine sehr junge Frau haben. Hätte er die Beziehung wirklich Ernst gemeint, hätte er sich offiziell verloben und sogar heiraten dürfen. Die Bewunderung und der Neid, der meisten männlichen Beobachter wäre ihm sicher gewesen und auch große Teile der Weiblichkeit hätte Tränen der Rührung in den Augen gehabt, angesichts solch einer großen Liebe. Lediglich die Väter und Mütter von jungen Töchtern hätten innerlich die Faust in der Tasche geballt. Seine Karriere wäre so, sogar noch befördert worden, er hätte glaubwürdig gewirkt.

Von Bötticher war aber viel zuviel Politiker. Er wollte auf Nummer sicher gehen und den Anforderungen seiner Partei entsprechen. Seit seinem 16. Lebensjahr hat er ja nichts anderes getan. Er war ja praktisch als Schüler schon Berufspolitiker und auch sein Jurastudium, diente nur dazu seinen Status als wichtiger Politiker zu untermaueren. Bötticher wählte den alten und falschen Weg und hat verloren, weil er nach der schnellen Trennung aus politischen Gründen natürlich nicht mehr von Liebe reden darf. Er kann sich aber auch nicht darauf zurückziehen, einen Fehler gemacht zu haben, weil Politiker bekannterweise ja keine Fehler machen. Er hat sich selbst in der politischen Falle gefangen.

Dass die Medien nun genüsslich argumentieren, ob eine solche Verbindung überhaupt erlaubt ist, kann man ihnen nach dieser Steilvorlage von Herrn Bötticher nun wirklich nicht übel nehmen. Eine sexuelle Beziehung zu einer Lolita ist ein ständig wiederkehrendes Thema in der Literatur wie auch im Film (Reifeprüfung und Reifezeugnis) und schwirrt wohl auch so durch viele Köpfe. Ob man will oder nicht, ist es ein dauerhaftes Thema. Bei Männern wie bei Frauen. Natürlich will das niemand direkt zugeben.

Für den Mann ist eine junge, auch sehr junge Geliebte die tollste Bestätigung die es gibt. Er ist der Oberhengst und da ihm seine jüngere Partnerin auch intellektuell und entwicklungsmäßig nicht gewachsen ist, ist er der Herrscher aller Reußen. Aus einer ähnlichen Ecke kommt auch die Forderung nach der jungfräulichen Braut, die besonders deshalb so beliebt ist, weil sie keine Vergleichsmöglichkeiten hat und dementsprechend zunächst auch mit dem zufrieden ist, was sie bekommt.

Für die junge Geliebte ist der Kerl der ja bereits beruflichen Erfolg hat, ein Statussymbol, dass sie selbst aufwertet. Pretty Woman für den Hausgebrauch. Während sie ihn erhebt, fühlt sie sich selbst erhoben. Durchaus ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Dazu kommen Mädchenschwärmereien und viel Gefühl.

Bei Frauen geht es meist darum, sich einen jungen Liebhaber zu formen, der sich noch Mühe gibt und der vor allem tut, was man ihm sagt. Frauen geben ganz selten mit ihren kindlichen Liebhabern an, das ganze findet sehr verschwiegen statt, aber wohl in ähnlicher Häufigkeit wie bei Männern. Die jungen Liebhaber bekommen die Befriedigung ihrer Lüste und fühlen sich natürlich durch das Interesse einer reifen Frau auch anerkannt und angehoben. Oft zerstören sie derartige Beziehungen, weil sie damit angeben und die Sache so auffliegen lassen.

Es mag in diesem Zusammenhang bei Männern, Knaben, Frauen und Mädchen durchaus echte Liebe geben. Aber sie ist sicher nicht der Regelfall. Auch die jetzt öffentlich geäußerte Empörung der jetzt 16 Jährigen, die sich angeblich eine solche Beziehung überhaupt nicht vorstellen können, dürfte nicht die Regel wiedergeben. Die Wahrheit liegt vermutlich viel mehr in der Mitte. Aber wie dem auch immer sei, es ist richtig und notwendig, Kinder vor den sexuellen Bedürfnissen Erwachsener zu schützen und ihnen andererseits soviel Freiheit wie nötig zu geben. Die aktuellen Altersschutzgrenzen scheinen das zu schaffen.

Neben dem Aspekt der Legalität, hat eine derartige Beziehung aber auch immer einen moralischen Aspekt. Nein nicht diesen moralinsauren Geschmack von den Trauben, die einigen zu hoch hängen, sondern eine Frage der persönlichen Moralität. Ein vierzigjähriger CDU Politiker der mit allen Wassern gewaschen ist und mehr verkäuferische Talente hat, als ihm guttun, hat gegenüber einem 16 jährigem Mädchen eine andere Verantwortung als ein 21 jähriger Hilfsarbeiter, der sich von Tag zu Tag hangelt.

Über die Geliebte des von Bötticher ist viel zu wenig bekannt, um seine moralische Schuld wirklich beurteilen zu können. Vielleicht gibt es überhaupt gar keine, auch wenn das schwer zu glauben ist. Gestürzt ist er aber nicht über das Mädchen, sondern über die Falle die er sich selbst aufgebaut hat. Er ist kein Opfer, sondern ein frecher Täter der jetzt Mitleid haben möchte. Aber dieses Mitleid ist in Deutschland für Politiker nicht mehr zu haben. Strauss, Otto Graf Lambsdorff, Kohl, Guttenberg, Koch-Mehrin und viele andere haben dieses Mitleid längst verbraucht.

Heute wird nur gelacht, wenn ein Politiker stürzt. Wieder ein weniger, der sonst nur den Menschen schaden würde.


Flattr this

6 comments

  1. altautonomer says:

    reinhard 9:44: Ich würde einen Text, dessen Inhalt in der anschließenden ernsthaften Diskussion hartnäckig verteidigt wird, nicht als ironisch bezeichnen. Der hat das ernst gemeint.

  2. Brigitte says:

    Also dieses Gejammer von dem Mann geht mir auch auf die Nerven, dieses Selbstmitleid.
    *Muahahaha, gebt mir ein Taschentuch*

    Gehe ich mal von mir aus. Ich war auch mal ein 16 jähriges Mädel und hatte eben gleichaltrige Freundinnen. Mitten in der Pubertät, wo man seine Mutter hasst ;-) sich seines Vaters schämt, weil der nicht den richtigen Beruf hat, dann noch dieses ständige Theater mit pünktlich heim kommen,etc…. ja, Hallo! Wir waren ständig in irgendeinen Lehrer verknallt, oder andere ältere Männer. Wie wollten unser Sexappeal ausprobieren und reizen.

    Wenn wirklich ein älterer Mann gekommen wäre und hätte gesagt: Hey, komm mit mir…. wir wären abgehauen.

    Heute sind die Mädchen körperlich vielleicht reifer als ich früher, aber Verstandesmässig sicher nicht.

    Ich will nicht den Moralapostel spielen, aber ein erfahrener Mann hätte er die Finger von dem Mädel lassen müssen, zumal er eben in der Politik ist. Wie doof kann denn noch einer sein? Und er sprach “Es war Liebe” ! Ha-ha-ha sage ich. 5 Monate nachdem er das Mädel fallen liess, hat er geheiratet- und zwar seine langjährige Freundin.

    Ehrlich gesagt- nach der Affäre hätte “ich” den nicht mehr gewollt. Mit einer starken Frau kann der nichts anfangen, das Mädel konnte ihn anhimmeln, ihn bewundern- das hat er wohl gebraucht, aber wir haben sein Gejammer gesehen und mir sagt das alles!

    Wer weint, weil er erwischt wurde und nicht weil er was falsch gemacht hat, der gehört nicht in die Politik.

  3. altautonomer says:

    Sehr guter Text. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Nur, dass ich bei dem sich für einen sensiblen und analytischen Schreiber haltenden Roberto de Lapuente (ad sinistram) etwas völlig anderes gelesen habe erstaunt mich. Roberto meint -vermutlich in einem regressiven Anfall feminister Umnachtung- , das Private sei nicht politisch. Zu bewerten sei lediglich die strafrechtliche Relevanz. Das Privatleben von Politikern, insbesondere die “aufrichtige Liebe” zwischen zwei Menschen gehe die politisch interessierte Öffentlichkeit nichts an. Für die Moral sei in derartigen Fällen BILD zuständig oder so………….

  4. Rudolf Fritz says:

    _Heute wird nur gelacht, wenn ein Politiker stürzt._

    Schauen wir uns diese Blüte der Polielite näher an:

    Während seiner Studienzeit in Kiel trat er der *pflichtschlagenden* Studentenverbindung Landsmannschaft Slesvico-Holsatia v. m. L! Cheruscia zu Kiel im Coburger Convent (CC) bei und ist heute Alter Herr der Verbindung.[3][4]

    Seit 2002 ist er als Rechtsanwalt zugelassen und gehört der Pinneberger Sozietät Triskatis Sykosch Löhnert & Kollegen an.[5]

    Im Jahr 2002 wurde er als *Ehrenritter* in den *Johanniterorden* aufgenommen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_von_Boetticher

    Er ist *Mitglied der Atlantik-Brücke,* oft Gast im Übersee- und Anglo-German Club und, wie manche spötteln, häufiger in Hamburg als in Kiel unterwegs.

    http://www.abendblatt.de/region/schleswig-holstein/article1991222/Die-verhaengnisvolle-Affaere-des-Christian-von-Boetticher.html

    Au weia! Erst Guuti, jetzt Bötti im Dienst des Hegemon.
    Hat uns das der KGB geflötet?

    Es ist schön, dass wir Parlamente haben die nicht von Moskau sondern von Langley aus gesteuert werden.

    *Bürger wehrt Euch!* Seid sketptisch! Glaubt nichts, was euch Presse Funk und Fernsehen erzählen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.