Kultur, Gemeinnützigkeit und Subventionen

Kultur ist zunächst einmal eine Frage der Begrifflichkeit. Jeder hat so seine persönliche Definition von Kultur. Ich persönlich verdaue Kotelett und Hamlet mit dem gleichen Organ, bin weniger musikalisch als ein Stuhlbein, freue mich bei Tanzdarbietungen an den Darstellerinnen und bin immer wieder erstaunt was man als bildender Künstler alles als Kunst verkaufen kann. Wenn ich Kultur beurteile dann immer aus meiner persönlichen sehr eingeschränkten Perspektive. Lediglich wenn sich Kunst in Worten ausdrückt bin ich in der Lage ein Urteil abzugeben. Ich kann und will also weder Kunst noch Kultur beurteilen. Von allen Seiten ertönt der Ruf nach Einsparungen. Dabei wird die Kultur im wesentlichen immer ausgenommen. Das halte ich persönlich für völlig falsch. Kultur hat zu jeder Zeit Mäzene gebraucht, wenn sie denn nicht populär war und sich selber trug. Zu Zeiten absolutistischer Herrscher waren dies meist die Herrschenden, innerhalb eine Demokratie darf der Staat diese Mäzenatenrolle aber nicht übernehmen, da er die Allgemeinheit vertritt und damit keine solitäre Entscheidung zugunsten einzelner Richtungen treffen darf. Jede Form von Subvention bevorzugt immer einzelne Bereiche und benachteiligt dadurch andere. Das ist undemokratisch und damit unwürdig. Die persönliche Entscheidung ein künstlerisches, kulturschaffendes Dasein zu führen, ist zunächst einmal eine unternehmerische Entscheidung. Wie jede unternehmerische Entscheidung beruht sie auf die Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten, Talente und deren Vermarktungsmöglichkeiten. Hier gibt es keinen Unterschied zwischen dem Wunsch eine Obstladen, ein Computerunternehmen oder eine Karriere als Maler oder Bildhauer zu machen. Natürlich kommt es bei jeder Selbsteinschätzung zu Fehleinschätzungen und das gewünschte Ziel lässt sich mit den persönlichen Mitteln nicht erreichen. Das ist schade. Aber während der Obsthändler und der Computerunternehmer dies hinnehmen müssen fordern die Kulturschaffenden für sich eine Ausnahmeregelung, weil sie ja die Kultur unseres Landes erhalten. An dieser Stelle wird die Argumentation abenteuerlich. Der Produzent von Kultur, bestimmt, was die Kultur unseres Landes ist und ob sie erhaltungswürdig ist. Ja mehr noch, er fordert den eigenen Unterhalt, weil er unentbehrlich für die Gemeinschaft sei. Den Obsthändler oder Tankstellenpächter mit der gleichen Argumentation würden wir den Psychatern überlassen. Warum also lassen wir das bei Kulturschaffenden zu? Weil unser Kulturbegriff schief liegt. So unterscheiden wir in der Musik gerne zwischen E gleich Ernsthafter und U gleich Unterhaltender Kunst. Darf mich Vivaldi also nicht unterhalten und muss ich von Heino unterhalten sein. Goethe und Schiller sind gut, Konsalik ist Mist. Der zerbrochene Krug ist Kultur und die Karl May Festspiele Kitsch. Jede neue Definition macht das ganze lächerlicher. Kultur ist etwas Persönliches. Für den einen die Currywurst mit Pommes Rotweiß, für den anderen das fünf Gänge Menü im Sternerestaurant. Dabei haben beide Recht. Die Aspekte von Kultur umfassen immer den ganzen Bereich der Gesellschaft, mit ihren teilweise gegensätzlichen Kulturbegriffen. Damit lässt sich in einer Demokratie, anders als im Absolutismus keine Kultur oder gar so etwas wie eine Leitkultur definieren. Wenn wir aber anerkennen müssen, das alles was auch nur ein einzelnes Mitglied unserer Gesellschaft für Kultur hält, auch Kultur ist, dann können wir Kultur nicht subventionieren weil soviel Geld einfach nicht vorhanden ist. Es ist auch unsinnig Kultur nach dem Gießkannenprinzip fördern zu wollen. Der Beruf des Kulturschaffenden ist ein unternehmerischer Beruf mit dem Ziel sich selbst und sein Können möglichst gut zu vermarkten. Wer es schafft mit seinem Können populär und erfolgreich zu sein, bedarf keiner Subvention, wer das nicht, oder noch nicht schafft, der braucht einen Brotberuf und muss seine Kunst als Nebenberuf ausüben. Das ist wie bei dem Besitzer eines Obstladens der nachts noch putzen geht oder Taxi fährt. Im Zweifelsfall muss unser Kulturschaffender genau wie der Obsthändler aufgeben, weil es eben, weder im Hauptberuf, noch als Nebenberuf rechnerisch geht. Im Gegensatz zum Obsthändler kann der Kulturschaffende dann aber auf die Hobbyebene ausweichen. Ich bin übrigens sehr dafür, Kultur zu fördern, indem wir die Ausbildung der Kulturschaffenden möglichst breit und frühzeitig fördern. Vom Kindergarten, über die Schule, zusätzliche Unterrichtsmöglichkeiten bis hin zur Weiterbildung. Geben wir jedem das bestmögliche Rüstzeug mit auf den Weg, aber lassen wir sie dann auf ihrem Weg als Gesellschaft alleine gehen. Stehen wir ihnen wenn sie sich in Zeiten des Erfolges solidarisch verhalten haben, in Zeiten des Misserfolges auch solidarisch zur Seite, wie wir es für alle Bürger tun. Niemand soll hungern, frieren oder nicht krankenversichert sein, weil er eine Fehlentscheidung getroffen hat, oder krank wird. Aber hören wir auf sie mit staatlichem Mäzenatentum zu beleidigen. Subvention fördert meistens die Falschen. Das lässt sich leicht an der Industrie nachweisen. Siemens wurde mit Milliarden gefördert um im Ergebnis unternehmerisch und sozial völlig zu versagen. Herr von Pierer und seine Leitungsgremien, haben die Fördermittel nicht als Anreiz zu Forschungen und besseren Leistungen verstanden, sondern als zusätzliche Gewinne einfach mitverbucht. Im Ergebnis haben die Fördermilliarden vielen innovativen Kleinunternehmen geschadet, weil Siemens im Zweifelsfall entweder die Idee gekauft und zu den Akten gelegt hat, oder über fragwürdige Patente die Entwicklungschancen begrenzt hat. In der Kultur gilt für Subventionen genau das gleiche. Der Künstler der erfolgreich und kreativ in seiner Arbeit ist, hat gar nicht die Zeit sich mit Förderanträgen herumzuschlagen. Die Zeit haben nur die Faulen und Nichtkreativen. Da Subventionen aber nur an Antragsteller ausgeschüttet werden können, trifft es im Endeffekt immer die Falschen. Subventionen bekommen diejenigen, die sie am wenigsten verdienen. Subventionen sind verschleudertes Geld. Natürlich hat ein Ende der Subventionitis auch harte Folgen. Ein Theater, Oper, Museum, Galerie oder auch ein Funkhaus, das ohne öffentliche Mittel oder Gebühren nicht existieren kann, muss geschlossen oder verkauft werden. Das gleiche gilt auch für Zoos oder Tierparks, aber auch für die kostenlose Bereitstellung von Ordnungskräften bei Fußballspielen der Profis oder die Bereitstellung von Stadien für sonstige Profiveranstaltungen. Lassen wir die Steuergelder in den Taschen der Bürger. Die können dann frei entscheiden für was sie ihr Geld ausgeben wollen. Das ist dann Handeln in Eigenverantwortung, was ansonsten doch immer verlangt wird. Auch Mäzenatentum von Privatleuten oder Wirtschaftsunternehmen soll selbstverständlich erlaubt bleiben. Allerdings können diese Sponsorengelder natürlich nicht von der Steuer abgesetzt werden, sondern müssen aus versteuertem Geld stammen. Der eine mag die Nachtigall der andere die Lerche. Wenn die Sponsorengelder dadurch knapper werden, nutzt auch das der Kultur. Denn natürlich sponsern auch private Mäzene meist die Falschen. Wir brauchen eine freie Kultur, die sich an einem freien Markt, frei durchsetzt. Tatsächlich gibt es zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit diesen freien Markt. Kultur lässt sich hervorragend über das Internet vermarkten. Weltweit. Die erste Sängerin hat mit Musikdownloads eine Million Dollar für einen Titel eingenommen. Das Jammergeschrei, das dadurch die deutsche Kultur untergehe, ist das Lamento der Feigen. Der deutschen Sprache haben unsere Rechtschreibreformer mehr geschadet als alle Übersetzungen amerikanischer Literatur zusammen. Wer Kultur innerhalb eines streng von der Außenwelt abgeschirmten Glaskastens will, möchte eine leblose, in feste Formen gegossene Kultur ohne jede Entwicklung. Das mag zwar in das politische Weltbild einiger Leute passen, hat aber nichts mit Kultur zu tun. Kultur lebt von gegenseitiger Beeinflussung. Das hat sie schon immer getan. Man nennt das nicht umsonst Befruchtung. Haben wir also Mut zur Kultur. Geben wir ihr die Freiheit.