Kretschmanns Weltbild

Eigentlich hatte ich mir für heute vorgenommen, etwas über einen Beitrag im "OXI-Blog" zu schreiben. Der Artikel "die altkommunistische Kamelle vom Verrat der SPD" (https://oxiblog.de/die-alte-kamelle-vom-verrat-der-spd/) von Hermann Adam ist gegen einen Artikel im gleichen Blog von Fabian Scheidler vom Vortage gerichtet. Eigentlich wollte ich mich über besagten Artikel von Adam auslassen, bei dem man die Gewerkschaftsnähe, somit die Nähe zur deutschen Sozialdemokratie deutlich merkt. Ich wollte mich allein schon über das abwertend gemeinte "altkommunistisch" äußern. Zumal ich die Aussagen Adams für falsch halte. Außerdem gibt es keine Altkommunisten, es gibt Kommunisten. Aber dann las ich etwas in diesem Artikel, was mich unglaublich ärgerte.  Das, was ich dort lesen musste ist ganz typisch für diesen verfluchten verhassten Neoliberalismus. 


Als der ehemalige sogenannte Bundeskanzler (besser: Bumskanzler) Kohl ständig über "geistig-moralische Wende" redete, da hatte er genau diesen Neoliberalismus im Sinn. Als er dem annektierten Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik blühende Landschaften versprach, da hatte er die Verelendung, Verblödung, Prekarisierung und Hoffnungslosigkeit ganzer Landstriche wie in Brandenburg oder Mecklenburg Vorpommern im Sinn. Er, der sich nachzulesen bei Heribert Schwan – so mies und hässlich über andere Menschen, zumal seinen Mitkämpfern, auslies, hat das Volk, hat die Menschen der besorgten DDR wissentlich verhöhnt. 

Nun, von so einem wie Kohl, dem die eigene Brieftasche näher war als alles andere zusammen genommen, habe ich nichts anderes erwartet. Aber von einem Grünen? 

Wenn ich zurück blicke, dann entwickelten sich die Grünen aus Aktivisten für Umweltschutz und der Anti-Atom-Bewegung. Sie galten mal als Linke, für viele als Kommunisten, für manche als Bürgerschreck und Spinner. Es gab Bastian, Kelly, Ditfurth, Fischer, Schily und andere. Aber das sind alles Mythen und Märchen, es hat sich in der Bewegung alles mögliche gesammelt, auch rechts angehauchte Esoterikspinner. Ökologische Themen sind gerade bei Rechten auch präsent, alles oft vermischt mit kruden Verschwörungstheoretien und Chemtrailhalluzinationen. Die Grünen sind eine Partei der Besserverdiener und der Besseresser, der Besserwisser und der Spießer, also eine durch und durch bürgerliche Partei. Ob ein Herr Fischer mal einen Stein in seiner Jugend geworfen hat – ich bitte Euch, was sagt das schon? Ach so, das wollen wir nicht vergessen: Kinderschänder wurden da auch abgespült wie Altöl und Exkremente am Strand, die von den Schiffen ins Meer gelassen werden. 

Aber ich habe nun alle lange genug auf die Folter gespannt. Herr Adam zitierte (mit der Anmerkung, er habe recht) den extrem revolutionären fortschrittlichsten Politiker, den die Grünen je produziert haben: Winfried Kretschmann. Der hat gesagt:

 

In jedem länger existierenden System kommt es zur Trennung in Aktive und Passive, »Herrscher« und »Beherrschte«.(ebenda)

 

Mal abgesehen davon, dass das kapitalistischer Schwachsinn ist – das ist die Methode der Eliten unserer Gesellschaft. Es wird suggeriert, dass es NATÜRLICH sei, dass es Herrscher und Beherrschte gibt. Wenn das biologisch und gesetzmäßig, also gottgegeben so ist, warum muss dann die herrschende Klasse der Kapitalisten und Imperialisten so einen riesen Aufwand an Propaganda und Repressionen betreiben, um die Macht zu erhalten? Warum muss man dann alles daran setzen, wahre Alternativen mit Berufsverboten und Schikanen zu versehen? Warum ist und bleibt die KPD verboten?

Wenn mir zu Beginn der Grünenbewegung jemand gesagt hätte, dass ein Schily mal ein Law-And-Order-Minister wird oder ein Grüner den obigen Satz sagt, ich hätte ihn für wahnsinnig erklärt. Wenn ich darüber nachdenke, wird es in der PdL auch genug Leute geben, die sich mit dieser Art neoliberaler Denke schon längst arrangiert haben. 

Ich würde den Satz so formulieren: In der Sklavengesellschaft, im Feudalismus und im Kapitalismus herrschen wenige auf Kosten der Masse. Die Trennung in Herrscher und Beherrschte und die Ungleichverteilung gesellschaftlichen Reichtums zugunsten der Herrscher und zu Lasten der Masse ist das Wesen der Klassengesellschaft und wird nötigenfalls mit offenem Terror des Repressionsapparats gegen die Massen aufrecht erhalten. 

Über diesen lächerlichen Satz von Kretschmann habe ich die Kritik an dem o. g. Artikel ganz vergessen. Aber das ist auch nicht so wichtig, weil die SPD glücklicherweise keine Rolle mehr spielen wird. Ich wünsche allerseits Rotfront! Und der SPD wie immer, wenn ich ihr etwas wünsche, stets einstellige Ergebnisse. 

6 Kommentare

  1. »Herrscher« und »Beherrschte« stehen aber wohl nicht grundlos in Anführungszeichen!

    Ich kann bestätigen, was Kretschmann sagt: war schon in etlichen Initiativen, Bewegungen, Stadtteilvereinen etc. aktiv, auch über längere Zeit. In der Regel bildet sich nach einiger Zeit ein Kreis der Hauptaktiven heraus, der Rest macht weniger oder gar nichts mehr bzw. kommt nur noch zum diskutieren auf Versammlungen.

    Ich hab das gerne beschrieben mit “wer macht, hat Macht”. Weil eben die Personen, die sich sehr eingearbeitet haben und deshalb viel mehr Wissen haben, zwangsläufig auch bestimmen, wo es lang geht. Das geht sogar ganz ohne formale Macht und erst recht ohne jegliche “Herrschafts-“Attitüde! Denn es versteht sich fast von selbst, dass sich die, die viel machen, sich von denen, die nur reden, nichts aufreden lassen, was sie nicht für sinnvoll halten.

    Würde drauf wetten, dass Kretschmann sowas gemeint hat!

    1. Nein. Man muss sich ansehen, WER MACHT. Sie finden in der Regel die Leute, die aus der herrschenden Klasse und ihren Handlangern – also zum Beispiel Führungskräften, Pastoren und andere bürgerliche unproduktive Figuren – in Bewegungen wieder. Ich kann gar nicht glauben, dass Kretschmann mal im KBW war.

      Ich gebe Ihnen ein Beispiel: in meiner Klasse am Gymnasium, einem Hort voller Kapitalistengören und Pastorensöhnen usw- war es üblich, dass diejenigen, die aus den sogenannten besseren Kreisen kommen, auch Klassensprecher werden. Aus denen wurden dann Schüler Sprecher, schließlich Berufspolitiker mit Alibistudium.

      Diejenigen, die machen, haben genug Geld und genug Zeit für Aktivismus, der letztendlich NUR UND AUSSCHLIEßLICH ihren Interessen dient. Ich sage immer: die eifrigsten Kirchgänger daheim sind diejenigen, die auf diese Weise ihre Geschäftsbeziehungen pflegen und ihre Machenschaften koordinieren. Die Masse des Volkes ist so erzogen oder besser gezüchtet, das Maul zu halten und zu malochen. Es gibt nur wenige Arbeiter, die in der heutigen Zeit die Kraft finden, sich zu engagieren, die haben meinen allerhöchsten Respekt.

      Es ist klar, dass auch aus diesen Kreisen der Gutverdiener und Reichen in Gremien und Bewegungen Leute sitzen, die nach einiger Zeit nur noch passiv sind.

      Es ist mir klar, dass Kretschmann eventuell das im Kopf hatte, aber ich wollte diesen Satz zum Anlass an einer grundlegenden Kritik unseres Systems zu nehmen. Das Dreiste ist, dass die Schicht der “Macher” (=Intriganten) die passive Masse für dumm und faul hält. Auch in angeblich fortschrittlichen Bewegungen sitzen soll die Bonzen und Handlanger der Reichen, die versuchen, die Bewegungen zu unterwandern. Attac ist ein gutes Beispiel, eine bürgerliche Bewegung, die den Kapitalismus nicht grundsätzlich in Frage stellt

      Dann die Leute, die sich unter kommunisten.de versammeln, die DKP revisionistisch zu neutralisieren. Die Ökobewegung, eine Bewegung ausschließlich der Besserverdiener und Pseudochristen, die sich ihre vegetarische Kacke und ihren Fairtrade Kaffee für 39,99 pro 500 Gramm oder ihre Biokleidung von Creation & Asociale auch leisten können.

      Ich hoffe, ich konnte einigermaßen verständlich machen, worum es mir geht. Es war auch eine ganz spontane Reaktion auf das Lesen des Zitats. Ich sage immer, der erste Gedanke ist authentisch, auch wenn er falsch sein sollte. Ich verfahre mein Leben lang so, dass ich immer authentisch bin. Man könnte sagen, ich veranstalte Reaction-Writing. Ich verfolge dabei nur ein einziges Ziel: einen bescheidenen Beitrag für Gerechtigkeit zu leisten, die der Masse der einfachen Menschen vorenthalten bleibt.

      1. @Thilo Thiel

        Da Ihr langer Kommentar ein RE auf meine hier beigetragene Erfahrung ist, empfinde ich ihn als beleidigend und voller grundloser Unterstellungen!
        Ich war selbst “Hauptaktive” in diversen Bürgerinitiativen, Stadtteilvereinen und in der Hausbesetzerbewegung der 80ger in Berlin. Weder war ich zuvor Klassensprecherin, noch “hatte ich Geld” – ganz im Gegenteil waren das sehr prekäre Jahre, mit miesen Jobs, Mini-Honorarverträgen und Zeiten der Arbeitslosigkeit. Und “Reiche” waren gar nicht unter uns! Es ist eine ganz normale Entwicklung, dass einige mehr am Thema dran bleiben als Andere. Diesen Anderen ist ihr Privatleben (oder ihr Beruf) jeweils wichtiger als das Vollzeit-Aktivistentum – sehr verständlich und nachvollziehbar!

        Ihr Text geifert nur so vor Hass auf alle, die nicht klassische “Arbeiter” sind – da hilft auch keine Erläuterung von wegen “Reaction-Writing. “Es ist mir klar, dass Kretschmann eventuell das im Kopf hatte, aber…” – ja, so geht Demagogie und Populismus. Immer böswillig lesen, aus dem Zusammenhang reissen, Übles rein interpretieren und zu großen, abstrahierten Rundumschlägen ausholen, die niemandem irgendwas bringen.

        Es macht keinen Spass mehr, im Web zu diskutieren, hier werde ich mich jedenfalls nicht mehr äußern.

        1. Ja, so sind sie, die bürgerlich reaktionären Elemente, Berufsevangelikale und andere Hobbyaktivisten. Und vor allem bürgerlich satte Menschen, die aus Langeweile oder weil es modern ist einen auf links oder grün machen. Leute, Ihr habt doch nur Eure Bonzenanliegen im Sinn.

          Übrigens, gute Frau, ich bin leider nicht aus der Arbeiterklasse. Aber ich habe allen kleinbürgerlich konformistischen Scheißdreck aus meinem Leben verbannt. Sie nennen mich Populist? Ich habe mir mal Ihre Blogseite angeschaut, na da haben wir was für die Besserverdiener-Bürger von heute, die nach ihrer Tätigkeit nix sonst zu tun haben – man hat ja Hauspersonal. Jetzt dürfen Sie mich einen Populisten schimpfen, ich fühle mich geehrt, denn damit stellen Sie mich in eine Reihe mit lauter Prominenz. Das habe ich nicht verdient, ich bin ein ganz einfacher Mensch, der nur bescheiden seine Meinung äußert. Sie wollen mir das verbieten? Die Reaktion auf meinen Kommentar hat Sie entlarvt, Madame.

          1. “Sie wollen mir das verbieten? Die Reaktion auf meinen Kommentar hat Sie entlarvt, Madame.”
            Bingo!
            Erstes Pegida Bingo heute, sogar mit “wird man doch sagen dürfen”. Es wirkt von der linken Seite immer noch peinlicher, denn denen traue ich eigentlich mehr Reflexionsvermögen zu. (Ich weiß, Vorurteil)
            Guter Mann, die Art und Weise in der Sie hier argumentieren ist der Sache nicht zuträglich, denn Sie sind doch genau so Bonze und Elite wie jeder in der westlichen Welt. Check deine Privilegien Genosse, und hör auf zu spalten!

  2. Hallo Matt! Nichts liegt mir ferner als Spalterei zu betreiben. Ich wollte auch niemandem persönlich zu nahe treten.

    Ich kann dich beruhigen, ich brauche meine Privilegien nicht zu checken. Außer dass ich das Privileg hatte, an gute Ärzte zu geraten, die mich erfolgreich reanimiert haben, und das trotz ihres bestialischen Dienstes und Arbeitsbedingungen, habe ich buchstäblich nichts. Kein Privileg, nicht einmal mehr einen funktionierenden Körper. Gut, man könnte vielleicht sagen, dass ich das Privileg habe, in einem Land leben zu dürfen (oder müssen?), in dem man mir ein Minimum an medizinischer Versorgung zukommen lässt, obwohl man die Prognose “irgendwas um ein Jahr” stellt. Aber selbst das könnte man kritisch beäugen und vermuten dass an Schwerstkranken wie mir die Pharmaindustrie ordentlich verdient. Denn die Preisfindung ist nun wirklich mehr als rätselhaft.

    Natürlich kann ich reflektieren. Deswegen äußere ich mich kritisch gegenüber den Salonlinken. Es geht mir darum, dass ich linken Aktivismus, der dem Bildungsbürgertum entspringt ohne das Gesellschaftssystem grundsätzlich in Frage zu stellen, für gefährlich halte, für spalterisch, denn der Reformismus, der dieser Sichtweise zugrunde liegt, verhindert ein reflektieren per se! Ich leite aus dieser Erkenntnis auch ab, dass ehemalige Linke in Massen “bürgerlich” (inklusive rechtsradikal, das ist EINE Facette bürgerlicher Herrschaft!) werden. Prominente Beispiele sind Broder, Elsässer, Ditfurth (die mit Neocons zusammen arbeitet), Horst Mahler natürlich, Fischer, Schily, der Maschmeyerfreund und viele andere. Diejenigen, die als junge Leute “Revoluzzer” waren und nun ihren bürgerlichen Besitz bewahren wollen, finden sich natürlich bei den Sozen, bei den Grünen ganz extrem, aber auch bei der PdL und anderen, auch bei Union, AfD und Neonazis. Weil sie nicht reflektieren und erkennen, dass sie systemimmanent handeln, auch wenn sie aktiv waren, wird echter Klassenkampf, werden Revolution, Gerechtigkeit und Fortschritt verhindert.

    Vielleicht sind meine Worte zu polemisch, aber ich bin auch kein Diplomat. Vielleicht sind meine Worte beleidigend gewesen für die Dame oben, aber sind meine Worte deshalb falsch? Für die Art kann ich mich entschuldigen, aber niemals für den Inhalt. Das Ziel der Überwindung des kapitalistischen Systems rechtfertigt alles. Das ist meine Überzeugung. Nur wenn wir die Systemimmanenz im Denken endlich aus Überzeugung überwunden wird, wenn wir alles Bestehende in Frage stellen, können wir etwas ändern. Das beinhaltet die Erkenntnis der Handelnden und der Aktivisten, dass wir auch mit 50, 70 oder scheintot UNSERE EIGENE POSITION IN DER GESELLSCHAFT IN FRAGE stellen!

    Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen rüber bringen.

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