Kaufkraft, Schulden und Währung

Ich hatte nach meinen Artikeln zum Euro eine Menge an telefonischer Resonanz von Freunden, die mir klar gemacht hat, wie wenig die Menschen doch über unser Geld an sich wissen. Wer also genau Bescheid weiß, muss gar nicht weiterlesen. 

Für alle Ehrlichen hier mal ein grober Überblick, der bewusst bestimmte Feinheiten rauslässt, weil der Text sonst zu lang und unverständlich wird. Um es einfacher zu machen beginnen wir mit dem Wort Währungsreform. Natürlich ist eine Währungsreform keine Reform sondern bedeutet nur, dass alle alten Geldmünzen und Geldscheine einer Währung von jetzt auf gleich fast wertlos werden. Meist machen die Politiker dass über Nacht, obwohl natürlich die Eingeweihten die Zeichen längst erkannt und alles Geld ausgegeben haben. Der Rest steht dumm da. 

Wir hatten das in Deutschland schon ein paar mal und genau ab dieser Stelle wollen wir mit der Erklärung anfangen. Bei der letzten Währungsreform wurden 10.000 Reichsmark zu 650 DM auf der Habenseite. Auf der Schuldenseite wurden 10.0000 Reichsmark zu 1,000 DM an neuen Schulden. Aber jeder Bürger bekam obendrauf auch noch 40 DM in neuem Geld bar auf die Hand. Wir lassen Schulden und Guthaben mal links liegen und betrachten nur diese 40 DM. 

Theoretisch war damit jeder Bürger mit gleichen Voraussetzungen versehen und hatte die gleiche Chance auf Reichtum. Das war natürlich nicht so. Denn die einen hatten prall gefüllte Warenlager, Immobilien und alles mögliche was sie verkaufen konnten um an die 40 Euro der anderen zu kommen. Leute die nur ihre Arbeitskraft verkaufen konnten waren schon von Anfang an die Dummen. 

Wer etwas zu verkaufen hat – und dies gilt besonders in Zeiten in denen es an allem mangelt – bestimmt den Preis der Ware. Das erscheint zunächst hart, aber da es auch einen Mangel an Arbeitskräften gab und damit auch die Arbeit teurer wurde, glich sich das zumindest teilweise aus. Die Kaufkraft stieg sogar ziemlich schnell. Das Wirtschaftswunder war geboren. 

Um den Preis für Arbeit zu senken oder auch nur um weitere Steigerungen dieses Preises zu dämpfen, wurden  Gastarbeiter in Mengen nach Deutschland gelockt, die eben nicht hier bleiben, sondern nur hier arbeiten und dann wieder verschwinden sollten mit ihrem geringen Lohn, der in ihren Heimatländern viel Geld war. 

Wer aus dem bitter armen Sizilien mit der schwachen italienischen Lire kam, hier sein Geld verdiente und nach Hause schickte, war in Sizilien und anderswo ein König. Auch wenn er hier erbärmlich lebte. Die DM war viel stärker als die Lire und deshalb bekam man sehr viel Lire für verhältnismäßig wenig deutschen Lohn. Mit dieser Lire ließen sich viel mehr Waren kaufen, als hier mit dem deutschen Geld zu erwerben gewesen wären. 

Im Währungsraum Italien, war die Lira weitaus wertvoller, als wenn sie im Vergleich zur DM betrachtet wurde. Der Kaufkraftunterschied, galt für alle Gastarbeiterländer in ähnlicher Form. Mit anderen Worten, die Kaufkraft der DM verhielt sch im Währungsraum Deutschland deutlich anders als im Währungsraum der Lira. Deshalb erschienen bei uns auch italienische Markenschuhe viel billiger als deutsche Schuhe, obwohl die Schuhfabrikanten in Italien sich vor Glück kaum halten konnten, bekamen sie doch viel mehr gute DM pro Paar Schuhe als sie in Lira je erhalten hätten. Gastarbeiter und ausländische Lieferanten waren Währungsgewinner. 

Die Folgen sind klar. Am Ende gab es keine deutschen Schuhproduzenten mehr. Das gleiche gilt bis Heute für viele Warengruppen die man einfach nicht so billig in Deutschland fertigen kann, wie sie von ausländischen Lieferanten angeboten werden. Wegen dieser Entwicklung  wurden aus Deutschen und Gastarbeitern Arbeitslose die zusätzlich die Arbeit verteuerten. Die Katze biss sich selbst in den Schwanz. 

Dazu kommt dann noch, dass der Staat immer mehr Geld für Maßnahmen ausgab, das nicht der Erschaffung von Waren und Dienstleistungen diente, sondern wie z.B. Rüstungsausgaben völlig unproduktiver Konsum war. Tote Industrien wurden mit viel Staatsgeld am Leben erhalten. 

Früher, als es nur Münzgeld gab, war es eine gängige Maßnahme den Wert des Geldes dadurch zu verringern, dass man den Edelmetallwert des Geldes verringerte. Entweder durch billigere Legierungen oder indem man einfach von gutem Geld etwas Material abknipste und daraus neues Geld schuf. 

Das ist heute nicht mehr notwendig. Die Menschen durchschauen den Wert des Geldes gar nicht. Ich weiß noch das ich für eine DM dreizehn Zigaretten kaufen konnte. Heute zahle ich Sieben Euro für 25 Zigaretten was nach dem offiziellen Umtauschkurs 3,58 DM bedeutet. Demnach stieg der Preis für eine Zigarette von 7,7 Pfennig auf 14,31 Pfennig. Er hat sich also praktisch verdoppelt.

Wenn sich ein Preis verdoppelt bedeutet das nichts anderes als dass sich die Kaufkraft meiner Währung halbiert hat. Dabei sind Zigaretten ein schlechtes Beispiel, weil schon seit Jahrzehnten das Rauchen verdammt wird und deshalb die Nachfrage zurückgeht, was sinkende Preise bedeutet. Wenn man die Waren des täglichen Bedarfs betrachtet, ist der Kaufkraftverlust vermutlich noch viel höher. 

Das ist übrigens so gewollt. Denn nur auf diesem Wege lassen sich Schulden in erträglichen Grenzen halten. Sie werden durch den Kaufkraftverlust einer Währung geringer,. Wir sparen uns hier den Begriff Inflation bewusst. Obwohl in den Büchern des Schuldners und des Gläubigers immer noch 1,000 Euro Schulden stehen, muss man nur noch für 500 Euro Waren oder Dienstleistungen erzeugen um die Schulden bezahlen zu können. 

Bis zu diesem Punkt ist das auch alles noch völlig in Ordnung, da ja die Kaufkraftsenkungen alle betrifft und die damit verringerte Schuldenlast auch. Allerdings hat die Sache einen Haken, der sie unerträglich macht. Normalerweise hinken zwar die Löhne dem Kaufkraftverlust immer etwas hinterher, aber im Großen und Ganzen, fangen die Lohnzuwächse die Kaufkraftverluste auf und sollten sie auch mal kurzfristig übertreffen. 

Ein Überangebot von Arbeitskräften, die Auslagerung von Produktion ins billigere Ausland und die Altlasten aus den Zeiten der Gastarbeiter die die Arbeitnehmer und die echten Arbeitgeber, praktisch alleine tragen müssen, haben jeden Ausgleich verhindert. Willige Gewerkschaften, betrügende "Wissenschaftler" und vor allem das Bundesamt für Statistik, dass ich immer treffender als Bundesamt für Lügen bezeichne, tun alles damit die Arbeitnehmer nicht begreifen wie sehr sie über den Löffel barbiert werden. 

Die öffentlich genannten Inflationsraten sind Betrug, der aufgrund von Statistiken erstellt wird, die keinerlei Bezug zur Realität haben. Wenn ich über den Preis von Kartoffeln 1950 und heute rede. Dann muss ich qualitativ gleiche Ware zu gleicher Ware heute vergleichen. Wenn ich die Lockvogelangebote der Supermärkte nehme, ist mein Vergleich geplatzt, da ich Äpfel mit Fallobst vergleiche. 

Ich hoffe dass ich einiges zum Thema Kaufkraft und Währungen erklären konnte. Vieles findet sich im Netz und man darf auch gerne noch mal nachfragen. 

8 Kommentare

  1. 7 Euro sind 13,69 DM, keine 3,58. Kostete eine Zigarette früher 7 Pfennige, sind es heute schon 55 Pfennige. Der Preis hat sich als ver-6,8-facht. Nicht verdoppelt. Danke, Teuro!

    1. ausser der falschen Rechnung kommt noch dazu, dass der Zigarettenpreis maßgeblich ein Steuerpreis ist, der so gut wie gar nichts mit Währung oder Inflation zu tun hat und deswegen als Beispiel völlig untauglich ist.

      1. Steuer- und Zinsanteil liegen bei sehr vielen Dingen, nicht nur Luxusartikeln, in der 70%-Region.
        Und ob nun 25, 30 oder 35% ‘Realwert’ incl. Gewinnmarge betrachtet werden, spielt nicht mehr wirklich eine grosse Rolle. Ist auch nur ein Beispiel fuer den Rechenweg, denke ich.

  2. Bei der währungsreform 1948 galt der umtauschkurs 100 RM zu 6,65 nur für sparbücher und bargeld, nicht aber für betriebsvermögen und aktienkapital. Genaueres dazu hier:

    https://1-euro-blog.blogspot.de/2015/01/wahrungsreform-1948.html

    Die löhne der arbeiter stiegen nicht einfach so an wegen arbeitskräftemangel, die waren erstmal auf vorkriegsniveau eingefroren. Da gab es vornehmlich in Süddeutschland erstmal richtig krawall und im november 1948 den einzigen generalstreik (!) auf dem gebiet der späteren Bundesrepublik.

    Daß wer sein geld in DM verdiente und mit dem geld nach Italien ging, dort »wie ein könig leben« konnte, zweifele ich an. Daß ein Italienischer gastarbeiter, wenn er aus Deutschland zurück nach Italien ging oft relativ gut leben konnte, lag auch nicht daran, daß » im währungsraum Italien die Lira weitaus wertvoller« gewesen wäre, sondern daß er den währungsvorteil nutzen konnte und für harte Westmark vergleichsweise viele Lire bekam.

    Insgesamt geht im text einiges durcheinander. Auf eines möchte ich jedoch noch eingehen: Daß Du Euro falsch in Mark umgerechnet hattest, hat Peter schon angemerkt. Zigaretten sind ein sehr schlechtes beispiel, um die inflation zu erklären. Daß die preise für tabakwaren seit der einführung des Euro so rasant gestiegen sind hat, mit »Teuro« oder inflation wenig zu tun. Die regierung brauchte geld für die kriegskasse (irgenwovon muß der Afghanistaneinsatz ja bezahlt werden) und hat beschlossen »etwas für die gesundheit« zu tun und hat die steuern vor einigen jahren drastisch erhöht, im klaren bewußtsein, daß daß die meisten raucher nicht aufhören zu rauchen, sondern einfach mehr bezahlen. Friedenspfeiffe rauchen ist also hierzulande nicht, damit bezahlt man ungewollt den krieg.

    1. Kann ich so unterstreichen! Die Gastarbeiter haben hier fuer deutsche Verhaeltnisse sehr schlecht verdient, der Waehrungsvorteil war allerdings so gross, dass es sich finanziell dennoch gelohnt hat. Mal davon abgesehen, dass sie ihre Familien kaum noch zu Gesicht bekamen und oft saugefaehrliche Jobs gemacht haben ohne nennenswerte Arbeitssicherheit. (Siehe Guenther Wallraff “Ganz unten”)

      Ist aber doch nur ein Rechenbeispiel mit den Zigaretten, denke ich.

  3. Danke. Weiterfuehrend kann ich Artikel von Heiner Flassbeck empfehlen und Prof. Bontrup.

    Die Inflation ist allerdings nicht so einfach zu beschreiben. Ersteinmal erstellt die staatl. Wirtschafts- und Finanzverwaltung einen Plan und gibt ein gesundes Inflationziel vor. Aufgrund von zu erwartender Wirtschaftsleistung (Waren und Dienstleistungen) und der Zinspolitik (Kredite) wird versucht zu erreichen, dass die entsprechende Menge Geld in den Wirtschaftskreislauf kommt (oder entfernt wird), um das Inflationsziel zu erreichen. Ob das funktioniert hat wird dann hinterher geguckt, indem ein Standard-Warenkorb als Massstab angelegt wird. Der Warenkorb wird regelmaessig in kleinen ueberschaubaren Schritten an die neuen Umstaende im Land (Beduerfnisse) angepasst, sodass von Jahr zu Jahr ein Vergleich moeglich ist. Es macht also nur wenig Sinn fuer die Inflationsbewertung Aepfel von 1950 mit den heutigen zu vergleichen. (Frueher waren bestimmt mehr Aepfel drin)

    In diesem Prozess stecken etliche Stolpersteine (Glaskugel-Arithmetik) und weiterhin auch Moeglichkeiten zu manipulieren. Dass die oeffentlich genannten Inflationsraten allerdings Betrug sind, weiss ich auch nicht.

    Ich habe auf jeden Fall das Gefuehl, dass nicht 2% sondern 8% Inflationsrate (Doppelt so teuer nach 10 Jahren) besteht seit der Euro-Einfuehrung.
    Es kann aber auch daran liegen, dass ich nicht verreise, kein Auto habe und ansonsten nichts hochpreisiges gekauft habe (Reisen sind z.B. deutlich billiger geworden). Lebensmittel (Spekulationen) allerdings und Energie (meine Hauptausgabe) sind deutlich teurer geworden, als es die 2% Inflationsrate hergeben wuerde.

    Was wichtig ist zu sagen ist, dass Kaufkraftverlust immer zu einer schwachen Binnennachfrage fuehrt und daher der kleine Einzelhandel sowie Dienstleistungsbereich kaputt geht, da entweder sehr wenig gekauft wird, oder beim Discounter. Bestes, weil extremstes Beispiel aktuell ist Griechenland.

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