Innenminister Friedrich hat das John Wayne Syndrom

Hans-Peter Friedrich wurde am 10.März 1957 in Naila in Oberfranken geboren. Damit hat er das gleiche Geburtsjahr wie der Autor, nur die Lage Nailas im Zonenrandgebiet war noch schlimmer als die sauerländische Heimat des Autors die sich aber zumindest doch so schrecklicher Gestalten wie Franz Müntefering und Friedrich Merz schämen kann. Beide sind sie zu jung um mehr als kindliche Mitläufer bei den 68er gewesen zu sein und 1968 hat in Naila vermutlich gar nicht stattgefunden. Bayrische wie auch Sauerländische Provinz sind selten die Grundlage für freiheitliche Höhenflüge und die erlaubten Gedanken sind eher dumpf. Zumindest in der damaligen Zeit.

Ob man von Naila nach Hof gehen kann, oder Lüdenscheid und Iserlohn, Attendorn, oder gar Arnsberg die nächsten Zentren urbanen Lebens sind, war damals egal. Selbst Hunde wollten dort nicht tot über dem Zaun hängen. Die Freiheit bestand in der unbeobachteten Umgebung in der man zumindest weitgehend jedem Korrektiv entgehen konnte, den Büchern die man las und dem damals noch nicht als Verblödungsstrahler bezeichnetem Fernsehen. Die ortüblichen Zeitungen ähnelten eher Kirchenblättern und ihre politische Darstellung war mit erzkonservativ noch wohlwollend geschildert.

Sieht man einmal davon ab, dass in den Medien und in der Schule in der damaligen Zeit Deutschland im Schnitt ungefähr vier mal im Monat den Krieg erneut verlieren musste, wurden die Kommunisten als grausame Untermenschen mindestens achtmal im Monat verteufelt und die DDR war täglich der Todfeind den es zu erlegen galt. Das einzig gute kam aus den USA.

Aus einer solchen Wurzel einen freien Geist zu entwickeln ist schwierig und in Bayern wohl auch heute noch schwieriger als sonst irgendwo. Das muss man zu Hans-Peter Friedrichs Ehrenrettung einfach festhalten. Bis auf ein paar Seiten Spiegel oder Stern die damals noch richtige Medien waren, blieb die Welt der Fernsehfilme dominierend.

Während in Deutschland mit den Karl May Verfilmungen und Winnetou mit Old Shatterhand das Bündnis zwischen dem edlen Wilden und dem natürlich „deutschen“ Westmann geknüpft wurde, was auch der großen Friedenssehnsucht der damaligen Zeit entsprach, mussten die Bewohner der USA sich dafür rechtfertigen, dass sie in ihrem Holocaust, mal eben die indianische Ureinwohnerschaft vernichtet hatten, und weiter an deren Vernichtung arbeiteten.

Vor allem mit dem Regisseur John Ford und in dessen Zusammenarbeit mit John Wayne entstand in der Rollenauslegung ein Abbild des sogenannten „frontier spirit“ der davon ablenken sollte, das die Eroberung der USA nur eine ständige Kette von Rechtsbrüchen gegenüber den Indianern war und das ernsthaft die vollständige ethnische Ausrottung deren Rasse geplant war. John Wayne legte sich auf diese Rolle fest, die zudem auch noch seinem eigenen politischen Standpunkt fast vollständig entsprach:

„Die Kluft zwischen seinem Image und der Realität waren enorm“, sagt Glenn Greenwald. Der Autor belegt dies in seinem Buch „Große amerikanische Heuchler“. Greenwald zitiert Wayne mit einer Bemerkung über Amerikas Ureinwohner: „Ich denke nicht, dass wir etwas falsch gemacht haben, als wir ihnen dieses große Land weggenommen haben. Da waren eine Menge neuer Menschen, die viel Land brauchten. Die Indianer waren egoistisch und wollten es behalten.“ Viele Kritiker halten die Rolle des Ethan Edwards in „Der schwarze Falke“ für eine seiner besten schauspielerischen Leistungen. Er spielte einen fanatischen Indianerhasser. Schwarze waren für Wayne nicht gleichwertig: „Ich glaube so lange an die weiße Überlegenheit, bis die Schwarzen gebildet genug sind, Verantwortung zu übernehmen.“ Und über die Sklaverei sagte er: „Ich fühle mich nicht schuldig, dass sie vor Generationen Sklaven waren. Das war eben so.“

Als Jugendlicher in Oberfranken oder im Sauerland konnte man das nicht überschauen und so war es nur natürlich, das John Wayne und sein Filmimage für viele Jungen, aber auch Mädchen prägend war. In seinen Rollen erscheint er als Vertreter des Guten, der mit Erfahrung, Härte und Zähigkeit die anstehenden Probleme löst und sich auch nicht scheut, reichen Ranchern oder militärischen Vorgesetzten ins Wort zu fallen und diese zurechtzuweisen. Scheinbar gewährt er auch dem indianischen Untermenschen eine gewisse Gerechtigkeit, die sich aber stets dem Nutzen der Weißen unterwerfen muss.

Als Erwachsener sieht man John Wayne und seine Filme naturgemäß kritischer. Sie waren eine geschickte Propaganda um eine Legende vom guten und gerechten Weißen aufzubauen und es ist ein weit verbreiteter Satz vom John Wayne Syndrom zu sprechen, wenn politische Irre tatsächlich eine Koalition der Guten oder Willigen bilden wollen. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es Millionen von Abstufungen und nur wer ohne Fehler ist, sollte bekanntlich den ersten Stein werfen.

Solch eine Welt ist dem Herrn Innenminister Friedrich aber zu kompliziert. Er braucht es einfacher um an seine Ziele zu kommen:

Der Lieblingssheriff von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist John Wayne.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Das sagte der Politiker in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Ich mochte schon immer Filme, in denen das Gute und das Böse ganz klar abgrenzbar sind. Gut und Böse, und das Gute gewinnt. Das ist mein Ideal“, so der Innenminister. Problemfilme dagegen lägen ihm nicht so.

Ist das nicht herrlich. Damit sagt er, dass er ein Simpel ist. Er braucht klare Feindbilder und das war er bisher abgeliefert hat, passt genau in dieses Schema. Das Gute und das Böse ist weder klar abgegrenzt noch gibt es das Gute oder das Böse überhaupt. Israel oder gar die Israelis sind nicht generell böse, sondern nur dann wenn sie die Palästinenser ethnisch ausrotten wollen, Massenmorde und ähnliches begehen. Genauso kämpfen aber auch Israelis für die Freiheit der Palästinenser, für Recht und Gesetz und helfen unter hartem persönlichen Einsatz.

Die Welt des Herrn Friedrich ist eine höchst zweidimensionale Welt. Das mag für einen bayrischen Provinzpolitiker ausreichend sein, der ja immer nur das Pech hat zu höheren Weihen berufen zu werden, weil gerade kein Anderer zu finden war. Mit etwas Glück hätte er wie Herr Uhl enden können, dessen Auswüchse man ja nur noch milde belächeln kann. Aber er wurde Innenminister und wer seinen Namen in der Suchfunktion von Duckhome eingibt, bekommt eine eindruckvolle Liste von politischen Torheiten zu sehen:

Bundesinnenminister Friedrich (CSU) wünscht sich Flagge am Haus und gemeinsames Hymnesingen
Bundesinnenminister Friedrich (CSU): Datenschützer sind Terroristenhelfer
Bundesinnenminister Friedrich (CSU) fordert Bundeswehreinsätze im Inland
Bundesinnenminister Friedrich (CSU) warnt vor virtuellen Terror-Bomben im Internet
Bundesinnenminister Friedrich (CSU) fordert unbefristeten Ausnahmezustand
Bundesinnenminister Friedrich (CSU) will Anti-Terror-Gesetze verschärfen
Bundesinnenminister Friedrich (CSU): Vorratsdatenspeicherung heisst jetzt Mindestdatenspeicherung

Für die ersten hundert Tage Amtszeit ist das schon ein schöner Haufen Dampfgeplauder. Zum Glück ist der Mann ja nur deutscher Politiker und nicht wirklich wichtig. Gerade sein meist unsinniges Gerede und sein schon fast kindlich zu nennendes Hängen an der heilen, aber leider fiktivien Welt des John Wayne zeigt, dass er mehr träumt, als dass er handeln könnte. Aber er ist natürlich ein weiterer Wegbereiter der Diktatur, auch wenn er, angesichts so geringer persönlicher Weiterentwicklung seit seiner Kindheit natürlich zu bedauern ist.


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8 Kommentare

  1. Lebenslauf
    Lebenslauf des Hofer CSU-Bundestagsabgeordneten und Bundesminister des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich MdB:
    Beruf:
    Jurist
    Geburtsdatum und -ort:

    10. März 1957

    in Naila, Landkreis Hof, Oberfranken
    Religion: evangelisch-lutherisch
    Familienstand: verheiratet, drei Kinder

    Klugscheissermodus aus :-)

  2. Ja, das ist die oberfränkisch/südthüringische Mentalität. Ich vermute, dass die engen Bergtäler, der Nebel und der finstere Wald daran schuld sind. Naila ist von mir aus ja nur eine dreiviertel Autostunde weg.
    In der Region hier hatte es ja auch ein gewisser Schicklgruber damals nicht schwer mit seinen einfachen Lösungen.
    Grüße aus dem Wald.

  3. Als Sauerländer und Attendorner kann ich gar nicht anders, als dem Autor zuzustimmen.
    Mal Spaß beiseite: Bei nahezu 90% unserer Politiker muss man sich ernsthaft fragen, ob die noch in der gleichen Wirklichkeit leben wie wir normalen Bürger. Siehe allein Angela Merkels Auftritt in Meschede. Wenn die Oberen jemals die Welt ihrer „Kristallpaläste“ und Leibwächter verlassen und die Wirklichkeit erleben würden – tja, dann wird ihnen wohl ein Lichtlein aufgehen. Hoffe ich.

  4. _Zum Glück ist der Mann ja nur deutscher Politiker und nicht wirklich wichtig._

    Zum Unglück ist er Innenminister. D. h.
    der Herr der Schlapphüte, also die „Rampensau“ für all die freundlichen ewiggestrigen in deren Reihen.

    Das macht diesen Einfalts.. so gefährlich.

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