Inflation – Gefühl oder Realität

Das eine starke Inflation den hochverschuldeten Staaten am meisten nutzt wurde bereits in dem Artikel „Der Segen der Inflation“ beschrieben, in dem auch erklärt wurde das die Inflation die großen Vermögen eigentlich nicht berührt, weil sie ja in Waren, Anlagen, Immobilien oder Papieren auf diese Realgüter angelegt sind.

Die Inflation betrifft immer nur die Menschen die nur über wenig oder gar kein Vermögen verfügen und sich ihr Einkommen durch Lohnarbeit im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten müssen. Da auch in einem funktionierenden Tarifsystem die Lohnerhöhungen immer weit der Inflation hinterherhinken, führt die Inflation auch zu einem Reallohndumping und damit zu Zusatzgewinnen bei den Arbeitgebern.

Wer gerade Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) gehört hat, der die wie bei ihm schon üblich, die Forderung nach einer Lohnerhöhung um fünf Prozent für den öffentlichen Dienst als völlig überzogen bezeichnet und gleichzeitig mit seinen Finanzministerkollegen in Bund und Ländern aber nichts tut um 5-6 Milliarden an Steuern einzutreiben, die wegen fehlender Betriebsprüfungen jedes Jahr verschenkt werden, der handelt unredlich. Besonders wenn man bedenkt, dass dieser Staat in seinem Wachstumsbechleunigungsgesetz den Erben und Hoteliers 2 Milliarden geschenkt hat, während die Hotelerie ihre Mitarbeiter schamlos abzockt

Natürlich stößt auch der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt in das gleiche Horn und sagt gebetsmühlenhaft das, was er immer sagt: „Wir dürfen nicht überziehen!“ und meint damit, dass bei den Löhnen nicht überzogen werden darf, aber die völlig überzogenen Gewinne des Großkapitals völlig in Ordnung sind. Die Interessenlage ist also klar und es ist diese Interessenlage, die die offizielle Inflationshöhe bestimmt.

Die Arbeitgeber wollen offiziell eine niedrige Inflationsrate um die Löhne nicht erhöhen zu müssen und somit Sonderprofite auf Kosten der arbeitenden Menschen zu machen. Da die Politik selbst Arbeitgeber ist und Kosten sparen will um angeblich eine Arbeitsleistung zu zeigen und sich gleichzeitig immer gerne den Interessen des Großkapitals unterwirft, wundert es nicht, das die Inflationsrate so verdächtig niedrig ist.

Sie wird nämlich vom Bundesamt für Statistik errechnet oder besser gesagt zusammengelogen. Das beginnt schon bei dem Warenkorb, dessen Zusammensetzung wie folgt beschrieben wird:

Bei der Berechnung des Verbraucherpreisindex geht man von einem „Warenkorb“ aus, welcher sämtliche Waren und Dienstleistungen enthält, die für die Konsumwelt in Deutschland relevant sind. Der Warenkorb wird laufend aktualisiert, damit immer diejenigen Gütervarianten in die Preisbeobachtung eingehen, welche von den Konsumenten aktuell häufig gekauft werden. Die Auswahl von konkreten Produkten für die Preisbeobachtung erfolgt in Form von repräsentativen Stichproben. In der Regel werden zunächst repräsentative Städte, dort dann repräsentative Geschäfte und darin die am häufigsten verkauften Produkte ausgewählt.

Damit stellt sich sofort die Frage was denn repräsentativ ist und wer darüber befindet was von den Konsumenten häufig gekauft wird. So kostet eine Damenjeans bei kik Textildiscount 9,99 Euro und bei levi.com 95,96 Euro. Welcher Preis mag da wohl repräsentativ sein, wenn man die Inflationsrate niedrig halten will.

Noch lustiger wird es, wenn man die Einlassungen zur Hedonischen Preismessung bei EDV-Investitionsgütern mit in Betracht zieht:

Das Ziel der amtlichen Preisstatistik besteht darin, die so genannte „reine“ Preisänderung, unbeeinflusst von Änderungen der Verbrauchsgewohnheiten, Güterarten oder Güterqualitäten, zu messen.

Das ist schon witzig wenn man Qualität und Verbrauchsgewohnheiten komplett ausschließt und vermutlich dürfte dieser Hedonische Ansatz genauso so ein Blödsinn sein, wie alles was aus dieser Behörde kommt. Tatsächlich bedeutet die hedonische Preisberechnung nämlich nichts anderes als Lug und Betrug:

Die hedonische Preisberechnung wird manchmal bei volkswirtschaftlichen Statistiken und auf Immobilien angewendet. In den USA (seit den 1990ern), Großbritannien, Australien und Neuseeland wird die Inflation und das Wirtschaftswachstum hedonisch berechnet. Damit versucht man die Qualitätssteigerungen von Produkten zu quantifizieren. Dies führt zu niedrigeren Inflationsraten und je nach Land und Branche zu geschätzt bis zu 30 % höheren Wachstumszahlen.

In den USA wurde die Einführung der hedonischen Preisberechnung auch vom damaligen Chef der US-Zentralbank Alan Greenspan gefordert. Weil über Leitzinsen und Geldmenge die Inflation beeinflusst wird, können bei niedrigerer Inflation eher die Leitzinsen gesenkt werden, sowie die Geldmenge durch die Zentralbank erhöht werden. Das Geldmengenwachstum orientiert sich neben der Inflation auch am erhöhten Wirtschaftswachstum. Dazu kommt, dass in den USA soziale Leistungen oft mit der Inflationsrate angepasst werden. Auch die Lohnpolitik richtet sich nach der Inflationsrate.

Das die Bundesstatistiker selbst bei der Beschreibung der hedonischen Preisbemessung lügen dürfte nun klar sein. Wie absurd diese Berechnungsmethode ist, kann man am folgenden Beispiel sehen:

Die Prozessor-Geschwindigkeit von Computern – hier werden vor allem hedonische Verfahren angewandt – hat im Jahr 2005 durch verbesserte Techniken von 2.000 MHz auf 3.000 MHz zugenommen. Im Jahresdurchschnitt sind die CPU-Preise jedoch konstant geblieben. Hier rechnen die Statistiker wie folgt: Die Erhöhung der Taktfrequenz von 2.000 MHz auf 3.000 MHz bei den Prozessoren stellt eine Qualitätsverbesserung um 50 Prozent dar. Damit fallen die Preise für CPUs unter Berücksichtigung der Qualitätsverbesserung im Verlauf des Jahres 2005 in der Verbraucherpreisstatistik um ein Drittel. Bei den Wachstum- und Produktivitätszahlen wird dieser Vorgang umgekehrt. Wenn die Prozessoren im Jahresverlauf bei gleichen Preisen um 50 Prozent schneller geworden sind, dann kann bei der Ermittlung des Wertes nicht von den realen Preisen ausgegangen werden, sondern dieser Wert ist entsprechend der Qualitätsverbesserung um 50 Prozent nach oben zu berichtigen. Obwohl es also im Jahresverlauf keine statistisch relevanten Veränderungen gab, nennt die Verbraucherpreisstatistik in unserem Beispiel für Prozessoren einen Preisrückgang von einem Drittel (Inflationsminderung) und das Wachstum weist 50 Prozent mehr als die realen Zahlen aus.

Über die Zusammensetzung des Warenkorbs, die Gewichtung und die Berechnungsmethoden wird also systemmatisch die wahre Inflationsrate verschleiert um die Löhne und Sozialausgaben zu drücken und das Großkapital reicher zu machen. Tatsächlich werden die Zweifel der Verbraucher an den amtlichen Zahlen immer stärker und deshalb musste zuletzt sogar Springers Welt in einem Propagandaartikel für die Richtigkeit der Berechnungen plädieren, der zwar im Anfang die enormen Preissteigerungen bei den Gütern des täglichen Bedarfes benennt, dann aber im üblichen Quatsch endet:

Das Problem dabei: „Preisänderungen von Gütern des täglichen Bedarfs beeinflussen das Teuerungsempfinden stärker als Waren, die seltener gekauft werden“, so Rees. So kaufen die Menschen praktisch wöchentlich, wenn nicht gar täglich Obst und Gemüse. Selbst kleinste Veränderungen bei den Preisen erkennen sie sofort, und wenn es über mehrere Wochen nach oben geht, dann glauben sie an Inflation. Die Preise bei langlebigeren Gütern, sei es ein Auto, ein Kühlschrank oder ein Fernseher, werden dagegen deutlich weniger stark beobachtet. Doch gerade diese Güter werden seit Jahren billiger. So waren beispielsweise Fernseher im Dezember 17,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor, Notebooks kosteten rund neun Prozent weniger, ein digitaler Camcorder verbilligte sich um 7,5 Prozent. Autos wurden zwar etwas teurer, doch gerade mal um 0,2 Prozent.

Genau diese Güter, die sich verbilligen, haben jedoch ein relativ hohes Gewicht im Warenkorb. So kommen beispielsweise allein die Kosten eines Autos auf einen Anteil von 3,5 Prozent, denn fast jeder Haushalt besitzt ein Auto, und die Kosten der Anschaffung sind eben – gemessen am Haushaltseinkommen – sehr hoch.

Salbader, Salbader. So rettet Springer die lügenden Statistiker auch nicht mehr. Die Menschen kaufen sich eben nicht mehr alle drei Jahre ein neues Auto und was nützt es wenn Fernseher billiger werden, aber leistungsfähige und zeitgemäße Geräte insgesamt teurer. So gibt es zwar bei Medion einen LCD Fernseher für 309 Euro und ein grob vergleichbares Gerät kostet bei Sony 899 Euro. Mit welchem Preis mögen die da wohl bei der Statistik rechnen.

Aber es geht ja vor allem darum, die Menschen ruhig zu halten und der ganze Betrug ist nötig um solche Propagandalügen verbreiten zu können:

In Deutschland sind die Reallöhne im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 1,4 Prozent gestiegen.

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) – Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte, stiegen die Nominallöhne im Jahr 2010 um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Verbraucherpreise erhöhten sich im selben Zeitraum um 1,1 Prozent. Die Veränderungsraten der Nominallöhne waren in den Jahren 2009 und 2010 vor allem durch den Auf- und Abbau der Kurzarbeit beeinflusst. Die nominale Entwicklung der Bruttomonatsverdienste im Jahr 2010 fiel nach Wirtschaftszweigen unterschiedlich aus: In den Bereichen Erziehung und Unterricht (+ 0,7 Prozent), Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung (+ 0,8 Prozent) sowie Energieversorgung (+ 1,0 Prozent) waren die Verdienstzuwächse am geringsten und konnten den Anstieg der Verbraucherpreise nicht ausgleichen.

In allen anderen Branchen stiegen die Verdienste stärker als die Preise.

Da ist doch alles in Butter wenn in den meisten Branchen die Löhne stärker stiegen als die Preise. Da kann sich doch niemand beschweren. Aber leider ist es nur eine Lüge und die brutale Wahrheit sieht ganz anders aus:

Die Mehrheit der Deutschen (61 Prozent) hat den Eindruck, dass die Verbraucherpreise im Vergleich zu früheren Jahren im Moment stärker steigen.

Köln (dts Nachrichtenagentur) – 28 Prozent finden laut dem „ARD-DeutschlandTrend“, dass die Preise sich wie immer entwickeln. Nur 10 Prozent sind der Ansicht, dass die Preise gegenwärtig weniger stark steigen. Stark steigende Preise nehmen 59 Prozent der Deutschen bei den Lebensmitteln wahr.

51 Prozent sehen steigende Preise bei Benzin und Öl. 34 Prozent finden, bei Strom und Gas steigen die Preise deutlich. Vier Prozent nehmen Preissteigerungen bei Kleidung, drei Prozent bei Mieten wahr.

71 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass sie nicht vom derzeitigen Wirtschaftswachstum profitieren.

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland soll ja auch gar nicht profitieren. Sie sollen für kargen Lohn arbeiten und ansonsten die Schnauze halten und sich weiter veralbern lassen. Dagegen muss es endlich einen Aufstand geben.


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Ein Kommentar

  1. Den Statistikern wird auch entgangen sein das bei den Packungsinhalten von Lebensmitteln der Wettlauf zur Verkleinerung im vollen Gange ist. Die fast durchgängige Verringerung der Packungsinhalte von 500g auf 400g bei gleichem Preis sind satte Preiserhöhungen um 20%. Das ist kein Einzelfall sondern Methode. Es wird auch das Geheimnis der Statistiker bleiben wie sie über die Jahre vergleichbare Produkte der Lebensmittelbranche gefunden haben. Mit verschlimmbesserter Rezeptur ist die gängige Formel für verminderte Qualität, die fast durchgängig anzutreffen ist.

    Aus der Erhöhung der Lohnsumme auf eine breite allgemeine Lohnerhöhung zu schließen ist nur borniert. Ein Lohnanstieg kann auch dadurch zu Stande kommen, das ein Geschäftsführer sich Gewinne, die durch Lohndrückerei bei seinen Angestellten und der gleichzeitig verbundene Verdrängung von besser zahlenden Konkurrenten sich selbst als Gehalt auszahlt. Es liegt in der Natur der gegenwärtigen Wirtschaftsauffassung, dass in Unternehmen der leitende administrative Bereich allein vom wachsenden Unternehmenserfolg profitiert und die schaffenden leer ausgehen.

    Nach der etablierten ökonomischen Lehre hat der Produktivitätsfortschritt sinkende Preise an der Ladenkasse zur Folge, um Konkurrenten zu unterbieten. Sinkende Produktionskosten sollten daher hemmend auf Preiserhöhungen wirken. Das Gegenteil ist Realität. Steigende Löhne als Preistreiber hinzustellen ist nur niederträchtig.

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