Giovanni, Giovanni …

Da hast du aber wirklich ziemlich deppert ausgesehen. Was für ein erfreulicher Anblick. Dieses selbstgefällige Teflonlächeln und deine ach so intellektuelle Gestik, einfach  dahin. Der  ewige Klassenprimus auf einmal ein peinlich und herumzappelnder Hinterbänkler. Ich fasse es nicht, das war gut.

Doch von Anfang an. Gestern hatte ein Bekannter im Gesichtsbuch ein Video gepostet. Es zeigt einen Ausschnitt aus der Talkshow von Anne Will. Darin ereifert sich Richard David Precht über das Prozedere um die Nominierung von Joachim Gauck. Normalerweise hätte ich mir das ja gar nicht angesehen. Weil ich keinen Fernseher habe, und mir durch die Downloads von Videos Kosten entstehen. Welche mir weder Anne Will noch Richard David Precht wert sind. Wenn dann sogar noch zusammen schon einmal überhaupt nicht.

Aber weil ich auf die Meinungen meines Gesichtsbuchfreundes einiges gebe habe ich es mir doch angesehen. Ja und wie schon gesagt, es hat sich wirklich gelohnt.  Auch wenn ich nicht viel bis ausgesprochen wenig von Populärphilosophen Precht dem Rubbelmann für angehende Gesellschaftswissenschaftlerinnen halte. Das was er da gesagt hat brachte es einfach auf den Punkt. Wie er es gesagt hat noch dazu. Richtig in Rage ist er gekommen und ganz schön spitz ist er geworden. Hemdsärmlich, das lange Frauenbetörerhaar leicht wirr und ob der Brisanz des eigenen Anliegens schon etwas überhitzt  gab er den Volkstribun.

Neben ihm die Frau Will hat er richtig herzlich zum Lachen gebracht. Nur dich nicht Giovanni. Dir waren seine Ausführungen sichtlich unangenehm. Jedenfalls kamst du so rüber. Denn offensichtlich hatten nicht nur Anne Will und das Publikum ihren Spaß an der Rede Prechts. In der Regie muss den jemand mit dir gehabt haben. Warum sonst wurdest du immer wieder einmal eingeblendet? Doch nur weil man der Meinung war, dich mal von einer anderen Seite vorzuführen. Aber genau wie für die Regie war es auch für mich das Sahnehäubchen. Ich habe es genossen dich so zu sehen.

Es tat gut zu spüren, wie du spürst, dass er dir nicht nur die Show sondern auch die Meinungsführerschaft wegnimmt. Da kommt dieser Ausstattungsrequisite für Talkshowsitzmöbel und spricht das aus, was man aus dem Mund eines Chefredakteurs der ZEIT erwartet hätte. Der wiederum rutscht nervös auf seinem nicht vorhandenen Arsch in der Hose herum und versucht krampfhaft, nach Luft und dem Wort zu schnappen. Wo dieser Precht die ganze unsägliche Lächerlichkeit rund um die Nominierung glasklar darlegt, hatte das von dir redaktierte Wochenblatt den Gauck ja schon zum großen neuen Heiland ausgerufen. Ganz der Streber der du bist, wurde sich den “Bestimmern” angedient, und ganz in deinem Selbstverständnis müssen wir das auch so sehen.

Tun wir aber nicht alle! Ein Kai Dieckmann mag an seiner Klientel den Gauck noch als den Präsidenten der Herzen verhökern können. Als Präsident des Verstandes lassen sich die, welche auf eben jenen Wert legen, aber dann den ewig opportunistischen Pfaffen nicht andrehen. Und das erbärmliche Geklüngel dazu erst recht nicht.

Einen schönen Tag noch.

P.S. : Es wäre zwar nicht schade, wenn man den Precht nicht mehr in den Talkshows sehen würde. Aber diesen Auftritt sollte man ihm auf das Pluskonto gutschreiben.

Link zum Video bei youtube : Anne Will – Precht

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Dieser Beitrag erscheint sowohl in meinem Weblog als auch im Entenhaus.

Ein Kommentar

  1. „Ein linker Putsch“
    http://www.zeit.de/2008/45/01-Hessen
    Giovanne di Lorenzo, 17.08.2009

    (ein ganz übles Bsp., mit dem dieser Tintenknecht Geschichte geschrieben hat)

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