Geldschöpfung, Schuldgeld und Schulden

Wenn jemandem in einer Gesellschaft langweilig ist, oder wenn man einfach auf Krawall aus ist, dann stellt man die Frage: “Wisst ihr eigentlich wo unser Geld herkommt und wie es geschaffen wird?” Dann kommt die Bundesdruckerei, die Bank und im dämlichsten Fall der Geldautomat ins Spiel. Aber man merkt die Ratlosigkeit und kann noch mal nachhaken, woher die Geldmacher denn wissen wieviel Geld gebraucht wird.

Obwohl die meisten mit Geldkarte, Kreditkarte und Überweisung bestens vertraut sind, reflektieren praktisch alle Antworten nur auf das Bargeld, dass in Scheinen und Münzen vorhanden ist. In Wirklichkeit hat das Bargeld nur einen Anteil von weniger als 5 Prozent an der gesamten Geldmenge. Aber auch alles Geld das auf den Konten mit täglicher Verfügbarkeit liegt, stellt nur ein Viertel der Geldmenge dar. Das ist unabhängig von der Definition der einzelnen Geldmengen praktisch überall so.

Aber damit ist noch nicht die brennende Frage erklärt wo das Geld eigentlich geschaffen wird. Die Antwort ist ganz einfach, auch wenn sie sich ziemlich irre anhört. Die Banken schaffen das Geld, weil sie auf die Einlagen die sie haben, ungefähr das 10-fache an Geld verleihen dürfen. Wenn also Adele Maier 1.000 Euro auf ihre Bank trägt um dafür geringe Zinsen zu bekommen, dann hat die Bank das Recht, an Bernd Keller 10.000 Euro als Kredit gegen hohe Zinsen zu vergeben.

Das ist das grundsätzliche Geschehen bei der Geldschöpfung. Die Nationalstaaten haben da vor allem über ihre Zentralbanken ein paar Möglichkeiten zu minimalen Korrekturen, aber im wesentlichen sind die Stellschrauben viel zu klein dimensioniert um wirklich Einfluss zu nehmen. Das ist der Grund für die andauernden Stresstests bei Banken.

Geld wird immer dann geschaffen, wenn jemand einen Kredit aufnimmt und jeder Kredit muss mit Zinsen zurückgezahlt werden. Auch der Staat selbst, leiht sich letztendlich Geld von den Banken und bezahlt Zinsen dafür an die Banken. Logisch wäre es doch, dass der Staat seine Zentralbank anweist, ihm das erforderliche Geld einfach drucken zu lassen und er es dann ausgibt. Logisch wäre auch dass die Banken die Banknoten, also das Bargeld bei der Zentralbank kaufen müssen und nur das Geld verleihen können, dass sie wirklich haben.

Aber was ist schon Logik wenn es um die Interessen der Superreichen geht. Mister Dax, Dirk Müller hat das hier sehr verständlich formuliert und bitte sehen sich das Video wirklich ganz bis zum Ende an, denn dort hat Mutti noch einen Auftritt.

Das mit unserem Schuldgeldsystem so einiges nicht in Ordnung ist, demonstriert eindruckvoll auch Volker Pispers der dabei auch noch weit über die Themen dieses Artikels hinausgeht und zum Beispiel über die Rolle der Systemmedien spricht.

Nimmt man das Zinseszinsproblem und die seltsamen Zustände bei der Geldschöpfung zusammen, dann ist klar woher woher die massive Umverteilung von unten nach oben kommt. Kleinere Gemeinheiten wie die allgemeine Ausbeutung und die Lohndrückerei kann man dabei zunächst einmal außen vor lassen, da sie in dem Spiel keine große Rolle mehr spielen.

Tatsächlich wird aber auch klar, dass es für dieses Umverteilungssystem das im wesentlichen aus der Anhäufung von Schulden auf der Seite der arbeitenden Menschen und Gewinnanhäufung ein natürliches Ende gibt. Spätestens dann wenn alles Geld auf der einen Seite und alle Schulden auf der anderen Seite sind, bricht das System zusammen. Alle Versuche ein Scheinwachstum zu erreichen scheitern schon sehr früh daran, dass die Mehrheit der Konsumenten keine neuen Schulden aufnehmen kann und somit praktisch kein Wachstum mehr entsteht und dadurch das Kartenhaus zusammenfällt.

Während Mr. Dax und Pisper am Ende einer solchen Periode von einer Umverteilung von oben nach unten sprechen, hat die Geschichte bisher meist den Weg des Krieges gewählt, der dann verbunden mit Währungsreformen, das Spiel durch den Wiederaufbau wieder neu beginnen ließ.

Auch diesmal wird es ein derartiges Ende geben. Hoffen wir das, es eher in Richtung von US-Präsident Franklin Delano Roosevelts New Deal, also in Richtung Reformen für die Menschen geht, als direkt in einen Krieg. Wer sich aber die heutigen Politiker auf der Welt anschaut wird da wenig Hoffnung haben.

Die Tatsache, dass unser System so ziemlich am Ende seines aktuellen Lebenszyklus angekommen ist, sollte aber niemanden davon abhalten sein Leben zu leben. Zum einen kann niemand den Termin nennen, zum anderen sollte man es da mit Martin Luther halten: “Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.” Neben dem Apfelbaum gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten die Dinge diesmal anders laufen zu lassen.

3 comments

  1. Albert says:

    Hallo Herr Hoff,
    Ihr anregender Text ließ mich im Gedächtnis kramen, m.E.n. gibt es das Beispiel im Buch von S. Wagenknecht (2011) *Freiheit statt Kapitalismus* aus dem (ist nicht in der €urozone) Vereinigten Königreich (Britain), wonach die sog. Liquiditätsreserve nicht – wie Sie anführen und auch ich vor Jahrzehnten lernte – 10 Prozent sein soll, sondern nur noch 2 Prozent, die Autorin veranschaulicht an dieser Einzelheit das, was sie parasitären Kapitalismus nennt.
    Gruß, Albert

  2. Carlo says:

    Vielen Dank für den Artikel. Die (Giral)Geldschöpfung funktioniert ein wenig anders.
    Es gibt keine Begrenzung auf das 10fache und keine Bank muss darauf warten, dass Frau Maier ihre 1000 Euro abliefert. Das wäre nicht logisch und würde bedeuten, dass die Bank nur Geld verleihen könnte, wenn vorher jemand etwas spart. Genau dem ist nicht so. Der Kredit ermöglicht das Ansparen und nicht umgekehrt. Wie das funktioniert erklärt Prof. Binswanger in Geldschöpfung; Wachstum; Spekulation

    In Wirklichkeit schaffen Banken (Giral)Geld aus dem “Nichts”. Um den Rahmen nicht zu sprengen, verweise ich auf den “Selbstversuch” von Prof. Richard Werner (Uni Southampton) bei der Raiffeisenbank Wildenberg aus dem Jahre 2013. – Luftgeldschöpfung- Geld aus dem Nichts – Mythos oder Tatsache?[/url]

    Das Thema Geldschöpfung, Recht und Demokratie behandelt Prof. Dr. iur. Michael Köhler (Uni Hamburg) in dem Essay “Humes Dilemma – oder: Was ist Geld
    „Geldschöpfung“ der Banken als Vermögensrechtsverletzung”
    Hier.

    Bemerkenswert ist dabei, dass in einer “Demokratie” die Giralgeldschöpfung privater Geschäftsbanken nicht rechtlich geregelt ist.
    “Es gibt keine direkt rechtliche Regelung. Die Möglichkeit zur Buchgeldschöpfung durch Banken wird vom deutschen Recht vorausgesetzt.” Und hier.

    Wer den Umverteilungsmechanismus verstehen möchte, muss zunächst das System der Geldschöpfung verdaut haben. Man kann davon ausgehen, dass die gewählten Parlamentarier von beidem keine Ahnung haben. Sonst würden Finanzkrise, Eurokrise und Staatsverschuldung keine Überraschung und Ratlosigkeit erzeugen können und gezielte Handlungen nach sich ziehen.

  3. Alexander Illi says:

    Dieses essentielle Thema ist mir zwar schon seit Laengerem bekannt (inkl. Zinseszins-Problematik), aber so eine besonders schoene – weil, besonders anschauliche – Erklaerung, finde ich herausragend.

    P.S.: Ich halte Sie, im durchaus eher positiven Sinne, fuer die moegliche ‘Inkarnation’ bzw. evtl. einen geistigen Verwandten eines gewissen Marquis:
    http://www.sade-ecrivain.com/docs/sade.html
    Ich lese hier zwar nur eher sporadisch, aber manche praegnante Gemeinsamkeiten mit der Darstellung in der oben verlinkten Kurz-Bio (die fuer mich erstaunlich zu lesen war) klangen mir vermeintlich schon heraus.

    Frohe Weihnachten :)

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