„FREIHEITLICHER GEIST“

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Über Börne, Naumann & Jockel Jauck

*Tagesaktueller Kurzkommentar
von Richard Albrecht*

Unter der Überschrift „FREIHEITLICHER GEIST“ war heute in der FR zu lesen (Frankfurter Rundschau, 250111):

„Joachim Gauck erhält den Börne-Preis 2011 […] Erinnerung als besondere Bürgerpflicht, so hat Joachim Gauck stets sein gedächtnispolitisches Engagement verstanden, ob als Bürgerrechtler oder Essayist, nicht zuletzt im vergangenen Jahr als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Gestern wurde bekanntgegeben, dass Gauck den Ludwig-Börne-Preis 2011 erhält. Mit seinen Reden und Schriften repräsentiere Gauck „den freiheitlichen Geist all jener in der ehemaligen DDR, die dem repressiven Staat durch ihr politisches Engagement ein Ende bereiteten“, begründete Preisrichter Michael Naumann die mit 20000 Euro dotierte Auszeichnung. Wie immer bei dieser Ehrung war auch der frühere SPD-Kulturstaatsminister alleiniger Juror des Preises, den die Börne-Stiftung vergibt. So nachhaltig die Auszeichnung die Erinnerung an den jüdischen Schriftsteller Ludwig Börne (1786–1837), einen der zwei, drei Wegbereiter des politischen Feuilletons wach hält, so gewiss verbindet Gauck mit Börne ein empfindliches Sprachbewusstsein […]“ ( *->* _http://www.fr-online.de/kultur/joachim-gauck-erhaelt-den-boerne-preis-2011/-/1472786/6721708/-/index.html_)

Was da – und nun auch gekürzt hier – steht ist falsch und richtig zugleich.

Richtig ist und auf den Punkt gebracht: Ein rechter Sozipromi klopft als ehemaliger Bundestaatsfunktionär einem anderen rechten Sozipromi als ehemaligen Bundesbehördenleiter erstens öffentlich auf die Schulter und schiebt dem zweitens nach dem Matthäus-Grundsatz DENN WER DA HAT DEM WIRD GEGEBEN DASS ER FÜLLE HABE dazu noch 20.000 Teuro steuerfrei inne Täsch. Die vorher anderen Leuten nach dem Matthäus-Grundsatz WER ABER NICHT HAT, VON DEM WIRD GENOMMEN, WAS ER HAT ausse Täsch genommen wurden.

Der Rest und besonders die Juror-Begründung von „freiheitlicher Geist“ bis „empfindliches Sprachbewußtsein“ ist nicht nur falsch. Sondern, wie Ernst Bloch sowas zutreffend nannte, verlogenes *Gewäsche.*

Der Autor lebt als unabhängiger kulturanalytischer Sozialpsychologe, reflexivhistorisch arbeitender Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog (-> Richard Albrechts duckhome-Beiträge). Letzte Buchveröffentlichungen: DEMOSKOPIE ALS DEMAGOGIE. Kritisches aus den Achtziger Jahren (2007) [und] SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (2008) (-> Buchempfehlungen). Aktuelle Netzseite -> eingreifendes-denken -> bio-bibliographie

2 Kommentare

  1. Sozialdemokratischer Reaktionär (Naumann) und reaktionärer Pfaffe (Gauck) ist eine der Symbiosen, die zum „leuchtenden Erfolg“ der deutschen Sozialdemokratie beigetragen haben – und (durch Eigennutz und Lernresistenz) auch morgen wie ein Agenda-Schild vor sich hergetragen und verkündet wird.

    Hier also wertet man sich erneut auf und schreibt deshalb Geschichte, die hingegen eine Legendenbildung ist, doch wer vermag schon in drei oder vier Generationen später diese auch als solche erkennen…
    Und der ehem. sPD-Kulturstaatsminister und heutige Aufwertungs-Juror (also selbst für Pfaffen wie diese IM Larve) ist ja ein Paradebeispiel für den Niedergang der deutschen Sozialdemokratie:

    – SPD-Mitglied Michael Naumann gehörte schon immer dem Dunstkreis von Helmut Schmidt an.
    – 1970 ging er zur ZEIT und wird „Kundschafter-West für den Frieden“ (BND), Deckname „Norddorf“.
    – Zur Überwachung von Künstlern wiederbelebt M. Naumann-„Norddorf“ 1979 die ursprüngl. CIA-Tarnorganisation „Kongress für kulturelle Freiheit“, engl. „Congress for Cultural Freedom“.
    (Sein Handwerk wird Michael Naumann-„Norddorf“ eins-zu-eins von seinem Schwiegervater Gerhard Wessel gelernt haben, der zunächst als Nazi-Major, dann als Nazi-Oberstleutnant und Intimus von Reinhard Gehlen seine deutschen „Pflichten“ erfüllte, um später die Nachfolge des BND-Gründers Gehlen anzutreten. – R. Gehlen, beim Raub- und Vernichtszug gegen die russische Bevölkerung Nazi-Chef von „Abteilung Fremde Heere Ost“, wurde nach 1945 Fluchthelfer für Kriegsverbrecher und profilierte sich in der eigens gegründeten „Gehlen-Organisation“, bevor die offizielle Gründung des BND erfolgte – beides Geheimorganisationen, die auch für stramme Nazis als Tummelplatz und üppige Versorgungsquelle dienlich war.)
    – 1998 geht Naumann-Norddorf schließlich gegen den Geheimdienstkritiker Erich Schmidt-Eenboom los, der ihn öffentlich als informellen Mitarbeiter des BND benannte. (— http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/download.cgi?artikelnr=1545&pfad=/tp/r4/artikel/1/1545 —)
    – Im gleichen Jahr erfolgt auf Bundesebene der Regierungswechsel; 2003 folgt Schröders „Putsch von Oben“ (— http://putschvonganzoben.twoday.net/stories/378617/ —) und von Anbeginn ist Naumann-Norddorf ein Verfechter der 2003 verkündeten Agenda 2010, die zum Niedergang der deutschen Sozialdemokratie führt (hunderttausende Parteiaustritte, Landtagswahlniederlage auf Landtagswahlniederlage und schließl. Schröders 2. Putsch, seine sog. „vorgezogene Bundestagswahl“ im Jahre 2005)
    – Durch eine „BND-Aktion auf Landesebene“ (— http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/spd-immer-schmutziger/ —) wird M. Naumann-Norddorf 2008 SPD-Spitzenkandidat zur Hamburger Bürgerschaftswahl – und verkündet bereits VOR DER WAHL den Machterhalt Ole von Beust, denn „Eine rot-rot-grüne Koalition wird es mit mir nicht geben!“, bestätigt noch unmittelbar vorm Wahlurnengang mit „Nein, nein, nein! – Njet!“ – und, aufdass selbst der letzte „Dämel“ begreifen möge, das alles noch (so Naumann-Norddorf) BEIM LEBEN MEINER KINDER! (— http://www.sueddeutsche.de/politik/2.220/aufsehen-um-spd-strategie-in-hessen-nein-nein-nein-1.278521 —)
    Es folgt die anvisierte Wahlpleite, die Naumann-Norddorf sogleich gegen Kurt Beck nutzt, schließlich wäre Agenda 2010-Technokrat Frank-Walter Steinmeier der bessere Kanzlerkandiat und zudem hatte sich der Parteichef (!) Beck gewagt, minimale, ja fast schon lächerliche Agenda 2010-Abmilderungen anzustoßen… Wahlverlierer Michael Naumann-Norddorf: „Wir waren auf der Überholspur, und dann kam ein Lkw aus Mainz und hat alles plattgemacht.“ (— http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,druck-538331,00.html —)
    Michael Naumann-Norddorf darüber hinaus: „Und wenn sich der Parteivorsitzende seiner Kanzlerkandidatur nicht sicher ist, kann er auf das Mittel zurückgreifen, das einem seiner Vorgänger, Rudolf Scharping, in der Stunde politischer Not zur Verfügung stand: Er kann sich in einer Mitgliederumfrage zur Wahl stellen.“ (…) „So viel Demokratie muss in Willy Brandts SPD gewagt werden“…
    (— http://www.zeit.de/2008/14/SPD-Kurs?page=all&print=true —)
    – Im November gleichen Jahres gibt der Intimus von M. Naumann-Norddorf (sowie von H. Schmidt) der Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo, das Signal zum krachenden Scheitern der Abwahl Roland Kochs (— http://www.zeit.de/2008/45/01-Hessen?page=all&print=truehttp://www.freitag.de/datenbank/freitag/2008/45/gastkommentar/print —)

    Und schließlich folgte noch 2009 zur Bundestagwahl die größte SPD-Wahlniederlage seit über 120 Jahren…
    (worauf sich der Wahlverlierer und Agenda 2010-Technokrat Frank-Walter Steinmeier putschartig zum „Oppositionsführer“ machte…)
    und was lässt Zyniker und SPD-Sargnagel Michael Naumann-Norddorf die Welt wissen (?) – DIE SPD HAT JETZT VIEL ZEIT, UM SICH ZU ERNEUERN. NACH LINKS KANN IHR WEG DABEI ABER NICHT FÜHREN…
    (— http://www.zeit.de/2009/42/SPD?page=all&print=true —)

  2. Fehlerteufelchen können unterlaufen (nicht dass ich als „kleinlich gesehen“ werde), doch einige, wie „Vernichtszug“, können nicht stehenbleiben; und hier mit dem Hintergrund, dass „Dank“ Deutscher Leitkultur Russland (wie auch Polen) eine noch immer unfassbare Brutalität und Grausamkeit widerfahren ist.
    Somit:

    R. Gehlen, beim Raub- und Vernichtungszug gegen die russische Bevölkerung Nazi-Chef von „Abteilung Fremde Heere Ost“, wurde nach 1945 Fluchthelfer für Kriegsverbrecher und profilierte sich in der eigens gegründeten „Gehlen-Organisation“, bevor die offizielle Gründung des BND erfolgte – beides Geheimorganisationen, die auch für stramme Nazis als Tummelplatz und üppige Versorgungsquelle dienlich war.

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