Eine Tüte Mitleid für die RWE

Der RWE-Chef Jürgen Großmann wird von tiefen Sorgen gequält. Öffentlich barmt er um die drohenden Milliardenverluste für die RWE und andere Mitglieder der Atommafia. Er malt die Welt in schwärzesten Farben.

„Die Brennelementesteuer ist aus verfassungsrechtlicher und EU-rechtlicher Sicht bedenklich und angreifbar“, sagte Großmann. „Es sprechen deutlich mehr Gründe für eine Klage als dagegen.“

Auch Schadenersatzforderungen seien möglich, denn dem Konzern entgingen Milliardeneinnahmen. Großmann warnte vor schwerwiegenden Folgen des Ausstiegs für die gesamte deutsche Wirtschaft. Dem Land drohe eine De-Industrialisierung.

„Wenn die Politik weiter so konsequent die Zerstückelung der industriellen Energieerzeugung betreibt, werden wir bald auf ganze Industriezweige verzichten müssen. Konzerne wie BASF oder ThyssenKrupp wird es dann hier nicht mehr geben“, sagte Großmann weiter. Auch die eigene Branche gerate zunehmend unter Druck.

„Der Wertverlust unserer Aktie macht mir Sorge. Die Gefahr einer feindlichen Übernahme wächst.“

Die Brennelementesteuer ist natürlich eine böse Überraschung. Ursprünglich sollte sie ja der Preis dafür sein, dass die Schrottmeiler der Atomindustrie unbegrenzt weiterbetrieben werden durften und in diesem Zusammenhang waren sie geradezu lächerlich wenn man sie gegen die zu erwartenden Gewinne gegenrechnete. Dann kam Fukushima und die Kernschmelze in drei Reaktoren.

Die CDU und die FDP mussten fürchten, wichtige Landtagswahlen zu verlieren und plötzlich taten sie so, als würden sie die alte Angst der Menschen vor den Atomkraftwerken und ihren gewissenlosen Betreibern ernst nehmen. Das Atommoratorium und der angebliche Ausstieg ist nicht von der Vernunft, sondern von der Angst vor den Bürgern bestimmt. Aber wie Politik nun einmal ist, will sie alles was sie in ihren Krallen hat auch behalten. Die Brennelementesteuer hat zwar ihren ursprünglichen Sinn, die Bürger zu täuschen, verloren, aber das schöne Geld gibt die Politik nicht wieder her.

Das mag unangenehm für die Gewinnerwartungen der RWE sein, aber schließlich hat die ja noch die Braunkohle für deren Nutzung sie auch keine Steuern bezahlt. Lediglich bei Gaskraftwerken gibt es eine Erdgassteuer. Richtig wäre es natürlich alle nicht regenerativen Energiequellen mit einer Steuer zu belegen. Insofern ist Großmanns Gerede natürlich völlig belanglos.

Besonders absurd aber ist es, wenn Großmann von entgangenen Milliardengewinnen spricht. Es ist ja gerade das Problem des Energiekartells, dass es zwischen dem Endkundenpreis und dem Herstellungspreis der Energie überhaupt keinen Bezug gibt. Ohne echten Wettbewerb, steigen die Preise und damit die Gewinne der Unternehmen ins Gigantische und damit schaden sie der gesamten Wirtschaft und vor allem der Bevölkerung. Die entgangenen Gewinne die Großmann beklagt, stehen der RWE nämlich gar nicht zu. Sie sind eine Folge mangelnden Wettbewerbs.

Tatsächlich sind die überhöhten Energiepreise aber nur ein Teil der Kosten die die Atommafia dem deutschen Volk aufbürdet. In der Asse und in Morsleben haben die beteiligten Unternehmen ihren radioaktiven Müll für billigstes Geld verbuddeln lassen, obwohl sie wussten, dass diese Art der Lagerung nicht funktionieren wird. In Morsleben gab die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel im Auftrag der Atommafia sogar den Auftrag die Fässer mit Atommüll zu verstürzen, also einfach ein paar hundert Meter tief fallen zu lassen, wobei natürlich viele Fässer zerstört wurden. In der Asse muss jetzt die Bevölkerung die Kosten für die Rückholung des Mülls, die Wiederverpackung zerstörter Fässer und des verstrahlten Salzes bezahlen. Vom Risiko eines Strahlenunfalles bei den Arbeitern einmal ganz abgesehen.

Die RWE und die anderen Atombuden schulden den Menschen in Deutschland dafür Geld, aber auch für die leukämiekranken Kinder in der Umgebung der Kraftwerke. Der größte Posten aber sind die Ewigkeitskosten für die sichere Lagerung des Atommülls. Die Ewigkeitskosten sind schon heute bei weitem höher als der Wert der ganzen Energieversorger die Atomkraftwerke betreiben.

Noch deutlicher aber wird Großmanns Sicht der Dinge wenn er davon spricht, dass es eine „Zerstückelung der industriellen Energieerzeugung“ gäbe, die dann zu einer Deindustrialisierung Deutschlands führen würde. Natürlich bedeutet eine Energiewende auch, dass neue Anbieter auf den Markt kommen können. Der Bauer mit dem Biogaskraftwerk, die Stadtwerke mit vielen verbrauchernahen Blockheizkraftwerken und selbstverständlich auch Genossenschaften und Privatpersonen, die Kraftwerke errichten um damit Geld zu verdienen. Das ganze nennt man dann Markt und sehr langfristig wird das die RWE Marktanteile kosten, wenn sie ihre Leistung nicht deutlich verbessert und die Preise nicht senkt.

Großmann will also keinen Wettbewerb. Das ist verständlich. Welcher schlechte Bäcker möchte schon, das neben ihm ein fleißiger und sauberer Bäcker mit niedrigeren Preisen aufmacht. Allerdings ist die RWE kein Bäcker. Sie ist diesem Zusammenhang eine überdimensionierte Brot, Gebäck und Kuchenfabrik, die alles um sie herum erdrückt.

Tatsächlich hat das Monopol der Energieriesen bisher jeden Fortschritt verhindert. Sie halten an gefährlichen und vollständig veralteten Atomkraftwerken fest, anstatt neue ökologische Arten der Energieerzeugung massiv auszubauen. Wenn sie dann mal einen Windpark ins Meer setzen oder über Solarparks in Nordafrika nachdenken, dann wollen sie Subventionen ohne Ende und wenn möglich weit über die eigenen Kosten hinaus. Bei der Geothermie haben sie komplett versagt und anstatt sich der technischen Möglichkeiten des Heißdampfrecyclings zu widmen, wird lieber als getan um andere Marktteilnehmer abzuwehren. Anstatt die Industrie zum Energiesparen zu motivieren, werden die Preise für Großverschwender gesenkt und die der Privatkunden erhöht.

Die Unternehmen der Atommafia sind Dinosaurier. Je eher sie aussterben, desto besser ist das für die deutsche Wirtschaft.


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3 Kommentare

  1. Noch ein bisschen mehr vom RWE Chef und ich würde es fast glauben. In seiner heilen Welt bräuchten wir scheinbar nur mehr Atomkraftwerke und es würde Milch und Honig fließen.

  2. Atomkraft verursacht Kosten bis zum Sankt Nimmerleinstag. Von welchen Gewinnen spricht der Mann? Wer Kosten verursacht, hat diese zu begleichen.

    Wenn die Steinzeitmenschen vor 100.000 Jahren die bescheuerte Idee gehabt hätten Atomkraftwerke zu betreiben, müssten wir uns heute immer noch um die strahlenden Hinterlassenschaften kümmern.

  3. Natürlich spricht er von seinem Gewinn. Wenn man die Kosten für die Umweltzerstörung mit in den Preis einrechnen würden, dann wäre so manche moderne Technologie zu teuer um sie zu nutzen. Atomkraft gehört auf jeden Fall dazu.

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