Die weißen Ritter an der Rentenfront

Ja natürlich ist Wahlkampf. Sonst würde sich doch kein Schwein für die Rentner interessieren. Die CSU macht in Mütterrente. Ob ich da mal frage was denn mit der Väterrente ist? Besser nicht. Das könnte ihr Weltbild zerstören. Der neue Mißfelder, der jetzt Spahn heißt, spielt mal wieder Lügen mit Zahlen. Er rechnet uns vor das nur 3 Prozent der über 63-jährigen Grundsicherung als zusätzliche Hilfe brauchen. Ob ich mal erkläre das hundert Prozent der Beschäftigten nicht arbeitslos sind?

Aber was solls. Spahn hat die Rolle Mißfelders weitgehend verinnerlicht. Die dümmste Behauptung ohne irgendeinen Beweis reichen ihm um Stimmung zu machen und so stellt er fest, das 16 Prozent aller Kinder von Armut betroffen sind. Rente und Kinderarmut haben beide nichts mit einander zu tun, außer das unsere verbrecherischen Politiker die Löhne gedrückt und das Großkapital belohnt haben und wir deshalb arme Rentner und arme Kinder haben und demnächst ein Drittel der Bevölkerung arm ist. Am gemeinsten finde ich bei dem Spahn ja, dass er nicht erwähnt, dass ein Rentner der noch keine Grundsicherung beantragen kann, vielleicht einen Euro zu viel Rente hat. Aber vielleicht vollendet der Spahn ja seine Inkarnation des Mißfelders komplett und rutscht auch in die Urne. 

Aber die Rentendiskussion wird natürlich auch von der sich angeblich doch schon so sehr im Wahlkampf befindlichen GroKo genutzt um mal eben schnell noch mal was für die internationale Versicherungswirtschaft zu tun. Die Riesterzulagen wird nämlich um 11 Euro im Jahr erhöht, die direkt an die Versicherungen gehen. Sie meinen das ist nicht viel. Es wird aber noch einmal einen Haufen Irrer in die Riesterrente drücken. Und es gibt eine wesentliche Neuerung. Das Kapital und die vom Kapital geführten DGB Gewerkschaften, können und werden jetzt in Tarifverträgen festlegen, dass die einbezahlten Beiträge in Betriebsrenten völlig ungesichert kassiert werden können. Firma pleite, Job weg, Rente auch. Der feuchte Traum des Kapitals. Ach ja die Reform soll laut Aussage der GroKo die Betriebsrenten, also die private Rentenversicherung für Geringverdiener und Kleinbetriebe attraktiver werden. Sie wird das totsicher erledigen. Sowohl die Geringverdiener als auch die Geschäftsführer von Kleinunternehmen werden bluten, während das Großkapital lacht. 

Nett ist auch die Augenwischerei vom rentenpolitischen Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Matthias W. Birkwald, der natürlich auch nut mit längst abgehakten Ideen auftritt: 

 

DIE LINKE fordert, die gesetzliche Rente endlich zukunftsfest zu machen. Dazu sollten alle Erwerbstätigen in das Solidarsystem einbezogen und die Beitragsbemessungsgrenze drastisch angehoben und später aufgehoben werden. Für ein lebensstandardsicherndes Rentenniveau von 53 Prozent müssen sich die Unternehmen wieder zur Hälfte an den Kosten der Alterssicherung beteiligen. Sie haben sich schon viel zu lange ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entzogen. 53 Prozent Rentenniveau kosten heute für durchschnittlich verdienende Beschäftigte mit 3022 Euro brutto nur 33 Euro mehr Rentenbeiträge im Monat. Und für ihre Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen. Das muss doch drin sein!

 

Könnte ich glatt unterschreiben, wenn ich total ahnungslos wäre. Aber selbst die dicke Arbeitnehmerbetrügerin Nahles hat gemerkt, dass eine Veränderung bei den Beitragsbemessungsgrenzen natürlich auch höhere Forderungen an die Rentenkassen bedeuten, das Problem also nur um ein paar Jahre nach hinten geschoben wird um dann noch drastischer zuzuschlagen. Ähnlich verhält es sich mit dem Arbeitgeberanteil. Das sind Kosten der Arbeit und Erhöhungen an dieser Stelle führen immer zu Automatisierung und der Verlagerung von Arbeit egal wie kurzfristig das auch gedacht sein mag. Manager denken eben nur in Quartalen und nicht in Jahrzehnten und Politiker denken gar nicht mehr. 

Selbstverständlich lässt sich auch der DGB nicht lumpen und Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes, macht einen auf Norbert Blüm, indem sie uns erklärt, dass  die Stabilisierung des Rentenniveau den Durchschnittsverdiener im Jahr 2025 nur 7,29 Euro im Monat kosten und das sei weniger als eine Kinokarte. Ich mag Milchmädchen und Windeier. Aber der DGB hat sich geäußert. Und das im Handelsblatt. Leute die rechnen können, wissen, das es aber gar nicht darum geht eine weitere Rentenabsenkung zu verhindern, sondern das Rentenniveau endlich wieder steigen muss. Dafür aber sind ganz andere Beträge erforderlich. 

Die weißen Ritter, sind bei der Übernahme von Unternehmen meist diejenigen, die erst einen unfreundlichen Übernahmeversuch provoziert haben und sich dann um so schamloser beim Ausschlachten und verwerten des Übernommenen bereichern. Das gleiche gilt an der Rentenfront oder bei allen Sozialversicherungen. Sie werden als Kosten betrachtet, die man eigentlich einsparen könnte oder sogar einsparen muss. Es handelt sich nicht um weiße Ritter sondern um Sandmännchen, die den Menschen nur den Blick trüben wollen. 

Es gibt auch gar keine Kosten der Arbeit oder Lohnnebenkosten. Und so leid es mir tut, die sogenannten Lohnnebenkosten sind auch bei noch so verwurschtelter Denkweise keine Lohnkosten. Sie sind Kosten der Gesellschaft, die den Kapitalertrag erst möglich machen. Eine gute oder besser noch eine sehr gute soziale Abfederung dient nämlich vor allem, dem Zweck Arbeitskämpfe und soziale Unruhen zu verhindern. Sie macht die Ausbeutung nicht ungeschehen aber erträglicher. Der Preis für Arbeitskämpfe und soziale Unruhen wäre aber deutlich höher, wie sich immer wieder zeigt und somit ist eine gute soziale Abfederung ein gutes Geschäft für das Kapital. 

 

3 comments

  1. lollo says:

    Die gesetzliche Rente nach Vertragsrecht von 1949 – 1952:

    Arbeiter 100 DM Einzahlung = 100 DM Auszahlung plus Verzinsung

    Die gesetzliche Rente nach Umlageverfahren ab 1953

    Arbeiter 100 DM Einzahlung = Verrechnungsschlüssel = z.B. ca 60 DM

    heute Einzahlung 100 Euro = 47 Euro

    Betrug Betrug Betrug

  2. K!A.o.S. ( User Karma: 0 ) says:

    Wie wär’s denn mal mit der Jugendrente? Finanziert von unseren Fürsorglich hungrigen, privaten wie staatlichen Datenkraken? Aber, ach ne … : Das würde ja nicht den schon längst gescheiterten politischen Weg des Neoliberalismus weiterführen!

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