Die Unbehaarten oder Religion ist Politik

Man ruft mich Pie. Ich bin Jäger bei den Behaarten. Jäger hört sich gut an, ist im Grunde aber ein Scheißjob. Die Viecher die wir jagen sind alle größer als wir, oder wollen uns fressen. Manchmal auch beides. Bei uns besteht eine ständige Nachfrage nach neuen Jägern. Jäger sind Verbrauchsmaterial. Aber wenigstens sterben wir schnell. Die Viecher die uns fressen wollen sind verfressen und da wo die anderen Viecher hintreten, ist alles platt. Jäger ist echt ein Scheißjob.

Früher wohnten wir auf der anderen Seite des Flusses. So auf halber Höhe am Hang. Es war nicht schlecht dort. Jäger war auch dort ein Scheißjob, aber wir waren nicht so oft krank und hatten mit unseren Nachbarn kaum Ärger. Das waren Behaarte wie wir. Meist saßen wir vor unserer Höhle und sahen auf diese Seite des Flusses, auf der wir jetzt leben, hinüber. Das hatte einen guten Grund. Auf dieser Seite des Flusses war und ist, auf halber Höhe des Hanges, die Höhle der Unbehaarten. Dauernd liefen ihre Weibchen vor der Höhle auf und ab.

Es war zum Haare ausreißen. Ständig diese unbehaarten Weibchen. Unseren behaarten Weibchen gefiel das ganz gut. Wir waren ständig rattenscharf und dreimal war Behaartenpflicht. Unser Chef Klas hat hin und her gerechnet. Aber wir kamen einfach nicht über den Fluss um ein paar unbehaarte Weibchen zu stehlen oder uns wenigstens mal kurz, oder etwas länger mit ihnen zu paaren. Klas wurde immer unruhiger und steckte dauernd mit unserem Shamanen Aiu zusammen.

Unser Shamane ist schon alt, die unbehaarten Weibchen interessieren ihn nicht mehr. Die behaarten allerdings auch nicht. Selbst die Knaben will er nur noch selten. Klas und Aiu hingen so oft zusammen, das man sie schon fast für ein Paar hätte halten können, aber wie gesagt, über dieses Thema ist unser Shamane Aiu weitgehend hinweg.

Mich macht das immer mißtrauisch. Chef und Shamane auf einem Haufen. Staat und Kirche. Das riecht nach Ärger. Aber meine Mitjäger interessierte das nicht. Sie schauten zu den unbehaarten Weibchen und trieben es mit unseren behaarten. Dann begannen mal Klas und mal Aiu uns auf die Jagd zu begleiten. Nicht wirklich auf die Jagd, sondern nur gerade ein Stück aus dem sicheren Lager heraus. Dort erzählten sie uns von den ubehaarten Weibchen und was die alles besser könnten, als unsere Weibchen. Ich hab als Jäger gute Augen. Die haben drei Löcher wie unsere Weibchen und die Bewegungen sind auch die gleichen. Was soll da anders sein.

Ich bin Jäger. Das sagen haben andere. Jäger ist echt ein Scheißjob. Die anderen Jäger wollten die unbehaarten Weibchen. Ich hätte auch gerne welche, wobei mir behaart oder unbehaart ziemlich egal ist, solange sie ständig verfügbar sind. Aber ich bin Jäger, da gibt es keine festen Beziehungen. So was haben Häuptlinge, Shamanen und Älteste, aber eben keine Jäger. Ich versuchte unsere behaarten Weibchen aufzuwecken und erzählte ihnen, das sie durch die unbehaarten Weibchen ersetzt werden sollten. Das gab etwas Stimmung und Klas hatte eine Woche lang ein schiefes Maul, weil seine Olle ihn mit dem Jagdbeil attackiert hat.

Genutzt hat es nichts. Der Shamane musste Klas gefällig sein, weil seine Vorhersagen immer weniger zutrafen. Also wurde das große Orakel befragt, wir mussten dazu extra einen großen Säbelzahntiger heranschaffen, aus dessen Innereien uns Aiu dann die Zukunft vorausagte. Staat und Kirche. Das Ergebnis war klar. Unsere Zukunft lag auf der anderen Seite des Flusses und würde herrlich sein. Ich nickte mit all den anderen und dachte auch ein wenig an die unbehaarten Weibchen.

Also kämpften wir und drei Tage lang den Fluss herauf, dauernd im Streit mit den jeweiligen Bewohnern dort, dann über den Fluß und wieder den Flut herab, mit noch mehr Streit und Verlusten an Leben. Dann endlich waren wir im Schilf am Fluss, gegenüber unserer früheren Höhle. Die wurde schnell von anderen Behaarten bezogen, die dann zu den unbehaarten Weibchen hinübersahen und ihre Schwänze zeigten. Uns zeigten sie die Fäuste. Dahin konnten wir nicht wieder zurück.

In unserem Rücken der Fluss, vor uns oben am Hang die Höhle der Unbehaarten. Die Unbehaarten kämpften zwar nicht so gut wie wir, aber es waren viel mehr als wir. Wir konnten nur wenig jagen, mussten viel Wache stehen und immer öfter mit unserem Häuptling losgehen und für ihn unbehaarte Weibchen fangen. Klar bekamen wir ab und an auch mal ein Weibchen ab, aber so richtig was anderes war das nicht. So ohne Fell fühlt es sich anders an, aber an den Stellen auf die es ankommt, gibt es überhaupt gar kein Fell, bei denen nicht und bei unseren auch nicht. Alles andere war gleich wie bei unseren Weibchen.

Aiu machte eine tolle Vorhersage nach der anderen. Ich war nahe daran ihm mit meinem Beil den Schädel einzuschlagen. Aber ohne Shamanen, hatte man mir erklärt, würde unser Stamm untergehen. Ich begann zu lernen. Sah genau auf das was Aiu machte. Ich lernte schnell. Erst hatte ich noch gedacht einfach Klas zu erschlagen. Aber dann wäre Aiu geblieben. Dummerweise fangen unsere Leute an langsam wegzusterben. Das Leben am Fluss bekommt uns nicht. Die unbehaarten Weibchen wissen das, deshalb laufen die auch immer schnell wieder weg. Manchmal habe ich das Gefühl, sie machen es gerne mit uns, aber sie wollen hier nicht leben. Versteh einer die Weibchen.

Meine Mitjäger sind ganz begeistert von mir. Ich kann jetzt vorausagen wann wir ungestört jagen können. Das ist einfach. Immer wenn der Mond voll am Himmel steht, feiern die Unbehaarten drei Tage lang ein Fest. Dann stören sie uns nicht beim Jagen, sie überlassen uns sogar kampflos ihre Beute um beim Fest dabei zu sein. Die unbehaarten Weibchen sagen, das es um einen mächtigen Gott geht, der gefeiert werden muss, damit er nicht zornig ist.

Ich habe einen Plan. Morgen werde ich Aiu und Klas erschlagen. Dann bin ich der Shamane. Meine Jäger erzählen schon bei unseren und den unbeharten Weibchen aber auch bei unseren Ältesten von meinen besonderen Fähigkeiten. Übermorgen beginnen die Feiern bei den Unbehaarten wieder, dann gehen wir jagen und machen so viel Fleisch wie möglich und am letzten Tag von deren Feiern, wenn sie müde und erschöpft sind, dann werden wir die Unbehaarten überfallen und erschlagen. Natürlich nur die Männchen. Die Weibchen können wir gut gebrauchen. Wir haben viele Leute verloren.

Und dann werde ich sagen, das die Götter keine Häuptlinge mehr wollen. Nur den Rat der Ältesten unter dem Vorsitz des Shamanen. Jeder Älteste bekommt zwei unbehaarte Weibchen zusätzlich. Das wird es ihnen leichter machen. Dann bin ich Häuptling und Vertreter Gottes. Die Höhle der Unbehaarten wird uns ein Leben wie früher ermöglichen, plus unbehaarter Weibchen. Ich fühle mich gut. Ich werde nie wieder jagen müssen. Priesterhäuptling ist ein toller Job.

3 comments

  1. Ralf S. says:

    Werter Herr Seitenbetreiber,

    Ihr Schreibstil wirkt einschläfernd auf mich. Was Ihnen Herr Ulfkotten angeblich angetan hat und wobei er sich meinetwegen vertan hat (einen falschen Brief für echt gehalten – huch, wie aufregend), dies alles vermag m. E. nicht zu interessieren. Haben Sie übrigens nicht selbst das Gefühl, nunmehr als begossener Pudel dazustehen?

    Amüsiert (und nicht ganz ohne Schadenfreude)
    Ralf S.

    1. Jochen Hoff ( User Karma: 0 ) says:

      Sehr geehrter Herr Ralf S. Schlaf ist der Bruder des Todes. Könnte es sein, das sie schon tot sind? Umgeben von 14 Meerjungfrauen und einigen Flaschen Weinwasser.

      Was meinen sie bei den Unbehaarten mit einem Herrn Ulfkotten. Der kommt hier nicht vor. Auch kein Herr Ulfkotte mit dem ich einen amüsanten Streit habe.

      Sie machen mir Sorgen. Sie sollten mal zum Arzt gehen. Oder sich vielleicht beerdigen lassen. Aber bitte hier nicht mehr lesen. Das erfordert Verstand und ist nicht für jedermann das richtige. Erholen sie sich gut.

  2. ninjaturkey says:

    Amen! Wenn Du noch einen Helfer brauchst, sag Bescheid. Bin zwar inhaltlich erst im letzten Drittel wirklich eingestiegen, aber der Glaube zur Macht war ja schon immer wichtiger als der Glaube an die Sache. Aus dem Grund schlage ich eine vorerst geheime Kooperation mit den Schamanen der Unbehaarten vor. Deren Methode scheint nicht schlecht zu sein (hab mir sagen lassen, die kontrollieren sogar das – du weißt schon was – der Unbehaarten) Wir Schamanen müssen uns ja nicht unnötig Konkurrenz machen. Ab und zu hetzen wir dann unsere Leute gegeneinander damit keine auf dumme Gedanken kommt. Wir sollten uns auch regelmäßig durch ein geheimes Verfahren von den Göttern im Amt bestätigen lassen. Ach ich hab da noch viele gute Ideen…

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