Die Perspektiven der jungen Erwerbstätigen

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern scheint die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland noch recht harmlos auszufallen. Schaut man genauer hin, stellt sich die Lage anders dar, wie die süddeutsche.de berichtet:

Junge Deutsche sind öfter in “atypischen” Beschäftigungsverhältnissen angestellt. Das sind Jobs, die keine normalen Vollzeitstellen sind. Dazu zählen die Statistiker befristete Arbeitsverträge, Teilzeitarbeit bis zu 20 Stunden, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse und Leiharbeit. Fast 37 Prozent der jungen Erwerbstätigen in Deutschland sind demnach “atypisch” – meist befristet – beschäftigt.

Ich habe gestern mit einer Frau gesprochen, die drei Kinder großgezogen hat, alle drei mit Abitur und zwei davon mit abgeschlossenem Studium, die nun darum kämpfen, im Erwerbsleben Fuß zu fassen. Ihrem jüngsten Sohn, der eine leichte körperliche Einschränkung hat, wurde gerade ein Job für 400 Euro angeboten. Sie war den Tränen nahe, als sie mir ihren Frust und Zorn berichtete. Sie selbst ist über 60, hat eine gut bezahlte Arbeit in einem hochqualifizierten Beruf und traut sich nicht, in den Ruhestand zu gehen, weil die Familie weiterhin auf ihr Einkommen angewiesen ist. Und wer weiß wie lange noch.

Soll doch keiner erzählen, dass die Situation in Deutschland irgendwie “besser” wäre. Eine Zeitlang mag noch jeder einzeln mit seiner individuellen Situation kämpfen. Bis man dahinter kommt, dass dieser Konkurrenzkampf der einzelnen untereinander zu nichts führt, außer vielleicht zu Depression, Burnout und noch mehr Entsolidarisierung. Aber auch damit wird irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht sein!

Ob so oder so: der neoliberale Zeitgeist wird abgelöst werden. Sie haben fertig. Konservative fangen an, den linken Ideen rechtzugeben, Reiche wollen freiwillig mehr Steuern zahlen und die Jugend steht kiffend vor dem Gymnasium. Auch nicht die schlechteste Art, dem Stress Lebewohl zu sagen …

PS:

Bitte hierzu lesen “Die Revolution der Reichen” (Financial Times Deutschland) Soweit kommts noch: “Sollen wir etwa nach Berlin gehen und Autos anzünden?”

16 comments

  1. Katrin says:

    Mit 19/20 denken sie aber noch nicht so weit.

    Da gibt es auch noch keine Familienplanung.

    “Irgendwie bei Irgendwem um Jobs betteln”

    Das ist gut. Machen das nicht derzeit gerade viele (ältere) Erwachsene? Und die Jungen sollen nicht?

    Wir wohnen in der Nähe des “Braunen Dorfes” in Oberfranken.
    Bei den Meisten hier werden die Neonazis als nicht mal so schlimm empfunden, es wird vielmehr(z.Bsp. von einem Bürgermeister) vor dem “linken Extremismus” gewarnt.

    Da hab ich bei unseren Kindern und ihren Freunden schon gegenzusteuern.

    Trotzdem, ich fürchte, wenn die hiesigen Jugendlichen aufstehen…
    Die Parolen der braunen Rattenfänger klingen in jungen Ohren zu schön, und wenn drumherum alle derselben Meinung sind …

    Oder meinst du, egal, Hauptsache, sie stehen auf? Sollen mal in München Autos brennen?

    1. Brigitte ( User Karma: 0 ) says:

      Das hätte ich gar nicht gedacht, dass in Franken die Braunen so stark vertreten sind. Schrecklich! Und die Regierung ist nicht in der Lage, die NPD zu verbieten. In Mecklenburg-Vorpommern sind die schon bei 5 %!

      Wo soll das hinführen?

      Und Du hast recht, die älteren, die keine Arbeit haben, müssen schon mehr als betteln, bis sie einer nimmt- weil nämlich alles besser ist, als sich mit den Jobcentern rumzuschlagen.

      Armes Deutschland, arme Bürger!

      Unabhängig davon bin ich überzeugt, das Münschen nicht verschont bleibt, was die brennenden Autos angeht. Solange es nur Autos sind, ist es fast noch harmlos.

      Die Politik sollte schnellstens nachdenken und handeln. Ebenso die Reichen !

      1. Katrin says:

        Das hätte ich gar nicht gedacht, dass in Franken die Braunen so stark vertreten sind.

        Offiziell nicht, aber wenn man sich mit den Leuten unterhält findet die geschätzt jeder Zweite toll.
        Und unser Bekanntenkreis besteht nicht nur aus “Bildungsfernen”

        Die Politik sollte schnellstens nachdenken und handeln. Ebenso die Reichen !

        Ich befürchte fast, das machen die. Aber nicht so, wie wir uns das wünschen.

        1. Brigitte ( User Karma: 0 ) says:

          Ja liebe Katrin, das wird wohl allgemein in Deutschland stärker werden, die Leute können nun wieder mutig sein und Parolen schwingen, denn die Kriegsgeneration ist ja so gut wie ausgestorben. Da reissen sie wieder den Mund auf.

          Alles auf moderne Art. Auch die Sanktionen für Arbeitslose ist die moderne Art, Menschen fertig zu machen. Die Obdachlosenheime sind überfüllt, und es werden neue gebaut, statt Arbeit zu schaffen. Niemand denkt darüber nach, was es bedeutet.

          Dennoch, lass uns nicht den Mut verlieren, schon unserer Kinder wegen.

          1. Karl Peter says:

            Ich kann nicht verstehen, was in diesem Lande abgeht.

            Sehen die Bürger denn nicht, was mit den jungen Leuten geschieht und das auch gut ausgebildete Akademiker nur noch zu schlechten Bedingungen arbeiten sollen?

            Ich hatte mit einem Bekannten gerade das Thema, der nicht verstehen will, warum ich keine Arbeit bekomme. Es gibt doch so viele Jobs….da muss man sich doch nur bewerben! Mir fiel fast das Gesicht runter, bei dem Spruch.

            Hallo, lest ihr nur oder recherchiert ihr auch mal? Glaubt nicht die Lügen der Einheitspresse, der neoliberalen Community und den üppigen Ansprachen der Regierungspolitclowns.

            Ich kann mir gut vorstellen, das uns bald einiger Ärger in Haus steht, wenn wir protestieren und wie der junge Mann am Alex in Berlin aufs Maul bekommen. Nur, weil wir uns aufrichtig entgegenstellen und NEIN sagen zu BankSTER Politik a la Ackermann.

            Lassen wir uns nicht entmutigen und kämpfen für unsere Freiheit und eine gerechte Entlohnung.

  2. landbewohner says:

    komisch, da beschweren sich die mütter, daß die gegenwart und zukunft ihrer kinderchen so rabenschwarz ist. der protest der “lieben kleinen” allerdings bleibt aus!!
    dabei ist es doch ihr leben und es wäre ja wohl ihr job “aufzustehen” und zu protestieren bzw aufzuwachen und nachzudenken statt irgendwie bei irgendwem um jobs zu betteln. oder?

    1. Brigitte ( User Karma: 0 ) says:

      Ja toll, was hätte der junge Mann den machen sollen? Hätte er die Stelle nicht genommen, wäre er ganz schnell in Hartz IV gekommen- und die ganze Familie wäre eine Bedarfsgemeinschaft geworden.

      Er hat erstmal nur die Chance sich weiter umzusehen um dann dem “Chef” was zu husten.

      Es hängt ja immer auch davon ab, wie alt er ist, welche Chancen er hat. Kann er in einem Jahr “aufsteigen”? etc.

      Er kann ja schlecht auf die Strasse gehen. Hier sind doch erstmal die Gewerkschaften gefragt, das sie ihren Hintern hoch kriegen! und die Politik das sie Rahmenbedinungen schafft.

  3. Katrin says:

    Ich erlebe es grad selber, unser Sohn, das älteste von vier Kindern, hat dieses Jahr ausgelernt, ist KFZ-Mechatroniker, gute Abschlussnote.

    Er arbeitet jetzt für 800,-€ brutto, 40-50hWoche.

    Und, jede Wette, bei den nächsten Wahlen werden wieder die Üblichen gewählt.
    Proteste kommen eh nur von “Kriminellen”, jeder ist sich selbst der Nächste und ansonsten wird höchstens an Stammtischen über “die da oben” und die Alg II-Empfänger gewettert.

    Und die Linke ist ja, zumindest hier in Bayern, noch vieeel schlimmer als jede rechte Partei.

    Ich kann niemals soviel essen, wie ich… könnte.

    1. titus says:

      äääh, selbst schuld, würde ich sagen…
      die ach so schlimmen verhältnisse beklagen, aber fleissig csu oder gar spd/grüne wählen…?
      und dann auch gleich noch über die linke, die sooo viiiel schlimmere partei herziehen…?
      was, bitteschön, hat die linke mit den von dir beklagten verhältnissen zu tun…?

      1. Katrin says:

        Wo bin ich denn über die Linke hergezogen?

        Hast recht, ich hätte schreiben sollen: Die Linke ist f ü r die Bayern vieeel schlimmer.

        Übrigens geh ich immer wählen und wähle die Linke!!!

        Aber hast recht, nach nochmaligem Lesen meines Kommentars hab ich bemerkt, dass man das Geschriebene auch anders verstehen kann.
        Gerade bei einem “Neukommentierer”

    2. Brigitte ( User Karma: 0 ) says:

      Da wünsche ich Deinem Sohn, dass er sich weiter bewerben kann und das er Glück hat, einen besseren Arbeitgeber zu finden und vor allem einen klügeren. Ich kenne ja nicht den Arbeitsvertrag, aber das ist schon eine Frechheit.

      Wenn ich richtig gerechnet habe, wären das ca.630 € Netto. Das wäre gerade mal so der Satz eines alleinstehenden ALG II Beziehers ( je nach Bundesland )

      Das muss man sich mal reinziehen, woher sollen dann die jungen Leute die Motivation nehmen?
      Kann verstehen, das Du sauer bist.

  4. willi says:

    Einfach schlechtes Timing. Die Jungen Leute sehen, dass es ihnen niemals so gut gehen wird wie vielfach ihren Eltern. Sie sind aber in bester Gesellschaft -den Spaniern und Griechen geht es nicht viel anders.

    Es war auch nicht anders zu erwarten:

    “Mit der Globalisierung der Wirtschaft hält die Dritte Welt in den reichen Nationen selbst Einzug, wächst die Tendenz zu einer zweigeteilten Gesellschaft, in der große Bereiche unwichtig werden, weil sie zur Bereicherung der Privilegierten nichts beitragen.
    Mehr als je zuvor muß die Masse ideologisch und physisch kontrolliert und aller Organisations- und Kommunikationsmöglichkeiten, der Vorbedingungen für konstruktives Denken und soziales Handeln, beraubt werden.
    “Wirtschaft und Gewalt” (1993) Noam Chomsky
    In Deutschland sieht es nicht viel besser aus -die Regierungpropaganda ist nur erfolreicher und in viele Medien halten sich lieber mit dem ausländischen Splitter auf, auch wann das Vorbeischielen am eigenen Balken zunehmend immer schwerer fällt.
    Immerhin fangen anscheinend zumindest Einzelne an zuerkenne, das da “irgendetwas ist”. (Moore, Schirrmacher etc.)

    1. Luise says:

      das Noam Chomsky-Zitat ist wirklich gut!

      ich glaube, in Deutschland lassen sich die meisten immer noch mit der Nachricht hypnotisieren, dass die Wirtschaft boomt, wir Exportweltmeister seien, etc etc. Bloß, dass nicht begriffen wird, dass von all diesen “Booms” und “Wachstümern” kein Normalsterblicher was hat! Die Deutschen können schon ziemlich doof sein, es tut mir leid … aber es scheint doch langsam was ins Bewußtsein durchzusickern. Wer weiß, vielleicht erleben wir “deutsche Gründlichkeit” nochmal von ganz anderer Seite!!!

      1. davi says:

        “Wer weiß, vielleicht erleben wir “deutsche Gründlichkeit” nochmal von ganz anderer Seite!!!”

        Also das macht mir irgendwie Angst.
        Meinst du einen Massenaufstand mit deutscher Gründlichkeit?
        Und wer ist dann Ziel dieser Gründlichkeit?
        Eins ist mir klar, wenn es kracht in Deutschland, dann wird das heftig sein.

        1. Luise says:

          ich habe das etwa so gemeint:
          erst nach längeren (gründlichen?) Überlegungen reifte allmählich die Erkenntnis, dass Umverteilung eine große Rolle spielen wird, um das Wirtschafts- und Finanzsystem wieder ins Lot zu bringen (wenn überhaupt). Und zwar auch in einflußreichen, wirtschaftsstarken und teils konservativen Kreisen. Wenn die anfangen, aufzuräumen, könnte das (wieder) gründlich werden. Ein deutscher Weg? Ich weiß es nicht.

  5. Brigitte ( User Karma: 0 ) says:

    Ein gutes Thema.

    Wie sollen die jungen Leute sich etwas aufbauen? Eine Familie zum Beispiel, das ginge nur, wenn Frau mitarbeitet- aber dann muss Kind zu fremden Leuten.

    Junge Leute sollen auch direkt sparen fürs Alter. Aber wovon, wenn bei Stkl.I nichts übrig bleibt.

    Niemand denkt daran, dass junge Leute sich auch bilden müssen, indem sie etwas “erleben” auch mal Spass haben oder sich etwas kaufen können.

    All das und vieles mehr verhindern diese Neoliberalen und Versager aller Altparteien, die wir haben, da ist es gleich- ob es die GRÜNEN sind, die FDP oder gar CDU oder SPD.

    Es wird sich nur etwas ändern, wenn Massenaufstände kommen. Hoffnung habe ich bei den Deutschen da nicht, die sind anscheinend in den letzten Jahren sehr masochistisch geworden. Ich bin es nicht, ich bin da reiner Sadist, was die Regierungen seit der Wende angeht.

    Die Geschichte dieser Frau, die ruft doch gerade danach auf, auch einmal Demos vor Firmen zu starten.

    Junge Menschen brauchen unseren Respekt, sie brauchen Chancen und sie brauchen Erfolg. In diesem Land hat nur Erfolg, der schon vorher was geerbt hat.

    Wählt links, was anderes haben wir nicht mehr !

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