Déjà -vu in der Trollingerflasche

Die Felsengärtner haben es nicht vergessen. Vor gut einem Jahr robbte ich zusammen mit einigen Journalistenkollegen durch eine imposante terrassierte Steillage im „Besigheimer Wurmberg“, um auf der Parzelle eines Genossenschaftswinzers Trollinger zu lesen. Und die Felsengärtner aus Besigheim versprachen uns, eine Flasche zu schicken.

Gerne zelebriere ich die Illusion, dass in der Flasche, die ich gestern erhielt, tatsächlich Spuren jener Trauben enthalten sind, die ich mit gekrümmtem Rücken im Schweiße meines Angesichts vom Stock geschnitten habe. Was angesichts der vielen Partien aus verschiedenen Parzellen, die in diesem „Besigheimer Wurmberg Trollinger 2015“ von der Felsengartenkellerei Besigheim stecken, eher unwahrscheinlich ist.

„Wein aus Steillagen! steht auch noch auf dem Etikett. Das kann ich bestätigen. Und genau das ist auch eines der Probleme, die dieser – und viele andere – Weine aus Württemberg mit sich rumschleppen. Denn der Anbau von Trollinger in extrem arbeitsintensiven Top-Lagen ist ähnlich sinnstiftend, wie es ein Helene-Fischer-Konzert mit den Berliner Philharmikern unter Sir Simon Rattle wäre.Was es aber richtigerweise wohl nie geben wird.

Für fünf Euro wird dieser Wein verkauft und das ist für einen Genossenschfats-Trollinger schon relativ viel. Es liegt auf der Hand, dass sich das speziell wenn es um Steillagen geht, nicht besonders rechnet. Aber abgesehen von dem Arbeitsaufwand gibt es auch nichts, was einen höheren Preis irgendwie rechtfertigen könnte.

Eigentlich schmeckt dieses irgendwie halbtrockene Getränk gar nicht wie Wein. Eher wie ein (guter) Traubensaft, der eben Alkohol enthält. Tannine, differenzierte Aromen, Säurespiel, Nachklang am Gaumen – alles Fehlanzeige. Immerhin ist er nicht zu klebriger Marmelade verkocht worden, wie so manch schwäbischer Rebsortenkollege. Er ist also nicht wirklich unangenehm, man kann ihn leicht gekühlt schmerzfreiund sogar mit einem gewissen Spaß in sich reinsüffeln, aber es ist einfach kein Wein.

Natürlich wissen die Wüttemberger schon länger, dass das mit den Steillagen und dem Trollinger auf Dauer keinen Sinn mehr macht. Und so bemühen sich auch die Genossenschaften, höherwertige und vor allem auch höherpreisig vermarktbare Rebsorten in ihren Top-Patzellen zu kultivieren. Aber was mir die Felsengärtner da als weitere Flasche ges hickt haben, kann auch nicht der Königsweg für die schwäbische Weinkultur sein. Wobei festzuhalten ist, dass es sich bei dem sortenreinen, trockenen Cabernet Dorsa aus der Edition „Schwarzer Rappe“ zumindest um einen richtigen Rotwein handelt, mit Tanninen, Kirsch- und Beerenaromen, ein wenig dunkle, leicht bittere Würze, lebhafter Säure und recht kräftig. Vielleicht ist der im Holzfass ausgebaute 2014er auch noch zu jung, um sich voll entfalten zu können, aber auch dieser „Kinderbonus“ kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das alles nicht richtig stimmig ist. Die Rebsorte Cabernet Dorsa –eine tiefdunkle Kreuzung aus Lemberger und Dornfelder – ist und bleibt ein Zombie-Wein, der vieles ein bisschen imitiert, aber nichts richtig kann. So gehen hat er fast noch weniger Spaß gemacht als der Trollinger.

Was bleibt? Mal wieder richtig guten Lemberger aus Schwaben trinken. Gibt's reichlich. Wrde ich mich mal wieder drum kümmern.

 

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