Chatzimarkakis – Ihnen fehlt die sittliche Reife – zurücktreten bitte

Wenn man die Dinge um Chatzimarkakis so verfolgt dann fällt einem sofort Professor Schnauz, aus Heinrich Spoerls Roman “Feuerzangenbowle” ein, der dem Herrn Pfeiffer mit drei F die mangelnde sittliche Reife attestiert und selbst Prof. Bömmels Frage “Wat is’ ne Dampfmaschin’?” könnte man sehr leicht auf die Frage ummünzen “Was ist eigentlich ein FDP-Politiker der seinen Doktortitel noch hat?”. Da brauchen wir und dann gar nicht dumm zu stellen und können antworten, dass er nur noch nicht erwischt wurde.

Aber nein, das wäre zwar vermutlich wahr, aber trotzdem gemein. Es soll ja auch ehrliche Menschen in der FDP geben, wobei niemand weiß, wie die dann in diese Partei kamen. Drogen, Alkohol, Verführung? Man weiß es eben nicht.

Im allgemeinen Rennen um Plagiate und Doktorenverluste hat die CSU ihren Guttenberg und am Rande die Stoibertochter Vroni, die aber nicht so richtig zählt. Die CDU hat einen drittkiassigen Landespolitiker Matthias Pröfrock und wahrscheinlich den niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann der trotz der sehr begründeten Vorwürfe Chef der Kultusministerkonferenz bleiben will und selbstverständlich über eine Kampagne gegen ihn redet, die in Wirklichkeit jedoch nur eine Kampagne gegen Betrüger ist. Ach ja, da war ja auch noch Dr. Dieter Jasper, der jetzt als Dieter Jasper ohne ‘Doktortitel für die CDU im Parlament sitzt. Die SPD hat bisher nur Uwe Brinkmann, den die Taz wie folgt beschreibt:

Brinkmann war von 2000 bis 2006 Mitarbeiter und Büroleiter des Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs in Berlin. Der 48-Jährige gilt als Rüstungsexperte: Er ist Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages und sitzt zudem im Präsidium des “Förderkreis Deutsches Heer e.V., Bonn”. In der SPD ist er als Sprecher des “Seeheimer Kreises” ein Exponent des rechten SPD-Flügels.

Brinkmann hatte zeitweise selbst mit einem Mandat in der Hamburger Bürgerschaft geliebäugelt: “Das ist ja eine Art Feierabend-Parlament, da kann ich vielleicht die Doktorarbeit nebenher machen”, zitiert ihn der Spiegel 2003 in einem Feature über Nachwuchs-Politiker in Berlin.

Ach ja, Herr Kahrs und die Seeheimer, wohl der Grund warum die SPD heute da steht, wo sie steht und Morgen wohl den Schritt über den Abgrund schaffen wird. Da passt Brinkmanns Geschichte gut.

Ganz vorne liegt die FDP die mit Koch-Mehrin und Chatzimarkakis bereits zwei Doktoren aus dem Europaparlament verloren hat. Also nur die Titel. Die Leute haben ihr Mandat und damit ihr Einkommen natürlich behalten. Warum auch nicht? Politiker sein, hat doch mit Ehre nichts zu tun und gerade in der FDP geht es ja eh nur darum, soviel Geld wie möglich zusammenzuklauben und dafür alles, aber auch wirklich alles zu tun. Dieter Wiefelspütz, dem man wirklich ebenfalls alles zutrauen kann, außer etwas Gutem, hat das wie folgt charakterisiert:

Plagiats-Häufung bei FDP laut SPD-Politiker „kein Zufall“

„Jung, ehrgeizig, karriereorientiert, Doktortitel – das finden Sie ganz massiert bei der FDP“. Die Häufung von Plagiatsfällen bei der FDP ist laut dem SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz „kein Zufall“. Verantwortlich sieht der SPD-Politiker die einseitige Karriereorientierung bei der FDP.

Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz hält die jüngste Häufung von Plagiatsfällen bei der FDP für eine Konsequenz der oft einseitigen Karriereorientierung in der Partei. „Es geht darum, den Doktortitel auf der Visitenkarte und dem Wahlplakat zu haben und auf diese Weise Kompetenz, Bürgerlichkeit und Renommee zu suggerieren“, sagt er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitagausgabe). „Jung, ehrgeizig, karriereorientiert, Doktortitel – das finden Sie ganz massiert bei der FDP. Der Doktor ist der Adelstitel für Bürgerliche – so wird er leider Gottes wahrgenommen.“

Natürlich ist das nur das übliche politische Hickhack, aber wie bei dem blinden Huhn, das auch mal einen Korn trinkt, trifft es die Dinge auf den Punkt. Noch schöner formuliert hat es Dr. Ines Kappert in der Taz:

Dass die [Kopisten] sich in auffälliger Dichte in der FDP finden, dürfte mit dem allgemein erbarmungswürdigen intellektuellen Zustand dieser Partei zusammenhängen. Gleich und gleich gesellt sich gern.

Ja Chatzimarkakis schafft es sogar noch auf seine Lüge- und Betrügereien oben noch einen draufzusetzen, den selbst Guttenberg nicht geschafft hat:

Der FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis will um seinen Doktortitel kämpfen. Bei einem Entzug des Titels werde er eine zweite Dissertation schreiben, kündigte der saarländische Europaabgeordnete in der „Saarbrücker Zeitung“ vom Mittwoch an.

Chatzimarkakis erhält als Europaabgeordneter inkl. Spesen, aber ohne An- und Abfahrt, Kranken- und Rentenversorgung und ohne Reisekosten rund 11.867 Euro. Das ist ein gutes Bafög, von dem sich leicht eine neue Doktorarbeit guttenbergen lässt und sicher auch die Beschäftigung eines billigen Ghostwriters möglich wäre. Den könnte der Chatzimarkakis aber auch locker als Mitarbeiter einstellen, denn dafür hat er monatlich noch einmal 17.540 Euro zur Verfügung. Da er wie Frau Koch-Mehrin und die anderen Europaversorgten eh nicht viel zu tun hat, hätte er auch Muße genug eine ehrliche Doktorarbeit zu erarbeiten, aber der Mann ist in der FDP, da haben sie es nicht so mit Arbeit.

Allerdings ist seine trotzige Antwort auf den Entzug seiner Doktorarbeit ein typisches Fehlverhalten von Politikern. Anstatt sich für seine Betrügereien zu entschuldigen und zurückzutreten macht er alle die sich ihren Doktortitel mit ehrlicher Arbeit erworben haben lächerlich, indem er ankündigt mal eben eine zweite Doktorarbeit zu schreiben. Für die meisten Menschen ist schon die Diplomarbeit eine echte Hölle, vor allem dann wenn der Prof wirklich gut ist und nur die Besten durchlässt. Stößt man dann noch bei seiner Doktorabeit auf einen solchen Prof, dann hat sich das gesellschaftliche und private Leben teilweise auf Jahre hin erledigt.

Wenn Chatzimarkakis mal eben ankündigt, so quasi nebenbei eine zweite Doktorarbeit schreiben zu wollen, dann zeigt dass, wie wenig er von einem Doktortitel und der damit normalerweise verbundenen Arbeitsleistung wirklich versteht. Eine Universität die einen solche erneute Dissertation von ihm annimmt, disqualifiziert sich und den gesamten Wissenschaftsbetrieb selbst.

Dankenswerterweise hat sich ja derPräsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, eindeutig geäußert:

Nach Plagiatsfällen in der FDP äußerte Lenzen gleichwohl Verständnis, dass die Parteiführung sich bisher nicht zu möglichen Konsequenzen für die einzelnen Politiker geäußert hat: “Nicht die Partei, sondern das Individuum ist verantwortlich für wissenschaftliches Fehlverhalten”, sagte Lenzen. Zu den Plagiatoren sagte er weiter, es sei “schon auffällig, dass diese Betrüger so häufig Politiker werden. Oder umgekehrt, dass sich unter Politikern eine auffällige Zahl von Plagiatoren befindet”.

In einer Partei ohne Moral und Ethik wie der FDP ist allerdings klar, dass betrügerische Typen wie Chatzimarkakis eben gart keine individuelle Verantwortung mehr kennen. Die sehen sich selbst einfach als Elite, die sich an keine Regeln und Gesetze halten muss. Eine Partei die auch nur einen Anschein von Redlichkeit zeigen wollte, würde sich von solchen Leuten sofort trennen und sie zumindest aus allen Ämtern verbannen. Bei der FDP ist ein solches Verhalten aber eher ein Gütesiegel für einen weiteren Aufstieg in der Partei.

Herrn Chatzimarkakis zum Rücktritt aufzufordern wie es der Titel tut, ist sinnlos. Wie er selbst gezeigt hat fehlt ihm jede sittliche Reife. Er ist nicht einmal reif genug um das eigene Unrecht auch nur zu sehen. So jemand ist vermutlich in der FDP um für FDP im Europaparlament genau die richtige Vertretung. Aber als Deutscher muss man sich ja für jeden Politiker den wir in Europa, im Bundestag und den Landtagen haben schämen. Leider auch und viel zu oft für die LINKE.

Vielleicht könnte Herr Chatzimarkakis einfach seinen Zweitausweis herausnehmen und im Parlament griechisch sprechen. Die armen Griechen haben im Moment eh nichts zu gewinnen und da schadet selbst ein Chatzimarkakis kaum noch. Halt, das war ein Scherz. Den Vogel haben die Deutschen sich eingebrockt, mit dem müssen sie leider leben und sich für ihn schämen.

Damit der Samstag nicht ganz so traurig endet, hier noch ein treffender Witz von der Sargnagelschmiede:

Ein FDP-Doktortitel …
… ist so etwas wie ein 90-Prozent-Wahlsieg in einem afrikanischen Entwicklungsland.

Zum Glück muss man die FDP ja nicht wählen. Wer nicht die Verantwortung für derartige Betrüger haben will, kann sich immer noch für kleinere Übel entscheiden. Gegenüber der FDP sind bis auf die Dumpfbacken von NPD und den anderen Rechtsdraussen-Parteien, allerdings alle Parteien ein deutlich kleineres Übel. Sogar die CDU.


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6 comments

  1. Otto says:

    Hallo, lieber Jochen.

    TITEL:
    Chatzimarkakis – Ihnen fehlt die sittliche Reife – zurücktreten bitte

    Das stimmt, die sittliche Reife, aber mit dem Zurücktreten bin ich nicht einverstanden. Denn unsere Politiker können immer zurücktreten, ohne Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortung besteht nicht in einem Rücktritt, sondern sollte auch unbedingt mit Konsequenzen behaftet werden.

    Rücktritt ohne Konsequenzen ist: alles wie immer – einstreichen von Pensionen etc.

    LG.

  2. Thomas says:

    *Widerspruch*

    Dies ist das Diss.-Deckblatt. Der Text stand jahrelang unbeanstandet im Netz:

    „Informationeller Globalismus
    Kooperationsmodell globaler Ordnungspolitik
    am Beispiel des Elektronischen Geschäftsverkehrs
    Inauguraldissertation
    zur
    Erlangung der Doktorwürde
    Vorgelegt der
    Philosophischen Fakultät
    der
    Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität
    zu Bonn
    von
    Georgios Chatzimarkakis
    aus
    Duisburg
    2000

    Gedruckt mit Genehmigung der
    Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
    Erster Berichterstatter: Prof. Dr. Detlev Karsten
    Zweiter Berichterstatter: Prof. Dr. Uwe Holtz
    Tag der mündlichen Prüfung: 9. Februar 2000″

    Chatzi war/ist kein Promispitzenpolli. Er hat sich von unten hochgearbeitet und glaubte, wie viele – und auch Sie hier -, die sich vom Schein blenden lassen, „seinen“ beiden Gutachterprofs, die vorgaben, seinen Diss.-Text „geprüft“ zu haben. Das sind Leute, die wenn Chatzi nun kein Dr. mehr sein darf, ihre “Dienstpflichten” verletzt haben. Und damals wie heute etwa Hartz-Vier mal 10 abkassieren. Nun aberkannte die Uni Bonn Chatzi den Titel, damit deren korruptes “wissenschaftliches” Gutachtersystem unangetastet bleibt (korrupter ist nur noch das der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG, Bonn).

    Dr. Ulrich Brosa (Privatdozent Physik PU Marburg/Lahn) hat diesen Gesichtspunkt erfasst öffentlicht benannt:

    „Die wissenschaftliche Prüfung taugt nichts. Auch die Unis sind umfassend korrupt.“

    http://bloegi.wordpress.com/2011/02/17/guttenbergs-geist/

    Gruß Thomas

    1. Antigone says:

      Schuld sind immer die anderen. An der Uni Bonn bekommt der “normal Sterbliche” nichts geschenkt. Ich habe diese Universität mit super strengen Kriterien kennen gelernt. Vielleicht habe ich auch schlicht die falsche Fakultät besucht. Wie in “Sammelsurium” beschrieben. Es gibt ja noch einen zweiten Fall der Uni Bonn Fachrichtung Philosophie. Eine schöne Analyse ist unter folgendem Link zu finden: unter dem Punkt “Bemerkungen zu einigen Plagiatoren”.
      http://www.boag-online.de/index2.html
      Wenn die Staatsphilosophen der FDP neue Kriterien finden dieser Gesellschaft neue Werte und Kriterien zu vermitteln. OK. Dennoch muss jetzt keiner denjenigen in Schutz nehmen. Es sind nicht immer die anderen Schuld. Wer nach persönlicher Verantwortung schreit und dieses in Eigenverantwortung der Gesellschafts-Individuen ummünzt, der muss sich nicht wundern, wenn ihm diese Ausrede nicht mehr abgenommen wird.

      1. ralf says:

        hier bin ich schlauer geworden..die Causa Kraus

        wer sich mit bilden möchte:

        http://www.hagalil.com/austria/kraus/kraus-1.htm

      2. ralf says:

        korrekt.. da habe ich doch gleich was von karl kraus (wer immer das sein mag..will hier nur kein zitiergebot verletzen :-) gefunden:

        «Auch die Dummheit hat Ehre im Leib, und sie wehrt sich sogar heftiger gegen den Spott, als die Gemeinheit gegen den Tadel. Denn diese weiß, daß die Kritik recht hat, jene aber glaubt’s nicht.» (Die Fackel Nr. 259, S. 36, vom 13.7.1908)

  3. ralf says:

    OH ja! Da wo man bei anständigen Menschen Scham vermuten würde, findet man bei der FDP mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik, wahrscheinlich eine Spätfolge des 68er Rauschmittel Konsums beim neoliberalen Aufstieg. Aber soweit sollte ich nicht gehen, man erschlägt zu leicht harmlose Personen, denen wir heute einige positive Veränderungen zu verdanken haben. Dass dieses notorische Verweigern der Realität in der FDP häufig ersichtlich ist, muss noch mehr Gründe haben.
    Jedenfalls war der Auftritt auf der Couch (landläufig auch Anne Will.. Talkheulen am Sonntag genannt) erbärmlich und zeigt ungeniert sich wehrende Gehirnzellen auf ihrem Weg in das unendliche Absterben, man war fast schon geneigt im Pschyrembel nach geeigneter Medizin zu suchen.

    Aber vielleicht gerät man dann noch an einen Medizinmann, dem es fast gleich ging wie Chatzimarkakis, Guttenberg und wie sie alle heissen mögen. Die Gefahr sollte nicht unterschätzt werden..man kann ja nichts mehr ausschließen zb. auch einen Betrüger der gleich mal 20 j später eine neue Doktorarbeit abliefern will um seinen Betrug damit zu entschuldigen…wer weiss, vielleicht liest man demnächst Guttenberg schreibt in den USA eine neue Arbeit und Chatzimarkakis wird Leiter der wissenschaftlichen Fakultät in Griechenland…es ist schon erstaunlich womit man uns Menschen auf dieser Welt so bestraft.

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