Verantwortung und Empathie

In unserer Gesellschaft in der BRD werden von den Bürgern Dinge oft so ausgelegt, wie sie gerade passen, frei nach dem Motto: Wie lüge ich mir die Welt schön? Ich würde nicht sagen, dass es in der neoliberalen Epoche besonders schlimm ist, nein, es ist einerseits typisch für Klassengesellschaften, wobei wir Deutschen noch besondere Charakterzüge aufweisen, die mit der Erziehung/Sozialisation zu tun haben. 

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Wir brauchen mehr Rock’n’Roll!

Ja, ich gebe es zu, Als ich mit12,13 Jahren begann, auf der Gitarre herum zu dilettieren, ging es zunächst um „Blowin in the Wind“ und „La Poupée qui fait non“ (Michel Polnareff ). Andererseits war ich ja – in strikter Opposition zu meiner älteren Schwester,die auf Beatles und vor allemGeorge Harrison stand – Stones-Fan. Also wurde „Satisfaction“ in die Seiten gehackt. Von da aus war es nicht mehr weit zu Chuck Berry und „Johnny be good“ zumal die alliierten Besatzer-Sender AFN und BFBS quasi rund um die Uhr die Botschaft des Rock'n'Roll in Westberliner Kinder- und Jugendzimmer trugen.

Ja , dieses Intro hat mein Leben verändert, und nicht nur meins.Es war laut, dreckig und gemein, ein Schlag in die Fresse meiner Mathelehrerin, ein deutliches Signal an meine „spießigen“ Eltern, die vornehmlich Catharina Valente und Peter Alexander hörten (manchmal allerdings auch Glenn Miller und Ella Fitzgerald.

Natürlich war mit damals noch nicht bewusst, dass die Riffs von „Johnny be good“ und „Roll over Beethoven“ Initialzündung für eine ganze Epoche waren. Der Geist des Rock'n“Roll war aus der Flasche und beseelte nicht nur meine zunehmend souveräner agierenden Finger auf der Gitarre. Zwar machte ich noch einen mehrjährigen Umweg über Folk-Musik, doch dann begann eine längere Phase, in der mein Leben stark von einem Marshall-Röhrenverstärker, einer Gibson Marauder, einer Fender Telecaster, ganz viel Bier und (deutlich weniger) Haschisch geprägt wurde. Das ist vorbei, aber noch heute löst gute, harte Rockmusik bei mir mitunter recht merkwürdige Schwingungen aus.

Chuck Berry wurde 90 Jahre alt, was für einen Rock'n'Roller mit seiner Vita eine große Leistung ist. Er war und ist der Meister, alle anderen sind seine Jünger, egal ob sie Keith Richard, Eric Clapton. Jimi Hendrix , Neil Young oder Lou Reed heißen. Am Sonnabend wurde er tot in seinem Haus in Missouri gefunden. Das Leben geht weiter und Rock'n'Roll wird niemals sterben.

 

 

Der niveaulose Deutsche

Ähäm…

Ich dachte bislang, außer dem widerwärtigen rheinischen Sitzungskarneval gäbe es nichts Niveauloseres als einen sogenannten Comedian, der sich selbst für lustig hält, dessen "Witze" aber irgendwo zwischen Fips Asmussen und Elton herumkrebsen. Seine "Witze" sind schäbig wie seine Performance. 

Ach so, ja, ich schreibe über Mario Barth. Ich dachte, ein Volk, das mehrheitlich  dumpf tickt findet die Schenkelklopfer a la "Meine Freundin" und "kennste  kennste?  Kennste Regen? ".

Ich hätte nicht gedacht, dass man Herrn Barth noch nach unten toppen kann. 

Liebe Duckhome-Leser*innen, wenn Ihr Euch einmal richtig fremdschämen wollt, dann seht Euch das hier an:

Ich war “beim Griechen”

Früher war die Welt in Westberlin für unsereins noch überschaubar. In den 70er und 80er Jahren ging der weltgewandte Linke nach einer der unzähligen Sitzungen, Veranstaltungen und Aktionen „zum Italiener“ oder „zum Griechen“ . Bei Ersterem gab's in der Regel Pasta oder Pizza bestenfalls einigermaßen erträglicher Qualität. Berüchtigt vor allem das Kultgericht schlechthin; „Spaghetti carbonara“ mit eine Sahnesoße (sic!!), Begleitet wurde dies von schlechtem Wein und zum Abschluss „auf Kosten des Hauses“ eine petroleumartige Flüssigkeit, bei der es sich angeblich um Grappa handelte.

Der Grieche“ (egal welcher) verdankte seine Beliebtheit der Tatsache, dass er alle Speisen, vom Salat über den Schafskäse bis zum Gyros, in unglaublichen Mengen Olivenöl ertränkte. Außerdem gab es eine Spezialität: Panierte, frittierte, unverdauerliche Gummiringe die als „Calamaris“ firmierten. Auch hier gab es dazu schlechten Wein, der , anders als beim Italiener, noch eine spezielle verfaulte Note aufwies („Retsina“) Der Schnaps „auf's Haus“ schmeckte zwar auch nach Petroleum, hieß aber „Ouzo“. Dir Portionen waren meist riesig, die Preise ausgesprochen billig und gratis dazu gab es eindrucksvoll verqualmte Räumlichkeiten und einen hohen Geräuschpegel.

Warum viele dieser Etablissements bis zum heutigen Tag überlebt haben, ist mir ein Rätsel. Denn mittlerweile hat sich Westberlin gastronomisch durchaus diversifiziert, und die hippe, urbane Avantgarde wie auch das linke Jungvolk bevorzugt mittlerweile Falafel, Sushi und vor allem vegane Pampe aller Art.

Eines der Relikte der „guten alten Zeit“ ist die „Kreuzberger Weltlaterne“ in der Kohlfurter Straße. Die müsste zwar eigentlich „Taverna XY“ heißen, tut sie aber nicht. Als „Grieche“ wird diese Ur-Kreuzberger Stampe seit über 40 Jahren geführt. Mein letzter Besuch in diesem Laden dürfte immerhin rund 30 Jahre zurückliegen.

Einiges hat sich nicht verändert. Der Laden ist an diesem Sonnabend proppenvoll, mit Mühe bekommen wir einen kleinen Zweiertisch. Die Bedienung ist ist nahezu ansteckend freundlich und zumindest im Nebenraum ist die Atmosphäre ausgesprochen familiär. Das leigt wohl daran, dass da heute die sind, die schon vor 30-40 Jahren hier einkehrten, jetzt aber zusammen mit Kindern und Enkeln. Auf dem Tisch auch nicht mehr übervolle, qualmende Aschenbecher, sondern Tablets, Smartphnoes und pädagogisch wertvolles Spielzeug.

Voll Old School ist die Speisekarte: Tzaziki, Taramas, Souvlaki, Soutzukakia, Calamaris und all die anderen Merkwürdigkeiten, die man eigentlich nie wieder essen wollte, jedenfalls nicht so zubereitet, wie es über Jahrzehnte üblich war. Einzige Konzession an den Zeitgeist ist eine „vegane Moussaka“.

Wir beginnen mit einem kleinen Teller Calamaris. Die Panade der kleinen Ringe und Füße ist nicht mehr so eklig wie früher, doch gummiartige Konsistens und Geschmacksneutralität sind geblieben. Also reichlich Zitrone rauf und rein damit. Und natürlich was trinken: Auch der Retsina ist weniger aufdringlich als früher, aber so richtig anfreunden kann ich mich mit dem Harzgeschmack nicht. Dann noch ein überraschend trockener weiér griechischer Landwein. Aromatisch zwar eher neutral, aber mit gutem Säutebiss

Dann der Hauptgang, aber bitte nur die kleinen Portionen, denn das Normalformat ist genauso üppig wie früher. Wir wählten Gyros bzw. Soutzukakia mit Tzaziki,Salatbeilage und Oregano-Kartoffeln. Tzaziki und Salat ganz o.K., jedenfalls ohne Ölteppich, Kartoffeln aber etwas matschig. Gyros wie immer, aber die Soutzukakia eher merkwürdig. Auf dem Teller keine Hackfleischröllchen, sondern zwei verdächtig nach TK-Ware aussehende Burger—Patties mit leicht hellenisierter Würzmischung. Dann natürlich noch der obligatorishce Ouzo „auf's Haus“, die schmale Rechnung, und wir beendeten unseren kleinen Ausflug in die eigene Vergangenheit. Und das zu einer Zeit, wo man früher erst anfing, richtig zu trinken. Das ist vermutlich das Alter.

Fazit: Der Laden ist irgendwie ausgesprochen angenehm. Aber was das Essen betrifft wird „der Grieche „ wohl immer „der Grieche“ bleiben.

 

 

Malias nächste gelungene Konvergenz.

Schon das Zusammentreffen von Malia und Boris Blank betrachte ich als absoluten Glücksfall. Brachte es doch mit Convergence ein Album hervor, das zu meinen Lieblingsplatten zählt. Die Verbindung einer großartigen Stimme mit dem perfekten Sound des Herrn Blank. Meiner Meinung nach, war nichts an diesem Album was nicht passt. Anders es in den vorigen Alben wurde bei Convergence die unvergleichliche Stimme von Malia besonders hörbar. Dieser etwas raureife Diamant bekam durch die Produktion von Blank den perfekten Glanz. Doch wie geht es danach weiter?

Schließlich waren Malias Vorgängeralben, meiner Ansicht nach, in ihrer Produktion weit weniger strahlend. Also stellt sich die Frage, wie kann Malia an ihre hervorragende Arbeit mit Boris Blank anschließen? Wird sie weitergehen wie mit ihm oder zurückgehen zu dem was vorher war?

Mit Malawi Blues / Njira zeigt sie, dass sie weder das eine noch das andere tut. Sie geht ihren eigenen Weg konsequent weiter. Ohne jedoch das Beste des vorherigen zurückzulassen. Somit ist auch Malawi Blues / Njira eine erneute Konvergenz. Eine die aus den Wurzeln des klassischen Jazz, Blues und Soul schöpft. Die aber auch nicht mehr unter das musikalische Niveau zurückfällt, welche Malia durch ihre Arbeit mit Boris Blank erreicht hat. Mehr noch, weil sie hier eine Fusion des Jazz mit dem Klang Afrikas schafft. Das jedoch auf Augenhöhe. Da trifft nicht Intellektualität auf Ethno. Nein, sie würzt das eine leicht mit dem nach, aus dem es einst entstand. So schafft sie eine perfekte Mischung. Ausgewogen aber nie beliebig. Sowohl die Instrumentierung als auch die Produktion folgen diesem Prinzip. Nicht zu zu viel um ihre, außergewöhnliche Stimme untergehen zu lassen. Doch ausreichend, dass sie wieder ihre hervorragende Einzigartigkeit voll entfalten kann.

Als mein Fazit bleibt, Malawi Blues / Njira ist nicht wie ihr Tribute an Nina Simone. Es ist auch nicht wir Konvergenz mit Boris Blank. Malawi Blues / Njira ist von beiden etwas, aber besonders viel Malia selbst. Dieses Album steht für sich alleine, und den anderen in nichts nach.

Nicht unerwähnt lassen darf man ihre hervorragenden Mitmusiker. Alex Wilson der Malia nicht nur bei der Komposition der Songs zur Seite stand, sondern dessen kongeniales Klavierspiel prägend für dieses Album ist. Ebenso die dem Grundprinzip des Albums perfekt zuarbeitenden Dimitris Christopoulus am Double Bass und Edwin Sands. Letzterer verantwortlich für Drums und Percussion. Sowie Ahmed Fofana an der Gitarre. Dessen Spiel unaufdringlich aber nicht unauffällig dem Song Love Is Holding Both Our Hands und Friendship den perfekten Feinschliff gibt.

Leider wird wohl Malawi Blues / Njira nicht die Popularität von Convergence erreichen. Verdient hätte es dieses Album auf jeden Fall.

Das Buch!

Da ist es endlich! Mein kleines, aber feines Standardwerk zur Geschichte und Gegenwart von Reformpolitik. Unverzichtbares Rüstzeug für den kommenden Bundestagswahlkampf. Wer sich als Rezensent bei mir gemeldet hat, wird es bald im Briefkasten haben, alle anderen sollen es gefälligst KAUFEN! Und ich warte weiterhin auf Angebote für Lesungen und Diskussionen.

Anbei eine kleine Kostprobe

Gibt es ein »Reformlager«?

Diese Frage kann man uneingeschränkt mit Ja beantworten. Es gibt sogar nicht nur eins, sondern ganz viele Reformlager. Bei genauerer Betrachtung kommt man gar zu dem Schluss, dass Deutschland ein einig Land von Reformern ist, denn jede relevante Partei hat umfangreiche Reformpläne für diverse Bereiche im Angebot. Nicht zu vergessen die mächtigen Institutionen und Verbände, die ebenfalls lauthals Reformen fordern.

Schwieriger wird es, wenn sich die Frage auf ein »fortschrittliches« oder gar »linkes« Reformlager bezieht. Als solches wird – aktuell im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl – eine mögliche Koalition aus SPD, Grünen und Linken in Stellung gebracht, gesellschaftlich ergänzt durch Gewerkschaften, Sozialverbände, Teile der Kirchen, Verbraucher-, Umwelt- und Mieterschutzorganisation usw.

Würde man die Zustimmungsraten zu einigen Anliegen dieser Parteien und Verbände einfach addieren, käme man in der Tat auf eine ziemlich große gesellschaftliche Mehrheit für eine fortschrittliche Reformpolitik.Leider funktioniert das aber nicht, weil die jeweils angestrebten politischen Ziele für sich genommen in großen Teilen recht vernünftig erscheinen mögen, mitunter aber nicht miteinander vereinbar sind. Ein Beispiel: Vor allem die Grünen und Umweltverbände fordern einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Förderung und Verstromung von Kohle sowie mittelfristig ein Verbot von Autos, die mit fossilen Brennstoffen wie Benzin und Diesel betrieben werden. (..) Damit beißen sie aber nicht nur bei der CDU, sondern auch bei der SPD, großen Teilen der Gewerkschaften und, was die Kohle betrifft, auch bei Teilen der Linken (besonders in Brandenburg) auf Granit, da diese den Verlust von Arbeitsplätzen und große strukturelle Verwerfungen in einigen Regionen befürchten. Und was Autos betrifft, gibt es auch bei den Grünen inzwischen einen einfluss­reichen Flügel, der die Konzerne – besonders im »grün-schwarz«-regierten Baden-Württemberg – nicht übermäßig erschrecken will.

Wenig Gemeinsamkeiten

Andere Frontverläufe gibt es bei der »Schuldenbremse« und der damit verbundenen restriktiven Haushaltspolitik. Während Linke, Sozialverbände und große Teile der Gewerkschaften dieses neoliberale Dogma in Frage stellen und besagte Bremse lockern beziehungsweise abschaffen wollen, stehen Grüne und SPD zur Austeritätspolitik. Ohnehin ist schwer verständlich, wie man ausgerechnet die SPD als Bestandteil einer möglichen »linken Reformmehrheit« jenseits der CDU/CSU definieren kann. Was auf kommunaler und Landesebene zumindest denkbar erscheint, ist auf Bundesebene wohl schier unmöglich. Die Partei steht nach wie vor nicht nur zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr, sondern auch zu den Hartz-Gesetzen und zur tendenziellen Absenkung der gesetzlichen Renten. Ihre steuerpolitischen Vorstellungen sind weit von einer wirklichen Umverteilung von oben nach unten entfernt, was aber eine der wichtigsten Voraussetzungen für dringend notwendige Sozialreformen wäre.

(..)

Auch die Gewerkschaften sind nicht so ohne Weiteres in Gänze einem »fortschrittlichen Reformlager« zuzuordnen. Besonders im großindustriellen Bereich werden oftmals die Geschäftsinteressen der jeweiligen Konzerne vertreten, weil man sich im Gegenzug auskömmliche Löhne und sichere Arbeitsplätze verspricht. So unterstützte die IG Metall die Idee, deutsche Kampfdrohnen zu entwickeln, und tritt auch keineswegs für ein Verbot von Rüstungsexporten ein. Lobbyis 116ten der Chemieindustrie und der IG BCE agieren Hand in Hand, wenn es um die Zukunft der Braunkohle, die Verhinderung höherer Umweltstandards und die Zulassung bedenklicher Stoffe und Verfahren geht. Auch die IG BAU hat die Interessen ihrer Mitglieder fest im Blick und fordert große Steuergeschenke für private Investoren im Wohnungsbau. Bei Fragen des Verbraucherschutzes – einem traditionellen Steckenpferd der Grünen – findet man Gewerkschaften nicht selten auf der »anderen Seite«. Umweltverbände und mit ihnen auch große Teile der grünen Kli entel scheren sich wiederum wenig bis gar nicht um soziale Belange.

Während die SPD besonders in Großstädten und Ballungsräumen nach Jahren des wohnungsbaupolitischen Nichttuns nunmehr endlich auf forcierten Neubau und Nachverdichtung auch in innerstädtischen Bereichen setzt, wollen unheilige Allianzen aus grünen Umweltschützern und linken Bewahrern »gewachsener Strukturen« beziehungsweise »Freiräumen« eben genau das verhindern (…)

Abschiebungen ein Thema ohne Ende

Abschiebung von Gefährdern, Abschiebung von Straftätern, Abschiebung von Ausreisepflichtigen und Zurückweisung an den Grenzen. Alles wird schön wild mit einander vermengt und jeden Tag von den Systemmedien unters Volk geworfen um die öffentliche Meinung abzulenken, damit die Menschen sich nicht mit unserer maßlos unfähigen Regierung und den Verbrechern vom Großkapital beschäftigt. 

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Tot oder lebendig

Wann ist eine Sache, ein Ding oder gar ein Mensch tot? Über die verschiedenen Definitionen kann man sich etwas heraus suchen. Das ein Mensch tot sein kann obwohl alle lebenserhaltenden Voraussetzungen gegeben sind, darüber machen sich jedoch die Wenigsten Gedanken. Und das der Tod selbst nicht gleichbedeutend mit dem Adjektiv ist.. noch viel Wenigere.

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Am Ende des Tages

Einmal im Jahr herrscht sehr großer Andrang im Jyllande. Abertausende Touristen treffen in Ringkøbing ein, strömen Richtung Fjord und verteilen sich nach und nach in die umliegenden Ortschaften. Grund: Diese dänische Region ist ein riesiges Freilichtmuseum und einmal im Jahr findet dort ein großer Wikingermarkt statt.

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Der erste Schritt

In meiner Autorenvorstellung „Aus dem Exil“ erzählte ich, dass sich mehr und immer mehr Menschen zu alten Anschauungen und Glaubensinhalten hingezogen fühlen. Heute will ich beschreiben, warum ich Eine von ihnen, Eine von vielen, gleichfalls aber auch „Ich“ bin.

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Warum Týr, Þór, Óðinn und Freyja nichts für Nazis ist

Die Wenigsten von uns wird man Anhand optischer Projektion auf der Straße erkennen können. Auch unser Verhalten in der Öffentlichkeit gibt keinen Anlass irgendwelche Gruppenzugehörigkeit festmachen zu können. Man kann auch sagen, dass die Meisten von uns ein Schattendasein fristen. Nur gedanklich sind wir unentwegt in anderen Sphären unterwegs.

Wir lieben die Menschen in ihrer Vielfalt. Wir lieben sie wie wir uns selbst lieben. Und genauso pflegen wir sie. So wie wir hin und wieder mit uns selbst auch mal unzufrieden sind, sind wir natürlich auch mal mit anderen unzufrieden. Diese Unzufriedenheit manifestiert sich anderen gegenüber aber nicht, weil wir sie von uns selbst ständig bemüht sind wieder abzuschütteln. Unzufriedenheit fühlt sich nicht gut an und macht krank.

Unser Hauptanliegen ist es das die Natur mit uns leben kann und wir somit von ihr lernen und überleben können, weil sie lebt und wir sie leben lassen. Dazu gehört nicht nur ein verantwortungsvoller Umgang mit der Fauna und Flora, sondern auch ein Verantwortungsbewusstsein dem Menschen gegenüber. Niemand ist allein nur für sich selbst verantwortlich. Jeder Einzelne hat auch die naturgegebene Pflicht allen Seins Respekt zu zollen.

 

Die Natur und alles was kreucht und fleucht zu respektieren und mit ihm verantwortungsvoll umzugehen heißt nicht zwangsläufig, das wir zum Lebenserhalt auf Fleisch verzichten. Das Gegenteil ist tatsächlich zumeist der Fall. Wir lieben Fleisch und ihre natürlichen Lieferanten, mit allem was dazu gehört. Ein Thema welches seit ein paar Jahren vermehrt Kontroversen aufwirft. Tierische Lebensmittel haben den höchsten Eisenanteil und unser menschliche Körper kann nun mal tierisches Eisen besser verwerten. Deswegen werden wir aber nicht zum „nur Fleischesser“, wir ernähren uns „konventionell“ und Fleisch ist nach unserem dafürhalten in Maßen, nicht in Mengen, zu verzehren. Ich liebe zum Beispiel Löwenzahn. Ein immens guter Eisenlieferant. Als Salat, Würzmittel oder als Aufgesetzten. Letzteres ist eine Explosion für die Geschmacksnerven. Nur zu empfehlen.

 

Eisen; damit komme ich zu einem anderen Thema. Weniger Hartgesottene sollten jetzt besser das Lesen einstellen. Es geht um Blut.

Bei jeder Schlachtung fließt auch Blut. Das lässt sich nun mal nicht vermeiden. Blut ist gleichbedeutend mit Leben. Deswegen hat Blut für uns auch einen besonderen Stellenwert. Auch hier steht der hohe Eisenanteil im Vordergrund. Blut als Lebensmittel ist bereits seit der Antike bekannt. Damals hat man sich noch bei Göttern dafür bedankt, dass das Tier und anderes einen ernährt. Heute ist das als Wort „Opferritual“ negativ besetzt. In der Frühzeit des Christentums war der Verzehr sogar untersagt und als „heidnisch“ verschrien. Wenn jemand, der vielleicht sogar getauft ist, heute noch zur Fleischtheke geht und Rotwurst kauft, sollte einen Augenblick darüber nachdenken.

Ein anderer Punkt wäre noch, das Blut einst auch als Farbe genutzt wurde. Rituelle oder Kriegsbemalung. Bekleidung wurde ebenfalls mit Blut eingefärbt. Und wer das alles zu eklig findet, der sollte beim nächsten Einkauf keinen Lippenstift ins Körbchen legen und peinlichst bei Lebensmitteln aller Art darauf achten, dass kein Lebensmittelfarbstoff E 120 enthalten ist. Das ist nichts anderes als Läuseblut.

Wo wir gerade kurz bei dem Wort „Ritual“ waren, sollte ich eine dringende Frage – die mir einst gestellt wurde – beantworten. Sie wurde auch anderen auf Island schon gestellt und taucht in regelmäßigen Abständen immer wieder auf: „Was ist mit Sex?“

Ich versuche mich kurz zu fassen. Strabo, Tacitus, Herodot hatten „gute“ Vorarbeit geliefert, als es um die Beschreibung von Keltenstämmen ging. Wobei „gut“ hier von mir eher ironisch gemeint ist. Diese Beschreibungen hielten sich auch noch, nachdem es „die“ Kelten in dieser Form schon gar nicht mehr gab. Die späteren, meist aus christlicher Feder stammenden, „Überfälle“ der „Nordmannen“ auf zum Beispiel das bekannte Lindisfarne, machten dieses Bild dann nochmal rund, ergänzten sozusagen die Projektion der „wilden“, der „Barbaren“. Alles was noch nicht „romanisiert“ und/oder „christianisiert“ war eingeschlossen. Dabei immer vergessend der eigenen blutigen „Feldzüge“. In dieses „wilde“ Bild fügte sich der „aufgeschlossene“ Sex gut mit ein. Wobei auch da die Römer lange Zeit zumindest „gleichbetrachtet“ werden müssten. Irgendwann ging es dann ins „stille“ Kämmerlein, es folgten Tabus – bis heute. In der Antike gab es so etwas wie Tabus nicht. Auch unter vielen Stämmen bis hin ins 10. Jahrhundert gab es sie nicht. Das begann tatsächlich erst mit der Christianisierung.

 

Alsdann, wir sehen und verstehen uns nicht als „Christen“. Gleichwohl folgen wir Regeln und Pflichten die dem Christentum nicht unähnlich sind. Oder, besser gesagt wäre es eigentlich anders herum: Christen folgen Regeln und Pflichten die den unseren mehr als sehr ähnlich sind – allerdings mit diversen Einschränkungen, manche richtig, wichtig und gut, andere wiederum für uns befremdlich.

 

Eingangs hatte ich beschrieben, das wir der Gesamtheit der Natur mit Respekt begegnen. Wir sind Dankbar für alles was es gibt und ja, wir bedanken uns auch dafür. Nicht indem wir andere oder anderes zerstören, weil wir unzufrieden sind – sondern weil wir ständig bemüht sind alles unter einen Hut zu bekommen, weil dadurch jeder profitiert. Jeder Baum, jeder Wurm, jeder Mensch. DAS unterscheidet uns von Nazis die sich mit Mjølnir, Raben und Götternamen auf der Haut schmücken. Denn sie wissen nicht was sie tun; sie folgen einem – meist von Christen – vorgefertigtem Bild. Ein Bild welches nichts anderes ist. So ist dieser Glaube nichts für sie und wird es auch nicht werden.

Wichtig zu erwähnen ist in diesem Punkt allerdings noch: Nicht jedes Tattoo dieser Art macht einen Menschen zum Nazi – und; nicht jeder Nazi hat ein solches Tattoo. Manche schmücken sich aus ästhetischen Gründen, andere haben keine eindeutige Erklärung dafür. Tief religiös-motivierte Anfertigungen sind eher eine Seltenheit. Und dennoch – auch wenn es vielen schwer fällt so stehen zu lassen – auch Nazis sind Menschen.

Mehr Informationen:

http://www.inreykjavik.is/asatruarfelagid-die-asenglaubensgemeinschaft-islands

Meinung:

http://www.manfrieds-trelleborg.de/articles.php?article_id=102

 

 

Ég heiti Tilda Braknør
Sjáumst síðar. Bless!

Trump me

Mit Grippe soll man nicht spaßen, heißt es. Das ist vollkommen richtig, denn zusätzlich zur Ansteckungsgefahr für andere, ist es ja nun auch wirklich nicht der Hit in Sachen Lebensfreude und körperlichem Wohlbefinden. Ganz besonders blöde, ist dieses dumpfdösige fiebrige Gefühl mit trotzdem ununterbrochen fliegenden Gedankenfetzen im Kopf. Eigentlich ein Zustand, bei dem man sich ein wenig Ablenkung von sich selbst erhofft, – andererseits, aber offensichtlich auch die ideale Voraussetzung für eine gezielte Gehirnwäsche ist.

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Aus dem Exil

Hallo und góðan daginn!

Vor längerer Zeit schon sprach mich Jochen, der Betreiber dieses Weblogs, an und bat mich, hin und wieder mal, für Duckhome Texte zu verfassen. Bisher wich ich immer aus, da es sich bei meinen Texten nicht um "gewöhnliche" Texte handeln würde. Um das etwas genauer zu beschreiben, müsste ich im Grunde schon tief in die Materie eintauchen und würde somit vermutlich schon den einen oder anderen Leser oder gar Stammgast vergraulen. Da dies weder im Sinne des Betreibers ist, geschweige denn in meinem, bemühe ich mich Vorsicht walten zu lassen. Meine Themen umfassen etwas, was weltweit nur mit "glauben" tiefer zu erfassen ist. Und wie das mit dem "glauben" nun einmal so ist, muss man eben entweder glauben, oder es halt lassen.

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ZUR “REVOLUTIONÄREN REALPOLITIK” DER LINKSPARTEI – Revolution oder Transformation?

Quelle: Arbeitermacht (www.arbeitermacht.de)

 

von Martin Suchanek, Neue Internationale 215, Dez. 16/Jan. 17

Die Berliner LINKE koaliert mit dem Segen der Parteispitze, Bodo Ramelow führt eine Rot-Rot-Grüne Koalition in Thüringen an.In der Luxemburgstiftung, dem hauseigenen Think Tank, wollen sich deren VordenkerInnen mit der platten Rechtfertigung dieser Politik oder gar den unvermeidlichen Verrätereien durch Teilnahme an den Regierungen allein nicht zufriedengeben. An etlichen Stellen kritisieren sie sogar die allzu euphorischen AnhängerInnen rot-roter oder rot-rot-grüner Koalitionen offen, zu viele Zugeständnisse an die „PartnerInnen“ zu machen.

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Was würde eine eine wirklich linke Regierung in Berlin machen? Oder: Wie würde Lenin gegen Zwangsräumungen vorgehen?

Quelle: Klasse gegen Klasse (www.klassegegenklasse.org)

Rot-Rot-Grün in Berlin ist Realität geworden. Und einige Gruppen am linken Rand der Linkspartei konstatieren das Offensichtliche: Die Hauptstadt hat trotzdem keine "linke" Regierung bekommen. Doch wie würde eine wirklich linke Regierung aussehen? Ein Blick nach Barcelona – und nach Petrograd.

Was würde eine eine wirklich linke Regierung in Berlin machen? Oder: Wie würde Lenin gegen Zwangsräumungen vorgehen?

Rot-Rot-Grün in Berlin steht. Die SPD, die Grünen und die Linkspartei haben jeweils den Koalitionsvertrag angenommen. In der Linkspartei haben sogar 90 Prozent der Mitglieder dafür gestimmt. Unter den 10 Prozent der Linkspartei-Mitglieder, die dagegen gestimmt haben, befinden sich auch mehrere Gruppen mit revolutionär-sozialistischem Selbstverständnis:

– Lucia Schnell, Max Manz und Stefan Bornost von Marx21 hatten dazu aufgerufen, mit „Nein“ zu stimmen, da der Koalitionsvertrag „zu wenig für einen Politikwechsel“ biete. Stattdessen wollen sie einen „radikalen Bruch mit dem etablierten Politikbetrieb“.

– Steffan Strandt und Sarah Moayeri von der SAV haben einen ähnlichen Aufruf veröffentlicht, dass „kein grundlegender Politikwechsel“ zu erwarten ist. Sie wollen einen „Bruch mit der kapitalistischen Sachzwanglogik“.

Auch wenn dieses „Nein“ sicher richtig war, werfen diese Aufrufe mehr Fragen auf, als sie beantworten:

– Wie würde denn ein „echter Politikwechsel“ in Berlin aussehen? Was würde in einem entsprechenden Koalitionsvertrag stehen?

– Soll eine Linkspartei immer nur in der Opposition bleiben (Marx21)? Oder nur eine rot-grüne Minderheitsregierung tolerieren (SAV)? Können Linke auch eine Regierung bilden?

– Wenn sich beide Gruppen einig sind, dass die Politik der Linkspartei nur die AfD stärkt, warum beteiligen sie sich in der Linkspartei und unterstützen diese im Wahlkampf? Kommt das am Ende nicht der AfD zu Gute?

Um diese Fragen zu beantworten, werfen wir einen Blick zuerst nach Barcelona und dann nach Petrograd.

Barcelona

Sind vielleicht die SPD und die Grünen an allem schuld? Es stimmt, dass die SPD besonders hartnäckig die Interessen der Baumafia vertritt – aber vor zehn Jahren war die Linkspartei, als Teil des rot-roten Senats, genauso bereit, mittels Privatisierungen der Baumafia Milliarden zu schenken. Abgesehen davon: In Thüringen regiert die Linkspartei heute als größte Partei in einer rot-rot-grünen Koalition – hier finden nicht weniger Abschiebungen und Zwangsräumungen statt.

Also wie sieht es aus, wenn eine linke, reformistische Partei allein die Stadtregierung übernimmt? Schauen wir nach Barcelona, wo Ada Colau im Mai 2015 zur Bürgermeisterin gewählt wurde. Die Aktivistin und ehemalige Sprecherin der Plattform gegen Zwangsräumungen gewann die Wahlen als Spitzenkandidatin der Bürger*inneninitiative Barcelona em comú (Barcelona gemeinsam) und bildete eine „Regierung des Wandels“.

Was hat sich seit damals gewandelt? Vor allem der Diskurs von Colau. Während die Aktivistin Colau früher gegen den Mobile World Congress (MWC) protestierte, hat die Bürgermeisterin Colau dieses Jahr die kapitalistische Großveranstaltung persönlich eröffnet. Sie hatte ein Ende der prekären Arbeitsverhältnisse und der Niedriglöhne im öffentlichen Nahverkehr versprochen – und nun versucht sie, Streiks der U-Bahner*innen zu unterbinden. Die Stadtregierung will gegen Banken vorgehen, die Wohnungen leer stehen lassen – aber ihre Versuche werden von der Justiz blockiert. Colau hat im Gegensatz zu früher nie dazu aufgerufen, leerstehende Wohnungen zu besetzen.

Das liegt jetzt nicht an einem moralischen Versagen von Colau und ihren Mitstreiter*innen. Sie versuchen, linke Politik im Rahmen eines bürgerlichen Staates zu machen. Aber dieser Staat ist durch tausend Fäden mit der Bourgeoisie verbunden. Durch Gesetze, Verträge, Gerichte, Lobbyismus, Medien und ganz einfachen wirtschaftlichen Druck stellen die Kapitalist*innen sicher, dass keine Regierung oder Parlamentsmehrheit gegen ihre Interessen verstößt. Und im Spätkapitalismus hat sich die Korruption – in den Worten Lenins – zu einer „außenordentlichen Kunst“ entwickelt.

Eine „linke Regierung“ in Berlin – selbst eine Regierung, die allein vom linken Bezirksverband der Linkspartei in Neukölln gestellt würde (jetzt rein hypothetisch) – käme in die gleiche Schwierigkeit. Kurz vor Weihnachten ließ der rot-rot-grüne Senat 300 Polizist*innen anrücken, um einen Menschen aus seiner Wohnung zu räumen, um die Profite eines Miethais weiter zu steigern. Aber da der Senat „links“ ist, ließ er gleich verkünden, dass er seine eigene Politik „bedauert“. Mehr als diese öffentlich zur Schau gestellten Bauchschmerzen sind von einer „linken“ Regierung eines bürgerlichen Staates nicht zu erwarten.

Petrograd

Ein „echter Politikwechsel“ erfordert einen Bruch mit diesem Staat. Denn der Staat ist ein Apparat des Kapitals, der die Herrschaft einer kleinen Minderheit gegen die ungeheuere Mehrheit verteidigt. Der Staat ist nichts ewiges: Es hat früher Gesellschaften ohne Staat gegeben, und es wird wieder Gesellschaften ohne Staat geben. Arbeitende Menschen sind in der Lage, den Staat des Kapitals zu zerstören und die Verwaltung der Gesellschaft selbst zu übernehmen. Diesen Prozess beschreibt der russische Marxist W.I. Lenin sehr verständlich in seinem Buch „Staat und Revolution„.

Vor fast 100 Jahren wurde diese Theorie auch in die Praxis umgesetzt. Im Oktober 1917 in Russland haben arbeitende Menschen Räte gebildet und die politische Macht übernommen. Kurz vor dem Oktoberaufstand hatte Lenin seine Vorstellungen eines „echten Politikwechsels“ in einem längeren Essay beschrieben. Dieser großartige Artikel zeigt ganz plastisch, wie die arbeitende Bevölkerung eine ganz andere Art von Regierung, eine ganz andere Art von Staat aufbauen konnte. „Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten?“ fragte Lenin, und mit seiner Antwort zeigte er auf, wie die Räte eine eigene Regierung bilden könnten.

Zuerst beschreibt Lenin, wie der Staat des Kapitals – also der Staat der ausbeutenden Minderheit – praktisch funktioniert:

„Der kapitalistische Staat setzt eine Arbeiterfamilie, die ihren Ernährer verloren und die Miete nicht bezahlt hat, auf die Straße. Es erscheint der Gerichtsvollzieher, der Polizist oder Milizionär, ja ein ganzes Aufgebot. Ist die Exmittierung [Zwangsräumung] in einem Arbeiterviertel durchzuführen, so wird eine Kosakenabteilung benötigt. Warum? Weil der Gerichtsvollzieher und der „Milizionär“ sich weigern, ohne sehr starke militärische Bedeckung hinzugehen. Sie wissen, daß das Schauspiel der Exmittierung bei der ganzen umwohnenden Bevölkerung, bei Tausenden und aber Tausenden an den Rand der Verzweiflung getriebenen Menschen eine so ungeheure Erbitterung, einen solchen Haß gegen die Kapitalisten und gegen den kapitalistischen Staat hervorruft, daß der Gerichtsvollzieher und das Milizaufgebot jeden Augenblick in Stücke gerissen werden könnten. Starke militärische Kräfte sind erforderlich; in einer großen Stadt müssen mehrere Regimenter zusammengezogen werden, und zwar unbedingt aus irgendeinem fernen Randgebiet, damit die Soldaten mit dem Leben der städtischen Armen nicht vertraut sind, damit der Soldat nicht mit Sozialismus „infiziert“ werden kann.“

(Zwangsräumungen im Jahr 1917 in Petrograd sahen gar nicht so unähnlich wie Zwangsräumungen im Jahr 2017 in Berlin aus, oder?)

Nun, wie würde ein revolutionärer Staat des Proletariats funktionieren? Dieser Staat würde sich kein bisschen um die Interessen der Miethaie kümmern – stattdessen würde er dafür sorgen, dass alle Menschen eine würdige Unterkunft erhalten. Deswegen würde der proletarische Staat keine bürgerliche Polizei brauchen, um seine Politik durchzusetzen – stattdessen würde die arbeitende Bevölkerung ihre Politik selbst beschließen und umsetzen. Für Berlin würde das bedeuten, leerstehende Wohnungen selbstorganisiert und unbürokratisch an bedürftige Menschen zu verteilen. Lenin beschreibt seine Vision für Petrograd so:

„Der proletarische Staat muß eine Familie, die äußerste Not leidet, zwangsweise in die Wohnung eines Reichen einquartieren. Nehmen wir an, unsere Abteilung Arbeitermiliz bestehe aus 15 Personen: zwei Matrosen, zwei Soldaten, zwei klassenbewußte Arbeiter (von denen nur einer Mitglied unserer Partei oder Sympathisierender sein mag), ferner ein Intellektueller und acht Werktätige aus den armen Schichten, darunter unbedingt zumindest fünf Frauen, Dienstboten, ungelernte Arbeiter usw. Die Abteilung erscheint in der Wohnung des Reichen, besichtigt sie und findet für zwei Männer und zwei Frauen fünf Zimmer vor: ‚Bürger, Sie werden sich für diesen Winter auf zwei Zimmer beschränken müssen, die anderen zwei stellen Sie für zwei Familien bereit, die jetzt im Keller wohnen. Vorübergehend, bis wir mit Hilfe von Ingenieuren (Sie sind wohl selbst Ingenieur?) gute Wohnungen für alle gebaut haben, müssen Sie unbedingt zusammenrücken. Ihr Telefon wird zehn Familien zur Verfügung stehen. Dadurch werden etwa 100 Arbeitsstunden an Laufereien durch die Läden usw. erspart. Ferner haben Sie in Ihrer Familie zwei unbeschäftigte Halbarbeiter, die leichte Arbeit verrichten können: eine Bürgerin von 55 Jahren und einen Bürger von 14 Jahren. Diese werden täglich je drei Stunden Dienst tun, um die richtige Verteilung der Lebensmittel für zehn Familien zu überwachen und die dafür notwendigen Schreibarbeiten zu erledigen. Der Bürger Student in unserer Abteilung wird diese staatliche Verfügung sofort in zwei Exemplaren zu Papier bringen, und Sie werden die Güte haben, uns zu bescheinigen, daß Sie sich verpflichten, der Verfügung genau nachzukommen.'“

Klingt diese Vision „brutal“? Das werden sicherlich die Freund*innen der Bourgeoisie behaupten: „Wie könnten Arbeiter*innen eine reiche Familie zwingen, etwas zusammenzurücken?“ Aber die gleichen Leute verteidigen es, wenn arme Menschen durch schwer bewaffnete Polizist*innen auf die Straße geworfen werden. Welches System erscheint da „brutaler“?

Die Oktoberrevolution fand während der Verheerungen des ersten Weltkriegs statt. Die objektiven Voraussetzungen für einen revolutionär-sozialistischen Umsturz haben sich seit damals wahnsinnig verbessert. Die Arbeiter*innenklasse bildet nun die absolute Mehrheit der Weltbevölkerung – und die Mehrheit davon kann lesen und schreiben (und wäre deswegen nicht mehr auf „Bürger-Studenten“ angewiesen, um schriftliche Verfügungen auszuteilen).

Schlussfolgerungen

Lenins Vision eines revolutionären Rätestaates lässt sich auch auf Berlin übertragen. Eine „linke“ bürgerliche Regierung wird nie in der Lage sein, wesentliche Verbesserungen für die arbeitende Bevölkerung durchzusetzen – es sei denn, sie bricht mit dem Staat der Bourgeoisie. Mit einer wirklich linken Regierung – also einer Arbeiter*innenregierung – wären alle Probleme leicht zu lösen.

Eine Arbeiter*innenregierung würde sofort dekretieren:

– dass Mieter*innen sich selbst organisieren, um die Mieten zu kontrollieren und Leerstand an wohnungslose Menschen zu verteilen.

– dass die Arbeiter*innen in öffentlichen Unternehmen wie BVG oder Charité selbst die demokratische Kontrolle über ihre Arbeitsplätze übernehmen, um Niedriglöhnen und Prekarisierung ein Ende zu setzen.

– dass Schüler*innen, Studierende und Azubis gleichberechtigt an der Verwaltung ihrer Bildungsanstalten mitwirken.

– dass alle Menschen – auch solche ohne Papiere – gleiche Rechte haben und gleichberechtigt an der Verwaltung der Stadt teilnehmen.

– dass alle Schulden, die kapitalistische Regierungen gegenüber Banken angehäuft haben, sofort null und nichtig sind.

– dass jegliche Arbeit auf alle Schultern verteilt wird, um Arbeitslosigkeit zu beseitigen und gleichzeitig Arbeitszeit zu senken.

– und noch einiges mehr…

Von einem solchen Programm ist die Linkspartei – eine Partei der zuverlässigen Verwaltung des deutschen Staates – natürlich meilenweit entfernt. Um für einen „echten Politikwechsel“ dieser Art zu kämpfen, muss sich die revolutionäre Linke als ein eigenständiger politischer Pol konstituieren. Das lehren die Erfahrungen sowohl heute in Barcelona (negativer Beweis) wie vor hundert Jahren in Russland (positiver Beweis)

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Mit ausdrücklicher und freundlicher Genehmigung von Klasse gegen Klasse

Original Link: https://www.klassegegenklasse.org/was-wuerde-eine-eine-wirklich-linke-regierung-in-berlin-machen-oder-wie-wuerde-lenin-gegen-zwangsraeumungen-vorgehen/

 

Luft nach oben: Das Lied der Deutschen

Hoffmann von Fallersleben ist "out" – es lebe Herbert Grönemeyer!

Alles bleibt, anders als man denkt. Im heutigen Bewusstsein des Menschen, scheinbar stark verankert, steht das Umweltbewusstsein hoch im Kurs. Solar- und Windenergie, sparsames Resourcen verbrauchen, Achtsamkeit gegenüber der "Verwertung" von Tieren… Fast alles macht der Bürger mit Begeisterung mit; den Blick von der daraus profitierenden Industrie mal abgewandt.

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Eine Lanze kotzen für Jutta von Ditfurth

Als ebenfalls schon älterer Mensch finde ich es gemein wie mit der Jutta vom Dienst umgegangen wird. Zwar ist sie sechs lange Jahre älter als ich, aber ich weiß, wie schwer das Altwerden ist. Da leiert man nun seit Jahren die gleichen alten Melodien herunter und hat gar nicht gemerkt, das die alten Platten längst auf dem Müll gelandet sind und die letzte auch nur noch Kratzer und einen mächtigen Riss hat. 

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Liebe Virginia

Es gibt so Texte die man einfach nicht vergessen sollte. Gestern habe ich wieder so ein Stück Text gefunden das aus dem Jahr 1897 stammt und  von dem heutigen Journalisten und Medien nicht einmal mehr träumen können: 

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