Lehren aus der Causa Holm: Vergesst endlich Die LINKE in Berlin

Das unwürdige Trauerspiel hat ein Ende. Andrej Holm ist von seinem Amt als Bau- Staatsekretär zurückgetreten und damit seinem bereits beschlossenen Rauswurf zuvorgekommen. Mit Holm hatte die LINKE einen profilierten Stadtsoziologen und Gentrifizierungskritiker in den Senat geholt, der sich nie zu schade war, aus dem universitären Elfenbeinturm zu den stadtpolitischen Initiativen und Kiez-Mietergruppen „herab zu steigen“ – und dort auch kräftig mit anzupacken, wie ich es konkret in Moabit erlebt habe.

Für die LINKE war die Berufung von Holm – der zu den schärfsten Kritikern der „rot-roten“ Wohnungspolitik in der Hauptstadt von 2002-2011 gehörte – natürlich auch der Versuch, neuen Kredit bei Mietergruppen und anderen außerparlamentarischen Sozialbewegungen zu erhalten. Der ist mit seinem schnellen Rauswurf bereits wieder komplett verspielt.

Als Vorwand für seine schnelle Demontage, die von einer Medienkampagne wie zu besten Zeiten des Kalten Kriegs begleitet wurde, diente ein Personalfragebogen der Humboldt-Universität aus dem Jahr 2005, in dem Holm eine hauptamtliche Tätigkeit für das Ministerium für Staatsicherheit der DDR – kurz „Stasi“ – verneint hatte. Es gibt die Auffassung, dass es sich bei seiner 1989 begonnenen Ausbildung als Offiziersschüler (die nach fünf Monaten mit dem Ende der DDR ebenfalls endete), um eine hauptamtliche Stasi-Tätigkeit gehandelt hat, während Holm sich darauf beruft, dies eben als Ausbildung im Rahmen seines Wehrdienstes angesehen zu haben. Die arbeitsrechtliche Bewertung dieser „Falschangabe“ steht noch aus, von einer konsistenten historischen Bewertung ganz zu schweigen. Daraus, dass er sich bereits als 14jähriger für eine spätere Laufbahn beim MfS verpflichtet hatte, machte Holm nie einen Hehl, unter anderem 2007 in einem großen Interview in der taz, wo er seine Beweggründe dafür schildert und sich auch eindeutig von diesem System distanziert.

Doch darum geht es nicht. Vielmehr wollten SPD und Grüne dem Koalitionspartner LINKE ganz schnell zeigen, wo der Hammer hängt. Und für den alten Westberliner Wohnungsbaufilz war Holm als Staatssekretär ohnehin der Leibhaftige.

Natürlich ist die LINKE eingeknickt, anstatt klipp und klar zu sagen: „Holm bleibt oder wir gehen“. Regierungsbeteiligung ist für die beiden „Clans“, die die Berliner LINKE als Familienbetrieb führen, schon lange ein Wert an sich.

Die „rot-rot-grüne“ Koalition wird jetzt natürlich weitermachen. Wer mit dieser Konstellation noch immer die Hoffnung auf einen Politikwechsel verbindet, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Für alle anderen heißt es: Ärmel aufkrempeln und gemeinsam mit Holm außerparlamentarisch für eine soziale Wohnungspolitik, gegen Verdrängung und Spekulation zu kämpfen.

Denn Holm hat sich mit seinem erzwungenen Rücktritt nicht heimlich durch die Hintertür davon geschlichen, sondern gleich am Montag eine knallharte Erklärung zu den Vorgängen abgegeben und für den Abend zu einem ersten Treffen eingeladen. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, diesem verfilzten Senat und dieser verrotteten LINKEN in der Stadt, etwas entgegen zusetzen. Es ist höchste Zeit.

 

 

Duckhome ist nicht tot.

Ich habe seit Freitag Abend praktisch kein Netz wegen Störungen bei Vodafone. Deshalb keine Beiträge von mir. Aber heute ist nicht alle Tage, Ich komm wieder ohne Frage. Ach ja das ist eine ernsthafte Drohung., 

Trauriger Alltag

Das schlimmste an einem Sonntag ist, dass ihm ein Montag folgt. Aber es ist auch nicht der Montag, es ist der Alltag mit all seiner Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit. Ich bin ein alter Mann, aber wenn mir ein siebzehnjähriges Mädchen erzählt, das ja sowieso alles sinnlos sei, dann nimmt mich das mit. Es macht mich traurig. 

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Filmkritik

Emma Peel, musste sich erst mal eine kubanische Zigarre und einen doppelten Scotch rein ziehen, als sie von ihrem neuen Auftrag erfuhr. Venus-Falle für Trump, – in einem Moskauer Hotel. Für ein Dossier, was man hier im Westen zwischen FBI, CIA, NSA  oder diesseits vom Teich MI5 bzw. MI6 und SWR, FSB, FSO bzw. FPS im nordöstlichen Eurasien rum reichen konnte. Was für'ne Scheiße. Der Job machte sie echt fertig. Seid der alte John Steed sich mal aus Versehen mit seiner Stahl-Melone selbst erschlagen hatte, eierte sie im Auftrag einer Verleihfirma für Geheimagenten von einem miesen Job zum anderen. Brexit hin, Brexit her. Kack-Deutsche, mit ihrer Agenda2010 und Leiharbeit auch noch als Europa-Modell mit Flügeln. Den Obermotz von dem Mist hamm'se damals nicht flach gelegt um was gegen ihn in der Hand zu haben. Heute macht der genauso auf Putin-Kumpel wie diese präpotente Knalltüte am anderen Ende transatlantischer Hirnrisse.
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Rechte Internationale

Die "Junge Welt", für mich so ziemlich das einzige lesbare Blatt in dieser BRD, hat in der heutigen Ausgabe einen Artikel, der folgende Überschrift hat: 

"Rechte Liebschaften
Delegation der FPÖ aus Österreich in Moskau empfangen. Russland will konservative Internationale"

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Das Elend der antiimperialistischen Linken in Deutschland

Quelle: Die Freiheitsliebe 

Wenn sich heute jemand die Mühe macht ein paar gängige Facebook-Seiten der sogenannten antiimperialistischen Linken unter die Lupe zu nehmen, dann fällt schnell auf, dass Gruppen wie die Antiimperialistische Aufklärung, ähnlich wie Teile der DKP und DIE LINKE auch, nicht nur den russischen Imperialismusabstreiten, Bashar al-Assad unterstützen und von der Befreiung Aleppos reden. Einige gehen sogar noch weiter.

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2017 – Schwarze Wolken am Horizont

Wer einen positiven Text zum Jahresanfang erwartet oder erhofft hatte, der ist bei mir leider falsch. Für FakeNews sind auch weiterhin unsere Politiker und die Systemmedien zuständig. Aber auch ich muss an dieser Stelle ausdrücklich warnen. Mein Text beruht auf meinen Erkenntnissen, Erfahrungen, nachprüfbaren und nicht nachprüfbaren Fakten und leider eben auch auf Gerüchten. Deshalb bitte selber mitdenken und nicht einfach glauben.

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Weihnachtliche Angst

Immer wenn die Zeit herankommt wo tüchtige Kaufleute ihren Streit begraben und bunte Lichter in kahle Bäume hängen lassen um eine Stimmung zu erzeugen, die uns an die Kassen treiben soll, um den Profit zu erhöhen und manchmal auch nur um das eigene Überleben zu sichern, dann packt viele Menschen die Angst. 

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Eine Welt ohne Bundesliga ist möglich – aber sinnlos

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Bundesliga ist, wenn 18 Mannschaften in einer Doppelrunde gegeneinander spielen und am Ende der FC Bayern Meister wird und der HSV (warum auch immer) nicht absteigt. Natürlich ist dieses eherne Gesetz ein ziemlicher Spannungskiller, dennoch hatte die Hinrunde in dieser Saison einiges zu bieten.

Wie schon in den Vorjahren zu beobachten, spielen einige Vereine bislang weit über ihren eigentlichen Verhältnissen. Das gilt diesmal vor allem von Hertha BSE, Eintracht Frankfurt, den 1.FC Köln, aber auch den FC Freiburg. Es spricht allerdings wenig dafür, dass diese Klubs ihre derzeitigen Positionen bis zum Saisonende verteidigen können.

Durchaus erwartbar dagegen die Bilanzen von SAP Hoffenheim (bislang ungeschlagen) und Dosenplörre Leipzig. Das Hassobjekt aller „traditionsbewussten“ Fans verfügt nicht nur über enorme finanzielle Mittel, sondern auch über eine Erfolg versprechende Mannschafts- und Spielphilosophie: Nur junge Spieler wurden in den vergangenen drei Jahren eingekauft, die allerdings vom Feinsten (Poulsen, Selke etc.). Auf dem Feld wird 90 Minuten gerannt und gepresst, dass so manchem arrivierten Gegner schwindlig wurde. Gegen Bayern in guter Form reicht das noch nicht, das 3:0 am Mittwoch war eine Lehrstunde. Doch ein 2. Platz am Saisonende wäre keine Überraschung.

Die Loser der Vorrunde sind zweifellos die westdeutschen Traditionsvereine und Bayer Leverkusen. Schalke legte mit einer neu formierten Mannschaft einen desaströsen Saisonstart hin (Fünf Niederlagen), erholte sich dann sichtlich, um schließlich von einer kaum fassbaren Verletzungsserie heimgesucht zu werden. Sturm und Verteidigung bestehen derzeit fast nur aus Spielern, denen ihr 18. Geburtstag noch in recht frischer Erinnerung sein dürfte. (Reese, Kehrer, Avdijaj usw.) Für die Gurken-Gegner in der Euro-League reichte das, für den Bundesliga-Mainstream nicht. Doch der Klub bewahrt Ruhe, was wohl die eigentliche Überraschung ist. In der 2. Saisonhälfte wird es mit Sicherheit nach oben gehen, aber die Champions League ist schon jetzt in arg weiter Ferne.

Leverkusen und Gladbach befinden sich offensichtlich in eine regressiven Phase. Von dem teilweise begeisternden Offensivfussball der letzten Saison ist kaum noch etwas zu sehen, die Systeme funktionieren nicht, vor allem das Umschaltspiel von der Abwehr zum Angriff. Ob sich das zeitnah mit neuen Trainern beheben lässt, bleibt abzuwarten, wobei Leverkusen die besseren Karten hat.

Auch der unter dem Fake-Namen Borussia Dortmund bekannte Klub aus Lüdenscheid-Nord bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar liegt man als derzeit 6. nur drei Punkte hinter einem direkten Champions-League-Platz, doch für den vermeintlich einzig Ernst zu nehmenden „Bayern-Jäger“ ist das natürlich viel zu wenig. Offensichtlich konnten die Abgänge von Gündogan und Hummels bislang nicht kompensiert werden. Dennoch verfügt der BVB über einen Top-Kader und mit Thomas Tuchel über einen nahezu mythisch verklärten „Wundertrainer“. Warum eigentlich? Ja, Tuchel hat einen Underdog wie Mainz zu erstaunlichen Erfolgen geführt, doch „da oben“ wird die Luft offensichtlich dünner. Vielleicht ist er ja der derzeit am meisten überschätzte Trainer der Bundesliga. Denn was sich der BVB derzeit regelmäßig an Abwehrpatzern auch gegen eher limitierte Gegner leistet, lässt sich nicht aus der Qualität der einzelnen Spieler ableiten, sondern spricht für systemische Mängel.

Bleibt ein Blick nach unten. Wie immer haben es Aufsteiger, die in der Euphorie ihrer 1. Saison in der Bundesliga über sich hinaus wuchsen, in der Folgesaison extrem schwer. Das gilt diesmal für Ingolstadt und Darmstadt. Beide sind jedenfalls heiße Kandidaten für den direkten Abstieg. Natürlich wünscht sich jeder Humanist, dass es endlich den Scheiß-HSV erwischt, doch der wird sich wohl wieder auf den Relegationsplatz retten.

Zum Schluss meine ultimative Prognose für die Abschlusstabelle der Bundesliga, und bekanntlich liege ich (fast) immer komplett richtig. Bayern wird Meister, gefolgt von Leipzig, Dortmund und Hoffenheim. Um die Euro-League-Plätze balgen sich Hertha, Frankfurt und Leverkusen, vielleicht (die Hoffnung stirbt zuletzt) auch noch Schalke. Der Rest kämpft um die berühmte Goldene Ananas, die Absteiger nannte ich schon.

Ach so: Natürlich gewinnt der FC Bayern erneut NICHT die Champions League.

Geschehnisse am Breitscheidplatz in Berlin

Vielen Dank für die Unmenge an Mails und Nachfragen. Es geht uns gut. Aber weder ich noch andere Duckhome-Autoren können zur Zeit Stellung nehmen. Wir wissen alle einfach nicht genug und die Spekulationen wollen wir dann doch lieber anderen überlassen.

Eine Kritik an der Polizei oder am Landeskriminalamt ist unangebracht. Solche Ermittlungen brauchen Zeit.

Unser Dank gilt den vielen Helfer, den Besonnenen, den Rettungskräften und der Polizei. Soweit man dazu fähig ist in dieser Zeit, gilt unser Mitgefühl den Opfern, den Toten und Verletzten und ihren Angehörigen.

Angesichts unserer kriegswütigen Regierung muss allerdings bemerkt werden, dass es nicht Putin war, der am Tatort verhaftet wurde. Es waren auch nicht die Muslime und wenn der Tagesspiegel berichtet, dass der vermutliche Fahrer zwar polizeibekannt war, aber sich nicht sicher ist ob er nun Afghane oder Pakistani sein, dann wird auch dem Dümmsten klar, dass es schon jetzt nicht mehr um Berichterstattung, sondern um die Verbreitung von neuem Hass geht.

Vernünftig und ruhig bleiben ist angesagt.

 

 

Fröhliche Weihnachten mit Erdogan

Natürlich ist es absurd, dass in einer staatlich anerkannten deutschen Schule in Istanbul keine Weihnachtslieder gesungen und Adventskalender mehr gebastelt werden dürfen. Und es ist auch vollkommen richtig, sich darüber aufzuregen.

Aber es ist auch eine willkommene Ablenkung von den eigentlich wichtigen Geschehnissen. In der Türkei herrschen in trauter Eintracht staatliche Willkür und islamistischer Mob , man kann ohne Übertreibung von faschistischem Terror sprechen. Fast alle gewählten Bürgermeister der demokratischen Oppositionspartei HDP sowie deren Führungsspitze und diverse Parlamentsabgeordnete sitzen im Gefängnis. Ein Schicksal, das sie mit tausenden Journalisten und Lehrern teilen. Überall im Land werden die Büros der HDP angezündet, besonders im kurdischen Teil der Türkei sind Lynchmorde an der Tagesordnung.

In Deutschland lebende Türken werden offiziell aufgefordert, Oppositionelle zu denunzieren , die staatliche Religionsbehörde, als deren verlängerter Arm in Deutschland DITIB agiert, schickt sich an, hiesige Moscheevorstände zu säubern. Auch hier häufen sich gewalttätige Übergriffe auf Vereine und Einzelpersonen, die vom AKP-Regime als „Terroristen“ angesehen werden, wobei dies mittlerweile ein Sammelbegriff für alles und alle ist, die den Kurs von Erdogan nicht unterstützen.

Die Bundesregierung und die Behörden quittieren das mehr oder weniger mit einem Achselzucken. Man stützt und bezahlt das Erdogan-Regime, damit es uns die Flüchtlinge vom Hals hält. Man schickt auch weiterhin Waffen in Türkei, die u.a. gegen die kurdische Zivilbevölkerung oder die – offiziell eigentlich unterstützten – kurdischen Milizen in Syrien eingesetzt werden.

Hat das alles was mit dem Islam zu tun? Ja und nein, aber das will ich hier nicht weiter vertiefen. Offensichtlich ist allerdings, dass der sunnitische Islam offensichtlich die Grundlage für diktatorische und eliminatorische Strömungen bildet, sei es in Form des IS, sei es in Form des türkischen (und auch saudischen) Staatsterrorismus. Solche Ausprägungen gibt es allerdings auch unter schiitischer Flagge, wie die jüngere Geschichte des Iran veranschaulicht.

Religion ist nach unserem Staatsverständnis Privatsache. In diesem Sinne ist die Religionsfreiheit ein hohes Gut, das niemand in Frage stellen sollte. Dazu gehört auch der Bau von Moscheen. Das heißt aber auch, dass jeglicher normative Anspruch von Religionen auf die Ausgestaltung von Rechtsverhältnissen und säkularen Grundprinzipien strikt unterbunden werden muss. Das spezielle Arbeitsrecht der christlichen Kirchen gehört daher ebenso auf den Müllhaufen, wie das Recht der türkischen Religionsbehörde, in deutschen Moscheen nach eigenem Gutdünken zu agieren. Und es geht auch um die „weltliche“ Ebene. Natürlich gibt es viele gute Gründe und Notwendigkeiten, faschistische Organisationen wie die NPD oder „Freie Kameradschaften“ zu verbieten. Doch es darf auch keine Toleranz für die faschistische Propaganda von Erdogan-Anhängern geben. Im Gegenteil: Der deutsche Staat muss hier lebende, oppositionelle Türken und Kurden mit allen Mitteln davor schützen.

Tut er aber nicht. Weil Erdogan ein „wichtiger Verbündeter“ ist. Na dann: Frohe Weihnachten.

 


 


 

 

Kretschmanns Weltbild

Eigentlich hatte ich mir für heute vorgenommen, etwas über einen Beitrag im "OXI-Blog" zu schreiben. Der Artikel "die altkommunistische Kamelle vom Verrat der SPD" (https://oxiblog.de/die-alte-kamelle-vom-verrat-der-spd/) von Hermann Adam ist gegen einen Artikel im gleichen Blog von Fabian Scheidler vom Vortage gerichtet. Eigentlich wollte ich mich über besagten Artikel von Adam auslassen, bei dem man die Gewerkschaftsnähe, somit die Nähe zur deutschen Sozialdemokratie deutlich merkt. Ich wollte mich allein schon über das abwertend gemeinte "altkommunistisch" äußern. Zumal ich die Aussagen Adams für falsch halte. Außerdem gibt es keine Altkommunisten, es gibt Kommunisten. Aber dann las ich etwas in diesem Artikel, was mich unglaublich ärgerte.  Das, was ich dort lesen musste ist ganz typisch für diesen verfluchten verhassten Neoliberalismus. 

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Prost, Genossen!

In der Wochenendausgabe des “Neuen Deutschland” vom 17/18. Dezember wurde mein “linkes Weihnachtsmenü” aufgetischt. Da der Text im Internet nur für Abonnenten abrufbar ist, veröffentliche ich ihn auch hier, ergänzt durch Hinweise auf die erwähnten Weine

Anständig die Plauze vollhauen

Kann man auch beim Weihnachtsessen den Klassenstandpunkt beibehalten? Von Rainer Balcerowiak

Sich mit der Familie oder Freunden anständig die Plauze vollzuhauen, gehört nach wie vor zu den beliebtesten Weihnachtsritualen in Deutschland. Dabei haben sich im Laufe der Jahrhunderte eindeutige Präferenzen für die Art der Völlerei entwickelt. Wie eine Untersuchung der Hochschule Anhalt in Bernburg ergab, soll es an den Feiertagen in der Regel immer noch der klassische Braten sein, in der Reihenfolge Gans, Ente und Pute. Dazu Grün- und/oder Rotkohl sowie Klöße bzw. gekochte Kartoffeln. Als Nachspeise erfreut sich Rote Grütze mit Vanillepudding nach wie vor großer Beliebtheit.

Aber einfach so essen, was alle essen, kommt für gestandene Linke als ausgewiesene Nonkonformisten natürlich nicht infrage. Auch in den Momenten der Völlerei verlieren wir niemals unseren Klassenstandpunkt und unsere internationalistische Gesinnung. Scheinreligiöse Besinnlichkeit ist uns fremd, vielmehr nutzen wir das Fest kurz vor dem Jahresende für eine Bilanz der nationalen und internationalen Klassenkämpfe – was sich natürlich auch auf den Tellern und in den Gläsern auf dem mit rotem Tuch ausgelegten Esstisch widerspiegelt. Entsprechend sorgsam, ja nahezu dialektisch-materialistisch wird das Weihnachtsmenü zusammengestellt.

Allerdings müssen manchmal noch ein paar Klippen umschifft werden. Was machen wir, wenn sich die Teilnahme von einem oder gar mehreren Veganern an dem Weihnachtsschmaus beim besten Willen nicht vermeiden lässt? Möglicherweise haben sich ja enge Familienangehörige dieser Sekte angeschlossen. Doch auch dieser Herausforderung begegnen wir mit marxistischer Analyse und revolutionärer Praxis. Dabei ist der wissenschaftlich-technische Fortschritt auf unserer Seite. Einschlägige Händler bieten mittlerweile beliebig formbare Soja- oder Weizenpampe in jeglicher Konsistenz an. Dazu noch ein kleines Sortiment Lebensmittelfarbe, und man kann so ziemlich jedes Gericht in einer veganen Variante nachbauen. Einfacher hat man es mit den ebenfalls zahlreicher werdenden Anhängern von Paläokost. Sie bekommen das, was man für die anderen Gäste kocht, einfach roh auf den Teller. Im Notfall bliebe noch die gute alte Losung »Hier wird gegessen, was auf den Tisch kommt.«

Aber jetzt kann es endlich losgehen. Beginnen wir mit der Vorspeise. Ja, es sind wirklich harte Zeiten für die französische Linke. Eingeklemmt zwischen dem Vormarsch der Rechtspopulisten und einer neoliberal gewendeten Sozialdemokratie hat sie die schwierige Aufgabe, glaubwürdige Alternativen zur herrschenden Politik zu formulieren und im Volk zu verankern. Wir fühlen uns mit ihnen verbunden und tischen auf, was auch bei keinem anständigen französischen Weihnachtsmenü fehlen darf: Pro Person ein halbes Dutzend Austern, dazu Baguette. Die Solidarität unterstreichen wir mit einem deutschen Wein, der noch dazu nahe der französischen Grenze an der südlichen Mosel gedeiht: Elbling trocken 2015 von Stephan Steinmetz, der mit seiner dezenten Frucht und knackiger Säure die leicht salzigen Austern wunderbar ergänzt.

Falls es Gäste gibt, denen sich schon beim Gedanken an Austern der Magen umdreht, wären Muscheln eine Alternative, die werden immerhin nicht roh verzehrt. Aber wenn, dann auf bretonische Art in Weißwein mit Lauch und Knoblauch, sonst wackelt die Symmetrie des internationalistischen Menüs.

 

Kein linkes Weihnachtsmenü ohne anständigen Wein!

Natürlich darf aus politischen und kulinarischen Gründen auch ein Abstecher nach Italien nicht fehlen. Die sozialdemokratische Renzi-Regierung hat sich mit dem gescheiterten Verfassungsreferendum aus dem Orbit geschossen, das Bankensystem wackelt bedrohlich, die Arbeitslosigkeit hat besonders bei jungen Erwachsenen einen dramatischen Stand erreicht. Auch hier ist die Linke in einer schwachen Position, Rechtspopulisten und die schwer einzuordnende Chaos-Bewegung des gelernten Komikers Beppe Grillo sind auf dem Vormarsch. Aber genusspolitisch wird Italien auch für deutsche Linke immer eine Inspirationsquelle bleiben. Wir setzen unseren Schmaus daher mit einem Steinpilz-Risotto fort. Das mag – ähnlich wie die Austern – arg extravagant oder gar snobistisch anmuten, handelt sich aber in beiden Fällen um feste Bestandteile der kulinarischen Alltagskultur dieser Länder. Beim Risotto darf man gerne auch getrocknete Steinpilze verwenden, Hauptsache, man nimmt den richtigen Reis. Auch hier bleiben wir bei unserer Linie und senden einen Weingruß aus Deutschland an die gebeutelten Nachbarn. Fündig wird man unter anderem in Franken, wo das Weingut Popp den »Julius-Echter-Berg 2015«, einen sehr ungewöhnlichen, ausgesprochen fülligen Silvaner im großen Holzfass reifen lässt. Die erdigen Noten der fränkischen Paradesorte sind – gepaart mit dezenter Holzwürze und reifen Mandel- und Birnenaromen am Gaumen – optimaler Partner für das Pilz-Risotto, sozusagen Ausdruck einer großen deutsch-italienischen Freundschaft.

Bei einem an der politischen Lage Europas orientierten Weihnachtsmenü dürfte eigentlich ein Schwenk nach Großbritannien nicht fehlen. Zum einen war die Brexit-Entscheidung eines der wichtigsten politischen Ereignisse des Jahres. Zum anderen sind in der Labour Party erstmals seit langen Phasen neoliberaler Dominanz wieder sozialistische Kräfte auf dem Vormarsch. Man würde sich gerne bei einem Gang mit den britischen Genossen freuen und auf sie anstoßen. Aber wie soll das gehen? Gehackte Innereien mit Minze? Vielleicht sogar Fish and Chips? Und das alles mit Cider runterspülen? Nö, Genossen, bei aller solidarischen Verbundenheit – was zu weit geht, geht zu weit.

Außerdem gibt es auch in unserem Land einiges zu reflektieren. Gefühlte 50 Jahre Merkel und kein Ende absehbar. Siegeszug der AfD und große Probleme, darauf eine schlagkräftige Antwort zu finden. Dennoch sollte sich kein Linker einer gewissen Heimatverbundenheit verschließen. Wer aber nicht auf dem Teller haben will, was auch Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Frauke Petry auftischen, verzichtet auf Gans und Ente und greift auf heimisches Wild zurück. Wir bleiben dabei bodenständig, meiden den edlen Rehrücken und greifen zur Wildschweinkeule mit Kartoffel-Maronen-Plätzchen und Rotkohl. Und um der Bodenständigkeit die Krone aufzusetzen, kredenzen wir dazu einen schwäbischen Rotwein. Der »Bönnigheimer Sonnenberg 2013 Lemberger« von Christian Dautel bietet am Gaumen herbe und saftige Beerenfrucht, Sauerkirsche, enorm viel Würze (vor allem Holunder) und ein bisschen Pfeffer. Und er ist garantiert nicht natural, schwefelfrei, bio-vegan-dynamisch oder in der bei Vollmond eingegrabenen Amphore vergoren, wie es derzeit Mode ist, sondern einfach nur richtig gut.

Es liegt aus naheliegenden Gründen auf der Hand, eine Nachspeise aus zweierlei roter und einer grünen Grütze zu bereiten. Das halten einige ja sogar für das Topgericht des kommenden Jahres. Beim Servieren muss man allerdings sehr sorgsam vorgehen, damit sich das nicht zu einem ungenießbaren Brei vermischt. Vor allem die aus Sauerkirschen zubereitete, etwas dunklere Rote Grütze sollte klar erkennbar bleiben. Zur süßen Nachspeise gehört natürlich ein süßer Wein. Und so beschließen wir unsere politisch-kulinarische Weihnachtssause mit einem feinen Morio Muskat von Felix Waldkirch aus der Pfalz. Kein bisschen klebrig und parfümiert, wie diese Rebsorte leider meistens daherkommt. Sondern klare, süße Frucht, knackige Säure und ein feiner Muskatton. Derart gestärkt können wir den Herausforderungen des kommenden Jahres mit revolutionärem Optimismus ins Auge schauen.

Zu den Austern (notfalls Muscheln) gibst den Elbling trocken 2015 von Stephan Steinmetz. Erhältlich für 5,40 Euro ab Hof

Das Steinpilzrisotto begleiten wir mit dem Iphöfer Julius Echter-Berg Silvaner trocken im Holzfass gereift 2015 vom Weingut Ernst Popp für 11,90 ab Hof.

Dem Brandenburger Wildschwein gönnen wir den Bönnigheimer Sonnenberg Lemberger trocken 2013 vom Weingut Dautel für 19,80 bei wirwinzer

Und der liebliche Morio Muskat  Kabinett 2015 darf dann die rot-rot-grüne Grütze umschmeicheln. Denn gibt es beim Weingut Felix Waldkirch für 6,60 Euro ab Hof

Wohl bekomm’s.

Neues vom Lehrer Kraus

Neues von Duckhomes Lieblingslehrer dem Lehrerverbandsvorsitzende Josef Kraus, der fest verwurzelt im tiefsten Mittelalter und der Anbetung seiner bayrischen Heimat, regelmäßig dummes Zeug von sich gibt, das uns alle in die falsche Richtung führen soll und selbst bei klugen Leuten Wirkung zeigt. 

So regt es ihn maßlos auf, dass in den NRW Lehrplänen von Kompetenzen die Rede ist und nicht von per Multiple Scheiß abfragbaren Wissen. Professor Harald Lesch, der mir sehr gut gefällt, hat diese Kompetenzfrage sehr gut beschrieben: 

 

Professor Lesch hat einen falschen Kompetenzbegriff, aber in seinem Video trifft er das Thema sehr gut. Weil er sich schnell von der Kompetenz trennt. Ich möchte den Begriff doch noch einmal etwas untersuchen. Wir haben uns in unserer Sprache mit vielen Begriffen sehr weit von dem entfernt, was sie ursprünglich bedeuteten. Kompetenz ist ein Wort mit sehr vielen Bedeutungen in den unterschiedlichsten Anwendungen. Sprachliche Kompetenz bewertet die Fähigkeit eine Sprache zu sprechen, sich in ihr auszudrücken und sie zu verstehen. Für mich bedeutet Kompetenz können. 

Die junge Dame die Lesch zitiert hat nicht die Kompetenz auszurechnen was 10 Prozent von 49,99 sind. Ich liebe wie Lesch Mathematik und halte sie für eine der wichtigsten Kompetenzen die ein Mensch braucht, wenn er sozial gefestigt ist. Ich erkläre meinen Kinder, das 49,99 aufgerundet 50 Euro sind und zehn Prozent davon rund 5 Euro bedeuten. Gut ich habe noch mit einem Rechenschieber angefangen. In der heutigen Schule geht es aber auch dabei um Genauigkeit. Die richtige Antwort wäre 4,99 Euro. Ein Wert den in der Praxis niemand braucht. 

Wenn unser Lehrer der Herr Kraus fordert, das in den Lehrplänen stehen muss, dass die Lateinschüler den Cicero oder gar Seneca, gelesen haben müssen, dann meint er sklavisches Übersetzen und auf gar keinen Fall ein Verständnis des Textes. Denn würden die Menschen in Bayern so kompetent sein, die beiden zu verstehen, dann sähe die politische Situation in Bayern heute anders aus, was auch für Deutschland ein Gewinn wäre. 

Das nächste Problem unseres Lehrers des Herrn Kraus, ist der durch unterschiedliche Prüfungsordnungen in den Bundesländern entstehende Unterschied, das in Bayern Prüflinge erst 30 Minuten vor der Prüfung ihr mündliches Thema bekommen, während in Hamburg die Prüflinge zwei Wochen Zeit haben eine geschliffene und fundierte Präsentation auszuarbeiten. Herr Klein, liebt es Leute mit Prüfungen Angst zu machen und die Möglichkeit zu haben, seinen Schützlingen leichte Aufgaben zuzuteilen, während vernünftige Menschen wie auch Professor Lesch Zeit für anständige Ausbildung und Lehre fordern. Ich überlege ernsthaft mal die Frau von Herrn Klein anzurufen und über sein Sexualleben zu reden. Ich hab in 30 Minuten oft noch nicht einmal den richtigen Einstieg mit einer vertrauten Frau gefunden. 

Am meisten aber stört unseren Lehrer den Herrn Kraus die Tatsache, dass sich in Berlin die Zahl der Abiturzeugnisse mit einem Notendurchschnitt von 1,0 innerhalb von zehn Jahren vervierzehnfacht hat. Der Arme. Natürlich kann ich eine Klasse alleine auf Pisa-Aufgaben dressieren und wenn ich als Lehrer eh keine Zeit und kaum Mittel habe, dann werde ich meine Schüler dahin bringen, dass die die Abituranforderungen bestmöglich erfüllen. Das ist logisch, aber nicht für Herrn Kraus. Das wahre Desaster ist noch viel größer und betrifft den ganzen Bereich von Aus- und Weiterblildung.

Wenn wir die Schule weiterhin den Anforderungen der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten unterwerfen, müssen wir immer weniger Bildung in immer kürzerer Zeit akzeptieren. Schluss mit den Orchideenfächern und zurück zur Dorfschule mit dem Lehrer Klein. Also das Gegenteil von dem was Professor Lesch forderte. Wenn wir vernünftig handeln würden, müssten wir unser Bildungssystem komplett umbauen. 

Ich hatte unserem Lehrer dem Herrn Kraus ja schon einmal aufgezeigt, wie einfach er seine und unsere Probleme lösen kann

Das Zauberwort heißt Zentralabitur. In ganz Deutschland werden an den gleichen Tagen zur gleichen Zeit die gleichen Aufgaben gestellt. Die Aufgaben werden erst 10 Minuten vor Prüfungsbeginn elektronisch in die Schulen geliefert und dort auf Druckern für die einzelnen Prüflinge und die Prüfer ausgedruckt. 

Damit es nicht zu Hilfestellungen durch die Prüfer kommt, darf kein Lehrer an seiner eigenen Schule oder auch nur im eigenen Bundesland prüfen. Damit wird überall die gleiche Leistung gemessen. Diese Leistungen werden im Netz veröffentlicht – ohne Schülernamen natürlich – aber dem verantwortlichen Lehrer und der Schule zugeordnet, so dass sich klar sagen lässt, welche Schule und welcher Lehrer gut ist und Konsequenzen gezogen werden können. 

Damit die Schüler aber nicht nur beim Abitur plötzlich mit der eigenen Unfähigkeit und der ihrer Lehrer und Schulen konfrontiert werden, müssen solche Prüfungen praktisch in allen Klassen stattfinden. Natürlich unter den Bedingungen wie die Abiturprüfungen und einmal im Jahr. 

Ich persönlich halte nicht viel von Noten und finde die Leistungsgespräche und die gemeinsame Entwicklung von persönlichenLernzielen wie sie an den Gesamtschulen in Berlin üblich ist, bedeutend besser. Aber es gibt ja viele Leute die Noten lieben. 

Nur wenn man Noten vergibt, dann müssen sie Bestand haben. Ach ja mein lieber Josef Kraus. Ich glaube keine einzige bayrische Schulnote ist wirklich werthaltig, weil es dort mehr auf Gehorsam, als auf Denken oder Lernen ankommt. Ich will jetzt nicht über Baden-Württemberg reden, wo die Leute ja stolz sind, dass sie kein Deutsch können. 

Aber das war wahrscheinlich zu groß für unseren Lehrer den Herrn Kraus. Vielleicht findet er ja einen Erklärbären oder versteht das was Professor Lesch uns sagte. Hoffnung habe ich allerdings keine und kann wie immer nur die Frage stellen, wie können Lehrer so blöd sein sich von diesem Typen vertreten zu lassen. Ich kenne haufenweise Lehrer die mehr Intelligenz und Gefühl im kleinen Zehennagel haben, als unser Lehrer der Herr Kraus insgesamt hat. Ach ja weil ich immer von Lehrern spreche. Die Lehrerinnen sind natürlich genauso gemeint.  Ihr seid gut, also trennt euch von solchen Typen und macht euer Ding. Die Eltern stehen in ihrer Mehrheit hinter euch und die Schüler nach meiner Meinung auch. 

Für mich sollten die Lehrer Verkäufer sein die ihren Schülern die Werkzeuge fürs Leben verkaufen und dies so gut und spannend machen, dass die Schüler darauf abfahren. Die fröhliche Schule, die in bester Ausstattung Lehrern wie Schülern ein tolles Erlebnis bietet und dabei, quasi nebenbei Kompetenzen vermittelt die Können sind. 

 

Jubel in Aleppo

In den letzten Stunden hat die syrische Armee nach der vollständigen Einnahme der BezirkeSheikh Lutfi, Marjah und Bab al Nairab dabei nicht nur sämtliche Gebiete nördlich und östlich der Zitadelle, sondern auch einen Streifen von rund einen Kilometer Breite im Süden und Westen der Zitadelle eingenommen.

Den kompletten Bericht lesen:

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2016/12/07/syrische-armee-eliminiert-terroristentasche-in-aleppo/#more-24032

 

Anruf von Franz-Josef

Ich bin seit einiger Zeit wegen eines hoffentlich bald bevorstehendem Umzugs schon mal dabei mich von Dingen zu trennen, die ich nicht mehr brauche. Die Exfrau und die halbe Wohnungseinrichtung mit ihr, sind schon weg. Da bietet es sich an all das Zeug, dass sich über die Jahre angesammelt hat auch zu entfernen. Anderes was bestimmt nicht mehr kurzfristig gebraucht wird, habe ich in Kisten einsortiert. Darin steckt natürlich auch einiges, was längst weggekonnt hätte. 

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Angst vor dem „Pöbel“

Christian Baron beschreibt in seinem Buch die Entfremdung der Linken von den unteren Schichten.

Christian Baron hat es geschafft. Als erster Spross seiner pfälzischen Arbeiterfamilie hat er nicht nur das Abitur erreicht, sondern auch erfolgreich Politikwissenschaften, Soziologie und Germanistik studiert. Derzeit arbeitet der 31jährige Autor als Feuilletonredakteur bei der überregionalen linken Tageszeitung „Neues Deutschland“.

Wer so einen Weg absolviert, hat viel zu erzählen. Auch deswegen hat Baron ein Buch geschrieben. „Proleten, Pöbel, Parasiten – warum die Linken die Arbeiterklasse verachten“ lautet der Titel. Es beginnt mit der Geschichte von „Modernisierungsverlierern“ in seiner Heimatstadt Kaiserslautern, die durch den Niedergang des einst führenden Nähmaschinenherstellers Pfaff aus dem Arbeitsleben geschleudert wurden und keinen Anschluss mehr fanden. Menschen, die Jahrzehnte in unsanierten Bruchbuden leben mussten, weil der Preis für bessere Wohnungen im Arbeitslosengeld oder später im Hartz-IV-Regelsatz nicht vorgesehen ist. Es ist eine kulturelle Lebenswelt, in der teilweise viel getrunken wird, in der ein schwächelnder Fußballklub und das nachmittägliche TV-Programm eine recht große Rolle spielen. In der es aber auch eine sehr spezielle Form vom Empathie und Gemeinschaft gibt.

An der Universität Trier lernte Baron eine andere Welt kennen, und schnell wurde ihm deutlich, dass er nicht „dazu gehört“, denn “nur denjenigen, deren Eltern (..) zumindest eine solide bürgerliche Herkunft führen., öffnet diese Gesellschaft den Schlagbaum“, schreibt Baron. Wenn zu Hause nicht nur das Geld für Nachhilfe fehle und die Eltern ab der 8. Klasse nicht mehr in der Lage seien, bei den Hausaufgaben zu helfen, dann „schmeißt man schnell demotiviert die Flinte ins Korn“.

An der Uni merkt Baron alsbald, dass Menschen auch in linken Gruppen sozial sanktioniert werden, wenn sie mit „dem gebildeten Gehabe“ nicht mithalten und mit den postmateriellen Diskursen nichts anfangen können. Genüsslich beschreibt Baron die Reaktionen seiner Kommiltonen, wenn er seiner Leidenschaft für Pommes, Bratwurst und Tiefkühlpizza frönt oder in einer „Volxküche“ den Debatten über die Bedeutung von Erich Mühsam nicht folgen kann. Und während man sich in diesen Kreisen gerne für jede auch noch so obskure Befreiungsbewegung irgendwo in der Welt engagiert, selbstverständlich „bio“ und „fairtrade“-Produkte kauft und das „*“ bzw. das Binnen-I als wesentliche Elemente des Kampfes für Gerechtigkeit propagiert, werden die realen sozialen Schranken in unserer Gesellschaft gerne ausgeblendet. Es sei, so Baron, eben ein Unterschied, ob man vermeintlich linke Politik an der Uni betreibe und prekäre Jobs in Kauf nehme, weil man im Bewusstsein einer auskömmlichen Erbschaft lebe, oder ob man zur Klasse der Besitzlosen gehört.

 

baron

Die Kultur der „Unterschichten“ wird verachtet und wenn überhaupt als Event auf Trash-Partys mit Jogginghosenzwang und Besäufnissen in Proletenkneipen zelebriert. Man setzt sich ab, hört Independent-Music und später vielleicht Jazz und Klassik statt Schlager, Heavy Metal oder Soft-Rock. Man macht Individualtrips statt Pauschalreisen, meidet „Mainstream-Klamotten“. Später nennt man seine Kinder Eleonore-Sophie oder Joshua und keinesfalls Kevin oder Mandy. Man schafft sich Distinktionsmerkmale, und das alte linke Zerrbild des klassenkämpferischen Arbeiters mit roter Fahne ist dem neuen des „verwahrlosten Unterschichts-Heinis mit Wampe“ und rassistischen Sprüchen gewichen. Und wenn sich mal eine Fachtagung mit Themen wie dem Zugang unterer Schichten zur Hochkultur wie. z.B. Theater beschäftigen, dann „reden Akademiker über Nichtakademiker wie Biologen über Amöben, als läge es an der kollektiven Dummheit des Pöbels und und nicht an der strukturellen Ausrichtung des Theaters, wenn immer weniger Menschen sich für diese Kunst begeistern.“

Für Baron spiegeln sich diese Haltungen auch in der Flüchtlingsdebatte wider. Auch in linken Kreisen würden soziale Ängste, die durch den Zuzug von vielen Flüchtlingen befördert werden, pauschal als „Rassismus“ diffamiert. Zitiert wird der Publizist Raul Zelik, der im April 2016 im Neuen Deutschland schrieb: „Für die Putzkraft oder den ungelernten Arbeiter auf dem Bau erhöht Zuwanderung den Druck auf das Lohnniveau. Für den urbanen Akademiker, der trotz seiner Projekt-Prekarität eigentlich ganz gut über die Runden kommt, stellt Migration dagegen sicher, dass die frisch zurbereitete Kokos-Tofu-Suppe im Schnellrestaurant auch in Zukunft für fünf Euro zu haben ist. Und auch im Segment der Medienkreativen wird die Konkurrenz durch Zuwanderer überschaubar bleiben“. Aber „solange die Linken es unterlassen, die soziale Frage mit der Flüchtlingspolitik explizit zu verbinden , so lange werden die Unterschicht und die verängstigte Mitte einen großen Bogen um sie machen“ schreibt Baron und leitet daraus Positionen zu „Multikulturalismus“ und zum Islam ab, die ihm in seinem politischen Umfeld wenig Freunde bescheren werden. .Es gehe eben nicht nur um Toleranz und Integrationsbereitschaft. Natürlich sei es inakzeptabel, den Islam pauschal als Bedrohung zu dämonisieren, aber man müsse zur Kenntnis nehmen, „dass viele Flüchtlinge einer repressiven politischen Ökonomie entstammen, die auf sozialer Ungleichheit, Frauenverachtung, Homophobie und Todestrafen fußt“. Aber dies werde in linken Diskursen meistens ausgeblendet. Das gelte auch generell für Religionskritik, obwohl die Linke eigentlich in einer säkularen Tradition stehe. Beängstigend sei, „dass mittlerweile jeder von Linken als „antimuslimischer Rassist“ beschimpft wird,, der generell gegen jeden verpflichtenden Religionsunterricht (also auch muslimischen) an staatlichen Schulen eintritt (..) oder die rituelle Beschneidung kleiner Kinder als Gewaltanwendung versteht“.

Immer wieder kehrt Baron in seinem Buch in seine Heimatstadt zurück, in die „Unterschicht-Milieus“ denen er sich – anders als viele Aufsteiger – eben nicht entfremdet hat. Er beschreibt freundliche, manchmal fröhliche Menschen, die viele Zweifel und Fragen haben, mit denen man aber über alles reden kann – wenn man sie akzeptiert. Mit Ausführungen über Rosa Luxemburg, Antonio Gramsci oder Gender Mainstreaming könne man Menschen, für die eine defekte Waschmaschine ein existentielles Problem darstellt, aber nicht kommen. Den einzigen Weg, den Vormarsch rechter Parteien in diesen Milieus aufzuhalten sieht Baron in einem „linken Populismus“ der an den tatsächlichen Nöten anknüpft ohne sich rassistischen und antidemokratischen Ideologien anzubiedern. Aber solange sich besonders die akademische Linke in identitätspolitischen Genderdiskursen u.ä. in ihren soziokulturellen Freiräumen verschanze, bleibe die Distanz zur bestenfalls als zu bekehrenden „revolutionäres Subjekt“ idealisierten Unterschicht unüberbrückbar.

Es ist ein spannendes, absolut lesenswertes Buch, das vor allem mit seiner Mischung aus individuellen Erlebnissen und fundierter Analyse besticht. Für mache Leser wird es – sofern sie sich darauf einlassen – ein Blick in den Spiegel sein. Für andere ein Einblick in eine fremde Welt Stoff für Diskussionen bietet es allemal.

 

 

Christian Baron

Proleten, Pöbel, Parasiten – Warum die Linken die Arbeiter verachten

Eulenspiegel Verlag, Oktober 2016

288 Seiten, 12,99 €

ISBN 978-3-360-01311-8

 

Lernen wie man an Wissen kommt

Ich war heute mal wieder an der Uni. Es gab gute Gründe für Gespräche, die aber im Moment noch keine Rolle spielen, weil sie ungelegte Eier sind. Wo sich alte Männer sammeln geht es immer um die goldene Vergangenheit, die doch so viel besser als die Gegenwart gewesen sein soll. Wir schlugen einen Bogen von meiner Studentenzeit bis heute ohne den goldenen Glanz zu suchen, aber wir fanden eine Entwicklung, die uns betroffen macht, vermutlich weil wir uns alle nicht ganz unschuldig fühlen. Schließlich haben wir ja alle Dummheiten mitgemacht. 

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Nolympia bei ARD und ZDF. Gut so!

ARD und ZDF werden nicht live von den Olympischen Spielen 2018 bis 2024 berichten. Und das ist gut so, denn warum sollten sie auch. Bei 100 Millionen Euro sind die öffentlich-rechtlichen Sender aus dem Rechtepoker ausgestiegen, und schon diese Summe wäre skandalös.

Olympia ist kein „Sportfest der Völker“, sondern eine Gelddruck- und PR-Maschine für große Konzerne, korrupte Funktionäre , schräge Despoten und glamoursüchtige Politiker. Die Spitzenathleten werden nicht nur in Deutschland mit horrenden öffentlichen Mitteln als moderne Gladiatoren ausgehalten. Der „Kampf gegen Doping“ ist pure Heuchelei und ohnehin längst verloren.

Natürlich sollte man diesen Zirkus nicht verbieten, aber doch bitte komplett der „freien Marktwirtschaft“ überlassen, inklusive Freigabe von Doping. Die dadurch frei werdenden Steuergelder wären im Schul- und Breitensport bestens aufgehoben, und für die eingesparten 100 Millionen Euro lassen sich auch bei ARD und ZDF sicherlich eine sinnvolle Verwendung finden.

c. Axel Scherm

Die Übertragungsrechte gehören dem US-Medienkonzern Discovery. Für Olympia-Junkies wird es eine limitierte Live-Berichterstattung bei deren deutscher Free-TV-Tochter Eurosport geben, wer mehr will, muss bezahlen.

Ich bin gespannt, ob sich irgendjemand darüber aufregt, vermute es aber, wenn ich die aktuelle Debatte über den neuen Sendestandards DVB-T 2 verfolge. Dieses wird Ende März den alten DVB-T-Standard ablösen, aber als terrestrisches Netz weiterhin allen Nutzern kostenfrei zur Verfügung stehen. Private Anbieter wie RTL und SAT1 ziehen nicht mit, und wollen ihre Angebote künftig kostenpflichtig machen. Auch das ist in vollkommen in Ordnung, denn das öffentlich-rechtliche TV, das ja nicht nur ARD und ZDF sondern auch die 3. Programme, eigene Nachrichtenkanäle und Sender wie ARTE und 3SAT umfasst, sorgt für ein umfassendes, gebührenfinanziertes Angebot. Also alles in bester Ordnung.

Wie Honecker uns die Merkel einbrockte

Aus gegebenen traurigen Anlass das IM Erika, aka die Mutti aka Angela Merkel nun doch nicht in den Unruhestand geht, sondern uns weiter regieren will, ist es an der Zeit noch einmal eine altbekannte aber wichtige Warnung an die Menschen in Deutschland auszusprechen, und ihnen zu zeigen weshalb uns Angela Kanzlerin ist. Es ist einer der gelungensten Geheimpläne der neueren Geschichte. 

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Das haben wir hier in Deutschland vor der US-Wahl nie zu sehen bekommen

Aber unsere Medien sind ja auch nichts anderes als Propagandaorgane der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten die uns dumm und gefügig halten sollen. Das ist ihnen ja auch bei der Mehrheit für lange Zeit gelungen. Sie haben eher AfD-Nazis gezüchtet als etwas für die Menschen in Deutschland zu fordern und deshalb durften wir solche Bilder wie in diesem Video nicht sehen. 

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