Was machen wir bloß mit diesem Schulz?

Seien wir ehrlich. Niemand hat damit gerechnet, dass die Ausrufung des EU-Filzokraten Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD einen derartigen Hype auslöst und sogar einen Wahlsieg möglich erscheinen lässt. Um aus dem Umfragetief herauszukommen, hätte die Partei zwar auch den Pförtner des Willy-Brandt-Hauses als Nachfolger der komplett verbrannten Sigmar Gabriel benennen können. Doch von Umfragewerten von 30% und mehr und persönliche Beliebtheitswerten auf Merkel-Augenhöhe hätte wohl auch der optimistischste Sozi nicht zu träumen gewagt.

Schulz hat es geschafft, so etwas wie Aufbruchstimmung zu verbreiten. Er setzt dabei auf gefühligen Sozialpopulismus und verspricht u.a. „Korrekturen“ bei Hartz IV, Leiharbeit und befristeter Beschäftigung und bessere soziale Sicherung für die „hart arbeitenden Menschen“, geißelt die „Exzesse“ bei den Managervergütungen, Gerne gibt er sich ein wenig zerknirscht und will „Vertrauen zurückgewinnen“.

Die Partei wird ihrem Hoffnungsträger nahezu willenlos folgen. Und es ist abzusehen, dass er zu den Linken und den Grünen abgewanderte SPD-Anhänger teilweise zurückgewinnen wird, aber auch von einem gewissen Überdruss an Merkel profitieren könnte, die – zermürbt von den Grabenkämpfen in ihrer Partei – den Großteil ihrer Landemutti-Aura eingebüßt hat.. Sogar der Vormarsch der AfD könnte auf diese Weise zwar nicht zum Erliegen gebracht, aber etwas eingedämmt werden., zumal diese Partei gerade einen offenen Richtungsstreit zwischen Wirtschaftsliberalen, Nationalkonsertiven und Neofaschisten ausfechten muss.

Für die LINKE könnte der Schulz-Hype zum Desaster werden. Falls seine verbale „Rückbesinnung auf sozialdemokratische Werte“ vom Wahlvolk tatsächlich für bare Münze genommen werden sollte, droht ihr ein beträchtlicher Absturz, denn wer braucht schon eine sozialdemokratische Kopie, wenn das Original anscheinend wieder verfügbar ist. Jetzt rächt sich sich, dass die Partei in erster Linie nicht als konsequente soziale und gesellschaftliche Oppositionskraft, sondern als Regierungspartei im Wartestand wahrgenommen wird. Über zentrale Fragen wie das Verhältnis zu NATO und EU, das Bündnis mit der Türkei, Waffenexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr, die Schuldenbremse, eine armutsfeste, sanktionsfreie Grundsicherung, eine grundlegend andere Steuerpolitik u.v.a.m. bräuchte ein erstarkter Schulz mit den LINKEN nicht einmal verhandeln, wenn er auch noch die Option einer Großen Koalition unter seiner Führung hätte. Entsprechend weinerlich und hilflos fallen auch die Reaktionen der LINKEN-Spitze auf den Schulz-Hype aus.

Natürlich ist noch nichts entschieden. Keiner weiß, welche Verwerfungen sich im transatlantischen Gebälk noch entwickeln werden und was das für ökonomische Folgen haben wird. Ähnliches gilt für die Zentrifugalkräfte innerhalb der EU. Aber man kann es drehen und wenden wie man will: Gute Aussichten sind das nicht.

Schluss ist, wenn der Schiri pfeift, ihr HONKS!

Angesichts der großen Aufregung über den vergangenen Spieltag der Bundesliga wird es höchste Zeit für ein paar Klarstellungen von kompetenter Seite, also von mir.

1.) Bayern München hat gegen Hertha BSE hat am Sonnabend in der letzten Sekunde der Nachspiel-Nachspielzeit den Ausgleich erzielt. Das ist zweifellos bitter, kommt aber vor.

2.) Die ursprüngliche Nachspielzeit von fünf Minuten war vollkommen berechtigt, da in der Schlussviertelstunde mehrere Herthaner mit Krämpfen auf dem Spielfeld behandelt werden mussten und Herthas Torwart bei Abstößen bereits wegen Spielverzögerung ermahnt wurde..

3.) Während der Nachspielzeit hat Hertha im Minutentakt drei Auswechselungen vorgenommen, um Zeit zu gewinnen. Das gibt dem Schiedsrichter natürlich das Recht, auch diese Zeit noch nachspielen zu lassen.

4.) Kurz nach Anbruch der sechsten Minute der Nachspielzeit, wurde ein Bayern-Spieler kurz vor dem Strafraum gefoult, was der Schiedsrichtier sofort gepfiffen hat Dann ist es quasi zwingend, dass der entsprechende Freistoß auch noch ausgeführt wird.

 

Die Lösung dieser des öfteren auftretenden Problematik wäre die Einführung einer „effektiven Spielzeit“, wie sie auch beim Handball und beim Basketball, Hockey, Eishockey, Handball und , Wasserball gilt. Das würde beim Fußball bedeuten, dass die Uhr angehalten wird, wenn sich der Ball nicht im laufenden Spiel befindet, also z.B. bei Verletzungen, Auswechselungen, vor Torsabstößen und Einwürfen. Nach Ablauf der effektiven Spielzeit wäre dann definitiv Schluss. Aber auch dann würde ein bereits gepfiffener Freistoß noch ausgeführt werden. Eine entsprechende Neuregelung würde aber nur Sinn machen, wenn sie international umgesetzt würde, daher ist in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen.

Ansonsten geht in der Liga alles seinen Gang. Bayern wird Meister werden, vor Leipzig und Dortmund. Für den 4. Platz hat wohl Hoffenheim die besten Karten. Allerdings könnten noch mehrere Mannschaften mitmischen, vor allem Frankfurt Hertha und Köln. Diese drei haben allerdings in der Hinrunde eher über ihren Verhältnissen gespielt und sind recht schwach in die Rückrunde gestartet. Daher ist auch nicht auszuschließen, dass auch die allmählich zu ihrer „Normalform“ findenden Teams von Leverkusen und Schalke noch in den Kampf um die europäischen Fleischtöpfe eingreifen.

Überspringen wir mal die Abstiegszone, sowie 2. und 3. Liga und begeben uns in die Niederungen der 4.Spielklasse, Abteilung Nordost. Mein Moabiter Heimatclub BAK 07 ist nach etlichen witterungsbedingten Spielabsagen endlich in die Rückrunde gestartet, mit einem Auswärtssieg bei Meuselwitz. Zwar konnte damit der 3. Tabellenplatz in der Regionallige und der Status als „3.Kraft“ im Berliner Fußball (hinter Hertha und Union) gefestigt werden, doch Jena und Cottbus sind bereits ziemlich enteilt. Wird wohl wieder nichts mit dem ersehnten Aufstieg in die 3. Bundesliga. Und das ist – neben dem Fehlstart vom ruhmreichen, göttlichen SChalke 04 – das eigentliche Drama dieser Spielzeit

Ich war “beim Griechen”

Früher war die Welt in Westberlin für unsereins noch überschaubar. In den 70er und 80er Jahren ging der weltgewandte Linke nach einer der unzähligen Sitzungen, Veranstaltungen und Aktionen „zum Italiener“ oder „zum Griechen“ . Bei Ersterem gab's in der Regel Pasta oder Pizza bestenfalls einigermaßen erträglicher Qualität. Berüchtigt vor allem das Kultgericht schlechthin; „Spaghetti carbonara“ mit eine Sahnesoße (sic!!), Begleitet wurde dies von schlechtem Wein und zum Abschluss „auf Kosten des Hauses“ eine petroleumartige Flüssigkeit, bei der es sich angeblich um Grappa handelte.

Der Grieche“ (egal welcher) verdankte seine Beliebtheit der Tatsache, dass er alle Speisen, vom Salat über den Schafskäse bis zum Gyros, in unglaublichen Mengen Olivenöl ertränkte. Außerdem gab es eine Spezialität: Panierte, frittierte, unverdauerliche Gummiringe die als „Calamaris“ firmierten. Auch hier gab es dazu schlechten Wein, der , anders als beim Italiener, noch eine spezielle verfaulte Note aufwies („Retsina“) Der Schnaps „auf's Haus“ schmeckte zwar auch nach Petroleum, hieß aber „Ouzo“. Dir Portionen waren meist riesig, die Preise ausgesprochen billig und gratis dazu gab es eindrucksvoll verqualmte Räumlichkeiten und einen hohen Geräuschpegel.

Warum viele dieser Etablissements bis zum heutigen Tag überlebt haben, ist mir ein Rätsel. Denn mittlerweile hat sich Westberlin gastronomisch durchaus diversifiziert, und die hippe, urbane Avantgarde wie auch das linke Jungvolk bevorzugt mittlerweile Falafel, Sushi und vor allem vegane Pampe aller Art.

Eines der Relikte der „guten alten Zeit“ ist die „Kreuzberger Weltlaterne“ in der Kohlfurter Straße. Die müsste zwar eigentlich „Taverna XY“ heißen, tut sie aber nicht. Als „Grieche“ wird diese Ur-Kreuzberger Stampe seit über 40 Jahren geführt. Mein letzter Besuch in diesem Laden dürfte immerhin rund 30 Jahre zurückliegen.

Einiges hat sich nicht verändert. Der Laden ist an diesem Sonnabend proppenvoll, mit Mühe bekommen wir einen kleinen Zweiertisch. Die Bedienung ist ist nahezu ansteckend freundlich und zumindest im Nebenraum ist die Atmosphäre ausgesprochen familiär. Das leigt wohl daran, dass da heute die sind, die schon vor 30-40 Jahren hier einkehrten, jetzt aber zusammen mit Kindern und Enkeln. Auf dem Tisch auch nicht mehr übervolle, qualmende Aschenbecher, sondern Tablets, Smartphnoes und pädagogisch wertvolles Spielzeug.

Voll Old School ist die Speisekarte: Tzaziki, Taramas, Souvlaki, Soutzukakia, Calamaris und all die anderen Merkwürdigkeiten, die man eigentlich nie wieder essen wollte, jedenfalls nicht so zubereitet, wie es über Jahrzehnte üblich war. Einzige Konzession an den Zeitgeist ist eine „vegane Moussaka“.

Wir beginnen mit einem kleinen Teller Calamaris. Die Panade der kleinen Ringe und Füße ist nicht mehr so eklig wie früher, doch gummiartige Konsistens und Geschmacksneutralität sind geblieben. Also reichlich Zitrone rauf und rein damit. Und natürlich was trinken: Auch der Retsina ist weniger aufdringlich als früher, aber so richtig anfreunden kann ich mich mit dem Harzgeschmack nicht. Dann noch ein überraschend trockener weiér griechischer Landwein. Aromatisch zwar eher neutral, aber mit gutem Säutebiss

Dann der Hauptgang, aber bitte nur die kleinen Portionen, denn das Normalformat ist genauso üppig wie früher. Wir wählten Gyros bzw. Soutzukakia mit Tzaziki,Salatbeilage und Oregano-Kartoffeln. Tzaziki und Salat ganz o.K., jedenfalls ohne Ölteppich, Kartoffeln aber etwas matschig. Gyros wie immer, aber die Soutzukakia eher merkwürdig. Auf dem Teller keine Hackfleischröllchen, sondern zwei verdächtig nach TK-Ware aussehende Burger—Patties mit leicht hellenisierter Würzmischung. Dann natürlich noch der obligatorishce Ouzo „auf's Haus“, die schmale Rechnung, und wir beendeten unseren kleinen Ausflug in die eigene Vergangenheit. Und das zu einer Zeit, wo man früher erst anfing, richtig zu trinken. Das ist vermutlich das Alter.

Fazit: Der Laden ist irgendwie ausgesprochen angenehm. Aber was das Essen betrifft wird „der Grieche „ wohl immer „der Grieche“ bleiben.

 

 

Dem Herrn Königshaus sein Israelbild

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Hellmut Königshaus, hat sich bitterlich darüber beklagt, was für ein Israelbild in vielen deutschen Schulbüchern gezeichnet werde. Als ehemaliger Wehrbeauftragter der Bundesregierung ist er es natürlich nicht so sehr gewohnt, dass irgendwo einfach nur die Wahrheit steht. 

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Das Buch!

Da ist es endlich! Mein kleines, aber feines Standardwerk zur Geschichte und Gegenwart von Reformpolitik. Unverzichtbares Rüstzeug für den kommenden Bundestagswahlkampf. Wer sich als Rezensent bei mir gemeldet hat, wird es bald im Briefkasten haben, alle anderen sollen es gefälligst KAUFEN! Und ich warte weiterhin auf Angebote für Lesungen und Diskussionen.

Anbei eine kleine Kostprobe

Gibt es ein »Reformlager«?

Diese Frage kann man uneingeschränkt mit Ja beantworten. Es gibt sogar nicht nur eins, sondern ganz viele Reformlager. Bei genauerer Betrachtung kommt man gar zu dem Schluss, dass Deutschland ein einig Land von Reformern ist, denn jede relevante Partei hat umfangreiche Reformpläne für diverse Bereiche im Angebot. Nicht zu vergessen die mächtigen Institutionen und Verbände, die ebenfalls lauthals Reformen fordern.

Schwieriger wird es, wenn sich die Frage auf ein »fortschrittliches« oder gar »linkes« Reformlager bezieht. Als solches wird – aktuell im Vorfeld der kommenden Bundestagswahl – eine mögliche Koalition aus SPD, Grünen und Linken in Stellung gebracht, gesellschaftlich ergänzt durch Gewerkschaften, Sozialverbände, Teile der Kirchen, Verbraucher-, Umwelt- und Mieterschutzorganisation usw.

Würde man die Zustimmungsraten zu einigen Anliegen dieser Parteien und Verbände einfach addieren, käme man in der Tat auf eine ziemlich große gesellschaftliche Mehrheit für eine fortschrittliche Reformpolitik.Leider funktioniert das aber nicht, weil die jeweils angestrebten politischen Ziele für sich genommen in großen Teilen recht vernünftig erscheinen mögen, mitunter aber nicht miteinander vereinbar sind. Ein Beispiel: Vor allem die Grünen und Umweltverbände fordern einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Förderung und Verstromung von Kohle sowie mittelfristig ein Verbot von Autos, die mit fossilen Brennstoffen wie Benzin und Diesel betrieben werden. (..) Damit beißen sie aber nicht nur bei der CDU, sondern auch bei der SPD, großen Teilen der Gewerkschaften und, was die Kohle betrifft, auch bei Teilen der Linken (besonders in Brandenburg) auf Granit, da diese den Verlust von Arbeitsplätzen und große strukturelle Verwerfungen in einigen Regionen befürchten. Und was Autos betrifft, gibt es auch bei den Grünen inzwischen einen einfluss­reichen Flügel, der die Konzerne – besonders im »grün-schwarz«-regierten Baden-Württemberg – nicht übermäßig erschrecken will.

Wenig Gemeinsamkeiten

Andere Frontverläufe gibt es bei der »Schuldenbremse« und der damit verbundenen restriktiven Haushaltspolitik. Während Linke, Sozialverbände und große Teile der Gewerkschaften dieses neoliberale Dogma in Frage stellen und besagte Bremse lockern beziehungsweise abschaffen wollen, stehen Grüne und SPD zur Austeritätspolitik. Ohnehin ist schwer verständlich, wie man ausgerechnet die SPD als Bestandteil einer möglichen »linken Reformmehrheit« jenseits der CDU/CSU definieren kann. Was auf kommunaler und Landesebene zumindest denkbar erscheint, ist auf Bundesebene wohl schier unmöglich. Die Partei steht nach wie vor nicht nur zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr, sondern auch zu den Hartz-Gesetzen und zur tendenziellen Absenkung der gesetzlichen Renten. Ihre steuerpolitischen Vorstellungen sind weit von einer wirklichen Umverteilung von oben nach unten entfernt, was aber eine der wichtigsten Voraussetzungen für dringend notwendige Sozialreformen wäre.

(..)

Auch die Gewerkschaften sind nicht so ohne Weiteres in Gänze einem »fortschrittlichen Reformlager« zuzuordnen. Besonders im großindustriellen Bereich werden oftmals die Geschäftsinteressen der jeweiligen Konzerne vertreten, weil man sich im Gegenzug auskömmliche Löhne und sichere Arbeitsplätze verspricht. So unterstützte die IG Metall die Idee, deutsche Kampfdrohnen zu entwickeln, und tritt auch keineswegs für ein Verbot von Rüstungsexporten ein. Lobbyis 116ten der Chemieindustrie und der IG BCE agieren Hand in Hand, wenn es um die Zukunft der Braunkohle, die Verhinderung höherer Umweltstandards und die Zulassung bedenklicher Stoffe und Verfahren geht. Auch die IG BAU hat die Interessen ihrer Mitglieder fest im Blick und fordert große Steuergeschenke für private Investoren im Wohnungsbau. Bei Fragen des Verbraucherschutzes – einem traditionellen Steckenpferd der Grünen – findet man Gewerkschaften nicht selten auf der »anderen Seite«. Umweltverbände und mit ihnen auch große Teile der grünen Kli entel scheren sich wiederum wenig bis gar nicht um soziale Belange.

Während die SPD besonders in Großstädten und Ballungsräumen nach Jahren des wohnungsbaupolitischen Nichttuns nunmehr endlich auf forcierten Neubau und Nachverdichtung auch in innerstädtischen Bereichen setzt, wollen unheilige Allianzen aus grünen Umweltschützern und linken Bewahrern »gewachsener Strukturen« beziehungsweise »Freiräumen« eben genau das verhindern (…)

Schluss mit dem Nachhaltigkeitsterror

Der folgende Text erschien heute in der Wochenendbeilage von “Neues Deutschland” und ist dort nur für Abonnenten abrufbar.

Das Leben in der liberalen Wohlstandsgesellschaft ist ziemlich kompliziert geworden. An jeder Ecke lauern unzählige Weggabelungen und Fallstricke, die den „bewusst lebenden“ Menschen vom Pfad der Tugend abzubringen drohen. Wer sich dem Diktat der Nachhaltigkeit widersetzt, wird bestenfalls nur belächelt oder schief angeguckt, oftmals aber regelrecht ausgegrenzt. Das informelle Regelwerk ist umfangreich, unübersichtlich und teilweise widersprüchlich. Es greift in alle Lebensbereiche ein und ist vielseitig auslegbar. So taugt Nachhaltigkeit auch hervorragend als neoliberaler Kampfbegriff, wenn es etwa um die Kürzung von Renten oder strikte Austeritätspolitik geht. Schließlich müsse man nachkommende Generationen vor hohen Staatsschulden bewahren. Auf der anderen Seite dient sie als Klammer für esoterischen Irrationalismus bis hin zur Verehrung von faschismusaffinen, rassistischen Naturphilosophen wie Rudolf Steiner, dem wir nicht nur die Waldorf-Schulen, sondern auch die biodynamische Landwirtschaft zu verdanken haben. In den urbanen Mittelschichten ist Nachhaltigkeit zum Distínktionsmerkmal geworden, in den Werbeagenturen und PR-Abteilungen zum zentralen Verbreitungs- und Vermarktungsargument für Ideologien, Produkte und Dienstleistungen.

Wer sich in diesem Sinne gründlich daneben benehmen will, hat viele Möglichkeiten. Man kann beispielsweise den Kauf von Bio-Lebensmitteln verweigern, das „Fairtrade“-Siegel konsequent ignorieren, Pauschalreisen buchen, regelmäßig Fleischprodukte zu sich nehmen, die häusliche Stromversorgung nicht aus 100% erneuerbaren Energien bestreiten, sein so genanntes Übergewicht gleichmütig zur Kenntnis nehmen und bei der Behandlung von Krankheiten auf die „Schulmedizin“ vertrauen.. Dann ist man schon ein ziemlich schlechter, nicht bewusst lebender Mensch, der sowohl an seinem eigenen Verfall, als auch am drohenden Untergang der menschlichen Zivilisation ein gerütteltes Maß Schuld trägt. Dabei sind die Verdikte zunehmend aggressiver agierender Sektenpropheten, wie z.B. Veganern und anderen Selbst- und Weltoptimierern, noch gar nicht berücksichtigt, denn da hängt die Latte noch wesentlich höher.

Die informellen Diktate der Nachhaltigkeitsideologie haben einiges gemeinsam. Sie enthalten stets ein paar Körnchen Wahrheit, aber auch jede Menge Lügen. Sie sind über kurz oder lang stets marktkompatibel und politisch in viele Richtungen instrumentalisierbar. Beginnen wir mit „bio“, sozusagen der Basisversion der bewussten Lebensführung. Die in Deutschland stetig wachsende Nachfrage nach ökologisch angebauten Lebensmitteln führt in vielen Anbauländern längst zu jenen desaströsen Monokulturen, Umwelt- und Naturzerstörungen, die durch diese Art der Landwirtschaft eigentlich überwunden werden sollten. Besonders augenfällig ist das in einigen spanischen Provinzen, wo vor allem Tomaten, Paprika, Gurken und Erdbeeren zunehmend „ökologisch“ für den deutschen Markt angebaut werden. Dieser Boom bringt den örtlichen Großbauern und den hiesigen Groß- und Einzelhändlern zwar satte Profite, aber die Böden in großen Teilen Andalusiens sind längst ausgelaugt, die Grundwasserknappheit ist dramatisch, der Blick streift nicht über Gemüsefelder, sondern über ein schier endlosen Meer von Plastikplanen. Längst kämpfen Umweltschützer gegen die neuen Megafarmen „die im Namen von bio die Natur zerstören“, wie es Marcos Diéguez von der Gruppe Ecologistas en Acción  im November im „stern“ formulierte. Doch davon will der deutsche Bio-Kunde ebensowenig wissen, wie von den Arbeitsbedingungen der meist nord- und schwarzafrikanischen Saisonarbeiter, die dort für unseren „nachhaltigen Konsum“ tätig sind. Und das gilt auch für die Massentierhaltung, die in der deutschen Biobranche vor allem für die Eier- und Milchproduktion längst Standard ist.
Doch man zahlt gerne einen Aufpreis für ein gutes Gefühl, denn auch in Bezug auf Qualität und Verträglichkeit lebt die Bio-Branche in erster Linie von liebevoll gepflegten Mythen. So sehen das auch ausgewiesene Kritiker der konventionellen, industrialisierten Landwirtschaft wie die Stiftung Warentest oder die Verbraucherschutzorganisation foodwatch. Es gebe „keine belastbaren Beweise, dass Bionahrung per se vorteilhafter für die Gesundheit ist", sagte deren stellvertretender Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt in einen Interview. Auch Geschmackstests lassen in der Breite keine Vorteile für Standardprodukte aus ökologischer Erzeugung erkennen. Natürlich gibt es Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Möhren, Äpfel und Birnen oder auch Eier, Milchprodukte und Weine, die eindeutig besser schmecken als andere. Aber das Ökosiegel ist dafür alles andere als ein verlässlicher Indikator. 

Daher hat sich in der Biobranche mittlerweile ein Edelsegment etabliert. Produkte von Verbänden wie Demeter und Bioland werden nach deutlich strengeren Kriterien zertifiziert. Sie machen aber nur einen Bruchteil des Angebots aus und sind zudem nochmals deutlich teurer. Also setzt die Branche noch einen drauf, gemäß dem Motto: „Regional ist das neue bio“. Lebensmittel aus dem Umland, mit kurzen Transportwegen und Lagerzeiten? Auch das ist wenig mehr als gefühliger Schwindel, wenn man mal von kleinen Direktvermarktern und Produkten mit offiziell zertifizierter geschützter geografischer Herkunftsangabe absieht. Der Begriff regional ist gesetzlich nicht definiert. Bei verarbeiteten „regionalen“ Produkten können die Rohstoffe von sonstwoher kommen, und auch die Milch von der „regionalen“ Molkerei hat oft sehr weite Wege hinter sich. Bei Obst und Gemüse ist es auch mit dem oft zitierten „ökologischen Fußabdruck“ nicht so gut bestellt, wie es der „bewusste“ Käufer gerne hätte. Der monatelang im Kühlhaus gelagerte Apfel von nebenan  hat auf seinen Lebensweg zum Käufer im Frühjahr jedenfalls deutlich mehr Energie verbraucht als ein saisonal geernteter Importapfel aus anderen Teilen der Welt.

Natürlich will fast niemand auf Produkte aus fernen Ländern vollständig verzichten. Ein Asketismus, der den Verzicht auf Kaffee, Tee, Bananen, Mangos, Pfeffer, Reis u.v.a.m. beinhaltet, ist selbst  unter ausgewiesenen Freunden von „Nachhaltigkeit“ und „Regionalität“ nur eine marginale Randerscheinung. Für den perfekten Selbstbetrug gibt es in diesen Fällen das „Fairtrade“-Label. Dies suggeriert eine hohen moralischen Anspruch. „Faire“ Preise für die Erzeuger, die damit die Lebensbedingungen der Arbeiter vor Ort verbessern, beispielsweise durch höhere Löhne, den Bau von Wohnungen Schulen und die Gewährleistung medizinischer Versorgung. Auch hier gilt: Man zahlt seinen Ablass für ein gutes Gewissen und guckt lieber nicht etwas genauer hin. Dokumentiert sind etliche Fälle in Lateinamerika und Afrika, wo selbstversorgende Kleinstbauern vertrieben wurden, um Platz für lukrative, exportträchtige „Fairtrade“ -Monokulturen zu schaffen. Auf den Bildern von glücklichen Kindern, die jetzt dank „fairtrade“ eine Lehmhütte als Schulgebäude haben, ist davon leider nichts zu sehen. Auch ist es den Betrieben erlaubt, nur einen Teil ihrer Produktion zu zertifizieren bzw. bei verarbeiteten Produkten muss für das begehrte Siegel nur ein bestimmter Teil der verwendeten Rohstoffe aus „fairer“ Herstellung kommen. Ein schönes Beispiel für diesen Etikettenschwindel schilderte vor zwei Jahren die Verbraucherzentrale Hamburg. Ein Eiskaffeehersteller schraubte seinen Anteil an fair gehandelter Ware von sechs auf 60 Prozent hoch, indem er bei den Zutaten das Wasser und den Wasseranteil der Milch heraus rechnete. Ohnehin kommt von dem beträchtlichen Aufpreis, der hier für „Fairtrade“-Produkte gezahlt wird, nur ein Bruchteil bei den Produzenten an, der Rest landet bei Zertifizierungsstellen und in Form von Extraprofiten bei Groß- und Einzelhändlern.

Allerdings geht der Nachhaltigkeitsschwindel nicht nur durch den Magen. Individualreisende und Ökotouristen in fernen Gefilden sorgen in ihrer Gesamtheit zumindest mittelfristig für ähnliche soziale und ökologischer Verwerfungen wie die Nutzer von Bettenburgen auf Malle und den Malediven. Die Sinnlosigkeit des Bezugs von teurem Ökostrom sollte angesichts der Ausweitung der Kohleverstromung in Deutschland eigentlich auf der Hand liegen, vom europäischen Stromverbund ganz zu schweigen.

All dieser und vergleichbarer Humbug wäre vernachlässigenswert – wenn er nicht mit dem Impetus der moralischen Überlegenheit zelebriert würde. Oder gar mit der Überzeugung, dass man schließlich „etwas tut“ für die soziale und ökologische Zukunft der Menschheit. Dabei müssten wir tatsächlich „etwas tun“, nämlich gesellschaftliche Rahmenbedingungen für nachhaltige Entwicklung im umfassenden Sinne zu schaffen. Mit dem Kassenzettel vom Biomarkt als Ablassquittung und der Fairtrade-Banane auf dem Obstteller kommt man in dieser Hinsicht jedenfalls keinen Schritt weiter. Also lasst uns gefälligst unbehelligt essen und trinken, was uns schmeckt und preislich angemessen erscheint, Geld bei der Wahl des Stromanbieters sparen, den Urlaub verbringen, wie wir es mögen und dabei auch ganz viel Unvernünftiges tun.

Macht ist nur eine Illusion

Ja, ich gebe es zu. Ich selbst bin über Jahrzehnte auf der Suche nach dem Alleinschuldigen oder einer kleinen Gruppe von Alleinschuldigen gewesen. Ich habe mich dann meist damit begnügt, das Großkapitals zu benennen ohne wirklich klar zum Ausdruck zu bringen, wer dass denn nun ist. Meine Leser sind mir da meist gerne gefolgt. 

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Lehren aus der Causa Holm: Vergesst endlich Die LINKE in Berlin

Das unwürdige Trauerspiel hat ein Ende. Andrej Holm ist von seinem Amt als Bau- Staatsekretär zurückgetreten und damit seinem bereits beschlossenen Rauswurf zuvorgekommen. Mit Holm hatte die LINKE einen profilierten Stadtsoziologen und Gentrifizierungskritiker in den Senat geholt, der sich nie zu schade war, aus dem universitären Elfenbeinturm zu den stadtpolitischen Initiativen und Kiez-Mietergruppen „herab zu steigen“ – und dort auch kräftig mit anzupacken, wie ich es konkret in Moabit erlebt habe.

Für die LINKE war die Berufung von Holm – der zu den schärfsten Kritikern der „rot-roten“ Wohnungspolitik in der Hauptstadt von 2002-2011 gehörte – natürlich auch der Versuch, neuen Kredit bei Mietergruppen und anderen außerparlamentarischen Sozialbewegungen zu erhalten. Der ist mit seinem schnellen Rauswurf bereits wieder komplett verspielt.

Als Vorwand für seine schnelle Demontage, die von einer Medienkampagne wie zu besten Zeiten des Kalten Kriegs begleitet wurde, diente ein Personalfragebogen der Humboldt-Universität aus dem Jahr 2005, in dem Holm eine hauptamtliche Tätigkeit für das Ministerium für Staatsicherheit der DDR – kurz „Stasi“ – verneint hatte. Es gibt die Auffassung, dass es sich bei seiner 1989 begonnenen Ausbildung als Offiziersschüler (die nach fünf Monaten mit dem Ende der DDR ebenfalls endete), um eine hauptamtliche Stasi-Tätigkeit gehandelt hat, während Holm sich darauf beruft, dies eben als Ausbildung im Rahmen seines Wehrdienstes angesehen zu haben. Die arbeitsrechtliche Bewertung dieser „Falschangabe“ steht noch aus, von einer konsistenten historischen Bewertung ganz zu schweigen. Daraus, dass er sich bereits als 14jähriger für eine spätere Laufbahn beim MfS verpflichtet hatte, machte Holm nie einen Hehl, unter anderem 2007 in einem großen Interview in der taz, wo er seine Beweggründe dafür schildert und sich auch eindeutig von diesem System distanziert.

Doch darum geht es nicht. Vielmehr wollten SPD und Grüne dem Koalitionspartner LINKE ganz schnell zeigen, wo der Hammer hängt. Und für den alten Westberliner Wohnungsbaufilz war Holm als Staatssekretär ohnehin der Leibhaftige.

Natürlich ist die LINKE eingeknickt, anstatt klipp und klar zu sagen: „Holm bleibt oder wir gehen“. Regierungsbeteiligung ist für die beiden „Clans“, die die Berliner LINKE als Familienbetrieb führen, schon lange ein Wert an sich.

Die „rot-rot-grüne“ Koalition wird jetzt natürlich weitermachen. Wer mit dieser Konstellation noch immer die Hoffnung auf einen Politikwechsel verbindet, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Für alle anderen heißt es: Ärmel aufkrempeln und gemeinsam mit Holm außerparlamentarisch für eine soziale Wohnungspolitik, gegen Verdrängung und Spekulation zu kämpfen.

Denn Holm hat sich mit seinem erzwungenen Rücktritt nicht heimlich durch die Hintertür davon geschlichen, sondern gleich am Montag eine knallharte Erklärung zu den Vorgängen abgegeben und für den Abend zu einem ersten Treffen eingeladen. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, diesem verfilzten Senat und dieser verrotteten LINKEN in der Stadt, etwas entgegen zusetzen. Es ist höchste Zeit.

 

 

Duckhome ist nicht tot.

Ich habe seit Freitag Abend praktisch kein Netz wegen Störungen bei Vodafone. Deshalb keine Beiträge von mir. Aber heute ist nicht alle Tage, Ich komm wieder ohne Frage. Ach ja das ist eine ernsthafte Drohung., 

Trauriger Alltag

Das schlimmste an einem Sonntag ist, dass ihm ein Montag folgt. Aber es ist auch nicht der Montag, es ist der Alltag mit all seiner Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit. Ich bin ein alter Mann, aber wenn mir ein siebzehnjähriges Mädchen erzählt, das ja sowieso alles sinnlos sei, dann nimmt mich das mit. Es macht mich traurig. 

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Filmkritik

Emma Peel, musste sich erst mal eine kubanische Zigarre und einen doppelten Scotch rein ziehen, als sie von ihrem neuen Auftrag erfuhr. Venus-Falle für Trump, – in einem Moskauer Hotel. Für ein Dossier, was man hier im Westen zwischen FBI, CIA, NSA  oder diesseits vom Teich MI5 bzw. MI6 und SWR, FSB, FSO bzw. FPS im nordöstlichen Eurasien rum reichen konnte. Was für'ne Scheiße. Der Job machte sie echt fertig. Seid der alte John Steed sich mal aus Versehen mit seiner Stahl-Melone selbst erschlagen hatte, eierte sie im Auftrag einer Verleihfirma für Geheimagenten von einem miesen Job zum anderen. Brexit hin, Brexit her. Kack-Deutsche, mit ihrer Agenda2010 und Leiharbeit auch noch als Europa-Modell mit Flügeln. Den Obermotz von dem Mist hamm'se damals nicht flach gelegt um was gegen ihn in der Hand zu haben. Heute macht der genauso auf Putin-Kumpel wie diese präpotente Knalltüte am anderen Ende transatlantischer Hirnrisse.
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Rechte Internationale

Die "Junge Welt", für mich so ziemlich das einzige lesbare Blatt in dieser BRD, hat in der heutigen Ausgabe einen Artikel, der folgende Überschrift hat: 

"Rechte Liebschaften
Delegation der FPÖ aus Österreich in Moskau empfangen. Russland will konservative Internationale"

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Das Elend der antiimperialistischen Linken in Deutschland

Quelle: Die Freiheitsliebe 

Wenn sich heute jemand die Mühe macht ein paar gängige Facebook-Seiten der sogenannten antiimperialistischen Linken unter die Lupe zu nehmen, dann fällt schnell auf, dass Gruppen wie die Antiimperialistische Aufklärung, ähnlich wie Teile der DKP und DIE LINKE auch, nicht nur den russischen Imperialismusabstreiten, Bashar al-Assad unterstützen und von der Befreiung Aleppos reden. Einige gehen sogar noch weiter.

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2017 – Schwarze Wolken am Horizont

Wer einen positiven Text zum Jahresanfang erwartet oder erhofft hatte, der ist bei mir leider falsch. Für FakeNews sind auch weiterhin unsere Politiker und die Systemmedien zuständig. Aber auch ich muss an dieser Stelle ausdrücklich warnen. Mein Text beruht auf meinen Erkenntnissen, Erfahrungen, nachprüfbaren und nicht nachprüfbaren Fakten und leider eben auch auf Gerüchten. Deshalb bitte selber mitdenken und nicht einfach glauben.

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Weihnachtliche Angst

Immer wenn die Zeit herankommt wo tüchtige Kaufleute ihren Streit begraben und bunte Lichter in kahle Bäume hängen lassen um eine Stimmung zu erzeugen, die uns an die Kassen treiben soll, um den Profit zu erhöhen und manchmal auch nur um das eigene Überleben zu sichern, dann packt viele Menschen die Angst. 

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Eine Welt ohne Bundesliga ist möglich – aber sinnlos

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Bundesliga ist, wenn 18 Mannschaften in einer Doppelrunde gegeneinander spielen und am Ende der FC Bayern Meister wird und der HSV (warum auch immer) nicht absteigt. Natürlich ist dieses eherne Gesetz ein ziemlicher Spannungskiller, dennoch hatte die Hinrunde in dieser Saison einiges zu bieten.

Wie schon in den Vorjahren zu beobachten, spielen einige Vereine bislang weit über ihren eigentlichen Verhältnissen. Das gilt diesmal vor allem von Hertha BSE, Eintracht Frankfurt, den 1.FC Köln, aber auch den FC Freiburg. Es spricht allerdings wenig dafür, dass diese Klubs ihre derzeitigen Positionen bis zum Saisonende verteidigen können.

Durchaus erwartbar dagegen die Bilanzen von SAP Hoffenheim (bislang ungeschlagen) und Dosenplörre Leipzig. Das Hassobjekt aller „traditionsbewussten“ Fans verfügt nicht nur über enorme finanzielle Mittel, sondern auch über eine Erfolg versprechende Mannschafts- und Spielphilosophie: Nur junge Spieler wurden in den vergangenen drei Jahren eingekauft, die allerdings vom Feinsten (Poulsen, Selke etc.). Auf dem Feld wird 90 Minuten gerannt und gepresst, dass so manchem arrivierten Gegner schwindlig wurde. Gegen Bayern in guter Form reicht das noch nicht, das 3:0 am Mittwoch war eine Lehrstunde. Doch ein 2. Platz am Saisonende wäre keine Überraschung.

Die Loser der Vorrunde sind zweifellos die westdeutschen Traditionsvereine und Bayer Leverkusen. Schalke legte mit einer neu formierten Mannschaft einen desaströsen Saisonstart hin (Fünf Niederlagen), erholte sich dann sichtlich, um schließlich von einer kaum fassbaren Verletzungsserie heimgesucht zu werden. Sturm und Verteidigung bestehen derzeit fast nur aus Spielern, denen ihr 18. Geburtstag noch in recht frischer Erinnerung sein dürfte. (Reese, Kehrer, Avdijaj usw.) Für die Gurken-Gegner in der Euro-League reichte das, für den Bundesliga-Mainstream nicht. Doch der Klub bewahrt Ruhe, was wohl die eigentliche Überraschung ist. In der 2. Saisonhälfte wird es mit Sicherheit nach oben gehen, aber die Champions League ist schon jetzt in arg weiter Ferne.

Leverkusen und Gladbach befinden sich offensichtlich in eine regressiven Phase. Von dem teilweise begeisternden Offensivfussball der letzten Saison ist kaum noch etwas zu sehen, die Systeme funktionieren nicht, vor allem das Umschaltspiel von der Abwehr zum Angriff. Ob sich das zeitnah mit neuen Trainern beheben lässt, bleibt abzuwarten, wobei Leverkusen die besseren Karten hat.

Auch der unter dem Fake-Namen Borussia Dortmund bekannte Klub aus Lüdenscheid-Nord bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Zwar liegt man als derzeit 6. nur drei Punkte hinter einem direkten Champions-League-Platz, doch für den vermeintlich einzig Ernst zu nehmenden „Bayern-Jäger“ ist das natürlich viel zu wenig. Offensichtlich konnten die Abgänge von Gündogan und Hummels bislang nicht kompensiert werden. Dennoch verfügt der BVB über einen Top-Kader und mit Thomas Tuchel über einen nahezu mythisch verklärten „Wundertrainer“. Warum eigentlich? Ja, Tuchel hat einen Underdog wie Mainz zu erstaunlichen Erfolgen geführt, doch „da oben“ wird die Luft offensichtlich dünner. Vielleicht ist er ja der derzeit am meisten überschätzte Trainer der Bundesliga. Denn was sich der BVB derzeit regelmäßig an Abwehrpatzern auch gegen eher limitierte Gegner leistet, lässt sich nicht aus der Qualität der einzelnen Spieler ableiten, sondern spricht für systemische Mängel.

Bleibt ein Blick nach unten. Wie immer haben es Aufsteiger, die in der Euphorie ihrer 1. Saison in der Bundesliga über sich hinaus wuchsen, in der Folgesaison extrem schwer. Das gilt diesmal für Ingolstadt und Darmstadt. Beide sind jedenfalls heiße Kandidaten für den direkten Abstieg. Natürlich wünscht sich jeder Humanist, dass es endlich den Scheiß-HSV erwischt, doch der wird sich wohl wieder auf den Relegationsplatz retten.

Zum Schluss meine ultimative Prognose für die Abschlusstabelle der Bundesliga, und bekanntlich liege ich (fast) immer komplett richtig. Bayern wird Meister, gefolgt von Leipzig, Dortmund und Hoffenheim. Um die Euro-League-Plätze balgen sich Hertha, Frankfurt und Leverkusen, vielleicht (die Hoffnung stirbt zuletzt) auch noch Schalke. Der Rest kämpft um die berühmte Goldene Ananas, die Absteiger nannte ich schon.

Ach so: Natürlich gewinnt der FC Bayern erneut NICHT die Champions League.

Geschehnisse am Breitscheidplatz in Berlin

Vielen Dank für die Unmenge an Mails und Nachfragen. Es geht uns gut. Aber weder ich noch andere Duckhome-Autoren können zur Zeit Stellung nehmen. Wir wissen alle einfach nicht genug und die Spekulationen wollen wir dann doch lieber anderen überlassen.

Eine Kritik an der Polizei oder am Landeskriminalamt ist unangebracht. Solche Ermittlungen brauchen Zeit.

Unser Dank gilt den vielen Helfer, den Besonnenen, den Rettungskräften und der Polizei. Soweit man dazu fähig ist in dieser Zeit, gilt unser Mitgefühl den Opfern, den Toten und Verletzten und ihren Angehörigen.

Angesichts unserer kriegswütigen Regierung muss allerdings bemerkt werden, dass es nicht Putin war, der am Tatort verhaftet wurde. Es waren auch nicht die Muslime und wenn der Tagesspiegel berichtet, dass der vermutliche Fahrer zwar polizeibekannt war, aber sich nicht sicher ist ob er nun Afghane oder Pakistani sein, dann wird auch dem Dümmsten klar, dass es schon jetzt nicht mehr um Berichterstattung, sondern um die Verbreitung von neuem Hass geht.

Vernünftig und ruhig bleiben ist angesagt.

 

 

Fröhliche Weihnachten mit Erdogan

Natürlich ist es absurd, dass in einer staatlich anerkannten deutschen Schule in Istanbul keine Weihnachtslieder gesungen und Adventskalender mehr gebastelt werden dürfen. Und es ist auch vollkommen richtig, sich darüber aufzuregen.

Aber es ist auch eine willkommene Ablenkung von den eigentlich wichtigen Geschehnissen. In der Türkei herrschen in trauter Eintracht staatliche Willkür und islamistischer Mob , man kann ohne Übertreibung von faschistischem Terror sprechen. Fast alle gewählten Bürgermeister der demokratischen Oppositionspartei HDP sowie deren Führungsspitze und diverse Parlamentsabgeordnete sitzen im Gefängnis. Ein Schicksal, das sie mit tausenden Journalisten und Lehrern teilen. Überall im Land werden die Büros der HDP angezündet, besonders im kurdischen Teil der Türkei sind Lynchmorde an der Tagesordnung.

In Deutschland lebende Türken werden offiziell aufgefordert, Oppositionelle zu denunzieren , die staatliche Religionsbehörde, als deren verlängerter Arm in Deutschland DITIB agiert, schickt sich an, hiesige Moscheevorstände zu säubern. Auch hier häufen sich gewalttätige Übergriffe auf Vereine und Einzelpersonen, die vom AKP-Regime als „Terroristen“ angesehen werden, wobei dies mittlerweile ein Sammelbegriff für alles und alle ist, die den Kurs von Erdogan nicht unterstützen.

Die Bundesregierung und die Behörden quittieren das mehr oder weniger mit einem Achselzucken. Man stützt und bezahlt das Erdogan-Regime, damit es uns die Flüchtlinge vom Hals hält. Man schickt auch weiterhin Waffen in Türkei, die u.a. gegen die kurdische Zivilbevölkerung oder die – offiziell eigentlich unterstützten – kurdischen Milizen in Syrien eingesetzt werden.

Hat das alles was mit dem Islam zu tun? Ja und nein, aber das will ich hier nicht weiter vertiefen. Offensichtlich ist allerdings, dass der sunnitische Islam offensichtlich die Grundlage für diktatorische und eliminatorische Strömungen bildet, sei es in Form des IS, sei es in Form des türkischen (und auch saudischen) Staatsterrorismus. Solche Ausprägungen gibt es allerdings auch unter schiitischer Flagge, wie die jüngere Geschichte des Iran veranschaulicht.

Religion ist nach unserem Staatsverständnis Privatsache. In diesem Sinne ist die Religionsfreiheit ein hohes Gut, das niemand in Frage stellen sollte. Dazu gehört auch der Bau von Moscheen. Das heißt aber auch, dass jeglicher normative Anspruch von Religionen auf die Ausgestaltung von Rechtsverhältnissen und säkularen Grundprinzipien strikt unterbunden werden muss. Das spezielle Arbeitsrecht der christlichen Kirchen gehört daher ebenso auf den Müllhaufen, wie das Recht der türkischen Religionsbehörde, in deutschen Moscheen nach eigenem Gutdünken zu agieren. Und es geht auch um die „weltliche“ Ebene. Natürlich gibt es viele gute Gründe und Notwendigkeiten, faschistische Organisationen wie die NPD oder „Freie Kameradschaften“ zu verbieten. Doch es darf auch keine Toleranz für die faschistische Propaganda von Erdogan-Anhängern geben. Im Gegenteil: Der deutsche Staat muss hier lebende, oppositionelle Türken und Kurden mit allen Mitteln davor schützen.

Tut er aber nicht. Weil Erdogan ein „wichtiger Verbündeter“ ist. Na dann: Frohe Weihnachten.

 


 


 

 

Kretschmanns Weltbild

Eigentlich hatte ich mir für heute vorgenommen, etwas über einen Beitrag im "OXI-Blog" zu schreiben. Der Artikel "die altkommunistische Kamelle vom Verrat der SPD" (https://oxiblog.de/die-alte-kamelle-vom-verrat-der-spd/) von Hermann Adam ist gegen einen Artikel im gleichen Blog von Fabian Scheidler vom Vortage gerichtet. Eigentlich wollte ich mich über besagten Artikel von Adam auslassen, bei dem man die Gewerkschaftsnähe, somit die Nähe zur deutschen Sozialdemokratie deutlich merkt. Ich wollte mich allein schon über das abwertend gemeinte "altkommunistisch" äußern. Zumal ich die Aussagen Adams für falsch halte. Außerdem gibt es keine Altkommunisten, es gibt Kommunisten. Aber dann las ich etwas in diesem Artikel, was mich unglaublich ärgerte.  Das, was ich dort lesen musste ist ganz typisch für diesen verfluchten verhassten Neoliberalismus. 

Weiterlesen

Prost, Genossen!

In der Wochenendausgabe des “Neuen Deutschland” vom 17/18. Dezember wurde mein “linkes Weihnachtsmenü” aufgetischt. Da der Text im Internet nur für Abonnenten abrufbar ist, veröffentliche ich ihn auch hier, ergänzt durch Hinweise auf die erwähnten Weine

Anständig die Plauze vollhauen

Kann man auch beim Weihnachtsessen den Klassenstandpunkt beibehalten? Von Rainer Balcerowiak

Sich mit der Familie oder Freunden anständig die Plauze vollzuhauen, gehört nach wie vor zu den beliebtesten Weihnachtsritualen in Deutschland. Dabei haben sich im Laufe der Jahrhunderte eindeutige Präferenzen für die Art der Völlerei entwickelt. Wie eine Untersuchung der Hochschule Anhalt in Bernburg ergab, soll es an den Feiertagen in der Regel immer noch der klassische Braten sein, in der Reihenfolge Gans, Ente und Pute. Dazu Grün- und/oder Rotkohl sowie Klöße bzw. gekochte Kartoffeln. Als Nachspeise erfreut sich Rote Grütze mit Vanillepudding nach wie vor großer Beliebtheit.

Aber einfach so essen, was alle essen, kommt für gestandene Linke als ausgewiesene Nonkonformisten natürlich nicht infrage. Auch in den Momenten der Völlerei verlieren wir niemals unseren Klassenstandpunkt und unsere internationalistische Gesinnung. Scheinreligiöse Besinnlichkeit ist uns fremd, vielmehr nutzen wir das Fest kurz vor dem Jahresende für eine Bilanz der nationalen und internationalen Klassenkämpfe – was sich natürlich auch auf den Tellern und in den Gläsern auf dem mit rotem Tuch ausgelegten Esstisch widerspiegelt. Entsprechend sorgsam, ja nahezu dialektisch-materialistisch wird das Weihnachtsmenü zusammengestellt.

Allerdings müssen manchmal noch ein paar Klippen umschifft werden. Was machen wir, wenn sich die Teilnahme von einem oder gar mehreren Veganern an dem Weihnachtsschmaus beim besten Willen nicht vermeiden lässt? Möglicherweise haben sich ja enge Familienangehörige dieser Sekte angeschlossen. Doch auch dieser Herausforderung begegnen wir mit marxistischer Analyse und revolutionärer Praxis. Dabei ist der wissenschaftlich-technische Fortschritt auf unserer Seite. Einschlägige Händler bieten mittlerweile beliebig formbare Soja- oder Weizenpampe in jeglicher Konsistenz an. Dazu noch ein kleines Sortiment Lebensmittelfarbe, und man kann so ziemlich jedes Gericht in einer veganen Variante nachbauen. Einfacher hat man es mit den ebenfalls zahlreicher werdenden Anhängern von Paläokost. Sie bekommen das, was man für die anderen Gäste kocht, einfach roh auf den Teller. Im Notfall bliebe noch die gute alte Losung »Hier wird gegessen, was auf den Tisch kommt.«

Aber jetzt kann es endlich losgehen. Beginnen wir mit der Vorspeise. Ja, es sind wirklich harte Zeiten für die französische Linke. Eingeklemmt zwischen dem Vormarsch der Rechtspopulisten und einer neoliberal gewendeten Sozialdemokratie hat sie die schwierige Aufgabe, glaubwürdige Alternativen zur herrschenden Politik zu formulieren und im Volk zu verankern. Wir fühlen uns mit ihnen verbunden und tischen auf, was auch bei keinem anständigen französischen Weihnachtsmenü fehlen darf: Pro Person ein halbes Dutzend Austern, dazu Baguette. Die Solidarität unterstreichen wir mit einem deutschen Wein, der noch dazu nahe der französischen Grenze an der südlichen Mosel gedeiht: Elbling trocken 2015 von Stephan Steinmetz, der mit seiner dezenten Frucht und knackiger Säure die leicht salzigen Austern wunderbar ergänzt.

Falls es Gäste gibt, denen sich schon beim Gedanken an Austern der Magen umdreht, wären Muscheln eine Alternative, die werden immerhin nicht roh verzehrt. Aber wenn, dann auf bretonische Art in Weißwein mit Lauch und Knoblauch, sonst wackelt die Symmetrie des internationalistischen Menüs.

 

Kein linkes Weihnachtsmenü ohne anständigen Wein!

Natürlich darf aus politischen und kulinarischen Gründen auch ein Abstecher nach Italien nicht fehlen. Die sozialdemokratische Renzi-Regierung hat sich mit dem gescheiterten Verfassungsreferendum aus dem Orbit geschossen, das Bankensystem wackelt bedrohlich, die Arbeitslosigkeit hat besonders bei jungen Erwachsenen einen dramatischen Stand erreicht. Auch hier ist die Linke in einer schwachen Position, Rechtspopulisten und die schwer einzuordnende Chaos-Bewegung des gelernten Komikers Beppe Grillo sind auf dem Vormarsch. Aber genusspolitisch wird Italien auch für deutsche Linke immer eine Inspirationsquelle bleiben. Wir setzen unseren Schmaus daher mit einem Steinpilz-Risotto fort. Das mag – ähnlich wie die Austern – arg extravagant oder gar snobistisch anmuten, handelt sich aber in beiden Fällen um feste Bestandteile der kulinarischen Alltagskultur dieser Länder. Beim Risotto darf man gerne auch getrocknete Steinpilze verwenden, Hauptsache, man nimmt den richtigen Reis. Auch hier bleiben wir bei unserer Linie und senden einen Weingruß aus Deutschland an die gebeutelten Nachbarn. Fündig wird man unter anderem in Franken, wo das Weingut Popp den »Julius-Echter-Berg 2015«, einen sehr ungewöhnlichen, ausgesprochen fülligen Silvaner im großen Holzfass reifen lässt. Die erdigen Noten der fränkischen Paradesorte sind – gepaart mit dezenter Holzwürze und reifen Mandel- und Birnenaromen am Gaumen – optimaler Partner für das Pilz-Risotto, sozusagen Ausdruck einer großen deutsch-italienischen Freundschaft.

Bei einem an der politischen Lage Europas orientierten Weihnachtsmenü dürfte eigentlich ein Schwenk nach Großbritannien nicht fehlen. Zum einen war die Brexit-Entscheidung eines der wichtigsten politischen Ereignisse des Jahres. Zum anderen sind in der Labour Party erstmals seit langen Phasen neoliberaler Dominanz wieder sozialistische Kräfte auf dem Vormarsch. Man würde sich gerne bei einem Gang mit den britischen Genossen freuen und auf sie anstoßen. Aber wie soll das gehen? Gehackte Innereien mit Minze? Vielleicht sogar Fish and Chips? Und das alles mit Cider runterspülen? Nö, Genossen, bei aller solidarischen Verbundenheit – was zu weit geht, geht zu weit.

Außerdem gibt es auch in unserem Land einiges zu reflektieren. Gefühlte 50 Jahre Merkel und kein Ende absehbar. Siegeszug der AfD und große Probleme, darauf eine schlagkräftige Antwort zu finden. Dennoch sollte sich kein Linker einer gewissen Heimatverbundenheit verschließen. Wer aber nicht auf dem Teller haben will, was auch Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Frauke Petry auftischen, verzichtet auf Gans und Ente und greift auf heimisches Wild zurück. Wir bleiben dabei bodenständig, meiden den edlen Rehrücken und greifen zur Wildschweinkeule mit Kartoffel-Maronen-Plätzchen und Rotkohl. Und um der Bodenständigkeit die Krone aufzusetzen, kredenzen wir dazu einen schwäbischen Rotwein. Der »Bönnigheimer Sonnenberg 2013 Lemberger« von Christian Dautel bietet am Gaumen herbe und saftige Beerenfrucht, Sauerkirsche, enorm viel Würze (vor allem Holunder) und ein bisschen Pfeffer. Und er ist garantiert nicht natural, schwefelfrei, bio-vegan-dynamisch oder in der bei Vollmond eingegrabenen Amphore vergoren, wie es derzeit Mode ist, sondern einfach nur richtig gut.

Es liegt aus naheliegenden Gründen auf der Hand, eine Nachspeise aus zweierlei roter und einer grünen Grütze zu bereiten. Das halten einige ja sogar für das Topgericht des kommenden Jahres. Beim Servieren muss man allerdings sehr sorgsam vorgehen, damit sich das nicht zu einem ungenießbaren Brei vermischt. Vor allem die aus Sauerkirschen zubereitete, etwas dunklere Rote Grütze sollte klar erkennbar bleiben. Zur süßen Nachspeise gehört natürlich ein süßer Wein. Und so beschließen wir unsere politisch-kulinarische Weihnachtssause mit einem feinen Morio Muskat von Felix Waldkirch aus der Pfalz. Kein bisschen klebrig und parfümiert, wie diese Rebsorte leider meistens daherkommt. Sondern klare, süße Frucht, knackige Säure und ein feiner Muskatton. Derart gestärkt können wir den Herausforderungen des kommenden Jahres mit revolutionärem Optimismus ins Auge schauen.

Zu den Austern (notfalls Muscheln) gibst den Elbling trocken 2015 von Stephan Steinmetz. Erhältlich für 5,40 Euro ab Hof

Das Steinpilzrisotto begleiten wir mit dem Iphöfer Julius Echter-Berg Silvaner trocken im Holzfass gereift 2015 vom Weingut Ernst Popp für 11,90 ab Hof.

Dem Brandenburger Wildschwein gönnen wir den Bönnigheimer Sonnenberg Lemberger trocken 2013 vom Weingut Dautel für 19,80 bei wirwinzer

Und der liebliche Morio Muskat  Kabinett 2015 darf dann die rot-rot-grüne Grütze umschmeicheln. Denn gibt es beim Weingut Felix Waldkirch für 6,60 Euro ab Hof

Wohl bekomm’s.

Neues vom Lehrer Kraus

Neues von Duckhomes Lieblingslehrer dem Lehrerverbandsvorsitzende Josef Kraus, der fest verwurzelt im tiefsten Mittelalter und der Anbetung seiner bayrischen Heimat, regelmäßig dummes Zeug von sich gibt, das uns alle in die falsche Richtung führen soll und selbst bei klugen Leuten Wirkung zeigt. 

So regt es ihn maßlos auf, dass in den NRW Lehrplänen von Kompetenzen die Rede ist und nicht von per Multiple Scheiß abfragbaren Wissen. Professor Harald Lesch, der mir sehr gut gefällt, hat diese Kompetenzfrage sehr gut beschrieben: 

 

Professor Lesch hat einen falschen Kompetenzbegriff, aber in seinem Video trifft er das Thema sehr gut. Weil er sich schnell von der Kompetenz trennt. Ich möchte den Begriff doch noch einmal etwas untersuchen. Wir haben uns in unserer Sprache mit vielen Begriffen sehr weit von dem entfernt, was sie ursprünglich bedeuteten. Kompetenz ist ein Wort mit sehr vielen Bedeutungen in den unterschiedlichsten Anwendungen. Sprachliche Kompetenz bewertet die Fähigkeit eine Sprache zu sprechen, sich in ihr auszudrücken und sie zu verstehen. Für mich bedeutet Kompetenz können. 

Die junge Dame die Lesch zitiert hat nicht die Kompetenz auszurechnen was 10 Prozent von 49,99 sind. Ich liebe wie Lesch Mathematik und halte sie für eine der wichtigsten Kompetenzen die ein Mensch braucht, wenn er sozial gefestigt ist. Ich erkläre meinen Kinder, das 49,99 aufgerundet 50 Euro sind und zehn Prozent davon rund 5 Euro bedeuten. Gut ich habe noch mit einem Rechenschieber angefangen. In der heutigen Schule geht es aber auch dabei um Genauigkeit. Die richtige Antwort wäre 4,99 Euro. Ein Wert den in der Praxis niemand braucht. 

Wenn unser Lehrer der Herr Kraus fordert, das in den Lehrplänen stehen muss, dass die Lateinschüler den Cicero oder gar Seneca, gelesen haben müssen, dann meint er sklavisches Übersetzen und auf gar keinen Fall ein Verständnis des Textes. Denn würden die Menschen in Bayern so kompetent sein, die beiden zu verstehen, dann sähe die politische Situation in Bayern heute anders aus, was auch für Deutschland ein Gewinn wäre. 

Das nächste Problem unseres Lehrers des Herrn Kraus, ist der durch unterschiedliche Prüfungsordnungen in den Bundesländern entstehende Unterschied, das in Bayern Prüflinge erst 30 Minuten vor der Prüfung ihr mündliches Thema bekommen, während in Hamburg die Prüflinge zwei Wochen Zeit haben eine geschliffene und fundierte Präsentation auszuarbeiten. Herr Klein, liebt es Leute mit Prüfungen Angst zu machen und die Möglichkeit zu haben, seinen Schützlingen leichte Aufgaben zuzuteilen, während vernünftige Menschen wie auch Professor Lesch Zeit für anständige Ausbildung und Lehre fordern. Ich überlege ernsthaft mal die Frau von Herrn Klein anzurufen und über sein Sexualleben zu reden. Ich hab in 30 Minuten oft noch nicht einmal den richtigen Einstieg mit einer vertrauten Frau gefunden. 

Am meisten aber stört unseren Lehrer den Herrn Kraus die Tatsache, dass sich in Berlin die Zahl der Abiturzeugnisse mit einem Notendurchschnitt von 1,0 innerhalb von zehn Jahren vervierzehnfacht hat. Der Arme. Natürlich kann ich eine Klasse alleine auf Pisa-Aufgaben dressieren und wenn ich als Lehrer eh keine Zeit und kaum Mittel habe, dann werde ich meine Schüler dahin bringen, dass die die Abituranforderungen bestmöglich erfüllen. Das ist logisch, aber nicht für Herrn Kraus. Das wahre Desaster ist noch viel größer und betrifft den ganzen Bereich von Aus- und Weiterblildung.

Wenn wir die Schule weiterhin den Anforderungen der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten unterwerfen, müssen wir immer weniger Bildung in immer kürzerer Zeit akzeptieren. Schluss mit den Orchideenfächern und zurück zur Dorfschule mit dem Lehrer Klein. Also das Gegenteil von dem was Professor Lesch forderte. Wenn wir vernünftig handeln würden, müssten wir unser Bildungssystem komplett umbauen. 

Ich hatte unserem Lehrer dem Herrn Kraus ja schon einmal aufgezeigt, wie einfach er seine und unsere Probleme lösen kann

Das Zauberwort heißt Zentralabitur. In ganz Deutschland werden an den gleichen Tagen zur gleichen Zeit die gleichen Aufgaben gestellt. Die Aufgaben werden erst 10 Minuten vor Prüfungsbeginn elektronisch in die Schulen geliefert und dort auf Druckern für die einzelnen Prüflinge und die Prüfer ausgedruckt. 

Damit es nicht zu Hilfestellungen durch die Prüfer kommt, darf kein Lehrer an seiner eigenen Schule oder auch nur im eigenen Bundesland prüfen. Damit wird überall die gleiche Leistung gemessen. Diese Leistungen werden im Netz veröffentlicht – ohne Schülernamen natürlich – aber dem verantwortlichen Lehrer und der Schule zugeordnet, so dass sich klar sagen lässt, welche Schule und welcher Lehrer gut ist und Konsequenzen gezogen werden können. 

Damit die Schüler aber nicht nur beim Abitur plötzlich mit der eigenen Unfähigkeit und der ihrer Lehrer und Schulen konfrontiert werden, müssen solche Prüfungen praktisch in allen Klassen stattfinden. Natürlich unter den Bedingungen wie die Abiturprüfungen und einmal im Jahr. 

Ich persönlich halte nicht viel von Noten und finde die Leistungsgespräche und die gemeinsame Entwicklung von persönlichenLernzielen wie sie an den Gesamtschulen in Berlin üblich ist, bedeutend besser. Aber es gibt ja viele Leute die Noten lieben. 

Nur wenn man Noten vergibt, dann müssen sie Bestand haben. Ach ja mein lieber Josef Kraus. Ich glaube keine einzige bayrische Schulnote ist wirklich werthaltig, weil es dort mehr auf Gehorsam, als auf Denken oder Lernen ankommt. Ich will jetzt nicht über Baden-Württemberg reden, wo die Leute ja stolz sind, dass sie kein Deutsch können. 

Aber das war wahrscheinlich zu groß für unseren Lehrer den Herrn Kraus. Vielleicht findet er ja einen Erklärbären oder versteht das was Professor Lesch uns sagte. Hoffnung habe ich allerdings keine und kann wie immer nur die Frage stellen, wie können Lehrer so blöd sein sich von diesem Typen vertreten zu lassen. Ich kenne haufenweise Lehrer die mehr Intelligenz und Gefühl im kleinen Zehennagel haben, als unser Lehrer der Herr Kraus insgesamt hat. Ach ja weil ich immer von Lehrern spreche. Die Lehrerinnen sind natürlich genauso gemeint.  Ihr seid gut, also trennt euch von solchen Typen und macht euer Ding. Die Eltern stehen in ihrer Mehrheit hinter euch und die Schüler nach meiner Meinung auch. 

Für mich sollten die Lehrer Verkäufer sein die ihren Schülern die Werkzeuge fürs Leben verkaufen und dies so gut und spannend machen, dass die Schüler darauf abfahren. Die fröhliche Schule, die in bester Ausstattung Lehrern wie Schülern ein tolles Erlebnis bietet und dabei, quasi nebenbei Kompetenzen vermittelt die Können sind. 

 

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