Bürgerarbeit, Leiharbeit, Sklavenarbeit, Zwangsarbeit

Alles neu macht der Mai. Dann sollen sie endlich kommen. Die arbeitswütigen Horden aus dem Osten, die für ein paar Cent in Deutschland malochen und den Arbeitgebern schwindelerregende Gewinne bescheren sollen. Man ist schon bereit die letzen deutschen Beschäftigten endgültig in Hartz IV zu verabschieden. In der Ukraine kriegt man einen Arzt für unter 400 Euro, einen Ingenieur für 250 Euro im Monat.

Aber was ist das. Obwohl ab dem 1. Mai Unternehmen und Behörden in Deutschland Lohnarbeiter aus Polen und anderen osteuropäischen EU-Ländern zu den in diesen Ländern geltenden Löhnen beschäftigen können, kommt so recht keine Freude auf. Die faulen Superossis wollen sich gar nicht ausbeuten lassen:

Die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sehen das ähnlich. Sie haben drei Szenarien berechnet, wie sich die Migration aus Osteuropa entwickeln könnte. Selbst im Szenario mit der höchsten Zuwanderung, kommen jedes Jahr nur 134.000 Personen.

Wer hätte das gedacht. Jahrelang herrschte Angst, dass Polen und Tschechen unseren Arbeitsmarkt überfluten und Deutschen die Jobs wegnehmen, sobald wir die Grenzen öffnen. Nun ist es anders: Die deutschen Unternehmen könnten gut ausgebildete Polen, Tschechen und Slowenen dringend brauchen; es fehlt an Personal. Doch gerade jetzt zeichnet sich ab, dass die jungen und kompetenten Osteuropäer gar nicht so scharf auf Deutschland sind.

Der wichtigste Grund dafür ist, dass viele Ärzte, Pfleger, Ingenieure und Handwerker ihre Heimat längst verlassen haben – und zwar nach Großbritannien, Irland und Schweden.

Ja und selbst die Leute zum Spargelstechen und für die Gurkenflieger verdienen woanders mehr und mit leichterer Arbeit. Das ist irgendwie dumm gelaufen. Ähnlich dumm läuft es zur Zeit in der Sklaven-, Leih- oder Zeitarbeit. Die Menschen haben das System der Ausbeutung begriffen und stellen sich einfach nicht mehr zur Verfügung:

Die Zeitarbeitsbranche leidet an einem akuten Arbeitskräftemangel.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – “Viele Zeitarbeitsbetriebe klagen über erhebliche Schwierigkeiten, das benötigte Personal in ausreichender Zahl zu rekrutieren”, sagte der Präsident des Bundesverbands Zeitarbeit (BZA), Volker Enkerts, der Tageszeitung “Die Welt” (Montagausgabe). Vor allem in den Metall- und Elektroberufen sowie in den technischen Berufen, aber auch bei den in der Zeitarbeit stark vertretenen Hilfsarbeitern sei das Angebot knapp. Einer Verbandsumfrage zufolge hat sich die Anzahl der Zeitarbeiter in Deutschland am Anfang des Jahres zögerlich entwickelt.

Das ist schlecht für die die Sklavenbuden die ja davon leben, dass sie zu billigen Löhnen beschäftigte Arbeitnehmer zu hohen Löhnen an andere Buden vermieten. Dazu kommt noch die bösen Forderungen nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, der ja die Gewinne auch noch schmälern würde.

Besonders niedlich ist im Zusammenhang mit Equal Pay der Adecco-Chef De Maeseneire:

Sollten Zeitarbeiter in Deutschland grundsätzlich den gleichen Lohn wie ihre festangestellten Kollegen erhalten, muss es dafür einen Ausgleich an anderer Stelle geben. Das fordert Patrick De Maeseneire, Chef des weltgrößten Personalvermittlers Adecco, in einem Interview mit dem Handelsblatt. “Wenn wir das volle Beschäftigungsrisiko tragen und auch noch einen tariflichen Mindestlohn zahlen, dann müssen wir dafür an anderer Stelle einen Ausgleich bekommen”, sagte De Maeseneire.

Dieser könne zum Beispiel darin bestehen, dass deutsche Zeitarbeitsfirmen die gleiche Flexibilität wie in Frankreich erhalten. Dort gibt es bereits ein “equal pay”-Gesetz, die Zeitarbeiter werden aber nur auf wöchentlicher Basis beschäftigt und entlohnt. Das ist in Deutschland bislang verboten.

Ach ja, da ist er wieder der feuchte Traum vom rechtlosen Tagelöhner. Das Endziel aller Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Obwohl die CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann und Peter Tauber sogar noch einen Schritt weitergehen wollen und öffentlich die Zwangsarbeit für Hartz IV Opfer fordern:

Mit dem Ende der Wehrpflicht gibt es auch keine Zivis mehr. Um den Verlust dieser Helfer im Gesundheitssystem zu kompensieren, wollen zwei CDU-Politiker Hartz-IV-Bezieher verpflichten. Arbeitslose sollten für gemeinnützige Dienste an Stelle der bisherigen Zivildienstleistenden herangezogen werden können, finden die CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann und Peter Tauber. Zumindest haben sie den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragt, die rechtlichen Grundlagen für die ersatzweise Heranziehung von Hartz-IV-Beziehern zum Freiwilligendienst zu prüfen.

Vielleicht haben die beiden Herrschaften ja auch einen Denkanstoß von Ulrich Marseille aufgegriffen, der dank billiger Hartz IV Kräfte zum Pflegediscounter auftsteigen wollte und jetzt verbittert gegen den genannten Artikel klagt, weil die Wahrheit eben weh tut.

Für die Pflege gibt es übrigens auch noch nette neue Gedanken:

Die Union will die zumeist unerlaubte Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte in Privathaushalten nach einem Bericht der “Berliner Zeitung” legalisieren.

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Die ab 1. Mai geltende generelle Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für viele mittel- und osteuropäische EU-Staaten sei allerdings nur ein Baustein, um den betroffenen Familien zu helfen. Auch die Beschäftigung von Bürgerinnen aus Nicht-EU-Staaten soll erlaubt werden.

Konkret schlägt die Union vor, dem österreichischen Beispiel zu folgen. Dort sei die Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen durch Personal aus Nicht-EU-Staaten dann legal, wenn die Familien eine Entlohnung zwischen 800 und 1000 Euro sicherstellen sowie ein eigenes Zimmer und freie Kost anbieten. Die Sozialversicherung für die Betreuungskräfte wird dann von der Pflegekasse übernommen.

Ach ja. Ob irgendeiner in der Hornissenkoalition mal darüber nachgedacht hat, was es bedeuten würde, dieses Angebot auch für Deutsche zu öffen und den Menschen wenigstens eine eigene Wohnung zu erlauben. Aber nein. Das geht nicht. Da könnten sich ja Arbeitnehmer bereichern. Vielleicht sollten Deutsche auswandern und dann für diese Arbeit zurückkommen.

Dummerweise musste die Hornissenkoalition ja auch etwas gegen die Auswüchse bei den Ein-Euro-Jobbern unternehmen, da kleine Gewerbetreibende und das Handwerk massiv beeinträchtigt wurden:

Beim Ein-Euro-Job erhalten Langzeitarbeitslose einen Stundenlohn zwischen 1 Euro und 1,50 Euro, den sie zusätzlich zu ihren Hartz-IV-Bezügen behalten können. Der Träger, der sie beschäftigt, bekommt gleichzeitig für die Betreuung eine Pauschale von maximal 500 Euro pro Monat und Arbeitslosen.

Diese Pauschale wolle Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) jetzt auf 150 Euro kürzen, zitiert die Zeitung aus dem Gesetzentwurf. Zudem soll strenger als bisher vorgeschrieben sein, dass die Jobs wettbewerbsneutral ausgestaltet sind – dass also kein Privatunternehmen durch die staatlich bezuschusste Beschäftigung Nachteile erleidet.

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Wenn die Regierung das Gesetz in dieser Form verändere, “lassen sich die Arbeitsgelegenheiten kaum noch sinnvoll fortsetzen”, sagte Markus Keller vom Deutschen Landkreistag, der Zeitung. Die bislang gezahlte hohe Pauschale sei berechtigt, da schwierige Personengruppen beschäftigt würden.

Ja da haben sich viele mit Nebengesellschaften in den Kommunen privat eine goldene Nase an diesen 500 Euro im Monat verdient, während die Ein-Euro-Jobber noch die letzten Schuhe, Kleidung und das Fahrgeld spendieren mussten, also mit der miesen Bezahlung viel schlechter dastanden als ohne diese Zwangsarbeit.

Aber da gibt es ja nun eine neue feine Lösung. Die sogenannte “Bürgerarbeit” bei deren Einführung ja schon Meinhard Miegel für den neoliberalen Touch der wirtschaftsfaschistischen und neoliberalen INSM gesorgt hatte und die sich nun aber auch nicht wie gewollt zu einem Monster an Zwangsarbeit entwickelt, weil die bösen Gewerkschafter von Verdi für die Bürgerarbeiter Tariflöhne fordern.

Für Tariflöhne könnten die Kommunen aber auch ganz einfach normale Arbeitnehmer beschäftigen und die ganze Hartz IV Hetze würde ja keinen Spaß mehr machen. Denn Ursula von der Leyen wollte ja Billigstzwangsarbeit und nicht ehrliche Beschäftigung:

Die Bürgerarbeit droht bundesweit für Langzeitarbeitslose ein Flop zu werden.

Nürnberg (dts Nachrichtenagentur) – Von den geplanten 34.000 Bürgerarbeitern waren Anfang April erst knapp 1.400 im Einsatz, berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung” auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit. Zwar haben die Kommunen bereits rund 7.000 Stellen bewilligt bekommen, sie zögern aber mit der Einstellung. Der Grund: Die Gewerkschaften fordern eine Bezahlung nach öffentlichem Tarif.

Vom Bundesarbeitsministerium ist hingegen vorgesehen, dass Bürgerarbeiter für eine 30 Stundenwoche pauschal 900 Euro brutto erhalten. Die Kosten trägt der Bund, der insgesamt 1,3 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln und EU-Fonds zur Verfügung stellt. Die von der Gewerkschaft Verdi geforderte tarifliche Bezahlung würde die Kommunen jedoch 200 bis 300 Euro extra kosten.

Dies ist vielen zu teuer, so der Deutsche Landkreistag.

Außerdem können bei der Bürgerarbeit bisher die Herren aus den Kommunen kein zusätzliches Geld verdienen wie bei den Ein-Euro-Jobbern. Aber auch da ist Frau von der Leyen sofort zur Hilfe bereit. Denn jetzt soll die Tarifbindung dadurch unterlaufen werden, das die Hartz IV Opfer in Leiharbeitsbuden gezwungen und von dort aus an die Kommunen verliehen werden. Damit haben die alten Geschaftelhuber aus den Ein-Euro-Job Betrügereien neue Aufgaben für ihre Firmen. Die werden dann eben Sklavenbuden und sorgen weiterhin für muntere Geldflüsse.

Natürlich wird am Rande immer wieder mit dem Trostpflaster Mindestlohn gewinkt. Ursula von der Leyen kann sich Mindestlöhne für weitere Branchen vorstellen, aber natürlich keinen bundesweiten Mindestlohn. Selbst die FDP kann sich sogar bundesweite Lohnuntergrenzen vorstellen:

Der schleswig-holsteinische Arbeitsminister Heiner Garg (FDP) hat bundesweit einheitliche Lohnuntergrenzen gefordert.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Wenn die FDP näher an die Lebenswirklichkeit heranrücken will, dann müsse sie erkennen, dass im Niedriglohnbereich ein “echtes Problem” gebe, sagte Garg dem “Tagesspiegel”. Es könne nicht sein, dass es in Deutschland Menschen gibt, die acht Stunden am Tag arbeiten und sich und ihre Familien davon nicht ernähren können. “Zwei Euro Stundenlohn sind weder sozial noch liberal”, sagte Garg.

Leider hat er nicht gesagt ob er sich den Mindestlohn bei 2,50 Euro oder doch eher bei 10,50 Euro vorstellt, aber dafür weiß er, wer den Mindestlohn nicht bestimmen darf:

Was er allerdings ablehne, seien Mindestlöhne, die durch Politiker festgelegt und dadurch zum Gegenstand von Wahlkämpfen würden.

Ja klar. Die Mindestlöhne soll dann vermutlich Herr Hundt bestimmen, was bedeuten würde, dass die Arbeitnehmer Geld mitbringen müssten um arbeiten zu dürfen. Aber die FDP würde im Moment ja alles gut finden um sich über die Fünf Prozent Hürde zu mogeln. Dafür ist sie bereit jeden Meineid zu leisten. Da ist die LINKE mit ihren Erkenntnissen durch ehrlicher und liegt zumindest teilweise richtig:

Die Tariflöhne sollen den Instituten zufolge 2011 um 2 Prozent zulegen, die Preise aber um 2,4 Prozent. Das macht nach Adam Riese ein Minus bei den Reallöhnen von 0,4 Prozent. Zudem ist die Tarifbindung mit 53 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse eher schwach.

Dieser Aufschwung bleibt ein Aufschwung der miesen Jobs. Die Hälfte der neuen Jobs entsteht im Bereich der Leiharbeit, bei einem Drittel handelt es sich um Teilzeitjobs. Und mit der vollen EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai konkurrieren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der mindestlohnfreien Zone Deutschland noch stärker um die billigsten Jobs.

DIE LINKE fordert die Abwicklung der Agenda 2010 und die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von zehn Euro.

Tatsächlich ist die Inflation weitaus höher als von der LINKEN vermutet und die Lohnsteigerungen deutlich geringer als die offiziellen Zahlen zeigen. Deshalb ist auch ein Mindestlohn von 10,50 Euro im Moment das absolute Minimum. Und selbst das ehemalige Nachrichtenmagazin räumt mit den Mythen um die angebliche Schädlichkeit des Mindestlohns sehr deutlich auf:

Woher kommt die tiefsitzende Furcht vor schädlichen Auswirkungen eines Mindestlohns? Nun, jeder Ökonomiestudent lernt im ersten Semester, dass die Festlegung eines wirksamen Mindestpreises auf einem ansonsten funktionierenden Konkurrenzmarkt zu Überangebot führt. Die von der verfehlten früheren EU-Agrarpolitik geschaffenen Butterberge und Milchseen können als anschauliches Beispiel dafür dienen. Liegt es nicht nahe, diese Argumentation auf den Arbeitsmarkt zu übertragen: Wenn der Lohn eines Beschäftigten künstlich über den Marktlohn gehoben wird, dann geht der Job verloren?

Auf den ersten Blick erscheint das plausibel, ist aber allenfalls nur ein Teil der Wahrheit. Denn ein Arbeitsmarkt ist alles andere als ein idealer Markt. Arbeitskräfte und Jobs sind sehr heterogen, es herrscht ein hohes Maß an Intransparenz. Die Arbeitssuchenden wissen nicht von vornherein, wo der beste Arbeitsplatz für sie ist, und die Unternehmen wissen nicht, welcher Bewerber auf eine offenen Stelle am besten passt.

Zudem ist der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt eingeschränkt, immer ist auch Marktmacht im Spiel. Diese kann auf beiden Seiten liegen, etwa wenn Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände die Tarifverträge aushandeln. Sie kann aber auch einseitig verteilt sein, zum Beispiel wenn ein dominierender Arbeitgeber einen lokalen Arbeitsmarkt beherrscht.

Tatsächlich hat das Kapital die Politik vollständig korrumpiert. Die Gewerkschaften haben auf breitester Front versagt und damit sind die Arbeitnehmer in einer unhaltbaren Position. Wie die Lohnentwicklung sehr deutlich Zeit, werden auf Dauer die meisten Menschen in prekären Beschäftigungen sein, die zum Leben nicht reichen. Wer darüber hinaus auch noch unbotmäßig ist wird durch Zwangsarbeit behandelt und im Endeffekt sogar vernichtet. Dabei ist eigentlich klar, dass dies der falsche Weg ist und selbst in der Zeit darf schon laut gesagt werden, das höhere Löhne der gesamten Wirtschaft nützen:

Tarifpolitik Höhere Löhne helfen der gesamten Wirtschaft

Es kann nicht sein, dass sämtliche Risiken von den Arbeitnehmern getragen werden. Wir brauchen eine Trendwende bei den Löhnen.

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Das Ergebnis ist, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte während der vergangenen zehn Jahre mehr oder minder stagniert haben, und die Ungleichheit drastisch zugenommen hat. Insbesondere wurden die mittleren und die unteren Einkommen von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt. Sämtliche Erträge des Wachstums verblieben bei den oberen Einkommen, die sehr stark aus Gewinn – und Vermögenseinkommen bestehen und weniger aus Arbeitseinkommen mit stagnierenden Reallöhnen.

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Die Leistungsbilanz Deutschlands weist seither fortwährend zunehmende Überschüsse mit dem Ausland auf. Das ist ein deutliches Anzeichen für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit, da offensichtlich eine große Nachfrage nach Gütern aus deutscher Produktion besteht. Tatsächlich haben die strukturellen Leistungsbilanzüberschüsse die Stabilität des Euroraums mitgefährdet. Angebracht gewesen wären also Warnungen ob einer zu schwachen Binnennachfrage, weil die Löhne nicht stark genug gestiegen sind.

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Dabei wird dann vernachlässigt, dass mit der hieraus folgenden permanenten Lohnkompression sogar Wachstumschancen vergeben werden. Denn wenn immer nur die Löhne als Puffer dienen, kann sich die Binnennachfrage nicht entfalten.

Ein anderer Weg wäre derzeit möglich und sogar ratsam. Wenn die Löhne jetzt anstatt wieder um die Zwei-Prozent-Grenze zu dümpeln mit 3 – 3,5 Prozent zunehmen würden, würden auch die Arbeitnehmer wieder angemessen an den Wachstumserfolgen der Volkswirtschaft beteiligt und zwar ohne dass die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf den Weltmärkten abnehmen würde. Ihre Einkommen würden dann trotz des Ölpreisanstiegs wachsen und sie würden ihre Ausgaben entsprechend steigern. Das käme der seit Jahren lahmenden Binnennachfrage zugute und zwar sowohl dem Konsum als auch den Investitionen. Unser Wachstum und damit die Beschäftigung würden entsprechend höher sein. Es ginge uns allen wirtschaftlich besser.

Vielleicht ist es wirklich an der Zeit die Systemfrage zu stellen, wie es der Ökonom Tim Jackson tut, der ständiges Wirtschaftswachstum für einen Irrweg hält:

Natürlich ist es keine Wahlkampfstrategie zu sagen: Ihr werdet keinen Job haben, keine Produkte konsumieren und Urlaub im Ausland könnt ihr auch vergessen. Doch es ist eben auch keine Strategie, Jobs über einen Abbau des Sozialsystems zu sichern und dann auf eine Rettung durch die Privatwirtschaft zu vertrauen. Das führt in Großbritannien gerade zu den größten Unruhen seit den Protesten gegen die frühere Premierministerin Margaret Thatcher.

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Die Indikatoren der Finanzmärkte haben aberwitzig kurze Zeitspannen. Da geht es darum, Renditen von 15 bis 25 Prozent in Volkswirtschaften zu erzielen, die um zwei bis drei Prozent im Jahr wachsen. Das bedeutet nichts anderes als die Anhäufung von Reichtum bei einer Minderheit der Bevölkerung. Wir müssten auf langfristige und geringere Renditen umstellen, die zudem an Gemeinschaften gehen und nicht nur an einzelne Anteilseigner.

Tatsächlich sind vernünftige Renditen die auch langfristig sicher sind der einzige Ausweg. Aber in Deutschland regiert Josef Ackermann und das Großkapital. Aber auch hier findet ein Umdenken und Ackermann wird selbst von seinesgleichen als die reißende Bestie und Gefahr für alle dargestellt, die in Blogs schon lange aufgezeigt wurde:

“Eine Krise der Deutschen Bank könnte sich zu einem Fukushima des deutschen Finanzmarktes entwickeln”, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. Der Grund sei nicht die Größe des Instituts. “Der Grund ist ihre Vernetzung mit dem Investment Banking und den damit verbundenen hohen Risiken.” Diese Risiken gehörten nicht in eine Bank, die wesentlich für die Stabilität des Finanzsektors sei und die daher letztlich vom Steuerzahler gestützt werden müsste. “Diese Risiken gehören in den Investment-Bankbereich, der im Notfall ausdrücklich nicht vom Steuerzahler gestützt wird, sondern wo die Haftung ausschließlich privat ist”. Die Politik müsse daher den Mut aufbringen, eine solche Regulierung durchzusetzen.

Horn reagierte damit auf Äußerungen von Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson, der in einem Interview mit der “taz” ungewöhnlich deutlich die Krisenfestigkeit der Deutschen Bank in Zweifel gezogen hatte. „Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen”, sagte Johnson. „Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen.” Ein so hoher Gewinn sei nur möglich, weil er genau wisse, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstelle und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht.

Ackermanns Renditesucht wurde von Duckhome ja schon des öfteren angeprangert und es ist an der Zeit, dass auch die Vertreter des Systems begreifen wie groß die Gefahr ist. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass Ackermann Obrist der Schweizer Armee ist und seine Geschäftsführung zusammen mit dem Handeln des Börsenchefs und angeblicher Schweizer Wissenschaftler auch eine kriegerische Handlung sein könnte. Ein derartiger Wirtschaftskrieg ist übrigens die einzige Chance Schweizer Interessen real durchsetzen zu können.

Aber wie dem auch immer sei. Ohne ein Umdenken, ein radikales und schnelles Umdenken geht es einfach nicht mehr. Wenn es Leute gibt die diesem Umdenken im Wege stehen, dann muss ihnen die Macht genommen werden. Sind diese Leute straffällig geworden wie Ackermann und Merkel dann gehören sie vor ein Gericht. Es braucht eine Revolution, einen Aufstand der Anständigen, aber vor allem erst einmal einen anständigen Aufstand.


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8 comments

  1. curious& innocent says:

    Man erkennt an den Beiträgen von carsten deutlich das Problem: bornierte Kapitalismus Romantik durch Rosa brille betrachtet, verschliessen der Augen vd Realität=aktuelle Zustände! Eine Schande das so jemand wählen darf!!!

    Dank an Herrn Hoff für Duckhome!

  2. Manfred says:

    Die Idee mit dem Mindestlohn kann entgegen der Meinung vieler Arbeitgeber durchaus funktionieren. Allerdings müssten sich diese von der dann von der Idee verabschieden,daß z.B. 40% höhere Löhne auch 40% höhere Preise zur Folge hätte,da die Löhne ja nur einen Teil der Herstellungskosten ausmachen.Sprich: Daß ein Mindestlohn eine gewisse Teuerungsrate zur Folge hätte,wäre ja vielleicht noch akzeptabel. Allerdings sollten nur die tatsächlich entstandenen Mehrkosten auf den Preis umgelegt werden können.

  3. carsten says:

    Die Zeitarbeit generell als “Sklavenbuden” zu diffamieren, ist wohl schon ein bischen starker Tobak. Es zeigt nur Ihre Unkenntnis der Realität. Sicherlich gibt es noch Zeitarbeitsunternehmen, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln und bezahlen, die werden aber aussterben wie die Dinosaurier. Es gibt übrigens auch in allen anderen Branchen “schwarze Schafe”.

    Herr Hoff, ich könnte Ihnen genügend Beispiele nennen, wo Fachkräfte in der Zeitarbeit mehr verdienen, als “Festangestellte” im Handwerk. Von zusätzlicher Ausbeutung durch Verweigerung von Überstundenzuschlägen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, etc. will ich erst gar nicht anfangen.

    Interessant ist auch, dass Sie vehement auf die “Zeitarbeit” eindreschen, wo doch DGB und Verdi selbst Tarifverträge mit dieser schlimmen Branche abschließen.

    Im übrigen sollten Sie sich mal Konzerne vornehmen, wo im Interesse des Shareholder-Values zigs Stellen gnadenlos gestrichen werden, oder Firmen, die nach dem Abkassieren von Subventionen die Arbeitsplätze ins billigere Ausland verlagern! Das sind offenbar für Sie keine “Sklavenbuden”, sondern Wohltäter!?

    Ich plädiere seit Jahren für Equal Pay, aber es ist ja offenbar politisch gewollt, einen sog. “2. Arbeitsmarkt” zu haben, wo sich die Zeitarbeit dann mit Unwilligen, Säufern und Inkompetenten herumschlagen kann.

    1. Otto says:

      Hallo carsten.

      Die Zeitarbeit generell als “Sklavenbuden” zu diffamieren, ist wohl schon ein bischen starker Tobak

      *Nein, dass ist längst Realität.*

      Sicherlich gibt es noch Zeitarbeitsunternehmen, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln und bezahlen

      *Ja dass! stimmt. Allen voran unser im Jahre 2002 bis 2005 – Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Herr Wolfgang Clement. Tolle Sache, welche dieser Herr eingeführt hat, einfach toll. Diese Drecksseite, wo er seine Arbeitszeitfirma in aller Öffentlichkeit bewirbt möchte ich an dieser Stelle gar nicht nennen. Schande!*

      Herr Hoff, ich könnte Ihnen genügend Beispiele nennen, wo Fachkräfte in der Zeitarbeit mehr verdienen, als “Festangestellte” im Handwerk.

      *Und warum benennen Sie dann keine Beispiele?*

      Interessant ist auch, dass Sie vehement auf die “Zeitarbeit” eindreschen, wo doch DGB und Verdi selbst Tarifverträge mit dieser schlimmen Branche abschließen.

      *Hat Herr Hoff immer wieder auf duckhome.de erwähnt. Lesen Sie doch bitte einmal nach.*

      Im übrigen sollten Sie sich mal Konzerne vornehmen, wo im Interesse des Shareholder-Values zigs Stellen gnadenlos gestrichen werden, oder Firmen, die nach dem Abkassieren von Subventionen die Arbeitsplätze ins billigere Ausland verlagern! Das sind offenbar für Sie keine “Sklavenbuden”, sondern Wohltäter!?

      *Auch das wurde auf duckhome.de bereits tausendfach erörtert.*
      _

      Herr carsten.

      Entschuldigen Sie bitte! Wo leben Sie eigentlich? Ich würde Ihnen umgehend eine 360Grad Umdrehung empfehlen. Warum will denn jetzt die Bundesregierung diese sog. Drehtür schließen?

      Genau: Es soll verhindert werden, dass Festangestellte nicht aus der Firma entlassen werden, um sie dann später in einer anderen Filiale (gleiche Firma), als Leih/Zeitarbeiter für mießen Lohn wieder eingestellen werden können.

      Beispiele gibt es ja zu genüge:
      Lidl, Schlecker um nur einmal diese tollen Firmen zu nennen.

      Es wurde auf duckhome.de immer wieder – und mehrfach erwähnt, dass diverse Gewerkschaftsvertreter, auch in dirversen Konzernen sitzen. Ein Beispiel hierfür ist Lufthansa. Immer wieder wurden diese Gemeinheiten hier erwähnt. Warum, und über was beklagen Sie sich eigentlich?, Herr carsten.

      All dass, was Sie hier kritisieren, wurde auf duckhome.de ebenso mehrfach erörtert und ebenfalls kritisiert.

      Freundlichen Gruß

      1. Sigi says:

        Nein.

        Nicht alle Zeitarbeitsunternehmen sind “Sklavenbuden”. Besonders in hoeher qualifizierten Berufen werden Leiharbeiter meist recht gut bezahlt.

        Allerdings GIBT es “Sklavenbuden” und genau diesen sollte das Wasser abgegraben werden.

        Gerne auch mit “equal pay”.

    2. Jochen Hoff ( User Karma: 0 ) says:

      Sie können versuchen die Sklavenarbeit schön zu reden wie sie es wollen, es bleibt Sklavenarbeit und wenn es auch drei Hanseln gibt die als Sklaven mehr verdienen als in festen Jobs, so liegt das daran, dass die einfach zu blöd waren sich zu verkaufen.

      Die meisten Sklaven sind Leute die sich nicht wehren können und ausgebeutet werden. Das ist ja auch logisch. Schließlich müssen sie die Gewinne für die Sklavenhalter verdienen.

      1. H. Jörg says:

        Sie haben voll und ganz Recht Herr Hoff, Leiharbeit ist Sklavenarbeit. Und die paar “freie” Sklaven machen das Brot nicht fett. Da es in der Region Chemnitz so gut wie nur noch Stellen über diverse Sklavenhalter gibt, ist man gezwungen diese als Brötchengeber zu nehmen. Oder eben sich voll und ganz zu versagen. Konkret an meiner Person was es heißt ein Sklave zu sein bei einer Leihfirma. Vollkontinuierliche Schicht Mo bis So a 42 h-Woche; Lohn 7,15 Uhr gearbeitet im März 192 h bezahlt 151,67 Rest aufs Zwangskonto; Netto 831,99 dann noch den nichtsozialpflichtigen Nachtzuschlag (also nix mit Rente) von 121,55 Eur. na dann Frohe Ostern! für alle die noch keine Sklaven sind. Und immer noch nicht begreifen wollen, dass es noch dicker kommen wird. Wie schon angedeutet, die Zeit der Tagelöhner läßt nicht mehr lange auf sich warten. Danke für den gut geschriebenen Artikel. Und keiner soll Glauben ich resigniere, von dem Bischen Geld wird noch soviel ürbrig bleiben um den Strick für all die Bängster zu erwerben der nötig sein wird, wenn der Tag kommt. Also Mahlzeit, es gibt Lamm zu Ostern

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