Bahnvorstand Grube der Lüge bezichtigt

Der frühere S-Bahn-Geschäftsführer für Arbeit und Soziales, Hans-Otto Constantin, erhebt in einem offenen Brief schwerste Vorwürfe gegen den aktuellen Bahnvorstand Grube, seinen Vorgänger Mehdorn und vor allem gegenüber DB-Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Die Ausführungen Constantins sind sehr glaubwürdig und werden auch durch viele andere Aussagen von S-Bahnmitarbeitern gestützt. Deshalb der Brief im Wortlaut:

An die Verkehrssenatorin Frau Junge-Reyer
An die Fraktionen des Abgeordnetenhauses
zu Berlin

Sehr geehrte Frau Senatorin,
sehr geehrte Damen und Herren,
als mitverantwortlicher Geschäftsfiihrer der S-Bahn Berlin GmbH bis Mai 2002 weise ich entschieden die wiederholten Behauptungen des Vorstandsvorsitzenden Herrn Grube vor dem Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses zurück, es sei auf Gewährleistungsansprüche der S-Bahn Berlin GmbH an die Hersteller
der Baureihe 481 vorzeitig verzichtet worden. Das ist mehr als eine Unwahrheit. Dies hätte nach der damaligen Geschäftsordnung nur die damalige Geschäftsführung tun können. Diesen vorzeitigen Verzicht gibt es nicht. Es hätte auch gar keinen Grund dafur gegeben.

Es wurde seitens der DB ,AG in der Anhörung erneut behauptet, es habe keine elektronisches Dokumentation rur die Instandhaltung gegeben habe. Auch das ist unwahr. Wir hatten die Instandhaltungssoftware Maximo noch bevor es auch nur annähernd etwas Vergleichbares bei der DB AG gab. Es gab zu unserer Zeit nichts
Besseres. Soweit ich infolmiert bin wurde dieses System durch Herrn Thon abgeschaItet.

Falsch ist auch die Behauptung wir hätten keine Qualitätskontrolle gehabt. Nach meinen Informationen ist diese einschließlich aller wirklich tüchtigen und erfahrenen Ingenieure der gesamten Konstruktionsabteilung im Rahmen des Personalabbaues durch Herrn Thon abgeschafft worden. Sie waren aber für die
Instandhaltung und Qualitätssicherung unverzichtbar. Die S-Bahn Berlin GmbH war ein zertifiziertes Unternehmen. Das schloss insbesondere auch die Werkstätten ein. Wir haben uns einem jährlichen Audit unterzogen. Nach meinen Informationen wurde das von Henn Thon abgeschafft.

Der damalige Vorstandsvorsitzende, Herr Mehdom und der Aufsichtratsvorsitzende der S-Bahn wurden durch die damalige Geschäftsführung nachdrücklich gewarnt die Ergebnisse der OSB-Arbeitsgruppe um zu setzen. Wir waren dazu nicht bereit weil wir besorgt waren, dass die vorgesehenen Maßnahmen die S-Bahn ruinieren würden. U.A. trug uns das den Vorwurf der Konzemuntreue ein.

Niemand von uns damals Verantwortlichen kann verstehen, dass alleine in der Hauptwerkstatt die Mitarbeiter von 800 auf ca. 200, die Meistem von 26 auf 3 reduziert wurden, dazu das gesanlte mittlere Management. Damit wurde auf deren lebensnotwendiges know-how verzichtet. Die Art wie das geschah empfinde ich bis heute beschämend. Ich teile den Zorn über diese Vorgänge mit unseren damaligen hoch motivierten Mitarbeitern und schäme mich, dass die Unternehmensleitung unsere S-Bahnfamilie unverzeihlich und ziemlich rabiat zerstörte.

Leiter der OSB-Arbeitsgruppe war der von Herrn Homburg eingesetzte Herr Thon. Er sorgte auch dafür, dass Herr Thon zum Zwecke der Umsetzung des gesamten Unsinns später zum Geschäftsführer der S-Bahn und alleinzuständig für die Technik gemacht wurde. Herr Thon zwar vom Aufsichtsrat als Geschäftsführer der S-Bahn bestellt, hatte nie einen Dienstvertrag mit der S-Bahn sondern mit DB Regio. Dort war zu jener Zeit Herr Homburg Chef. Ihm gegenüber war Herr Thon mithin berichtspflichtig. Vieles spricht dafür, dass Herr
Thon nichts ohne dessen Rückendeckung veranlasst hatte. Auch deshalb ist für mich zuerst Herr Homburg in die Verantwortung zu nehmen.

Der heutige Zustand der S-Bahn war vorauszusehen. Es ist empörend dieses Debakel jetzt bei uns AltgeschäftsfLihrem abzuladen. Immerhin ist die heute völlig vermurkste Technik der 481 über 10 Jahre fast völlig störungsfrei mit einem außerordentlich hohen Verfügungsgrad, im DB Konzern ziemlich einmalig, von
weit über 90% gefahren. Sie war gepflegt, pünktlich und von unseren Kunden hoch gelobt.

Die DB AG ist bis heute nicht bereit meine Kollegen und mich aus der Verschwiegenheitsverpflichtung zu entlassen. Es durften nicht einmal in die früheren Betriebsakten im Rahmen der Untersuchungen der beauftragten Anwaltskanzlei Gleiss-Lutz eingesehen werden. Herr Grube hat uns bis heute kein rechtliches Gehör gewährt.

Ich möchte Sie auch davon unterrichten, dass die DB AG in dreister Form jetzt Schadensersatz aus der Haftpflichtversicherung eines meiner damaligen Kollegen erwirken will, die mit einer Haftungssumme von 1.5 Mrd. ausgestattet ist, dies obwohl wir gern. GmbHG gemeinsam haften. Man darf gespannt sein wie dieser
Vorgang juristisch zu bewerten ist. Es wlll sich mir nicht erschließen warum man nicht an unsere Nachfolger herangeht. Der gesamte bisherige Vorgang hat für mich längst die Qualität eines Wirtschaftskrimis des größten deutschen Staatsunternehmens. Ich staune auch über unsere Justiz. Man läuft jedem kleinen
Hühnerdieb hinterher aber ignoriert grob fahrlässige Transportgefährdung tausender Fahrgäste. Es gab Personenschäden, die nicht völlig konsequenzlos geblieben sind .

Zur Zukunft der S-Bahn Berlin GmbH warnen meine Kollegen und ich dringend davor eine Teilausschreibung vorzunehmen. Das würde eine Fortsetzung des Debakels ganz anderer Art sein, weil das S-Bahnsystem eine in sich geschlossene hoch komplexe ganzheitliche Technologie ist, die man nicht beliebig teilen kann. Wenn ausschreiben, dann ganz oder gar nicht. Das Argument der nicht finanzierbaren Investitionskosten bei einer
Vollausschreibung ist Unsinn. Wir haben damals die Investition mit Unterstützung des Bahnkonzerns selbst geschultert. Was wir konnten ist auch anderen möglich. Ich hoffe sehr, dass Sachargumente alle Fraktionen
überzeugen werden. Ich bin mit meinen Kollegen gerne bereit Ihnen diese zu liefern. Wer aber glaubt, dass ein Desaster dieser Art durch eine Vollprivatisierung ausgeschlossen werden könne, muss blind oder ein Ignorant sein, über das was sich beinahe täglich in der privaten Wirtschaft ereignet oder er verfolgt ideologische Motive. Im übrigen können solche Verkehre nur Großkonzerne mit einer entsprechenden Finanzkraft abwickeln. Jeder andere wäre mit diesen S-Bahnproblemen insolvent geworden.

Die bisherigen privaten Eisenbahnen ziehen Ihre Kostenvorteile vor allem aus den bis zu 30 % niedrigeren Personalkosten. Der § 623a BGB hatte nicht verhindert dass die Einkommen deren Mitarbeiter wesentlich niedriger sind als die der DB AG. Deshalb muss verantwortliche Politik jener die ausschreiben möchten gleichzeitig den S-Bahnern sagen wie sie eine solche Lohnabsenkung verhindern will. Andernfalls würden die Mitarbeiter der S-Bahn, die jetzt wieder mal versuchen den Karren aus dem Dreck zu ziehen, erneut im Regen stehen. Das sollte sich Berlin nun wirklich nicht einfallen lassen.

Eine Schlussbemerkung zu den Fahrmotoren. Wir hatten auch kalte schneereiche Winter. Flugschnee gab es auch damals. Es fällt auf, dass nicht alle Motoren ausgefallen sind aber wahrscheinlich die, die im Laufe der Zeit in der Instandhaltung waren. Deren Wicklungen müssen 3 mal in einen speziellen Isolierlack getaucht werden. Das scheint aber aus Kostengrunden ungenügend’ gemacht worden zu sein.

Ich mächte daran erinnern, dass unter Herrn Dr. Ludewig und Anfangs auch durch Herrn Mehdorn die Zusammenführung der BVG mit der S-Bahn versucht wrnde. Leider ist das am Widerstand der Politik gescheitert weil die DB AG die Führung dieses gemeinsamen Unternehmens beanspruchte. Das aber war damals verhandelbar und es wäre auch heute noch eine Option.

Berlin, den 10.01.2011

Hans-Otto Constantin

Dieser Brief lässt nur einen Schluss zu. Die Berliner Staatsanwaltschaft muss sofort ein Ermittlungsverfahren gegen Mehdorn, Grube, Homburg und Thon einleiten und die genannten in Untersuchungshaft nehmen da absolut die Gefahr der Verdunkelung besteht. Aber natürlich wird die Berliner Staatsanwaltschaft nichts ermitteln. Da könnte man sich ja bei der herrschenden Klasse unbeliebt machen.

Aber eines muss jedem klar sein. Die Bahn auf dem Weg in die Privatisierung ist nicht lernfähig. Sie will Kosten um jeden Preis drücken und bringt dabei auch Menschenleben bewusst in Gefahr. Wer jetzt nicht handelt, kann schon bald mit schweren Unfällen rechnen. Unfälle die sich dann Politik und Staatsanwaltschaft zuzuschreiben haben.

Es wäre das Beste, ab sofort die S-Bahn unter die Regie der BVG zu stellen und die alte Geschäftsführung, soweit sie bereit ist, wieder einzusetzen. Die Bahn bekommt ihren Fuhrpark zurück, sobald er nicht mehr benötigt wird und dies entschädigungslos, da sie ja schuld an der Misere ist. Das Land Berlin bürgt für die neuen Wagen, aber nur wenn sie in Berlin-Brandenburg gefertigt werden.

Aber auch das wird der rot-rote Senat nicht machen. Man will ja schließlich auf der nächsten Party noch eingeladen werden. Wowereit hat noch nie Engagement für die Bürger Berlins gezeigt, warum sollte er es diesmal tun und die Linke ist eh nur an Pöstchen interessiert und macht dafür alles mit.

Die Lage ist wie überall in Deutschland hoffnungslos, aber solche Briefe sind ein Trost. Was würde wohl passieren wenn dieser Mann wirklich frei reden könnte und nicht zur Verschwiegenheit verpflichtet wäre?


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6 comments

  1. Tusken says:

    Verbrecherbande!!!

    Einsperren und in den Arbeitsdient einteilen. Ich empfehle Arbeiten an den Bahnstrecken…mit der blossen Hand.

  2. Stephan H. says:

    Hm, die Texterkennungs-Software hat offenbar leider nicht optimal gearbeitet, ein bisschen manuelle Korrektur wäre schon OK.

    Zur Sache: Ich finds arm, dass Die Bahn / S-Bahn / Irgend-eine-DB-Tochtergesellschaft gegen diesen Brief juristisch vorgehen möchte. Die sollen sich lieber kümmern, dass wieder regelmäßig, zuverlässig und ausreichend S-Bahnen unterwegs sind, auch bei Eis und Schnee und im Hochsommer.

  3. reinhard says:

    ….dass Mehdorn, Grube, Ackermann, Zumwinkel und wie sie alle sonst noch heissen Verbrecher am Volk sind, dürfte doch jedem einigermassen denkenden Menschen klar sein….einschliesslich dieser geamten POlitiker-Clique…..

  4. Norbert says:

    Hallo Jochen,

    danke für den Bericht. Ich stimme Dir zu ein mutiger Mann der Herr Constantin.
    Was sollte sich ändern? Gerichtlich? Politisch?
    Es kann sich nichts ändern – es ist das System und die Korrumpierung des Systems. GELD.
    Dieser wertlose Papierkram bringt die Verantwortlichen dazu “über Leichen zu gehen”.
    Dioxin verseuchtes Fett, Abbau der erforderlichen Fachkräfte im Transport und Baubereich, demotivierend schlecht bezahlte Staatsbedienstete.
    Wir sind erst am Anfang. Was die letzten Jahre an Ausschreibungen gemacht wurde dürfte alles Bauruinen sein.
    Es wird verwaltet und hin und hergeschoben. Auf dem Papier kann man alles beweisen und vor allem seine eigene Wichtigkeit darstellen.
    Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft dient nur noch dazu weitere (für mich sinnlose stellen) zu schaffen.
    Ich darf nicht meckern. Ich lebe gut davon, dass mich nur ein Maschinentyp, ein Bearbeitungsprozess interessiert. Nur darum kümmere ich mich. Das ist Arbeit vor Ort. Da erfährt man dann von Sparmassnahmen, die einem frösteln lassen. Hier beginnt meine Betriebswirtschaft.
    Kann ich nächstes Jahr einen jungen Mann einstellen? Kann ich ihn ausbilden? Kann ich ihn bezahlen? Kann ich ihn halten? Kann ich für eine Weiterführung des Betriebes sorgen? Kann ich überleben wenn ich keinen Gewinn erziele?
    Ja, ich kann einen Meister, Techniker oder Ingineur einstellen.
    Ja, ich werde etwa zwei Jahre damit verbringen ihn auszubilden.
    Ja, er bekommt das gleiche Gehalt, gleiches Werkzeug, gleiches Fahrzeug, usw. wie ich.
    Ja, am Ende des Jahres wird der Gewinn ermittelt, Investitionen besprochen und abgezogen, Neueinstellungen besprochen und eventuell Rücklagen gebildet – der Rest wird durch die Anzahl der Anwesenden (zwei) + 1 geteilt. Ich nehm mir zwei Anteile der Angestellte erhält einen Anteil.
    Ja, der Mitarbeiter der die Leitung übernehmen will wird irgendwann den doppelten Anteil bekommen. Dafür steht er rund um die Uhr, Kunden und Kollegen, telefonisch oder vor Ort zur Verfügung.
    Nein – sonst komm ich in den Genuss SCHE…. schönzurechnen.
    Gruß aus Baden

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