Auftragsjournalismus der ZEIT in Sachen Gentechnik

Es ist schon tragisch für die ZEIT. Auf der einen Seite erweist sich alles, was sie in den letzten Jahren an neoliberaler Propaganda gebracht hat als grober Unfug und Spinnerei, die die Weltwirtschaft ruiniert haben, auf der anderen Seiten bricht ihnen jetzt zum Dank dafür die Werbung weg. Allerdings kann man gegen den Einbruch bei der Werbung etwas tun. So wie man bisher die Propaganda für die neoliberale Menschenverachtung als Inhalt verkaufte, verkauft man heute eben die Segnungen der Gentechnik.

Diesmal geht es um die BASF, vor allem aber um die Genkartoffel Amflora. Während das sogenannte Interview mit BASF-Vorstand Stefan Marcinowski nicht mehr als der übliche Verlautbarungsjournalismus ist, bei dem die Aussagen, die der Werbetreibende loswerden will, mit Fragen umgarnt werden, die eher Stichworte sind, hat der Artikel von Andreas Sentker alles das, was Propaganda, die sich als mieser Journalismus tarnt, ausmacht.

So beginnt er damit die Geschichte der Sorte Linda, die wenn es nach den Plänen der raffgierigen Firma Europlant und des pflichtvergessenen Bundessortenamtes gegangen wäre, schon seit Jahren nicht mehr existierte, obwohl Ökobauern sie dringend brauchen und die Kunden sie lieben, mit der hässlichen und schädlichen Genkartoffel Amflora zu verbindem. Propagandatechnisch ist das übrigens gut gemacht. So baut er den Eindruck auf, dass es in beiden Fällen um das gleiche gehe, was es natürlich nicht tut.

Sie sind die vielleicht berühmtesten Knollen der Republik: Linda und Amflora. Sie treiben Menschen auf die Straße und Politiker zur Weißglut. Doch könnten sie kaum gegensätzlichere Gefühle auslösen.

Dann folgen ein paar gefällige Scherzchen zur Ungefährlichkeit der Genkartoffel:

»Kein Risiko«, befand das Swedish Board of Agriculture schon im April 2004. »Es gibt keinen Hinweis darauf, dass EH92-527-1 negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt haben könnte«, schreibt die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa am 7. Dezember 2005. »Unbedenklich«, urteilt die Biologische Bundesforschungsanstalt in Braunschweig. Im Juli 2006 legte der wissenschaftliche Dienst des Bundestages einen Sachstandsbericht zur »Verbreitung transgener Kartoffeln durch Vögel« vor. Ergebnis: Das Risiko sei »vernachlässigbar«. Kurz gesagt: Vögel fressen keine Kartoffelbeeren. Gut, dass auch das geklärt ist.

Alles ist sicher kein Grund zur Aufregung. Alles harmlos. Zum Glück ist ein Propagandajournalist oft auch noch dämlich, vielleicht wollte er aber auch einem ungeliebten Auftraggeber noch einen Schlag verpassen. Man weiß es nicht, aber ist schon geradezu bildhübsch, was da noch in dem Artikel steht.

Amflora ist ausschließlich für die industrielle Stärkeproduktion vorgesehen. Vom Züchter über den Bauern bis zum Verarbeiter sei ein geschlossenes System gewährleistet, sagt BASF. Um eine Vermischung mit Speisekartoffeln zu verhindern, sollen auf einem Amflora-Acker im Folgejahr keine Kartoffeln wachsen, müssen Erntemaschinen und Transportfahrzeuge gereinigt werden sowie die Lager getrennt sein. Dennoch hat BASF die Genehmigung von Amflora nicht nur als Industrierohstoff beantragt. Reststoffe der Stärkeproduktion dienen traditionell als Viehfutter. Und um Haftungsrisiken auszuschließen, muss Amflora auch bei menschlichem Verzehr Unbedenklichkeit bescheinigt bekommen.

Ist es nicht nett. Die völlig ungefährliche Amflora muss strengstens von allen anderen Kartoffeln getrennt werden. Auf dem Acker, bei der Lagerung, beim Transport und bei der Ernte. Jedes einzelne Auge in einem Kartoffelschnipsel könnte im nächsten Jahr an jeder möglichen Stelle neu austreiben und wird dies auch tun. Bei der Ernte von Stärkekartoffeln kann der Kartoffelroder übrigens schneller fahren, weil es nicht auf Verletzungen der Schale ankommt.

Selbstverständlich kann solch ein Roder nicht auf dem Acker gereinigt werden, und damit bleibt die Gefahr, dass während der Fahrt vom Acker ungewollt die Genkartoffel in der Landschaft, vielleicht sogar auf Bioäckern verteilt wird. Aber auch die Transport-LKW und die Ladeeinrichtungen können kontanimiert sein. Es gibt keinen verlässlichen Schutz. Für niemanden. Im Gegenteil: Durch Genpatente und Auskreuzung wird ein Krieg gegen die ganze Menschheit geführt.

Während sich die Superreichen einen Tresor des jüngsten Gerichts leisten, sollen – wie bei der Weltwirtschaftskrise – die normalen Menschen und deren Leben geopfert werden um kurzfristige Profite für einige wenige zu generieren. Natürlich hilft die ZEIT gerne dabei, solange sie gut bezahlt wird. Selbstverständlich wird sie erzählen, die Werbung wäre auch so gekommen. So kommt sie aber viel sicherer.

Es wäre der ZEIT übrigens ein leichtes gewesen, ehrlichen Journalismus zu betreiben und ein Hinweis auf den Schadensbericht Agro-Gentechnik des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) geben können, der klar und deutlich warnt.

Der in Berlin vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) vorgestellte Gentechnik-Schadensbericht zeigt, dass die Nutzung der Agro-Gentechnik keinen gesamtwirtschaftlichen Nutzen bringt. Vielmehr verursacht der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen extrem hohe Kosten in der gesamten Lebensmittelkette. Sie entstehen durch stark steigende Saatgutpreise sowie erforderliche Maßnahmen zur Vermeidung drohender Resistenzen, der Trennung der Warenströme und Analysen. Dazu kommen Schäden in Höhe von einigen Milliarden US Dollar, die bei Mais und Reis durch Kontaminationen mit nicht zugelassenen Gen-Konstrukten verursacht wurden. Die allenfalls geringen Kostenvorteile beim Anbau der Gen-Saaten rechnen sich auch in der Landwirtschaft nur kurzfristig. Klare Gewinner des Einsatzes von genmanipulierten Saaten sind eine Handvoll Konzerne, allen voran Monsanto, die sich mit Patenten auf Saatgut hohe Gewinne sichern.

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW, zieht Bilanz: „Profite aus der Agro-Gentechnik ziehen nicht die Landwirte oder Verbraucher – sie fallen allein bei den Saatgutkonzernen an. Es ist nicht einzusehen, warum diese Unternehmen durch Gesetze vor einer umfassenden Haftung geschützt werden und Gen-Saaten bei der Zulassung nur völlig unzureichend auf Umweltschäden und ökonomische Auswirkungen überprüft werden. Wir fordern die Verankerung einer umfassenden Verursacherhaftung und eine Reform des EU-Zulassungsverfahrens. Angesichts solcher Zustände muss Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner den Anbau stoppen und sich dem Ansinnen der EU-Kommission, jetzt weitere Genmais-Sorten zu zulassen, widersetzen.“

Christoph Then, der als unabhängiger und kritischer Experte die Studie miterstellte, erläutert: „Insgesamt belaufen sich die Schäden durch Kontaminationen mit nicht zugelassenen Gen-Konstrukten sowie die Kosten für die notwendige Warentrennung auf etliche Mrd. US Dollar. Gleichzeitig zeigen verschiedene Studien zur Wirtschaftlichkeit des Anbaus, dass Landwirte nur in Ausnahmefällen unter eng begrenzten Bedingungen die Mehrkosten für das gentechnische Saatgut wieder einspielen können. Das gilt auch für Deutschland und auch nur dann, wenn die Koexistenzaufwendungen auf andere abgewälzt werden.“ Er ergänzt: „Gentechnik verteuert Saatgut enorm, bei Gen-Saaten steigen die Saatgutpreise weitaus schneller als bei herkömmlichen Kulturen, ohne dass sich der Ertrag entsprechend steigert.“

Ergänzt wurden diese Aussagen durch Stefan Rother, Frosta AG und Vorstand der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller: „Unsere Kunden erwarten natürliche Produkte, die ohne Gentechnik hergestellt werden. Dem wollen und müssen wir als Unternehmen nachkommen. Der unzulängliche Ordnungsrahmen im Bereich Gentechnik führt dazu, dass mittelständische Unternehmen die Risiken und Kosten tragen müssen, die durch den Einsatz der Gentechnik verursacht werden, obwohl wir sie nicht wollen.“

Deutlicher kann man es nicht sagen. Müsste die BASF sicherstellen, dass mit ihren gentechnisch veränderten Pflanzen nichts passiert, würden die sofort ihre Labore zerstören. So zerstören sie einfach unseren Lebensraum und die ZEIT hilft ihnen aus kurzfristigem Gewinnstreben dabei. Nein, man muss die ZEIT wirklich nicht mehr lesen. Ganz sicher nicht. Auf keinen Fall aber darf man sie bezahlen.

2 Kommentare

  1. Es ist schon hochgradig peinlich, wenn Herr Then als unabhaengiger Experte zum Thema Gentechnik benannt wird. Herr Then ist seit Jahr und Tag bekennender Gegner der Gruenen Gentechnik!

    Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet! Interessant!

    1. Mein lieber Freund, Herr Then wird innerhalb eines Zitates als unabhängiger Experte dargestellt. Also versuchen sie nicht ihre billigen Tricks.

      Im Gegensatz zu ihnen und der Zeit nennt Duckhome seine Quellen. Aber ich verstehe, dass es ihnen peinlich ist mit ihrem Blättchen erwischt worden zu sein.

      Aber keine Sorge, daraus könnte man einen ganzen Blog machen, wenn es nicht so langweilig wäre.

      Er ist übrigens realtiv unabhängig, er lebt weder von Monsanto noch von BASF. Wovon lebt die Zeit und wie unabhängig ist dieses Käseblatt?

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