Aufgelesen und kommentiert 2012-01-31

NDR-Doku: Der Blick hinter das „Deutsche Jobwunder“
Public Eye Award: Samsung, Tepco und Co. wegen mieser Arbeitsbedingungen ausgezeichnet
Merkels Fiskalpakt: Mit Schirm, Schmarrn und Millionen
Die lächerliche Höhe der Finanztransaktionssteuer
Deutsche Bank zockt weiterhin mit Lebensmitteln
Trauerspiel deutsche Friedenspolitik
Die Polizei, dein Freund und Helfer
Einmal jährlich kostenlos: Selbstauskünfte leicht gemacht
Merkel und Sarkozy nach Euro-Krisengipfel

Download dieser Linksammlung hier (*.doc/*.odt) zum Weiterverteilen per eMail.

NDR-Doku: Der Blick hinter das „Deutsche Jobwunder“
Sehenswertes Video. Und irgendwie ist es ja belustigend, dass bei über 8 Millionen Beschäftigte in Zeit-/Leiharbeit, befristeten Stellen, Minijobs und Solo-Selbstständigkeit dennoch weit über 80 Prozent diejenigen Parteien ankreuzen, die dafür federführend verantwortlich waren – und daran auch nichts verbessern wollen. Das Bildungssystem muss wirklich mächtig im Arsch sein in Deutschland.

Public Eye Award: Samsung, Tepco und Co. wegen mieser Arbeitsbedingungen ausgezeichnet
Ein Bericht über die Verleihung des jährlichen Schmähpreises für besonders menschenverachtende Konzerne.

Übrigens: Ist es nicht schön, wie nachsichtig sich die politisch Verantwortlichen stets bei Menschenverbrechen geben – und wie unerbittlich Arbeitslosen nachgejagt wird? (via)

Merkels Fiskalpakt: Mit Schirm, Schmarrn und Millionen
Eigentlich wollte ich auch selber etwas über diesen „jetzt endlich der Durchbruch in der EU-Krise“ schreiben. Allerdings hat Kollege Flatters bereits so herrliche Worte gefunden, dass ich ihn kurzerhand verlinken musste

Ach ja: Es dürfen Wetten angenommen werden, ob der nächste Krisengipfel erst kommende Woche stattfinden muss, oder doch schon an diesem Wochenende. Denn weder das deutsche Lohndumping, noch die damit einhergehenden deutschen Exportüberschüsse wurden auch nur erwähnt. Geschweige denn ein rigoroses „An die Kette legen“ des ruinösen Finanzgezockes. Somit kann auch der stolz verkündete Rettungsschirm, Sparkurs, Bankenabgabe, Stabilitätspakt, Reformkurs, Schuldenbremse, Einschalten des IWF, permanenter Rettungsschirm, freiwilliger Schuldenschnitt, Fiskalpakt kein Ende der Krise bedeuten. Aber Hauptsache „wir“ sparen eine halbe Billion Euro für die Bankenrettung zusammen und versenken dafür im Gegenzug die Wirtschaft, weil kein Geld für viel dringendere Ausgaben mehr vorhanden ist. Und unsere Qualitätsjournalisten berichten auftragsgemäss über die Segnungen und Souveränität, mit der Merkel uns durch die Krise führt.

Kleine Quizfrage: Wie würde wohl unsere Qualitätspresse toben, wenn die LINKE über mehrere Jahre (!) federführend solch politisches Gestümper hinlegen würde, wie es derzeit gerade die „wirtschaftskompetente“ CDU/CSU verbockt – unter tatkräftiger Mithilfe der SPD übrigens, die ebenfalls alles mit durchwinkt?

Die lächerliche Höhe der Finanztransaktionssteuer
Grosses Hallo in den heutigen Nachrichten, dass der Franzosenchef Sarkozy eine Börsensteuer von 0,1 Prozent einführen wird. Gleichzeitig haut er aber auch mal eben die Mehrwertsteuer gegen den Pöbel um 1,6 Prozent nach oben – auf nunmehr 21,2 Prozent. „Alle Franzosen müssen also für jedes Produkt ihres täglichen Bedarfs 21,2 Prozent Mehrwertsteuer bezahlen, während der Händler an der Börse für seine Spekulationen gerade einmal 0,1 Prozent auf seinen Umsatz aufwenden soll.“

Da stellt sich doch die Frage: Warum muss der Pöbel eigentlich auf jeden Mist seine 7 oder 19 Prozent Mehrwertsteuer latzen, während das Finanzgezocke mit lächerlichen 0,1 Prozent besteuert wird – falls diese Finanztransaktionssteuer in Deutschland überhaupt jemals Realität wird? Auch jedem Handwerker und Kleinbetrieb müssten doch die Haare zu Berge stehen, wenn er auf alle seine Tätigkeiten saftige 19 Prozent Umsatzsteuer abführen muss – aber die ruinösen Finanzjongleure zahlen gar nichts. Oder vielleicht irgendwann mal 0,1 Prozent, gegen die sie sich auch noch mit allen Mitteln zur Wehr setzen. Wie ist das eigentlich noch vermittelbar?

Deutsche Bank zockt weiterhin mit Lebensmitteln
Warum auch nicht? CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE finden das toll, haben sogar extra Gesetze gemacht damit man mit Lebensmittelgezocke Rendite scheffeln kann und über Parteispenden und -sponsoring fällt von diesen Lebensmittelspekulationen sogar wieder was in die Parteikasse zurück. Eine Win-Win-Situation für alle. Und genau deshalb wurde auch bis heute kein einziges Gesetz voran getrieben, welches solche Verbrechen schärfstens verbietet.

Unnötig zu erwähnen, dass einzig die LINKE keine Parteispenden von Konzernen annimmt, um halbwegs neutrale Politik ohne derart negative Einflüsse machen zu können. Aber zum Glück wählt die ja kaum einer

Trauerspiel deutsche Friedenspolitik[/url]
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat bestimmt, dass die SPD nach der Bundestagswahl 2013 keine Koalition mit der Linkspartei eingehen werde und “begründete“ seine Entscheidung damit, dass die LINKE „wenig berechenbar“ sei. Um zu verstehen, was damit gemeint ist, hilft ein Blick zurück zur Bundestagswahl 2009: damals hatte SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier eine Koalition mit der Linkspartei ausgeschlossen, weil ihnen das positive Bekenntnis zur Kriegstreiberei der NATO fehle und die LINKE die zunehmend undemokratischen Entwicklungen in der EU skeptisch gegenüberstand.

Weil viele SPD-Wähler Krieg eigentlich auch nicht so richtig gut finden, bemüht sich die SPD-Spitze darum, dies rhetorisch zu verschleiern. Es ist dann von “Wahrnehmung internationaler Verantwortung“[/url] oder “Erfüllung humanitärer Pflichten“ die Rede. Die Nicht-Unterstützung von NATO-Kriegen gilt SPD-Bossen wie Sigmar Gabriel als “Ruinieren des Ansehens der deutschen Außenpolitik.“

Ein deutlich verlässlichere Kriegspartner sind hingegen die GRÜNEN. Seit den Zeiten von Joschka Fischer und dem Krieg gegen Jugoslawien braucht die NATO Krieg bloss als „humanitären Einsatz“ zu etikettieren, und schon ist die olivgrüne Kriegspartei – Fraktions-Chef Jürgen Trittin voran – mit Hurra-Rufen dabei. Und selbst wenn es für Rot-Grün (erwartungsgemäss) nicht reichen sollte, steht noch die CDU als williger Kriegsbewilliger bereit. So verwundert es nicht, dass die SPD bereits ankündigte, keinen Wahlkampf gegen Merkel machen zu wollen.

Die Polizei, dein Freund und Helfer
Oder auch: „Wenn ich das nächste Mal in eine Situation komme, wo jemand Hilfe braucht, schaue ich in eine andere Richtung.“

Einmal jährlich kostenlos: Selbstauskünfte leicht gemacht[/url]
Wer gerne wissen möchte, welche persönlichen Daten bei diversen Unternehmen (Schufa, Banken, Versicherungen, usw.) gespeichert sind, kann man die Webseite selbstauskunft.net[/url] nutzen. Kostenlos bieten diese einen Service an, der knapp 50 Unternehmen nach den Daten abfragt – und diese Unternehmen einem dann sämtliche gespeicherten Daten kostenlos (!) per Post nach Hause schicken müssen (Bundesdatengesetz). Selbst wenn man Anfragen unter falschem Namen anfordert, werden diese somit nicht an diese falsche Person geliefert.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt über den Betreiber von „selbstauskunft.net“: „Julian Kornberger ist in der Szene kein Unbekannter: Er macht Datenkraken schon seit Längerem das Leben schwer. 2009 hat er unter anderem Arcor und das BKA wegen umstrittener Internet-Sperrverträge verklagt und wurde als Webhoster von der Vorratsdatenspeicherung freigesprochen. Außerdem hat er auch Wikileaks einen Server gesponsert. Entsprechend transparent gibt er sich auf Selbstauskunft.net.“

Und zu guter Letzt:

Merkel und Sarkozy nach Euro-Krisengipfel

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.