Analyse: Die tatsächlichen Arbeitsmarktzahlen April 2012

Die Ana­lyse der Arbeitsmarktzahlen von Sybilla.

Zuvor zum Anhören, Kabarettist spricht bei DGB-Kundgebung zum 1. Mai:
Schramm fordert Mindestlohn

Arbeits­markt April 2012

Die offi­zi­ellen Zahlen des Pres­se­diensts der BA im Detail betrachtet

Offi­zi­eller BA — Zah­len­be­richt für April 2012 Seite 54

5.346.314 Per­sonen müssen im April 2012 ALG I (825.909) oder ALG II (4.520.405) Hil­fe­leis­tungen beziehen

3.953.803 Per­sonen sind laut offi­zi­ellen BA – Bericht April 2012 unter­be­schäf­tigt das sind
9,3 %

2.963.325 Per­sonen werden nach § 16 SGB III als arbeitslos in der offi­zi­ellen BA Sta­tistik erfasst.


Laut vor­läu­figer Schätzung/​Hochrechnung der BA sind im April 997.039 Per­sonen Teil­nehmer an aus­ge­wählten Maß­nahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik

Laut vor­läu­figer Schätzung/​Hochrechnung der BA sind im April 997.039 Per­sonen Teil­nehmer an aus­ge­wählten Maß­nahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik

Leis­tungs­emp­fänger 7.057.496 (End­gül­tige Werte stehen erst nach einer War­te­zeit fest. Am aktu­ellen Rand können die Daten auf­grund von Erfah­rungs­werten über­wie­gend hoch­ge­rechnet werden.)

Arbeits­lo­sen­geld bei Arbeits­lo­sig­keit 825.909 Per­sonen (Minus)

– erwerbs­fä­hige Leis­tungs­be­rech­tigte 4.520.405 Per­sonen (Plus)

– nicht erwerbs­fä­hige Leis­tungs­be­rech­tigte 1.711.182 Per­sonen (Plus)

( nicht berück­sich­tigt sind Leis­tungs­emp­fänger von Wohn­geld, Kin­der­zu­schlag, Grund­si­che­rung im Alter, Sozi­al­hilfe SGB XII…)

Zahl der offenen Stellen — 499.000 Arbeitsstellen

BA Bericht April 2012 Seite 10/​11 — 2.1 Gemel­dete Arbeitsstellen

Nicht sai­son­be­rei­nigt belief sich der Bestand im April auf 499.000 Arbeitsstellen.

In der Job­börse (Samm­lung diverser Job­börsen) der BA sind 816.079 (Stand 02.05.12) offene Arbeits­stellen bekannt.

(darin ent­halten sind 499.000 offene Arbeits­stellen des BA– Berichts April 2012 zusätz­lich gibt es noch 317079 offene Arbeits­stellen die nur in der BA Job­börse erscheinen)

Zudem sind in der Job­börse der BA 226.353 Aus­bil­dungs­plätze (Stand 02.05.12) bekannt.

Manche Medien fabu­lieren von mehr als 1,5 Mil­lionen offenen Stellen diese Zahl ist nur durch ein­fäl­tige und nicht zuläs­sige Addi­tion der BA Zahlen oder durch Daten­re­dun­danz (mehr­fa­ches Zählen der glei­chen Stel­len­an­ge­bote in ver­schiednen Job­börsen) möglich.

Nachdem die Früh­jah­res­be­le­bung am Arbeits­markt wei­terhin sehr mar­ginal aus­ge­fallen ist. Müssen im April 2012 fort­wäh­rend 5.346.314 Per­sonen ALG I oder ALG II beziehen

Alleine mehr als 4,5 Mil­lionen erwerbs­fä­hige Per­sonen müssen Hartz IV Leis­tungen beziehen. Die Unter­be­schäf­ti­gung ver­harrt bei ca. 4 Mil­lionen Personen.

Ist oder war Deutsch­land tat­säch­lich auf der Schnell­straße zur Voll­be­schäf­ti­gung (Rekord­be­schäf­ti­gung) ist das ein Job­wunder? Herrscht tat­säch­lich ein Mangel an Fach­kräften oder wird dieser nur sug­ge­riert? Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung die unfrei­wil­lige Früh­ver­ren­tung und der völlig aus­ufernde Nied­rigst­lohn­be­reich senken die Zahl der offi­ziell regis­trierten Arbeits­losen ab. Hin­gegen auch die Voll­zeit­be­schäf­ti­gung immer weiter absinkt die Teil­zeit­be­schäf­ti­gung und Leih­ar­beit boomt.

Der sta­tis­tisch erfassten Arbeits­lo­sig­keit stehen 7.057.496 Leis­tungs­emp­fänger im Leis­tungs­bezug im Recht­kreis SGB II/​SGB III als (ALG I, ALG II, Sozi­al­geld) gegen­über das sind rund 63,33% mehr Leis­tungs­emp­fänger als im Dezember 2004. (Ohne Sozi­al­hilfe diese im Jahr 2004 als auch im Jahr 2011 rund 1 Mil­lion Per­sonen erhalten haben)

Fak­ten­check „Jobboom“

„Es wird ein­fach weg­de­fi­niert, dieser hohe Berg von Arbeitslosen“

„Es wird ein­fach weg­de­fi­niert, dieser hohe Berg von Arbeits­losen“ Pro­fessor für Sta­tistik über den Zah­len­schwindel der Bun­des­agentur für Arbeit.

(Die gewonnen Erkennt­nisse des Inter­views vom Mai 2011 sind auch im April2012 zutreffend.)

Unter 3 Mil­lionen Arbeits­lose und so

Der „Beschäf­ti­gungs­boom“ Aty­pisch Beschäf­tigte (in Mio.) nach Erwerbs­formen in den Jahren 1999, 2008 bis 2010 Balkendiagramm

45 Jahre Arbeit = 140 Euro Rente

Neue Zahlen zum deut­schen Nied­rig­lohn­sektor kur­beln die Debatte um den Min­dest­lohn an. Knapp acht Mil­lionen Beschäf­tigte müssen mit weniger als 9,15 Euro brutto pro Stunde auskommen,…

In den gleich gestimmten Sys­tem­me­dien wird im Gleich­klang vom Schla­raffen– und Job­boom­land Deutsch­land berichtet. Über acht Mil­lionen von pre­kären Beschäf­ti­gungen werden zum Job­boom. Die Rege­ne­ra­tion der Wirt­schaft nach dem tiefsten Absturz des BIP in der Bun­des­re­pu­blik wird zum Auf­schwung xxl. Aber Ach­tung im 4. Quartal 2011 gab es ein Minus­wachstum des BIP von 0,2 %.

Auch im 1. Quartal 2012 wird anders als in vielen Medien gehorsam ver­kündet kein Wachstum des BIP erwartet. (Die deut­sche Kon­junktur hat im Win­ter­halb­jahr an Schwung ver­loren. Die aktu­ellen Pro­duk­tions– und Auf­trags­zahlen lassen für das erste Quartal 2012 keinen realen Zuwachs des saison– und kalen­der­be­rei­nigten Brut­to­in­lands­pro­duktes erwarten, — BA Bericht April 2012 Seite 6 oben)

Von Monat zu Monat wird den Ver­brau­chern gute Kauf­laune attes­tiert. Diese Beein­flus­sung hat dass Ziel, die Kon­su­menten und Ver­brau­cher zum gewünschten Ver­halten zu ver­an­lassen Das Weih­nachts­ge­schäft das laut Medien so stark brummte wie seit Jahren nicht, schloss dann doch mit einen deut­li­chen Umsatz­minus im Ein­zel­handel ab. Real­lohn­er­hö­hungen werden nur rech­ne­risch durch die Ein­be­zie­hung der Kurz­ar­beit erreicht, die Preise für Heizöl und Auto­kraft­stoff /​Benzin) eilen von Rekord­hoch zu Rekordhoch.

Der „vor­bild­liche“ Tarif­lohn­ab­schluss im Öffent­li­chen Dienst wird den Beschäf­tigten im ÖD in 2012 weniger als 1 % an Real­lohn­zu­wachs bescheren, abzüg­lich des exor­bi­tant hohen Anstieg der Ener­gie­kosten bleibt von den „vor­bild­li­chen“ Tarif­lohn­ab­schluss nichts übrig.

Die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung wird bei Kin­der­armut und Erwerbs­fä­higen ein­fach zum Refor­mer­folg umgedeutet.

So weit die schön gemalte Welt der Mythen und Mär­chen jene in den Sys­tem­me­dien ver­kündet werden.

Die Nomen­klatur aus Wirt­schaft, Wis­sen­schaft, Politik und die gleich gestimmten Medien feiern eupho­risch die „Rekord­be­schäf­ti­gung“ auf­ge­bläht durch mehr als acht Mil­lionen Mini und Midi und Teil­zeit­jobs obwohl ihnen bewusst sein sollte, dass viele von ihrer Arbeit nicht leben können. 3 Euro 18 in der Stunde ver­dient eine Fri­seurin in Thü­ringen, oder 4 Euro 58 in der Stunde für eine Flo­ristin in Brandenburg.

Mehr als 20 Pro­zent aller Erwerbs­tä­tigen sind im Nied­rig­lohn­be­reich beschäf­tigt, Ten­denz schnell anstei­gend. Einen unbe­fris­teten, sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tigen Arbeits­platz haben nur noch 60 % aller Erwerbs­tä­tigen. Der „Job­boom findet vor allem in Mini­jobs und der Leih und Zeit­ar­beit statt. Die BA Sta­tistik ver­steckt viele Men­schen in Ein-​Euro-​Jobs, Bür­ger­ar­beit oder anderen arbeits­markt­po­li­ti­schen Maß­nahmen oder Beschäftigungsgesellschaften.

Ebenso werden diverse Gruppe von Arbeits­losen (über 58 jäh­rigen und die unter 25 Jäh­rigen) aus der Sta­tistik aus.. Andere haben sich nach dem aus­laufen des Arbeits­lo­sen­geldes I von den Job­cen­tern zurück­ge­zogen, sie sind zwar auf der Suche nach Arbeit, aber sie sind nicht im Sinne des SGB II bedürftig. Dazu gehören Frauen/​Männer die über „Ver­mögen“ ver­fügen oder deren Partner ein „Ein­kommen“ erzielen das über der Grund­si­che­rung liegt.

Viele Arbeits­lose werden mit pre­kären Job­an­ge­boten im Nied­rigst­lohn­sektor über­häuft. Nach dem Motto: Kann die Arbeit von anderen noch bil­liger erle­digt werden? Auch die Zahl der Woh­nungs­losen nimmt auf­grund von Armut zu.

Wer das kom­plette Zah­len­werk der BA detail­liert betrachtet, wird dann doch sehr ernüchtert.

Ent­gegen der poli­ti­schen und medialen Lob­ge­sänge ist die Lage am Arbeits­markt, im beson­derem im Nied­rigst­lohn­be­reich, bei weitem schlechter als von Politik und Mas­sen­me­dien den Bür­gern sug­ge­riert wird.

Quelle der Zahlen: BA – Monats­be­richt April 2012

Eines ist für mich kris­tall­klar, das soge­nannte Job­wunder steht nur auf dem Papier des Pres­se­dienstes der BA. Es ist einer krea­tiven Sta­tistik und pre­kärer Beschäf­ti­gung in Mini und Bil­lig­jobs entsprungen.

Die Version der Bundesagentur für Arbeit für April 2012

Erstellt von Sybilla am 2.05.12

Jeder darf diesen Bericht unter Hin­weis auf die Autorin frei verwenden

Siehe auch: Jubel! Arbeitslosigkeit endlich besiegt!

Bilanz der jüngsten Hartz-IV-Neuregelung – Eine politische Mogelpackung und ein soziales Placebo

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