Am Ende des Tages

Einmal im Jahr herrscht sehr großer Andrang im Jyllande. Abertausende Touristen treffen in Ringkøbing ein, strömen Richtung Fjord und verteilen sich nach und nach in die umliegenden Ortschaften. Grund: Diese dänische Region ist ein riesiges Freilichtmuseum und einmal im Jahr findet dort ein großer Wikingermarkt statt.

Neben üblichem Konsum-Klüngel gibt es allerdings eine „Attraktion“ die jedem die Möglichkeit bietet aus diesem Konsumwahn für eine Woche zu entfliehen. Zwar finden sich dort auch immer wieder Teilnehmer die das Ganze als „Urlaub für Individualisten“ ansehen, aber sie stellen auch recht schnell fest, dass dies so rein gar nichts mit Individualismus zu tun hat. Die Meisten ziehen es bis zum Ende durch – schließlich hat man ja dafür „bezahlt“. Ich sage es ist die falsche Herangehensweise. Aber gut, jedem so wie ihm beliebt.

 

Ein Leben zu führen, welches auf allen Luxus, auf alle Annehmlichkeiten verzichtet ist nicht Jedermanns Sache. Oder besser: Kaum noch vorstellbar.

Kein Handy, kein Internet, kein fließend Wasser, keine Toilette wie gewohnt, kein Supermarkt, kein Amazon und Zalando. Alles müsste per eigener Hände Arbeit verrichtet werden, wenn man so etwas tatsächlich richtig durchziehen will. Eine Woche hingegen – ein Witz; und trotzdem verlassen viele Besucher, nach abgelaufener Zeit, mit glänzendem Stolz in den Augen das Eisenalterdorf. Das ist auch in Ordnung. Die Wenigsten von ihnen sieht man jedoch ein zweites Mal.

 

Mit den heutigen Annehmlichkeiten haben viele Menschen einfach zu viel wesentliches verlernt. Haben sich „einlullen“ lassen und fühlen sich sicher. Wie sicher sie sind, stellen sie schnell fest, wenn der Strom einmal für mehrere Stunden ausfällt. Keinen spontan heißen Kaffee zur Hand, kein Telefon, kein Internet, kein warmes Wasser. Und schon sind sie aufgeschmissen, werden trübsinnig und wissen nichts mit ihrer „geschenkten“ Zeit und mit sich selbst mehr anzufangen. Solche Umstände stimmen mich traurig. Es ist doch gar nicht so schwer einen Kaffee ohne Strom zu kochen; nicht schwer Wasser zu erwärmen oder sogar Essen zu kochen.

 

Mir fällt es schwer zu verstehen, warum viele Menschen sich und ihr Können und Wissen so gering einschätzen und in eine solche Abhängigkeit verfallen. Sicherheit ist etwas, was man sich selbst – mindestens als Notwendigkeit – gewährleisten muss und kann. Da braucht es niemandes Dienstleistung für. Eigenverantwortung. Aus der eigenen Verantwortung heraus Freiheiten schaffen heißt „anpacken“, die eigenen Hände arbeiten lassen. Schaffe ich das, ist ein Stromausfall eben „geschenkte“ Zeit. Ein Geschenk für mich und auch für andere.

 

 

 

Am Ende des Tages, am Ende des Lebens, schaue ich zurück und kann voller Stolz sagen: Das habe ICH geschafft, dies habe ICH getan.

 

Informationen:

http://www.hvidesande.dk/de/bork-vikingehavn-gdk603216

https://youtu.be/b8sP7k0QWxM

 

 

Ég heiti Tilda Braknør
Sjáumst síðar. Bless!

 

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